Alfa Romeo 156 1.8 T.Spark im Test

Schöner Schein

Alfa Romeo 156 1.8 TS

Der betörend aussehende 156 ist der Alfa, auf den viele Alfa-Freunde und die, die es werden wollen, warteten. Haben sie sich womöglich zu früh gefreut? 100.000 Kilometer mit dem Alfa 156 1.8 TS.

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und selten wurde bei auto motor und sport ein neuer Dauertestwagen mit so viel freudiger Erwartung begrüßt wie der Alfa 156 . Die Tatsache, dass selbst abgeklärte Autotester bei der Aussicht auf eine 100.000 Kilometer währende Bekanntschaft mit einem Alfa glänzende Augen bekommen, spricht Bände: Die alte, lange verschüttete Alfa-Leidenschaft – der 156 hat sie neu entfacht.

Dabei ist der Hauptreiz, wie alle Betroffenen freimütig eingestehen, ein optischer. So gut sah ein Alfa seit Ewigkeiten nicht mehr aus. Und was sich bereits bei den ersten Tests abzeichnete, bestätigte sich alsbald auch im Dauertest: Der 156 bietet mehr als nur eine Augenweide.

Vor allem die agilen Fahreigenschaften spenden Freude, und angesichts des über einen weiten Bereich neutralen Kurvenverhaltens verzeiht man diesem Alfa selbst den Frontantrieb. Aber auch motorseitig erfüllt der 156 die Erwartungen an das Fabrikat. Zum Dauertest erschien er mit dem gern gekauften 1,8-Liter-Motor mit 144 PS, der die legendäre Alfa-Seele ungeachtet seiner politisch korrekten High-Tech-Erziehung immer noch spüren lässt.

Zwar ist ein 156 1.8 TS auch nicht schneller als andere Mittelklasse-Limousinen in dieser Leistungsklasse, aber so wie sich dieser Vierzylindermotor ins Zeug legt, wie er jubelt und tönt, bietet er eine Extraportion Unterhaltungswert. Deshalb seien ihm auch die 9,9 L/100 km, die er im Dauertest verköstigte, gegönnt.

Selbst profane Bedürfnisse gewöhnlicher Autobesitzer wurden diesmal von Alfa berücksichtigt. Der 156 ist kein Raumkrösus im Stil eines VW Passat, aber er bietet vier Erwachsenen ausreichend Platz und genügend Kofferraum.

Die Sitzposition hinter dem Lenkrad entspricht mehr denn je den Erfordernissen ausgewachsener Mitteleuropäer, auch wenn der Beinraum noch etwas großzügiger und die Sitzfläche etwas weniger flach sein dürften. Jedenfalls fühlt man sich nun auch auf langen Strecken behaglich untergebracht, zumal die Verarbeitungsqualität den positiven Gesamteindruck keineswegs unterminiert.

Der Federung gelingt das schon eher, denn immer wenn der Alfa Querwellen überrollt, reagiert sein Vorderwagen mit heftigem Stuckern, was üblicherweise verstärkt auf Autobahnen vorkommt. Mit sportlicher Straffheit hat das nichts zu tun. Vielmehr deutet es auf einen alfatypischen Fahrwerksmangel hin, den die Techniker noch immer nicht im Griff haben und der einem die Freude am Fahren schon mal vermiesen kann.

Er stößt beim 156 umso mehr auf, als der Komfort ansonsten manierlich ausfällt. Noch erfreulicher ist freilich die Dauertest-Erfahrung, dass Klappern bei Alfa offenbar nicht mehr zum Handwerk gehört, ebensowenig wie abfallende Karosserieteile. An alte Zeiten erinnerten dagegen die lose im Beifahrerfußraum hängenden Kabel, die erst in der Werkstatt ordnungsgemäß verstaut wurden.

