Alfa Romeo 147 1.9 JTD und Ford Focus 1.8 TDCI im Test

So sportlich können kompakte Diesel sein

Alfa Romeo 147 1.9 JTD gegen Ford Focus 1.8 TDCI

Der Alfa Romeo 147 und der Ford Focus sind beileibe keine unbeschriebenen Blätter mehr. Doch mit neuen Motoren werden nun die Karten neu gemischt. Ein Vergleich der aktuellen Selbstzünder-Versionen.

Stimmt, den Ford Focus gibt es schon eine Weile als Diesel. Aber die frühere Verteiler-Einspritzpumpe ist nun der modernen Common-Rail-Technik gewichen, die Leistung von ehedem 90 PS auf deren 115 angestiegen.

Damit herrscht in diesem Punkt zumindest auf dem Papier Gleichstand: Auch der Alfa Romeo 147 1.9 JTD geht mit Common-Rail-Einspritzung und 115 PS ins Rennen. Die Wege, die zum gleichen Ziel führen, sind jedoch verschieden. Der annähernd quadratisch ausgelegte Ford-Motor begnügt sich mit 1,8 Liter Hubraum und genehmigt sich 1,2 bar Ladedruck. Das langhubige Alfa-Triebwerk zeigt sich mit 100 Kubikzentimetern mehr beim Hubraum grosszügiger und belässt es dafür bei maximal einem bar Ladedruck.

Dass der Alfa mehr vom Hubraum als vom Ladedruck lebt, bestätigt sich beim Fahren. Er tritt im Drehzahlkeller nicht nur spontaner, sondern auch kraftvoller an. Und mit nur geringer Verzögerung setzt der Turbo-Schub ein, allerdings nicht ganz so kräftig wie bei den besten unter den Kompakt-Dieseln. Der Ford hungert hingegen erst mal in einem ausgeprägten Turboloch, um nach Überwindung seiner Lethargie umso heftiger vorwärts zu stürmen. Dem dann einsetzenden Push hat der Alfa 147 nicht viel entgegenzusetzen, wie auch die Elastizitäts-Messwerte zeigen.

Dass dabei jedes Mal eine eindrucksvolle Rußwolke dem Focus-Auspuff entweicht, signalisiert, dass das Testexemplar vielleicht doch etwas zu gut im Futter stand.

Beim vollen Beschleunigen und bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht indes nahezu Gleichstand. Hierfür sind eben doch andere Drehzahlregionen zuständig. Aber nicht nur beim Gasgeben missfällt der Ford mit seiner Reaktionsträgheit, sondern auch beim Gaswegnehmen: Der Fuß ist längst vom Pedal, doch der Focus beschleunigt zunächst für einige Zehntelsekunden ungerührt weiter. Die Anti-Ruckel-Elektronik lässt grüssen.

Wer daran gewöhnt ist, schnell und vor allem exakt zu schalten, wird mit dieser einseitigen Auslegung bestimmt nicht glücklich.

Schwere Diesel unter der Haube verändern die Gewichtsbalance eines Autos, verschieben oft das Eigenlenkverhalten in Richtung mehr Untersteuern und können die Agilität einschränken.

Beim Alfa 147 ist davon allerdings nichts zu spüren. Mit seiner sehr direkt und spontan ansprechenden Lenkung lässt er sich spielerisch über Landstraßen zirkeln, und auch bei hoher Querbeschleunigung genügen kleine Lenkausschläge für Korrekturen. Allerdings reagiert diese Lenkung auf der Autobahn recht sensibel auf kleine, ungewollte Lenkbewegungen sowie Fahrbahnunebenheiten, und auch die Annäherung an den Grenzbereich wird dem Fahrer lange verheimlicht. Ist es dann soweit, herrscht vor allem in engen Biegungen auf nasser Straße unvermittelt deutliches Untersteuern vor. Beim Gaswegnehmen auftretende Lastwechselreaktionen bleiben leicht beherrschbar oder werden – wie beim Testwagen – vom ESP behutsam korrigiert. Das Sicherheitssystem muss allerdings mit 1.095 Mark bezahlt werden. Für den Ford ist es gar nicht erhältlich.

