Alpina B3 im Test

Dampf Rat

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Ein BMW Dreier soll es sein, mit mehr Dampf, als der 335i hat, aber nicht so radikal wie der M3? Ab sofort weiß Alpina bei dieser Fragestellung Rat: Die Allgäuer bieten den B3 Biturbo als Coupé, Cabrio und – wie hier im Test – als Limousine an.

Wann kommt das besondere Gefühl? Schon beim Blick auf den Kofferraum-Deckel? Unmissverständlich beginnt der dreiteilige Schriftzug mit Alpina. Demnach wird es innen edel zugehen mit Holz, Leder, Emblemen. B3, also Basis BMW Dreier. Handlich wird er sein mit 19- Zöllern, Sportfahrwerk, steifen Achslagern. Biturbo.

Enorm wird es vorwärts gehen bei 1,1 bar, 360 PS, 500 Nm. Diese Überlegungen sättigen die Vorfreude, bevor der Druck auf den Startknopf den Übergang von der Theorie zur Praxis herstellt. Zudem haben Anzeichen der Sportlichkeit die Neugier gereizt. Stolz geschwellt präsentiert sich der B3-Body.

Frontschürze, dazu Sternfelgen, Heckspoiler und vier Endrohre. Da möchte einer in der Wahrnehmung nicht hinter dem M3 zurückstehen. Der B3 rangiert zwischen 335i (306 PS) und M3 (420 PS) – auch preislich. Für 57.900 Euro erhält der Kunde außerdem Automatikgetriebe, Tempomat, Klimaautomatik, Regensensor, elektrisch verstell- und beheizbare Leder- Sportsitze, Holz- oder Aluminium- Dekor, Multifunktionslenkrad und Xenon- Scheinwerfer.

Die metallic-blaue Hausfarbe muss dem Interessenten allerdings 1950 Euro extra wert sein. Schon diese Erkenntnis ist Teil des Alpina- Gefühls: Es sind teure Autos mit feudaler Ausstattung. Tradition liegt in der nach Leder duftenden Luft. Bis 1978 geht die Allianz von Alpina und BMW Dreier zurück.

Sie zeigt sich weltweit in etwa 6000 verkauften Modellen; ein Drittel davon entfällt auf die Vorgänger-Reihe. Alpina und Biturbo, auch das ist fast schon automobiles Brauchtum: 1989 kam der doppelt aufgeladene B10 mit 360 PS starkem 3,5-Liter-Sechszylinder – dem B3 reichen hierfür heute drei Liter.

Morgens startet der Biturbo mit dem männlich-rauen Bass einer durchzechten Nacht; fast wie in den Achtzigern, als die BMW-Reihensechser noch großvolumig tönen durften. Mit warmem Motoröl wechselt der Klang in angriffslustiges Knurren – stets präsent, aber nie aufdringlich.

Anzeichen einer angeheizten Maschine finden sich keine; der Alpina läuft samtig wie ein BMW. Ruckfrei beschleunigt der B3 von der Ampel weg, der Sechszylinder lässt sich fein dosieren. Unauffällig wechselt die bei Alpina Switch-Tronic genannte Sechsstufen-Automatik die Gänge.

Man bummelt mit niedriger Drehzahl durch den Verkehr, das Gaspedal wird zur Fußstütze. Bedeutungsschwanger brodelt das unterforderte Triebwerk.

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BMW Alpina B3 M3 335i 3er Dreier
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Typisch für Alpina, wie die Motoren aus dem Vollen schöpfen. Bereits jetzt fällt auf: Zum Antriebskomfort passt das ordentliche Ansprechverhalten der Federung. Kanaldeckel poltern zwar leicht, sind aber weniger zu spüren. Dies erstaunt umso mehr, als der B3 auf optionalen 19-Zöllern rollt; die Niederquerschnitt-Michelins bringen nur wenig Eigendämpfung ein – doch immerhin mehr als das von BMW bevorzugte Runflat-System mit seinen unnachgiebigen Flanken.

Damit gleicht Alpina den Komfort-Verlust durch das Sportfahrwerk mit 15 Millimeter Tieferlegung teilweise aus. Man will einen M3 in der Härte eher unterals überbieten. Und bei der Fahrdynamik? Breite Mischbereifung für bessere Traktion, weniger Sturz für geringeres Untersteuern – schon schiebt der B3 ausschließlich in Kehren über die Vorderräder.

