12 Scheibenreiniger im Test

Welche Produkte sind ihr Geld wert?

Scheibenreiniger, Reinigungsmittel Foto: Dino Eisele 25 Bilder

Für den richtigen Durchblick auf der Fahrt im Sommer sollen spezielle Scheibenreiniger sorgen. Ein Test von zwölf Produkten zeigt, ob sie ihr Geld wert sind.

Achtung, eine wichtige Durchsage: Der November will im Mai abgeholt werden! Was eigentlich komisch klingt, war bis vor wenigen Wochen bittere Realität. Als zu kalt, nass und trüb empfanden wir den Frühling. Mal ehrlich: Haben Sie im Mai daran gedacht, Ihr Auto auf den Sommer vorzubereiten? Die Scheibenwaschanlage zum Beispiel mit einem speziellen Sommerreiniger zu befüllen? Wohl kaum. Und jetzt das. Der Sommer zeigt sich plötzlich von seiner schönsten Seite – und aus Autofahrersicht auch von seiner unschönen. Denn mit dem Anstieg der Temperaturen begann die Zeit der Insekten. Wenn die kleinen Tierchen während der Fahrt auf die Frontscheibe treffen, bleibt eine sehr hartnäckige Verschmutzung zurück – Schwerstarbeit für die Scheibenwaschanlage.

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Sommerschmutz braucht spezielle Scheibenreiniger

Nur mit klarem Wasser in der Anlage ist der Dreck nicht zu beseitigen. Die Winterreiniger, die manche Autofahrer das ganze Jahr über nutzen, helfen ebenfalls wenig. Ein spezieller Reiniger muss her, der dem Schmutz wirkungsvoll zu Leibe rückt. Die Regale in Baumärkten, im Autoteilefachhandel und an Tankstellen sind voll mit entsprechenden Produkten. Glaubt man den Werbeaussagen der Hersteller, dann entfernen Sommerprodukte zuverlässig, schnell und rückstandsfrei den hartnäckigen Schmutz von der Scheibe. Ob diese Versprechen zutreffen, will auto motor und sport in einem Test herausfinden. In Zusammenarbeit mit dem Labor der Firma Kärcher untersucht die Redaktion zwölf der gängigsten Scheibenreiniger.

Konzentrat oder Fertiggemisch?

Die Kandidaten werden in zwei Kategorien eingeteilt, denn neben Konzentraten, die Autofahrer noch mit Wasser ins richtige Verhältnis bringen müssen, sind auch die so genannten gebrauchsfertigen Mischungen erhältlich. Fünf-Liter-Kanister gibt es bereits für 1,99 Euro – zum Beispiel den Sommerreiniger von Ernst, den wir im Toom-Baumarkt fanden. Im Vergleich zu den Konzentraten, die überwiegend an Tankstellen und im Fachhandel zu kaufen sind und mit bis zu 8,98 Euro (Dr. O.K. Wack-Präparat) zu Buche schlagen, ist das billig – zumindest auf den ersten Blick. Beim Literpreis verkehrt sich das Bild: So fallen bei Ernst 40 Cent an, während das Wack-Produkt lediglich 36 Cent kostet. Das liegt daran, dass der Inhalt der 1:100-Konzentrate (meist 250 ml) für eine gebrauchsfertige Mischung von 25 Liter reicht.

Zudem fördert der Test die Erkenntnis zutage, dass auch Billigprodukte eine überzeugende Leistung abliefern können. Ein Beleg dafür ist der Reiniger von Edeka, der pro Liter nur sechs Cent kostet und in der Konzentrat-Wertung den zweiten Platz belegt. Am Ende schneiden von den vier billigen Angeboten in dieser Gruppe (Gut & Günstig, RS 1000, Nigrin und Total) immerhin die Hälfte mit der Note „gut“ ab, bei den Fertigmischungen (Ernst, Kerndl und Autosol) gelingt das zwei von drei Scheiben-Reinigern.

Auf Produktstabilität achten

Bei allen Reinigern wurde auch die chemische Stabilität untersucht. Besonders in Verbindung mit hartem Wasser kommt es immer wieder zu Problemen mit Sedimenten in der Waschanlage, die Leitungen oder Düsen verstopfen können. Doch in dieser Disziplin fällt keiner der Probanden negativ auf. Ein anderes Bild präsentiert die Untersuchung zur biologischen Stabilität, wo gleich acht Produkte Auffälligkeiten zeigen. Mit anderen Worten: Sie bieten Keimen einen guten Nährboden, wodurch ebenfalls Ablagerungen entstehen, die zur Verstopfung der Scheibenwaschanlage führen können. Daher der Tipp: Lassen Sie Autos mit den anfälligen Reinigern nicht zu lange unbenutzt stehen. Wer sein Fahrzeug zum Beispiel über den Winter stilllegt, sollte vorher die Waschanlage leeren.

Weitere Auffälligkeiten gibt es bei der Materialverträglichkeit. Während alle Reiniger mit Gummi und Kunststoffen schonend umgehen, greifen die Präparate von Autosol, Nigrin, RS 1000, Shell und Total den Autolack an – zwar nur leicht, doch bei häufiger Benutzung können sie der Farbschicht schaden.

