A4 Cabrio gegen 3er BMW

Winterpärchen

Foto: Achim Hartmann, Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Cabriolets mit Stoffdach und bullernden Sechszylinder-Dieselmotoren - eine herzerwärmende Paarung, wie der Vergleich zwischen dem Audi A4 3.0 TDI und dem BMW 330 Cd zeigen.

Jetzt noch schnell eins kaufen – bevor es auch den letzten Stoffdach- Cabrios an die Mütze geht. Konkret: Bereits das kommende Dreier- Cabrio bekommt ein technoides Metallklappdach. Praktisch, abwaschbar, vandalenresistent – und so gefühlsecht wie ein Vollgummi-Kondom.

Genießen wir also noch einmal die herzerwärmende Aura des gestängegeführten, elektrisch öffnenden und schließenden Mehr-Lagen-Zeltes. Das speziell in Gestalt des optionalen Akustik-Verdecks (siehe Spotlight) beim jüngst modellgepflegten Audi A4 einen enormen Reifegrad erreicht. Auch die BMW-Haube hat ihre Reize, bei hohem Tempo jedoch mit einer leichten Flatterneigung zu kämpfen. Zudem bohren sich hochfrequente Windgeräusche in die Gehörgänge. Dennoch eignen sich beide Cabrios auch zu ausgedehntem Reisen angesichts von Kofferräumen jenseits von 300 Liter bei geschlossenem und um die 250 Liter bei offenem Dach. Plus Extra-Stauraum hinter den Vordersitzen.

Oder wollen Sie auf den Plus- Zwei-Plätzen hinten etwa sitzen? Nun ja, für Kinder und Kurzstrecke reichen die stramm gepolsterten Nischen im Halbdunkel der heftig sichtbehindernden Stoff-C-Säulen notfalls aus. Vorn geht es netter zu, jeder der beiden pflegt seinen eigenen Stil auf hohem Niveau. Klare Linien, akkurate Verarbeitung und Passgenauigkeit bis in die letzte Ecke: Der Audi spielt Ingenieur. Lenksäulenhebel, Spiegelversteller oder Infotainment-Bedien-Elemente fühlen sich angenehm an, rasten, drehen und klicken satt. Bis auf die weit unten in der Mittelkonsole platzierten Sitzheizungs-Rädchen sitzt alles am richtigen Platz, ist ohne Handbuchstudium aus dem Stand bedienbar. Das Navigationsgerät Plus (3050 Euro) setzt in puncto Bedienung, Grafik und Funktion Bestmarken.

Im Gegensatz zum BMW-Navigationsgerät Professional für 3170 Euro, dessen Bedienung trotz konventionellen Konzepts selbst erfahrenen Nutzern Runzelfurchen in die Stirn treibt. Da scheint sogar der bei der neuen Dreier- Generation eingesetzte i-Drive in rosigem Licht. Davon abgesehen bietet das Innere des Dreier Cabrio mehr Licht als Schatten und ein schönes Beispiel für die Macht der Farben: Beim Testwagen sorgen helle Lederpolster und ebenso helle Teppiche im Verbund mit dunkel schimmernden Holzapplikationen für ein hochwertiges Ambiente mit einer Prise Noblesse. Dazu passt die aufrechte Sitzposition selbst in der niedrigsten Stellung der wulstig geformten Sitze mit praktischer, integrierter Gurtführung. Das Offenfahrgefühl gerät damit zwangsläufig einen Tick authentischer als im Audi, zumal der BMW Zugluft selbst bei montiertem Windschott und hochgefahrenen Seitenscheiben weniger zuverlässig aussperrt. Audi-Insassen schlüpfen hingegen auf ergonomisch geformten Sportsitzen mit E-Lordose (560 Euro extra) und weitem Verstellbereich regelrecht in ihren A4 hinein.

Vor allem beim Offenfahren zahlt sich die Geborgenheit der hohen Gürtellinie aus, ebenso die wirksame Heizung – wie beim BMW Marke Raketenbrenner. In Verbindung mit dem optionalen Windschott beherrscht der Audi sämtliche Windstärken von sanftem Nackenkraulen bis rabiatem Kappe-Wegreißen. Selbst stramme Touren bei winterlichem Klima erfrischen statt zu erkälten. Etwas erschüttert zeigen sich beide Karosserien vom Passieren ungepflegter Pisten. Zitterbewegungen künden von eingeschränkter Steifigkeit. Bei geschlossenem Dach zeigt sich der Audi dagegen unbeeindruckt, während der BMW hin und wieder knistert und dezent mit den Seitenscheiben klappert. Bis auf diesen lässlichen Fauxpas bringen holprige Pisten den Dreier kaum aus dem Konzept.

