11 Sportwagen im großen Handling-Test

Wer sind die wahren Fahrspaß-Könige?

Handling-Check, Teilnehmer Foto: Rossen Gargolov 55 Bilder

Gutes Handling ist die Königsdisziplin im Sportwagenbau, in Tests aber nur ein Mosaikstein für die Endabrechnung. Für diese elf rücken wir es nun in den Mittelpunkt: Wer erreicht es inwieweit? Und wer ist Meister darin?

Wenn wir ehrlich sind, versteifen wir uns manchmal zu sehr auf die Rundenzeit als solche. Ein paar Zehntel schneller hier, ein paar dort, und schon wird der Betreffende ausgelassen als sportlicher Fortschritt gefeiert. Das ist nicht verwerflich, ganz im Gegenteil, aber es ist eben nur die halbe Wahrheit, die eine Seite der Medaille, die wir hier Monat für Monat in Form von Wertungspunkten verleihen. Diese Geschichte widmet sich nun der anderen.

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Lassen Sie es mich so erklären: Eine Rundenzeit, egal ob sie nun in Hockenheim oder sonst wo passiert, setzt sich aus zwei Elementen zusammen – einem quantitativen und dem qualitativen. Ersteres versteht sich als rein mathematisches Produkt aus Längs-, Negativ- und Querbeschleunigung, lässt sich in Minuten und Sekunden ausdrücken und ist letztlich das, was unterm Strich zählt – die harte Währung, das Ziel. Das zweite, das qualitative Element, versteht sich indes als Weg dorthin.

Handling-Check, Teilnehmer
Kann Porsche Ferrari schlagen? 2:36 Min.
Handling-Check, Teilnehmer Foto: Rossen Gargolov
Am Start sind elf Autos aus elf Kategorien vom Kleinwagen bis zum SUV, vom GT bis zum Supersportler.

Wie man gutes Handling misst

Es ist deutlich abstrakter, schwammiger – nichts, was man einfach mal in die Stammtischrunde werfen kann wie eine Nordschleifenzeit; kein wirkliches Maß für Fahrdynamik, aber maßgebend dafür – in einem Wort: Es ist das Handling, dem wir uns mit dieser illustren Gesellschaft auf die Spur begeben.

Nur: Was ist Handling überhaupt? Übersetzt bedeutet es schlicht Fahrverhalten, was für eine hinreichende Definition aber ein bisschen zu eindimensional erscheint. Einerseits beschreibt es natürlich die Qualität des Autos, wie es sich bewegt – geschickt, plump, leichtfüßig. Aber es geht eben auch darum, wie es sich bewegen lässt. Mit anderen Worten: Handling ist ein Gesamtkunstwerk aus fahrerischer Aktion, automobiler Reaktion und umgekehrt, ein permanentes Hin und Her zwischen Maschine und Mensch. Und weil sich dieses Wechselspiel auf gerader Strecke eher beruhigt, ist es vor allem in Kurven relevant – was es wiederum von der Motorleistung emanzipiert. Weitestgehend zumindest, aber das wird sich noch zeigen.

Die Schwierigkeit: Auch wenn sich Handling zweifelsfrei klassifizieren lässt – über gut oder schlecht gibt es praktisch nie zwei Meinungen, das lehrt der Testalltag mit den Kollegen – in Zahlen ausdrücken lässt es sich nicht. Der Slalom, der ja gemeinhin als Handling-Prüfung gilt, deckt nur eine von vielen Facetten ab, und Rennstrecken sind in aller Regel nie facettenreich genug, um die anderen zu ergänzen.

Handling-Check, Teilnehmer Foto: Rossen Gargolov
Wir verlassen wir diesmal unser Wohnzimmer in Hockenheim und verfrachten unsere Elfer-Truppe nach Anneau du Rhin - eine kleine Rennstrecke im Elsass, die Handlingschwächen schonungsloser aufdeckt.

Handling-Test in Anneau du Rhin

Nehmen Sie nur mal Hockenheim: Der Kleine Kurs eignet sich prima, um die Performance, also die gesamte Performance eines Testkandidaten herauszufahren, eine wirkliche Handling-Prüfung ist er für die meisten aber nicht. Dazu sind viele Kurven zu eckig, und vor allem zu weit voneinander entfernt, sodass sich ein Auto vor jedem Einlenkvorgang immer wieder neu sortieren kann. Bestimmte Schwächen bleiben so unter Umständen unentdeckt.

Aus diesem Grund verlassen wir diesmal unser Wohnzimmer und verfrachten unsere 11 Sportwagen im großen Handling-Test nach Anneau du Rhin – eine kleine Rennstrecke im Elsass, die sich in verschiedenen Konfigurationen zusammensetzen lässt. Unsere Variante ist ein 1,841 Kilometer langer Mickymaus-Kurs mit einer engen Rechts-links-Kombination, einem fixen Rechtsknick, zwei rechten Winkeln direkt nacheinander und drei 180-Grad-Kehren unterschiedlicher Weite, die potenzielles Untersteuern – den Todfeind guten Handlings – schonungslos offenlegen.

Hier werden zunächst Rundenzeiten ermittelt, wobei es – aus eingangs erörterten Gründen – weniger um die schnellste Gesamtzeit geht als vielmehr um die einzelnen Sektoren: sieben an der Zahl. Sie sind so definiert, dass sich nicht nur die Unterschiede in unterschiedlich gearteten Kurven herausarbeiten lassen, sondern auch mit dem Ziel, alle Abschnitte, in denen es rein um Längsdynamik geht, weitgehend auszuklammern. Die Idee dahinter: Wenn sich Handling schon nicht messen lässt, umzingeln wir es eben.

