A4, 3er und C-Klasse

Kombi-Nation

Foto: Achim Hartmann 43 Bilder

Mit Erscheinen des neuen Audi A4 Avant ist das Trio der deutschen Premium-Kombis in der Mittelklasse wieder komplett. Erster Vergleich der Vierzylinder-Benziner von 156 bis 170 PS.

Für Kombis gilt, völlig unabhängig von der Motorisierung, der alte Sportfahrer-Spruch: Die anderen sollen mich am besten nur von hinten sehen. Auch eine Art Überholprestige also. Und dazu passt, dass der neue Audi A4 Avant mit seinem um knapp 250 auf 1.430 Liter gewachsenen Maximalvolumen nun den BMW 3er Touring (1.385 Liter) überholt und zum ebenfalls noch jungen T-Modell der Mercedes C-Klasse (1.500 Liter) aufschließt.

A4 mit vielen praktischen Details

Ein Herz für Kombi-Freunde zeigt der Audi Avant zudem in spezifischen Details: Massive, herausklappbare Haken für Einkaufstaschen, eine in der D-Säule nach oben gleitende Laderaumabdeckung, ein separates Sicherheits-Trennnetz, ein Wendeladeboden mit wasserdichter Schmutzwanne und eine edelstahlbewehrte Ladekante sind Standard. Die bietet auch der Mercedes, während beim BMW lediglich eine an der Unterseite des ebenfalls wendbaren Ladebodens befestigte Plane den Stoßfänger vor Kratzern beim Beladen schützen soll. Auch Schienensysteme mit allerlei Elementen zur Fixierung von Ladegut bieten nur Avant und T-Modell gegen Aufpreis.

Der Touring kontert mit einer serienmäßig separat zu öffnenden Heckscheibe, durch die beispielsweise eine Sporttasche bequem im Kofferraum abgestellt werden kann. Beim Öffnen der Scheibe gibt die Gepäckraumabdeckung praktischerweise automatisch den Zugang frei, geschlossen werden muss der Sichtschutz aber manuell. In puncto Zuladung bieten die drei Kombis nur Mittelmaß – kaum mehr als die Limousinen. Mit gut 500 Kilogramm führt hier die C-Klasse. Und nur der Mercedes offeriert optional eine Niveauregulierung, die auch bei der Nutzung als Zugwagen vorteilhaft ist.

Live Abstimmung 4 Mal abgestimmt
Audi A4 Avant - wie finden Sie den Kombi-A4?
Ich finde ihn richtig schön
Keine Revolution
Potthäßlich

Als überaus zugkräftig - durchzugskräftig - erweist sich der A4 mit seinem 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbo. Dessen Leistungsentfaltung erinnert beinahe an einen Dieselmotor. So liegt das maximale Drehmoment von 250 Nm bereits bei 1.500/min an und bleibt bis 4.500/min konstant. Bei dieser Drehzahl mobilisiert der Direkteinspritzer auch seine Nennleistung von 160 PS. Diese Charakteristik erlaubt eine insgesamt lange und damit drehzahlsenkende Übersetzung des Getriebes, ohne dass an Autobahnsteigungen oder zum Beschleunigen nach einem Tempolimit heruntergeschaltet werden muss.

BMW ohne Lader-Unterstützung

Will der Fahrer des 320i den A4 in einer solchen Situation nicht für lange Zeit aus den Augen verlieren, muss er fleißig schalten und darf vor hohen Drehzahlen nicht zurückschrecken. Schließlich entwickelt der Zweiliter-Direkteinspritzer, der als einziger des Trios ohne Lader-Unterstützung auskommen muss, sein maximales Drehmoment von lediglich 210 Nm erst bei 4.250/min. Trotz zehn PS Mehrleistung muss der BMW dem Audi nicht nur bei der Elastizität, sondern auch bei der Beschleunigung den Vortritt lassen. Und das, obwohl das perfekt schaltbare Getriebe deutlich kürzer übersetzt ist. Was aber stärker an den Nerven zerrt als der schlappe Durchzug ist das ständige Ruckeln. Hier könnte das Triebwerk noch Feinabstimmung vertragen.

Vergleichsweise unauffällig verrichtet dagegen der 1,8-Liter-Kompressor-Motor in der C-Klasse seinen Dienst. Subjektiv durchzugsstärker als der BMW, verraten die Messwerte für die Elastizität jedoch das Gegenteil. Ein Zeichen dafür, dass der einzige Saugrohreinspritzer im Test mit seiner langen Getriebeübersetzung schlechter zurechtkommt als der Audi, dessen Drehmomentkurve bei niedrigen Drehzahlen viel fülliger ist. Trotz der drei unterschiedlichen Motorenkonzepte kommen in der Praxis vergleichbare Verbrauchswerte zustande, mit leichtem Vorteil für den BMW, der jedoch auf Super Plus ausgelegt ist. Rund zehn Liter je 100 km sind zwar nicht meisterlich, angesichts der gebotenen Fahrleistungen, Transportkapazität und Leergewichten von über 1,5 Tonnen aber akzeptabel.