Schnelle Kombinationen über Land durchströmt er dagegen unbeirrt. Auf die Nähe zum Grenzbereich weisen erst Karosseriebewegungen hin. Fortgeschrittene können ihn nach einmaligem Druck auf die DSC-Taste aufsuchen. Dann befindet sich der Alpina im DTC-Modus, und die Fahrhilfe ESP bremst den Tatendrang erst, wenn aus Gierwinkeln leichte Drifts werden.

Im hemmungslosen Hakenschlagen wollte man den M3 dagegen nicht übertreffen. Stattdessen bietet der B3 einen hohen Freiheitsgrad in Richtung Gleitreibung – so war es das Ziel von Ex- Rennprofi Andreas Bovensiepen, dem Geschäftsführer. Den Weg zurück in die vorgegebene Fahrrinne weist die präzise Lenkung auch ohne regelnden Rettungsanker.

Der Zielkonflikt aus Komfort und Traktion auf der einen sowie Agilität und Stabilität auf der anderen Seite ist fein austariert. Immerhin lässt Alpina dem B3 freien Lauf, ohne ihn elektronisch abzuregeln: Dank Heckspoiler geht es nahezu auftriebsfrei bis Tempo 285.

Bei Vollgas drängt es die Tachonadel vehement auf die Ziffer 300 zu. Nur zwei Dinge können den Alpina dann aus der Ruhe bringen: Querfugen und Längsrillen. Obwohl eine geringere Vorspur den Geradeauslauf beruhigen soll, lassen sich die optionalen 19-Zöller ablenken.

Zudem können ihre niedrigen Flanken kurze, schnelle Anregungen nicht genügend aufnehmen – grobe Unebenheiten setzen sich daraufhin bis ins Lenkrad fort. Die serienmäßigen 18-Zöller bringen vermutlich mehr Ruhe. Mehr noch als der reine Wert beeindruckt der Weg zur Höchstgeschwindigkeit.

Nur beim verzögerten Ansprechen gibt sich der Dreiliter als Turbo zu erkennen. Verglichen mit dem 335i benötigt der B3 einfach länger, bis der volle Ladedruck aufgebaut ist – statt 0,6 muss er 1,1 bar erreichen.

Doch der Dreh am elektronischen Dampfrad war für Entwicklungschef Frank Schwabe erst die Folge eines Radikaleingriffs: Neue Mahle-Kolben mit größerer Mulde positionieren den Kraftstoff besser um die Zündkerze und senken die Verdichtung ab.

Über penible Kalibrierung etwa von Zündwinkeln erzielte Schwabe geringere Druckspitzen mit niedrigeren Abgastemperaturen – so ließ sich der Ladedruck fast verdoppeln. Dennoch darf man keinen Turbo- Hieb erwarten, auch nicht das ausdruckslose Drehmoment-Plateau eines Diesels.

Eher die lebendige Entfaltung eines Sportmotors: 2000/min reichen meist zum Überholen, bei 4000/min schauen selbst starke TDI hinterher, über 5000/min gehören ernste Gegner der Sportwagen-Gattung an. Druck schon bei niedriger Drehzahl sorgt für fabelhafte Beschleunigungswerte. Dank seinem höheren Drehmoment ist der B3 beim Null-auf-100-Sprint sogar ein Zehntel schneller als der BMW M3. Noch bemerkenswerter ist die lässige Art, wie der Biturbo beschleunigt. Vor allem wenn man im manuellen Modus der Switch-Tronic den sechsten Gang einlegt und die übereifrige ZF-Automatik damit am Zurückschalten hindert.

Mit der Gelassenheit der langen Übersetzung schrumpfen Meilen zu Kilometern – und die Ruhe des B3 geht selbst auf diejenigen über, denen das traditionelledle Alpina-Interieur noch nicht Entspannung genug bietet. Überlegene Schnelligkeit in individueller Form verpackt – das macht das eingangs gesuchte Alpina-Gefühl aus. Und ist damit die Existenzberechtigung für einen Lückenschluss zwischen dem 335i und dem M3.

Fazit

Die gesetztere Alternative zum BMW M3: Dessen feinnervige Sportlichkeit fehlt dem Alpina zwar, doch das gleicht er durch ein höheres Maß an Langstrecken-Komfort aus, ist dabei aber kaum träger.

Technische Daten
Alpina B3
Grundpreis 58.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1422 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
0-100 km/h 4,8 s
Verbrauch 9,8 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km
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