Er pariert vor allem kurze Unebenheiten sauber, zeigt sich bis auf ein zartes Wanken bei langen Wellen ausgewogen. Der A4 profitiert vom jüngsten Fahrwerks-Update, das ihm Komponenten aus S4 und A6 einbrachte.

Geringe Karosseriebewegungen, das störungsfreie Absorbieren langer Wellen sowie bekömmlicher Abrollkomfort stehen einer zarten Stuckerneigung auf kurzen Unebenheiten gegenüber. Die ebenfalls modifizierte Lenkung punktet mit einer feinfühligeren Anpassung an die Geschwindigkeit, operiert homogen, wenn auch etwas synthetisch und leicht stößig.

Das immerhin 1868 Kilogramm schwere A4 Cabriolet zirkelt schnell und sicher über die Piste, sein weitgehend neutrales Eigenlenkverhalten wechselt erst in schnell angegangenen engen Kurven in Untersteuern. Da steht selbst das haarfein regelnde elektronische Stabilitätsprogramm der neuen Generation (ESP 8) weitgehend auf verlorenem Posten. Beim Herausbeschleunigen ist der 43 400 teure 3.0 TDI mit serienmäßigem Allradantrieb inklusive Torsen- Mittendifferenzial aber wieder eine Macht, gegen die der 42 650 Euro teure, heckgetriebene 330 Cd jedoch engagiert ankämpft.

Bis auf den bei widrigen Umständen spürbaren Gripmangel offeriert er ordentliche Traktion und viel Bewegungstalent. Zwar verschleiert die etwas schwergängige Lenkung keines der 1780 Kilogramm, dennoch verleitet ihre direkte Art plus klarer Rückmeldung zu zackigen Manövern. Mit ausgeglichener Gewichtsverteilung (49 zu 51 Prozent) versehen, lauert der BMW gespannter auf Kommandos, wirkt nervöser, verlangt nach konzentrierterer Lenkarbeit als der Audi. Dieser burschikose Charakter setzt sich beim Motor fort. BMW hält dem Reihensechszylinder die Treue, der 204 PS starke Dreiliter mit Common Rail und Magnet-Einspritzventilen revanchiert sich mit ausgeprägter Drehfreude sowie prägnantem Dieselsound plus feinnervigen Vibrationen. Er macht Kraft hör- und spürbar, verzichtet jedoch auf einen Partikelfilter. Den bringt der 3.0 TDI im A4 serienmäßig mit. Ebenso wie schnelle Piezo- Elemente, die bis zu fünf Einspritzungen pro Takt erlauben, was sowohl Laufkultur als auch Emissionsverhalten positiv beeinflusst.

Im unteren Drehzahlbereich geschmeidig säuselnd, reißt der auf 233 PS erstarkte V6 das Cabrio beim Tritt aufs Gas überraschend rabiat vorwärts. Schlupf? Fehlanzeige. Wer die Kupplung schludrig rauslässt, der steht. Wer aber mit Gefühl an die Sache herangeht, ist in gut sieben Sekunden auf Tempo 100 und um die Erkenntnis reicher, dass es auch der TDI mit der Laufkultur obenraus weniger genau nimmt. Was aber ebenso wie das scheinbar anachronistische Stoffdach durchaus seinen Reiz hat – nicht nur im Winter.

Fazit

1. Audi A4 3.0 TDI Cabrio
502 Punkte

Ein geschliffener Erster. Audi hat dem A4 mit modifiziertem Fahrwerk, kräftigem Dreiliter-Diesel inklusive Partikelfilter sowie dem Akustikverdeck die letzten Marotten ausgetrieben. Und Allradantrieb hat er obendrein.

2. BMW 330Cd Cabrio
473 Punkte

Ein charmanter Zweiter. Das 3er-Cabrio verkörpert traditionellen BMW-Stil. Ausgereift, klassisch und mit einem charakterstarken Reihensechszylinder unter der Haube. Manko: Ein Partikelfilter ist nicht erhältlich.

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Technische Daten
BMW 330 Cd Cabrio Audi A4 Cabriolet 3.0 TDI Quattro
Grundpreis 43.050 € 45.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1372 mm 4573 x 1777 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l 315 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min 171 kW / 233 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h 242 km/h
0-100 km/h 7,7 s 7,2 s
Verbrauch 7,0 l/100 km 7,9 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km 9,0 l/100 km
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