Elf Sportler im Handling-Check

Fahrzeuge
Opel Corsa OPC, Honda Civic Type R, Audi TTS
BMW X6 M, Porsche Panamera GTS, BMW M6 Competition
Jaguar F-Type AWD, BMW M4, Toyota GT86
Porsche Boxster Spyder, Ferrari 488 GTB

10 Handling-Talente und ein brandneuer Ferrari

Am Start sind elf Autos aus elf Kategorien vom Kleinwagen bis zum SUV, vom GT bis zum Supersportler – aber nicht irgendwelche: Zehn von ihnen haben wir nominiert, weil sie im Rahmen verschiedenster Testformate mit positiven Handling-Eigenschaften aufgefallen sind. Nur einer, der Ferrari bekam einen Freifahrtschein. Warum? Nun, ehrlich gesagt, braucht eine gute Geschichte immer auch ein Zugpferd, und ein flammneues Cavallino rampante mit dem stärksten Turbomotor in der Geschichte des Gestüts ist sicherlich nicht das schlechteste. Zum anderen darf aufgrund seiner agilen Vorgänger durchaus angenommen werden, dass der 488 GTB so fehl am Platze hier nicht sein wird.

Bliebe eine Frage: Wo sind AMG und Lotus? Die Briten waren für eine Handling-Story natürlich gesetzt. Allerdings stecken Elise und Exige gerade in einer Modellpflege und konnten es daher auf die Schnelle nicht einrichten. Auch die Teilnahme eines Mercedes scheiterte letztlich am Termin: Alle AMG GT waren für den Zeitraum bereits anderweitig verplant, die anderen infrage kommenden Modelle unserer Meinung nach nicht erste Wahl.

Fazit

Eigentlich hätte es zwei Meinungskästen geben sollen, doch dann haben wir festgestellt, dass wir wie immer, wenn es ums Handling geht, völlig einer Meinung sind. Dennoch: Definieren lässt es sich so einfach nicht, das war vor dieser Vergleichsorgie so, und ist es danach. Die Frage ist vielmehr, wie man es versteht: Geht es um gefühltes Handling, um fetziges Landstraßengekurve, genügen der TTS, der Corsa OPC, der F-Type R und – in seinem Rahmen – sogar so ein X6 M. Versteht man es jedoch in Bezug auf das Ausreizen der Maximalperformance, gehört mehr dazu. Dann braucht es Biss beim Einlenken, Traktion beim Herausbeschleunigen und dazwischen Geschick im Umgang mit der Ideallinie. Ein Civic kann das, der M6 neuerdings auch, und freilich der Ferrari. Doch es gibt vier, die herausstechen. Das sind der M4 und der GT86, zwei echte Fahrspaßdynamiker, die Kurven mit Vorliebe Seitenfenster voraus angehen. Und es sind die zwei Porsche: eine Zwei-Tonnen-Limo, die in Kurven sogar dem 488 GTB einheizt, und der Boxster Spyder, der alles mit sich machen lässt, alles richtig macht und beide Handling-Facetten beherrscht: die gefühlte ebenso wie die performancebezogene.

Übersicht: 11 Sportler im Handling-Test
Technische Daten
Opel Corsa 1.6 Turbo OPC Honda Civic Type R Type R GT BMW X6 M M Porsche Panamera GTS GTS BMW M6 Coupé M6 Jaguar F-Type R Coupé R BMW M4 Coupé M4 Toyota GT86 Ferrari 488 GTB Coupé
Grundpreis 24.930 € 37.850 € 125.600 € 124.689 € 129.600 € 107.200 € 76.400 € 32.400 € 215.683 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4036 x 1736 x 1479 mm 4390 x 1878 x 1466 mm 4909 x 1989 x 1689 mm 5015 x 1931 x 1408 mm 4898 x 1899 x 1374 mm 4470 x 1884 x 1311 mm 4671 x 1870 x 1383 mm 4240 x 1775 x 1285 mm 4568 x 1952 x 1213 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 1090 l 475 bis 1404 l 580 bis 1525 l 445 bis 1263 l 460 l 408 l 445 l 243 l 230 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1996 cm³ / 4-Zylinder 4395 cm³ / 8-Zylinder 4806 cm³ / 8-Zylinder 4395 cm³ / 8-Zylinder 5000 cm³ / 8-Zylinder 2979 cm³ / 6-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder 3902 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 152 kW / 207 PS bei 5800 U/min 228 kW / 310 PS bei 6500 U/min 423 kW / 575 PS bei 6000 U/min 324 kW / 440 PS bei 6700 U/min 412 kW / 560 PS bei 6000 U/min 405 kW / 550 PS bei 6500 U/min 317 kW / 431 PS bei 5500 U/min 147 kW / 200 PS bei 7000 U/min 492 kW / 670 PS bei 8000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 270 km/h 250 km/h 288 km/h 250 km/h 300 km/h 250 km/h 210 km/h 330 km/h
Verbrauch 7,5 l/100 km 7,3 l/100 km 11,1 l/100 km 10,3 l/100 km 9,9 l/100 km 10,7 l/100 km 8,3 l/100 km 7,1 l/100 km 11,4 l/100 km
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