Alfa Romeo GT gegen Mazda RX-8

Eine Frage der Kehre

Foto: Hans-Dieter Seufert

Italien trifft auf Japan: Mit dem neuen Alfa-Coupé und dem viertürigen Mazda-Sportwagen bereichern zwei ganz besondere Charakter-Darsteller dieses Segments.

Wie lässt sich ein  Coupé kurz und  knapp beschreiben?  Zweitürig  und viersitzig vielleicht, aber  sind dann der fünfsitzige Alfa  Romeo GT und der viertürige  Mazda RX-8 noch Coupés?  Aber ja, schon aus dem  Augenwinkel betrachtet kauern  die beiden zwischen all den  Hochdach-Autos und Allrad-  Mobilen herrlich flach und verheißungsvoll  auf der Straße –  eben typisch Coupé.  Um 29 000 Euro muss man  anlegen, bestellt man sie in den  gehobenen Ausstattungsvarianten  Distinctive (Alfa) und Revolution  (Mazda).  Preislich liegen sie also eng  beieinander, ansonsten könnten  die beiden jedoch nicht unterschiedlicher  sein. Frontgetrieben,  mit Vierzylinder-Reihenmotor  und Benzin-Direkteinspritzung  tritt der Alfa an. Der  Mazda dagegen ist ein Hecktriebler  mit Zweischeiben-Wankelmotor.  Immerhin gelten sowohl  die Alfa-Vierzylinder wie  auch die Rotations-Kolbenmotoren  als wahre Drehorgeln und  versprechen daher sportlichen  Fahrern großes Vergnügen.  Halten können sie dies aber  nur zum Teil.

Ganz so spontan  wie erwartet gibt sich der  Alfa-Reihenvierer nicht. Seine  Kraftentfaltung geschieht zwar  sehr gleichmäßig, man vermisst  allerdings die Drehfreudigkeit,  die einen typischen Sportmotor  gemeinhin auszeichnet. Beschleunigung  und Elastizität  sind für einen Sportwagen bescheiden.  Das Getriebe ist ebenfalls  keine Offenbarung, weil  die Schalthebel-Führung viel zu  unpräzise geraten ist.  Die gute Laufkultur und das  Geräuschniveau entschädigen  dafür aber zum Teil und machen  den Alfa zumindest akustisch fit  für Langstreckenfahrten. Zumal  auch Wind- und Abrollgeräusche  niedrig ausfallen.

Der Mazda klingt dagegen  wie eine wild gewordene, wenn  auch gut gedämpfte Kettensäge,  obwohl er nicht viel drehwilliger  ist als der Alfa-Motor. Dafür  bleibt er akustisch präsenter und  will so einen sportlicheren Anspruch  vermitteln. Den kann  aber auch er nicht halten, wie  ein Blick auf die Messwerte beispielsweise  für die Elastizität  beweist. Die lassen das knapp  200 PS starke Aggregat ganz  schön blass aussehen.  Fleißiges Rühren im hervorragend  schaltbaren Getriebe  bringt keine Besserung, weil die  Gangsprünge zu groß ausfallen.  Eine Sechsgangbox wäre wünschenswert.  Auch um den Verbrauch  zu drücken, denn der  Wankel ist so trinkfreudig wie  ein schwerer Offroader mit  Sechszylindermotor.  Aber Mess- und Verbrauchswerte  fallen auch beim  Alfa alles andere als günstig  aus. Natürlich sind sie nicht allein  ausschlaggebend, wenn mit  dem Herzen gekauft wird. Die  Autos wollen beim Fahren für  ihre Unzulänglichkeiten entschädigen.  

Nicht auf dem Weg  zum Bäcker, sondern auf der  sonntäglichen Runde vor dem  Frühstück.  Hier trumpft besonders der  Mazda auf. Er belegt, dass sich  sportliche Ambitionen und  Komfort sehr gut vereinbaren  lassen.  Sein Handling und die Kurvenwilligkeit  können als beispielhaft  gelten, dennoch ist er  erstaunlich komfortabel gefedert.  Lange Ausfahrten stellen  daher keine Belastung dar, auch  weil die Sitze den Körper an  den richtigen Stellen unterstützen.  Lediglich der Seitenhalt  will nicht ganz mit der möglichen  Querbeschleunigung korrespondieren.

Im Alfa fühlt sich dieselbe  Straße völlig anders an. Während  der Mazda die kurzen Wellen  weitgehend wegfedert, ignoriert  sie der GT schlicht. Die  Vorderachse stuckert auf Querfugen,  als wäre sie einem Rüttelverdichter  entliehen. Seit  Einführung des 156 ein typisches  Alfa-Phänomen.  Dennoch ist der GT nicht  übertrieben straff gefedert, was  ihm auf längeren Wellen einen  vergleichsweise guten Komfort,  aber auch starke Aufbaubewegungen  bei Kurvenfahrt beschert.  Fahrdynamisch reicht er  an den Mazda nicht heran, er lässt sich aber ähnlich sicher bewegen,  wenn auch nicht ganz so flott.  Als Fronttriebler ist er untersteuernd  ausgelegt und wird, wie der RX-8,  bei extremen Fahrmanövern vom  serienmäßigen ESP eingebremst.