Der in der Kompaktklasse als einer der Fahraktivsten bekannte Ford Focus zeigt im Vergleich ein anderes Naturell: Er bleibt stur leicht untersteuernd und unbeeindruckt von provozierenden Lastwechseln. Mit der weniger feinnervigen Lenkung verzeiht er auch mal einen Nieser am Lenkrad, doch aus der Sicht des eingefleischten Alfa-Fans wirkt er unhandlich und schwerfällig. Revanche nimmt der Focus beim Federungskomfort. Unbeholfen stolpert der Alfa durch Schlaglöcher und über Bahnübergänge, wo der Fordgeschmeidig federt. Auf groben Unebenheiten spricht die Alfa-Federung besser an, doch stoßen hier die Federwege mitunter an ihre Grenzen. Mit weniger Stößigkeit in der Lenkung und dem akustisch viel ruhigeren Fahrwerk macht der Alfa jedoch in puncto Solidität eine bessere Figur als der Ford.

Obschon der Alfa mit seiner voluminösen Mittelkonsole etwas beengend wirkt, bietet er doch den um wertvolle Zentimeter größeren Innenraum. Allein um die Kopffreiheit hinten ist es nicht so gut bestellt, und auch im Kofferraum geht es eng zu.

Nicht so recht zum sportlichen Alfa passen die bei ungünstigen Lichtverhältnissen schlecht ablesbaren Instrumente. Top sind dafür die Sitze, die bequem sind und viel mehr Seitenhalt bieten als die im Ford. Leder kostet bei beiden Aufpreis.

Erfreulich vollständig ist beim Alfa in der getesteten Version Distinctive die Ausstattung. Radio mit CD-Spieler, eine sehr wirksame Zweizonen-Klima-Automatik und Tempomat sind Dinge, die im Focus trotz Ghia-Ausstattung extra kosten. Auch bei der Sicherheitsausstattung liegt der Alfa vorn: mit Isofix-Halterung für den Kindersitz, seitliche Kopfairbags vorn und serienmäßiger Antriebsschlupfregelung.

Ford packt dafür die dritte Kopfstütze hinten nebst Automatikgurt ohne Aufpreis dazu und stattet auch die Fondtüren mit soliden Bügelgriffen aus, wo dem Alfa allein aus Designgründen sehr unpraktische Klappgriffe verpasst wurden. Mit jeweils vier Scheiben – vorne innenbelüftet – verzögern die beiden Konkurrenten auf einem hohen Niveau und ohne nennenswertes Fading.

Der Alfa ist mit 6,7 Liter auf 100 Kilometer der etwas Sparsamere, verbraucht aber doch geringfügig mehr als etwa ein VW Golf TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung.

Die mit der magereren Ausstattung erlittenen Einbußen kann der Ford bei der Kostenbilanz wenigstens zum Teil ausgleichen. Eine reizvolle Alternative wäre aber auch, die 1.300 Mark Minderpreis mit Extras zu egaliseren – etwa mit dem Ford-Garantieschutzbrief, mit dem sich die jetzt auf zwei Jahre angehobene Garantiezeit auf bis zu fünf Jahre aufstocken lässt.

Am Testsieg des Italieners können solche Zahlenspielchen indes nichts ändern. Den holt sich der Alfa 147 1.9 JTD verdient mit begeisternden Fahreigenschaften und seiner umfangreichen Ausstattung.

Fazit

1. Alfa Romeo 147 JTD
533 Punkte

Der kompakte Alfa Romeo 147 1.9 JTD bringt ein sportliches Fahrwerk mit überaus agilem Fahr­verhalten mit. Sitze und Bremsen sind sehr gut. Nicht ganz den Ansprüchen des Sportfahrers genügt die Leistungsentfaltung des Dieselmotors.

2. Ford Focus TDCI
522 Punkte

Brave Alltagstauglichkeit und narrensicheres Fahrverhalten stehen beim Ford Focus TDCi im Vordergrund. Vorteile im Kostenkapitel egalisieren die weniger reichhaltige Ausstattung. Lästig ist die verzögerte Reaktion auf Bewegungen des Gaspedals.

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Technische Daten
Alfa Romeo 147 1.9 JTD 8V Distinctive Ford Focus 1.8 TDCi Ghia
Grundpreis 22.700 € 20.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4170 x 1729 x 1439 mm 4178 x 1702 x 1481 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 1030 l 350 bis 1205 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder 1753 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 4000 U/min 85 kW / 115 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h 196 km/h
0-100 km/h 10,3 s 10,3 s
Verbrauch 5,8 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km 6,9 l/100 km
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