Reinigungsleistung entscheidet

Noch viel wichtiger ist im Test die „Reinigungsleistung“. Hier werden 50 von 100 Punkten vergeben, was aber kein Präparat schafft. Zwar kommen alle gut mit dem normalen Straßenschmutz zurecht, der unter anderem aus Staub, Teer und Ruß besteht. Doch mit den Insektenrückständen haben so manche Mittel ihre Probleme. Und noch etwas fällt auf: Die Fertigmischungen geben am Ende den Ton an. Drei von vier Reinigern liefern bessere Ergebnisse ab als die meisten Konzentrate. Obwohl bis auf das Total-Präparat alle im grünen Bereich liegen, können nur die Produkte von RS 1000 und Dr. Wack mit den gebrauchsfertigen Mischungen gut mithalten.

12 Scheibenreiniger im Test

Diese Scheibenreiniger haben wir getestet
Dr. Wack CW 1:100 Super Jetzt bei Amazon kaufen
Gut & Günstig Scheibenklar Konzentrat
Aral Klare Sicht Sommer 1:100
RS 1000 Klare Sicht 1:100 Konzentrat Jetzt bei Amazon kaufen
Sonax Klarsicht 1:100 Konzentrat Red Summer Jetzt bei Amazon kaufen
Nigrin Scheibenklar Konzentrat 1:100 Jetzt bei Amazon kaufen
Shell Sommer Klarsicht Konzentrat 1:10
Total Sommer Scheibenreiniger Konzentrat 1:100
Ernst Scheibenklar Sommer
Sonax Sommer Scheibenreiniger Jetzt bei Amazon kaufen
Kerndl Scheibenklar
Autosol Scheibenreiniger Jetzt bei Amazon kaufen

So haben wir im Labor getestet

Im Kärcher-Labor wurden die Scheibenreiniger auf ihr chemisches Gleichgewicht und auf ihre Materialverträglichkeit untersucht. Das Labor der Firma Kärcher, die keine Scheibenreiniger herstellt, bot beste Voraussetzungen. Da das Unternehmen für die Entwicklung von Reinigungssystemen und -produkten mit jeder Menge Schmutzarten vertraut ist, kennt es auch den typischen Dreck auf den Frontscheiben der Autos. Das Labor mischte daraufhin zwei verschiedene Testschmutze an: Der Ganzjahresdreck soll Teer, Ruß und den normalen Straßenstaub simulieren. Der Sommerdreck ahmt die Verunreinigung durch Insektenrückstände auf der Scheibe nach.

Die Scheibenreiniger wurden zudem auf ihre Anwendungsfreundlichkeit (Anleitung und Handhabung) überprüft, auf ihre Inhaltsstoffe, ob die Angaben auf dem Flaschenetikett stimmen und wie es um die Hartwasser- und biologische Stabilität der Reiniger bestellt ist – ein sehr wichtiger Prüfpunkt. Denn ein chemisches oder biologisches Ungleichgewicht kann zu Sedimenten und somit zu Verstopfungen in der Scheibenwaschanlage führen.

Zu guter Letzt stand noch die Lack-, Gummi- und Kunststoffverträglichkeit der Reiniger auf dem Prüfplan. Dazu wurden die Fahrzeugmaterialien mit den Präparaten eine Nacht lang direkt in Kontakt gebracht. 

Scheibenreiniger im Praxistest

Im zweiten Teil des Tests ging es darum, wie schnell die Reiniger den Schmutz auf der Frontscheibe lösen An einem Ford C-Max ist der Praxistest durchgeführt worden. Zum Einsatz kamen die beiden Schmutzarten, die das Kärcher-Labor zusammengemischt hat. Die Verunreinigung wurde auf die Frontscheibe gesprüht und getrocknet. Danach gelangten die Reiniger auf die Scheibe. Anschließend zählten die Tester die Wischtakte (eine Vor- und Zurückbewegung stellt einen Takt dar), bis die Frontscheibe sauber war – also keine Schlieren mehr zu sehen waren.

Fazit

Man soll sich ja über alles freuen, was wächst. Doch wenn das in der Scheibenwaschanlage geschieht, ist das alles andere als gut. Leider kann ungewolltes Wachstum bei zwei Drittel aller getesteten Produkte entstehen, weil sie Keimen einen guten Nährboden bieten. Aber auch die traurige Tatsache, dass fast die Hälfte aller Reiniger den Lack der Autos auf lange Sicht angreift, ist nicht in Ordnung. Genauso ist zu bemängeln, dass viele Sommerreiniger die jahreszeittypische Insektenverschmutzung nur befriedigend bis ausreichend entfernen – so viel zu den lobenden Werbeaussagen. Aber es gibt auch Lichtblicke: Die gebrauchsfertigen Scheibenreiniger von Ernst und Sonax sind keine Wachstumsbeschleuniger, gehen schonend mit den Fahrzeugen um und beseitigen ordentlich den hartnäckigen Sommerschmutz. An diesen Produkten sollten sich die anderen Anbieter im Test ein Beispiel nehmen, denn nur bei ihnen gibt es wenig auszusetzen. Selbst der Testsieger bei den Konzentraten ist nicht fehlerfrei, das biologische Gleichgewicht stimmt nicht beim Wack-Reiniger.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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