Torque Vectoring

Getriebe von Getrag

Foto: Reinhard Schmid 4 Bilder

Mit dem Prototyp eines Verteilergetriebes an der Vorderachse lässt Getrag einen frontangetriebenen Mini Cooper S wie einen Hecktriebler fahren.

Fronttriebler können nicht driften, zumindest nicht durch Gasüberschuss. In dieser Situation schieben sie über die Vorderräder. Nur mutwillige Lastwechsel oder ein beherzter Griff zur Handbremse lassen das Heck kurz schwingen – so der übliche automobile Wissensstand. Nur schert sich der Mini Cooper S von Getriebespezialist Getrag nicht um dieses vermeintliche Dogma. Wer bei ihm im Kurven-Scheitelpunkt kräftig aufs Gas tritt, erlebt, wie der reine Fronttriebler sanft mit seinem Po schwingt und den Winkel sogar hält. Ein tierischer Spaß.

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Technik Mini-Prototyp von Getrag Verteilergetriebe an der Vorderachse
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Ein Wunder? Nein, geschicktes Ausnutzen physikalischer Gesetzmäßigkeiten. Die Getrag-Techniker haben in den Mini den Prototyp eines Torque-Vectoring-Getriebes eingebaut. Was bisher nur einigen heckangetriebenen Autos zu agilerem Einlenken verhilft, sorgt im Mini an der Vorderachse auf Wunsch für sehr lebendiges Handling. Die Theorie hinter dem Twinster getauften System ist simpel: Wird das kurvenäußere Rad aktiv stärker beschleunigt als das kurveninnere, versucht das Auto, sich um das innere Rad zu drehen. Es entsteht also ein Hebel (Giermoment), der das Heck nach außen zieht.

Gibt man mehr Gas, bleibt das Heck draußen

Und zwar bis zu dem Punkt, an dem die Vorderräder keine weitere Kraft mehr übertragen können. Wie stark das Ganze wirkt, können die Getrag-Techniker nach Gutdünken einstellen: von einer reinen Neutralitäts-Steigerung bis zum wilden Drift. Anstatt des Differenzials sitzt in der Vorderachse ein hydraulisch aktuiertes Verteilergetriebe mit zwei Lamellenkupplungen, die die Kraft im Zugbetrieb frei den beiden Rädern zuteilen können. Im Schubbetrieb wird das Motorschleppmoment genutzt.

Der Aufwand, auch bei Bauraum und Gewicht, hält sich in Grenzen. Das elektronisch geregelte System eliminiert auch weitgehend Lenkeinflüsse, wie sie bei üblichen passiven Sperrdifferenzialen auftauchen. Vor allem hievt es den Mini auf ein nochmal höheres Fahrspaß- und, bei geschickter Anwendung, Fahrsicherheitsniveau. Die ersten Automobilhersteller sind laut Getrag schon mit dem Prototyp gefahren. Mal schauen, wer uns den Spaß gönnt.

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