Alfa Romeo 156 3.2 V6 24V GTA im Test

Der neue GTA krönt die 156-Baureihe

Alfa Romeo 156 3.2 V6 24 V GTA

Mit dem traditionsreichen Zusatz setzt der Alfa Romeo 156 GTA auf den Mythos des erfolgreichsten Mailänder Renn-Tourenwagens. Die Botschaft lautet: Sportlichkeit pur.

Carlo Chiti, der legendäre Chef der ehemaligen Alfa Romeo -Rennwagenschmiede Autodelta , hätte seine Freude am 156 GTA. Schließlich wird mit ihm jener Geist wieder beschworen, dem die Mailänder Marke ihr nahezu unzerstörbares Image verdankt: Sportlichkeit, verpackt in italienischer Eleganz und gepaart mit einem Motorvergnügen, wie es nur ein echter Alfa bieten kann. Chiti würde aber auch sein Markenzeichen, das Quadrifoglio Verde (vierblättriges Kleeblatt) reklamieren und nachfragen, warum außer Rosso noch andere Farben im Angebot sind. Wie überhaupt der 156 GTA äußerlich dezent auftritt. Etwas breiter, etwas niedriger und ohne Heckspoiler pflegt er ein vornehmes Understatement, so dass der GTA-Fahrer keine Gefahr läuft, mit einem modernen Manta -Manni verwechselt zu werden.

Natürlich gibt es sieben Zoll breite und 17 Zoll große Aluräder, die sich eng unter die ausgestellten Kotflügel schmiegen. Und vorne hat der GTA größere Lufteinlässe, die den auf 3,2 Liter Hubraum gewachsenen Sechszylinder freier atmen lassen. Dadurch sind die winzigen Nebelleuchten nach außen gewandert. Zusammen mit den in Deutschland serienmäßigen Xenon-Scheinwerfern drängt sich so die grobmaschig vergitterte Front selbst im Rückspiegel doch etwas aggressiver auf als beim normalen 156. Nach dem Überholen ist dann alles klar: Abgesehen von der Kürze des Vorgangs bleibt der GTA anderen Verkehrsteilnehmern mit seinem Doppelrohrauspuff und dem wuchtigen Heckstoßfänger in Erinnerung, in dem ein Diffusor und ein Flügelprofil dem Auftrieb entgegenwirken. Das ist gut so, denn selbst jenseits von 200 km/h legt der GTA, sofern die Straße es hergibt, so locker zu, dass man sein stattliches Leergewicht von knapp 1,5 Tonnen (1445 kg) kaum glauben mag. Hier ist einer der wesentlichen Unterschiede zum Ur-GTA, der in der Rennausführung gerade mal halb so schwer war. Aber aktuelle Sicherheitsanforderungen und der Wunsch nach klassenüblichem Komfort fordern ihren Tribut.

Dual-Zonen-Klimaanlage sowie eine Bose-HiFi-CD-Anlage mit Subwoofer sollen im Stau eventuellen Frust des GTA-Fahrers und seiner Passagiere mildern. Mehr als drei Mitfahrer sollten es allerdings nicht sein, denn Geräumigkeit, speziell hinten, ist nicht gerade die Stärke des 156. Im GTA sind die Rücksitze zudem stärker ausgeformt. Vorne warten eng geschnittene Sportsitze in schwarzem Lederbezug darauf, Querbeschleunigung abstützen zu dürfen. Dies gelingt ganz gut, sofern die Statur der Besatzung nicht aus dem Rahmen fällt. Der Fahrer darf dabei die mit Gumminoppen belegte Alu-Pedalerie treten. Bei Geradeausfahrt sollte der arbeitslose linke Fuß auf einer breiten Aluplatte ruhen. Gut gedacht, aber schlecht gemacht: Die Fußstütze sitzt zu weit hinten, zudem seitlich schräg geneigt und behindert beim Kuppeln.

Und das tut man oft. Nicht weil es unbedingt nötig wäre, sondern weil häufiges Schalten einfach zum Fahrstil gehört, den der GTA selbst lethargisch veranlagten Menschen aufoktroyiert. Der fast unvermeidliche Zwang zum Fahrspaß ist freilich in erster Linie das Verdienst des fantastischen Motors. Cuore sportivo, nirgendwo passt der Alfa-Slogan besser als hier. Selbst die 5,4 Millimeter mehr Hub konnten die sportlichen Anlagen dieses klassischen V6-Zylinders nicht dämpfen. Er hängt gierig am Gas, reagiert auf die kleinste Fußbewegung und dreht in den unteren Gängen mit solcher Vehemenz bis zur Abregelgrenze, immerhin 7200/min, dass die Beobachtung des Drehzahlmessers auf einmal wieder Sinn macht. Das eng gestufte Sechsganggetriebe, nicht sehr präzise geführt, sorgt nach dem Schalten für perfekte Anschlüsse. Es dürfte für den GTA die erste Wahl sein, da die alternativ erhältliche Selespeed-Automatik nur fünf Fahrstufen aufweist und 1000 Euro Aufpreis kostet.