Immerhin wirkt die Karosserie solide gebaut, ein Eindruck, der sich auch mit zunehmender Laufleistung nicht verflüchtigte. Zugleich hielt sich der sichtbare Verschleiß in Grenzen. Die optionalen Sitzbezüge aus Leder beispielsweise wirkten bei Testende noch so geschmeidig und faltenlos wie am ersten Tag.

Dennoch bleibt Raum für Verbesserungen. Den Wunsch nach Funktionalität im Detail straft Alfa mit offenkundiger Geringschätzung, was auf die Dauer auch den wohlmeinenden Alfa-Besitzer verbittern kann. Die Heizung heizt geschwindigkeitsabhängig, die Temperaturregelung regelt in Zeitlupe, das Gebläse entpuppt sich als Windjammer, die stets rubbelnden Scheibenwischer sind ebenso ein schlechter Witz wie das Funzellicht der Scheinwerfer.

Auch an die Bereitstellung geräumiger Ablagen im Innenraum verschwendet man bei Alfa offensichtlich keinen Gedanken. Das gilt auch für die schmutzigen Finger, die immer dann fällig sind, wenn bei Dreckwetter der Kofferraum geöffnet werden muss. Anderes fiel den Entwicklern offenkundig erst in letzter Sekunde eindie Schalter für das Nebellicht etwa, für die nur noch zwischen den Sitzen Platz war, oder für die Sitzheizung, die listigerweise unter dem Sitz versteckt wurden, wo man sie angesichts der vernachlässigbaren Heizwirkung während des Dauertests freilich selten suchte.

Die Frage oh man eich mit all diesen Nachlässigkeiten abfinden muss, mag sich aufdrängen, ist aber für den, der ein echter Alfa-Freund sein will, belanglos. Liebhaber können eben nicht nur genießen, sondern auch schweigen. Viel gravierender ist die Erfahrung, dass dieser Genuss nach wie vor mit einem Maß an Reue verbunden sein kann und dass das Thema Alfa für manchen 156-Fan ein für alle Mal erledigt sein dürfe.

Nicht weniger als neun Mal musste der Dauertest-Alfa außerplanmäßig in die Werkstatt, wo er insgesamt 31 Tage verbrachte. Das wiegt umso schwerer, als die beim Testwagen erlebten Störungen keineswegs die Ausnahme sind, wie die Resonanz der 156-Besitzer beweist.

Die Liste der Gebrechen umfasst fehlerhafte ABS-Sensoren, diverse Getriebedefekte, Schäden an der Klimaanlage, Motorstörungen, Ausfall der Servolenkung und quietschende Achsen. Zwei Mal – bei Kilometer 20.955 und 26.980 – musste das Getriebe getauscht werden, womit die Sache aber noch nicht erledigt war.

Bei Kilometerstand 78.000 streikte der zweite Gang, was eine Getriebereparatur nach sich zog, eine weitere bahnte sich gegen Ende des Dauertests an, als der Zweite beim Schalten erneut durch hässliche Geräusche auf sich aufmerksam machte. Ohne Garantie und Kulanz wären damit allein für die Getriebeschäden 8707 Mark fällig gewesen.

Unterdessen blieb auch die Freude am Alfa-Motor nicht ungetrübt. Kaum 16.000 Kilometer hatte sie gewährt, da schrammte Redakteurin Birgit Priemer, auf Urlaub in Italien, knapp an einem Totalausfall vorbei. Nur im Schritttempo gelang es ihr, mit dem heftig ruckelnden Alfa die nächste Werkstatt anzulaufen. Diagnose: defektes Drosselklappengehäuse inklusive Steuergerät – ein Vorkommnis, das dem Mechaniker bestens bekannt schien. In der Ecke türmte sich bereits ein Vorrat der entsprechenden Ersatzteile auf.

Das Lager entpuppte sich im Nachhinein als Teil einer der insgesamt zehn Serviceaktionen, mit denen Alfa im Dauertestzeitraum das Gröbste auszubügeln versuchte. Das Pflegeprogramm reichte von einer Neuprogrammierung von Einspritzelektronik und Klimaautomatik bis zum Austausch der ABS-Sensorik.