Großen Wert haben die Alfa-  Entwickler auf ein kommodes Unterbringen  der Passagiere gelegt. Die  zu hoch angeordneten Vordersitze  sind ausgesprochen bequem und  bieten darüber hinaus sehr viel Seitenhalt.  Selbst hinten sitzt man als  Erwachsener gemütlich. Freilich  sollte man nicht größer als 1,80 Meter  sein, dann fehlt Kopffreiheit. Der  Einstieg in den Fond gestaltet sich  übrigens vergleichsweise unproblematisch,  weil die Vordersitze dank  Easy-Entry-Funktion weit nach vorn  gleiten. Aus dem GT-Fond kann  man zudem gut heraussehen, weil  die C-Säulen weit hinten liegen. 

Auf die zweite Reihe des Mazda  gelangt man nur wenig leichter. Die  hinten angeschlagenen Fondtüren  sind eher ein Design-Gag als eine  wirkliche Zustiegserleichterung, zumal  die obere Schloss-Befestigung  an der Dachkante so exponiert liegt,  dass sich der Zusteigende daran  kräftig die Stirn stoßen kann.  Allerdings bietet der Mazda in  seinem zweisitzigen Fond mehr  Platz für den Kopf als der Alfa auf  seiner Dreier-Sitzbank. Trotz Ausstellfenster  fühlt man sich im RX-8  aber ein wenig eingemauert.  Voraussichtlich werden die  Rückbänke jedoch meist als Gepäckablage  dienen, obwohl die Kofferräume  der beiden ein ausreichendes  Volumen bieten. Der Alfa lässt  sich mit seiner asymmetrisch geteilt  umlegbaren Rückbank sogar in eine  Art Kombi verwandeln, sehr ungewöhnlich für ein Coupé und sehr  gut. Denn die große Heckklappe erlaubt  es, sperriges Gepäck einzuladen,  die kleine Luke des RX-8 erschwert  dies dagegen.

Eine Spur Variabilität weist der  Mazda aber dennoch auf, weil sich  zwischen den hinteren Sitzen eine  Klappe öffnen lässt, deren Größe  über das Maß üblicher Ski-Durchreichen  weit hinausgeht.  Über die Funktionalität hat man  sich bei Mazda also Gedanken gemacht,  was auch die einfache Bedienbarkeit  belegt. Ganz ohne Kritik  geht es aber nicht. Denn beim Einlegen  des fünften Gangs knallt man  immer mit dem Handrücken an den  Feststellbremsgriff. Die Hand hat  man sich bereits vorher an diversen  Schlauchschellen im Motorraum  zerkratzt, weil der Ölpeilstab weit  unten in dessen Tiefen versteckt  wurde. Eine Ölkontrolle nach jedem  Tanken ist beim Wankel aber unerlässlich,  ein Blick auf die Anzeige im  Cockpit genügt nicht.  Auch der Alfa wartet mit einigen  Schrulligkeiten auf. So verfügt er  über ein bei Tageslicht nicht ablesbares  Navigations- und Radio-Display.

Für Unmut sorgt darüber hinaus  die umständliche Bedienung  beider Systeme, weil man sich stets  durch viele Menüs kämpfen muss.  Perfekt ist die jüngste Alfa-Kreation  also nicht, eher eine Mischung  aus Beauty und Beast, denn vor allem  die Fahrwerksschwächen trüben  den Genuss. Beim Mazda bleiben  ebenfalls Wünsche offen, über die  man bei einem der häufigen Tankstopps  nachdenken kann. Es sei denn,  man nutzt diese Gelegenheiten, um  sich an seinem Design zu ergötzen.    

Fazit

1. Alfa Romeo GT 2.0 JTS Distinctive
459 Punkte

Ein Coupé mit Kombiqualitäten ist der GT, das Platzangebot ist in dieser Klasse konkurrenzlos. Auf guten Straßen ist er ein eleganter Reisewagen, aber bei welligem Fahrbahnbelag ist der Komfort dahin.

2. Mazda RX-8 Revolution
470 Punkte

Im RX-8 kann man verdammt schnell und trotzdem äußerst komfortabel unterwegs sein, selbst mit vier Personen. Für einen Sportwagen ist der Antrieb aber zu zahnlos – viel zu durstig ist er obendrein.

Technische Daten
Mazda RX-8 1.3 Revolution Alfa Romeo GT 2.0 JTS 16V Distinctive
Grundpreis 33.200 € 31.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1770 x 1340 mm 4489 x 1763 x 1355 mm
KofferraumvolumenVDA 290 l 320 bis 905 l
Hubraum / Motor 1308 cm³ / 2-Zylinder 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 141 kW / 192 PS bei 7000 U/min 121 kW / 165 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 223 km/h 216 km/h
0-100 km/h 7,4 s 9,1 s
Verbrauch 10,6 l/100 km 8,7 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km
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