Alfa Romeo 166 3.2 V6 im Test

Alfa-Tier

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 4 Bilder

Grollender Sechszylinder, muskulöse Figur, entschlossener Gesichtsaudruck: Der große Alfa wird nach seinem Facelift seinem familieninternen Führungsanspruch gerecht.

Seit seinem Debüt 1998 verkörpert der Alfa 166 den Idealtypus der muskulösen italienischen Oberklasse-Limousine, nach dem Facelift im vergangenen Herbst sogar mit nochmals gesteigertem Ehrgeiz. Das Alfa Centro Stile hat saubere Arbeit geleistet und dabei dem großen Alfa seine spannungsreich gewölbten Linien sowie das knackige Heck gelassen. Neu ist das schnittigere Antlitz, geprägt von umgeformten Scheinwerfern und dem markanten, schildförmigen Grill, dessen Wölbung sich in der Motorhaube fortsetzt. Auch unter der Haube hat sich etwas getan. So fungiert neuerdings der aus den GTA-Versionen der kleinen Alfa- Geschwister bekannte 3,2-Liter- V6 als Spitzenkraft, allerdings um zehn auf 240 PS reduziert. Seine sechs verchromten Ansaugrohre halten gemeinsam mit den liebevoll geformten Zylinderkopfdeckeln ein buchstäblich glänzendes Plädoyer gegen seelenlose Plastikabdeckhauben. Und für schöne Motoren, die halten, was sie versprechen.

So wie der Alfa-Sechser, der genau jenes Maß an Kultiviertheit, Akustik und Lebendigkeit verbreitet, das eine Antriebseinheit zur Verbrennungskraftmaschine adelt. Der Vierventiler spricht fein auf Befehle des elektronischen Gaspedals an und dreht willig gen Drehzahlbegrenzer. Dazu grollt und brodelt es herrlich aus dem Maschinenraum. Portioniert wird die Kraft über ein eng abgestuftes Sechsganggetriebe. Das so genannte Sport- Throttle-Response haben sich die Alfa-Leute womöglich beim blitzartigen Spurwechsel im Mailänder Stadtgewühl einfallen lassen: Per Knopfdruck zuschaltbar, öffnen die Drosselklappen damit schneller, der Motor reagiert direkt, fast digital auf Kommandos.

Diese anspringende Spontaneität kann gefallen, sorgt jedoch für noch stärkere Antriebseinflüsse in der Lenkung des Fronttrieblers. Bereits im Normalbetrieb verhärtet sich die Lenkung beim Beschleunigen spürbar, ringen die vorderen 17-Zöller um Grip, kommt die Traktionskontrolle in den unteren Gängen immer wieder zum Einsatz. Ein bekanntes Problem, genau wie die Stuckerneigung des 166. Sie ist durch die Fahrwerksüberarbeitung, bei der unter anderem die Anlenkpunkte der vorderen Querlenker modifiziert wurden, zwar gemildert, aber nicht ganz abgestellt. Selbst gepflegte Straßenbeläge erscheinen wegen des unwilligen Ansprechens auf kleine Unebenheiten bisweilen reparaturbedürftig. Gröbere Dellen und Löcher sowie lange Wellen verarbeitet der 166 dagegen ordentlich, seine üppigen Federwege lassen ihn allerdings beim Bremsen aus hohem Tempo tief eintauchen.

Außerdem zeigt sich die Bremsanlage fadingempfindlich. Versöhnlich stimmt die für eine 4,72 Meter lange Limousine gute Handlichkeit, nur getrübt vom großen Wendekreis. Im Innenraum heißt es vorn wie hinten: Maß- statt Jogginganzug, Stilbildner statt Raumwunder. Und Stil besitzt das Alfa-Flaggschiff reichlich. Die coupéhafte Dachlinie, der fließend- weiche Übergang vom Cockpit zu den Türen, das mit Leder überzogene Armaturenbrett sowie die weich gepolsterten Ledersitze – bei der Top-Ausstattung Distinctive für 40 900 Euro serienmäßig – gehen nicht nur überzeugten Alfisti ans Herz.

So streichen selbst Pragmatiker versonnen über Details wie die Nähte an Armaturenbrett und Seitenverkleidungen. Und akzeptieren im Gegenzug kleine Unzulänglichkeiten wie die sichtbehindernde A-Säule und die mickrigen Außenspiegel – zumal der 166 mit umfangreicher Sicherheitsausstattung, Bi- Xenon-Licht und ordentlichem Kofferraumvolumen aufwartet. Im Cockpit beschränkt man sich auf das Wesentliche, Klima-, Musik- und Navigationssteuerung laufen über das tief angebrachte Display in der geschwungenen Mittelkonsole. Doch angesichts des wundervollen Motorsounds spielt die Stereoanlage ohnehin nur die zweite Geige.

Vor- und Nachteile

  • Fantastisch klingender, drehfreudiger Motor mit spontanem Ansprechverhalten, gute Fahrleistungen, gelungene Innenraumgestaltung, reichhaltige Ausstattung.
  • Antriebseinflüsse in der Lenkung, Traktionsmängel, Stuckerneigung, fadingempfindliche Bremse, Außenspiegel zu klein, hoher Verbrauch.
Technische Daten
Alfa Romeo 166 3.2 V6 24V Distinctive
Grundpreis 41.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4720 x 1800 x 1416 mm
KofferraumvolumenVDA 490 l
Hubraum / Motor 3179 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 176 kW / 240 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h
0-100 km/h 7,4 s
Verbrauch 12,5 l/100 km
Testverbrauch 13,4 l/100 km
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