Alfa Romeo Spider 2.0 im Test

Schönes Interieur, mäßige Verarbeitung

Humorvolle Distanz zu Schwächen ist nicht die Stärke deutscher Autokäufer. Genau die ist aber nötig, will man mit dem überarbeiteten Alfa Romeo Spider 2.0 Freund sein.

Dunkel war die Nacht, schwarz der Lack, aber beim Anblick des Alfa Spider leuchteten die Augen, als ob Monsieur 100.000 Volt persönlich sie unter Strom gestellt hätte. Seit drei Jahren geistert der keilförmige Zweisitzer nun durch unsere Straßen und Träume, und noch immer kann man sich seiner sinnlichen, polarisierenden Ausstrahlung nicht entziehen. Man mag ihn, oder man mag ihn nicht – so einfach ist das, nur für Alfa nicht. Denn während im vergangenen Jahr 16482 BMW Z3 und 18.405 Mercedes SLK neu auf unsere Straßen kamen, waren es vom Alfa Romeo Spider 2.0 T.Spark nur 2.256 Stück.

Ein paar mehr dürften es auch nach unserer Meinung schon sein, weshalb wir die jüngste Modellpflege freudig begrüssen. Den Einstieg erleichtert nun der 1.8 (144 PS) für 23.500 Euro, und damit auch die Liebhaber der stärkeren und teureren Typen nicht so schnell wieder aussteigen, erhielt die gesamte Baureihe – einschließlich des Coupés GTV – ein Make-up. Von außen beschränken sich die Modifikationen auf in Wagenfarbe lackierte Schweller, geänderte Felgen und ein prägnanteres, chromverziertes Alfa-Schild, im Innenraum jedoch durften die Designer nachholen, was ihnen im ersten Anlauf versagt blieb.

An die Stelle des tristen Plastikambientes tritt nun ein stilvolles Cockpit, das es mit dem raffinierten Außendesign aufnehmen kann. Die Armaturentafel wurde völlig neu gestaltet, die Rundinstrumente und Lüftungsdüsen erhielten silberne Einfassungen, und die aus dem 156 übernommenen Heizungsregler auf der nach oben verlängerten Mittelkonsole sind in eine metallisch schimmernde Blende integriert.

Noch kontrastreicher wirkt das Interieur, wenn man zu den serienmäßigen Ledersitzen des L-Pakets (3.000 Euro) die aufpreispflichtigen Innenverkleidungen Red- oder Blue- Style (490 Euro) ordert. Zur Alta Moda gehört aber offenbar auch, daß die Farbtöne und Oberflächen nicht immer exakt miteinander harmonieren. Hohe Karosseriesteifigkeit und geschliffene Verarbeitungsqualität waren ohnehin nie die Tugenden des Spider, und diesbezüglich ist kaum Besserung zu verzeichnen, was hörbare Verwindungserscheinungen sowie ungleiche Spaltmaße belegen.

Die Sitzposition hat sich gar insofern verschlechtert, als man jetzt höher und näher am oberen Windschutzscheibenrand thront. Mehr noch beeinträchtigen der große Wendekreis (11,9/ 12,5 Meter) und die beim 2.0 gegenüber dem 1.8 schwergängigere Lenkung das Handling. Mit seiner feinnervigen Fahrwerkskinematik, die beinahe vergessen läßt, daß die Leistung über die Vorderräder auf die Straße kommt, setzt der Spider dennoch weiterhin Maßstäbe. Er liegt gut, folgt mit erstaunlicher Präzision allen Kurswechseln und drängt erst im hoch angesiedelten Kurvengrenzbereich fast neutral über alle vier Räder nach außen.

Der lange Radstand und das hohe Leergewicht (1.419 kg) tragen sogar zu einem passablen Federungskomfort bei, der nur mit Querfugen seine Probleme hat. Allerdings gab sich der Testwagen akustisch nicht so zurückhaltend wie früher gemessene 2.0-Modelle, was bei echten Sportwagen – zumal aus Italien – wohl kaum als Nachteil empfunden wird, wenn nur die Musik stimmt. Und da erfüllt der überarbeitete Alfa-Vierzylinder mit Doppelzündung und zwei Ausgleichswellen alle Erwartungen. Er reagiert spontan, dreht willig hoch und untermalt seine Leistungsabgabe mit betörendem Sound. Ein variabel gesteuertes Ansaugrohr sorgt neuerdings für einen gleichmäßigeren Drehmomentverlauf und 155 statt 150 PS. Die fünf Mehr-PS spielen gefühlsmässig keine Rolle, machen sich aber in etwas besserer Beschleunigung und einem geringfügig höheren Testverbrauch (10,2 Liter/100 km) bemerkbar.

Nicht ins fahraktive Bild passen allerdings die fadingempfindlichen Bremsen. Wo viel Licht ist, fällt auch Schatten, doch für diese Kontraste lieben wir ja den Spider. Kaum eine andere Marke wäre berufener, die Lust am Auto aus den Tiefen einer entsetzlichen Rationalität auf die Höhen einer erschwinglichen Emotionalität zu führen. Perfekt muß ein Alfa nicht sein, denn das sind auch gute Liebhaber selten.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot im Innenraum
  • funktionelle Bedienung
  • leicht bedienbares Verdeck
  • mäßige Verarbeitungsqualität und Steifigkeit
  • kleiner Kofferraum
  • schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • für Sportwagen akzeptable Federung
  • bequeme Sitze
  • zu hohe Sitzposition
  • geringes Schluckvermögen auf kurzen Bodenwellen
Antrieb
  • kraftvoller Motor mit hoher Laufkultur
  • gute Fahrleistungen
  • präzise und leichtgängige Schaltung
  • angenehmes Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • ausgezeichnetes Kurvenverhalten
  • agiles Handling
  • exakte Lenkung
  • gute Traktion
  • etwas großer Wendekreis
Sicherheit
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • Gurtstraffer vorne
  • fadingempfindliche Bremsen
  • Sidebags nicht lieferbar
  • kein spezieller Überrollschutz
Umwelt
  • schadstoffarm nach D3
  • keine Rücknahmegarantie
Kosten
  • vertretbarer Benzinverbrauch
  • dünnes Servicenetz
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Neben der tollen Form, dem temperamentvollen Motor und seinem begeisternden Fahrwerk hat der Alfa Romeo Spider 2.0 T.Spark seit der jüngsten Modellpflege endlich auch ein schönes Interieur und mehr Kofferraum. Die mäßige Verarbeitung blieb aber erhalten.

Technische Daten
Alfa Romeo Spider 2.0 T.Spark
Grundpreis 24.747 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4285 x 1780 x 1315 mm
KofferraumvolumenVDA 147 l
Hubraum / Motor 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 114 kW / 155 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h
0-100 km/h 9,7 s
Verbrauch 9,4 l/100 km
Testverbrauch 10,2 l/100 km
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