Weniger Zustimmung erntet die sehr straffe Fahrwerksabstimmung des BMW. Kleinere Fahrbahnunebenheiten werden nahezu ungefiltert an die Insassen weitergereicht. Mit steigender Zuladung spricht die Federung zwar etwas geschmeidiger an, doch besonders die Fondpassagiere erfahren in dem Fall auf langen Bodenwellen zum Teil unangenehm hohe Vertikalbeschleunigungen. Obwohl der Audi in der getesteten Ambition-Variante mit serienmäßigem Sportfahrwerk antritt, legt er ein besseres Schluckvermögen an den Tag. Der Mercedes absorbiert Fahrbahnstöße zwar nicht ganz so gekonnt wie der A4, aber immer noch spürbar besser als der ruppige 3er.

Fahraktiver 3er

Ganz in seinem Element ist der BMW dagegen in puncto Fahrdynamik. Mit seiner von Antriebseinflüssen freien, sehr feinfühlig und spontan ansprechenden Lenkung lässt sich der Touring präzise und behände um alle Ecken zirkeln. Etwas weniger direkt ist die Mercedes-Lenkung ausgelegt. Doch auch die C-Klasse profitiert in Sachen Rückmeldung davon, dass den gelenkten Vorderrädern nicht auch noch Antriebskräfte zugemutet werden. Denn die können wie beim Avant mitunter heftig am Lenkrad zerren, besonders beim Beschleunigen aus engen Kehren heraus. Außerdem reagiert der Audi empfindlich auf Spurrillen und lässt Fahrbahnunebenheiten als Stöße in der Lenkung spüren. Wegen der soften Auslegung wünscht man sich zudem etwas mehr Rückmeldung.

A4 mit besserem Motor und Fahrkomfort

Und obwohl der A4 für einen Fronttriebler ein insgesamt neutrales Kurvenverhalten zeigt, schiebt er bei schnellem Einlenken zunächst über die Vorderräder. Das ändert aber nichts am klaren Sieg des neuen Avant, der vor allem mit seinem bärenstarken Turbo-Motor und hohem Fahrkomfort punkten kann. Er ist mit 32.550 Euro in der Ambition-Ausführung zudem nur wenig teurer als der 320i Touring (31.150 Euro), aber deutlich besser ausgestattet. Während der ausgewogene Mercedes dem Audi in der Eigenschaftswertung dicht auf den Fersen ist, werfen ihn der hohe Preis (34.813 Euro) und die teuren Versicherungsprämien in der Endabrechnung zurück. Er kann den zweiten Platz nur knapp vor dem sehr fahraktiven, aber wenig komfortablen BMW 3er Touring verteidigen.

Fazit

1. Audi A4 Avant 1.8 TFSI Ambition
491 Punkte

Auch als Kombi kann der A4 sich wie schon bei den Limousinen gegen seine direkten Konkurrenten durchsetzen. Bei Lenkung und Handling haben jedoch die Hecktriebler die Nase vorn.

2. Mercedes C 180 T Avantgarde
464 Punkte

Ohne besondere Schwächen - mit Ausnahme der hohen Kosten - rangiert die C-Klasse zwischen Audi und BMW. Seine Stärke ist vor allem die Ausgewogenheit in sämtlichen Kriterien.

3. BMW 320i Touring
461 Punkte

Der 3er definiert sich in erster Linie über das agile Handling. Erkauft wird das jedoch mit Komfort-Einbußen. Der durchzugsschwache Vierzylinder-Benziner bereitet wenig Freude.

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Technische Daten
Audi A4 Avant 1.8 TFSI Ambition Mercedes C 180 Kompressor T Avantgarde BMW 320i Touring
Grundpreis 34.750 € 34.813 € 32.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4699 x 1826 x 1436 mm 4596 x 1770 x 1459 mm 4520 x 1817 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 490 bis 1430 l 485 bis 1500 l 460 bis 1385 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 3800 U/min 115 kW / 156 PS bei 5200 U/min 125 kW / 170 PS bei 6700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h 218 km/h 226 km/h
0-100 km/h 9,0 s 9,9 s 9,5 s
Verbrauch 6,1 l/100 km 7,7 l/100 km 6,4 l/100 km
Testverbrauch 10,0 l/100 km 10,1 l/100 km 9,5 l/100 km
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