Aber der Alfa-Sechszylinder kann nicht nur drehen, er zieht auch wie ein Bulle. Der längere Hub sowie 3,2 Liter Hubraum sorgen für einen breiten Drehmomentbuckel, dessen 300-Newtonmeter- Gipfel bei 4800/min liegt. Dennoch macht der gleichmäßige Anstieg bis zu diesem Maximalwert auch niedertouriges Fahren möglich, ohne dass Ruckeln oder Durchhänger zu beklagen wären. Stattliche 250 PS schließ- lich liegen bei 6200 Umdrehungen an, für einen Saugmotor sportive Werte, die überlegene Fahrleistungen zulassen. Die kurze Gesamtübersetzung fördert dabei zusätzlich drehzahlbetontes Fahren und prägt damit ein wesentliches Charaktermerkmal des GTA. 250 km/h werden bei knapp über 6500/min erreicht, beim Ausdrehen der beiden unteren Gänge liegt die Beschleunigungszeit von null auf 100 km/h bei 6,7 Sekunden.

Damit bleibt der Testwagen zwar um 0,4 Sekunden unter der wahrscheinlich errechneten Werksangabe, aber es gibt dafür Erklärungen: Erstens verfehlt der zweite Gang mit 99 km/h knapp die 100- km/h-Marke, und zweitens hat der Frontantrieb Schwierigkeiten, so viel Power auf die Straße zu bringen. Ein generelles Problem, das auch mit der serienmäßigen Antriebsschlupfregelung nicht zu lösen ist. Die in den unteren drei Gängen permanent spürbare Überforderung der angetriebenen Vorderachse prägt auch die Fahreigenschaften. Leistungseinsatz in engeren Kurven führt entweder zum Abregeln des Motors, oder, bei abgeschaltetem ASR, zum Durchdrehen der Räder. Aber ohne Schlupfbegrenzer lässt sich mit gezieltem Lastwechsel, zumal der Motor sensibel am Gas hängt, sehr viel besser das tendenziell ausgeprägte Untersteuern parieren, das besonders in lang gezogenen Kurven unangenehme Formen annehmen kann. ESP gibt es nicht, würde in dieser Situation aber auch nicht viel helfen. Ansonsten ist das Handling sportlich agil, mit der leichtgängigen und sehr direkten Lenkung aber etwas gewöhnungsbedürftig. Mehr stört hier schon der begrenzte Lenkeinschlag und der daraus resultierende große Wendekreis.

Das straffe Fahrwerk pariert Unebenheiten hart und trocken, jedoch ohne katapultartige Gemeinheiten. Damit lässt sich leben, weniger mit den für einen Sportwagen schwach dimensionierten Bremsen, die der gebotenen Leistung am wenigsten adäquat sind. Hier ist Raum für Verbesserungen, sogar in den Felgen. Es ist bei weitem nicht alles perfekt am Alfa GTA. Doch haben die Italiener schon immer teutonischem Perfektionismus oder japanischem Zuverlässigkeitsstreben erfolgreich getrotzt. Wenn es nicht so wäre, hätten wir nichts zu meckern, aber womöglich auch nichts zu lachen. 

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • reichhaltige Ausstattung
  • sportliches Styling
  • schlechte Übersichtlichkeit
  • teilweise unbefriedigende Funktionalität
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze
  • leichte Bedienung
  • gute Klimatisierung
  • harte Federung
Antrieb
  • kraftvoller und drehfreudiger Motor
  • sehr gute Fahrleistungen
  • gut gestuftes Sechsganggetriebe
  • unpräzise Schaltung
Fahreigenschaften
  • direkte, leichtgängige Lenkung
  • agiles Handling
  • geringe Aufbaubewegung
  • starke Untersteuerneigung
  • Traktionsprobleme
Sicherheit
  • Seitenairbags vorne und Kopfairbags
  • nachlassende Bremsen
  • kein ESP lieferbar
Umwelt
  • hoher Verbrauch
  • schadstoffarm nach EU
Kosten
  • gutes Komplettangebot
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Als treibende Kraft des GTA ist der Sechszylinder eine wahre Freude. Die gut ausgestattete Sportvariante des Alfa 156 überzeugt mit ausgezeichneten Fahrleistungen und agilem Handling. Der Verbrauch ist hoch. Federung, Traktion und Bremsen lassen Spielraum für Verbesserungen.

Technische Daten
Alfa Romeo 156 3.2 V6 24V GTA Moving
Grundpreis 38.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1765 x 1402 mm
KofferraumvolumenVDA 378 l
Hubraum / Motor 3179 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 184 kW / 250 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,7 s
Verbrauch 12,1 l/100 km
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