Freilich konnte auch dies nicht verhindern, dass sich die Weiterfahrt von Redakteur Christian Steiger bei Kilometer 97.684 in Rauch auflöste, nachdem kurz zuvor bei zügiger Autobahnfahrt schon die Servounterstützung der Lenkung ihren Dienst versagt hatte. Die anschließende Reparatur ergab freilich keinen ursächlichen Zusammenhang: Während sich der Qualm auf Kühlwasserverlust infolge eines defekten Zylinderkopfs zurückführen ließ, gab es für den Lenkungsdefekt keinen Befund. Ein abermaliger Ausfall veranlasste die redlich bemühte Werkstatt aber sicherheitshalber zum Austausch der gesamten Lenkung.

Dass die Vertragshändler mit dem italienischen Hersteller ihre liebe Not haben, gehört ebenfalls zur Alfa-Tradition und gilt, wie Betroffene bestätigen, unvermindert. Mal hat man Werkzeug im Cockpit vergessen, was den Ausbau des kompletten Armaturenbretts erforderlich machte. Dann wurden werksseitig Zahnriemen falsch aufgelegt oder Nockenwellen verdreht eingebaut.

„Um die Kunden zufrieden zu stellen, haben wir bei defekten Dichtungen am Getriebeausgang gleich ganze Getriebe gewechselt, weil vergessen wurde, diese Teile in die Ersatzteilversorgung aufzunehmen“, klagt ein Händler, der auch von geknickt eingebauten Ölleitungen zu berichten weiß, die zum Ausfall der Servolenkung führten – Letzteres bezüglich der Dauertesterfahrung womöglich des Rätsels Lösung.

Damit ist auch am Fazit dieses Dauertests nicht zu rütteln: Wenn man bei Alfa nicht endlich die Hausaufgaben macht, dann dürfte sich der Erfolg des 156 bald als Strohfeuer erweisen. Es wäre schade drum.

 

Abgastest: Der Alfa Romeo 156 1.8 ist noch nach der seit 1. 1.1997 für alle neuen Autos verbindli­chen europäischen Abgasvor­schrift 94/12/EG (= EU2) typ­geprüft, die mittlerweile durch die wesentlich strengeren EU3­und D4-Regelungen abgelöst worden ist. Auch Autos mit höherer Laufleistung können die EU2-Limits in der Regel oh­ne große Mühe einhalten. Die gilt auch für den Alfa.

Die obli­gatorische Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand der TÜV Auto­motive GmbH (Unternehmens­gruppe TÜV Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgen­den Werte (Grenzwerte in Klam­mern): Kohlenmonoxid (CO): 1,38 (2,20) Gramm pro Ki­lometer, Summenwert aus Stickoxiden (N0,) und Kohlen­wasserstoffen (HC): 0,29 (0,50) Gramm pro Kilometer.

Vor- und Nachteile

  • Attraktive Form
  • Agile Fahreigenschaften
  • Temperamentvoller Motor
  • Leichtgängige Schaltung un Lenkung
  • Für vier Personen ausreiche des Raumangebot
  • Günstiger Preis
  • Gute Karosseriequalität
  • Geringe Zuverlässigkeit
  • Hohe Unterhaltskosten
  • Heizung und Klimaanlage schlecht regelbar
  • Unbefriedigende Scheibenwischer
  • Starkes Stuckern des Vor¬derwagens
  • Schlechte Übersichtlich¬keit
  • Eingeschränkte Funktiona¬lität
  • Schwaches Licht
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Technische Daten
Alfa Romeo 156 1.8 T.Spark
Grundpreis 21.730 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1745 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 378 l
Hubraum / Motor 1747 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 106 kW / 144 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch 8,2 l/100 km
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