Alpina D10 Biturbo Switch Tronic im Test

Schnellster Personenwagen-Diesel der Welt

Ein Diesel, der 250 km/h läuft? Nichts ist mehr unmöglich, seit Alpina dem 530d zu neuen Kräften verhalf. Heraus kam der BMW Alpina D10, der schnellste Personenwagen-Diesel der Welt.

Burkard Bovensiepen, Chef von Alpina im bayerischen Buchloe, Motoren-Gourmet und Freund edler Weine, findet lobende Worte für Fremdfabri­kate. Die TDI-Modelle von Audi hätten schon vor über zehn Jahren den Diesel das Laufen gelehrt. Bei ihm jedoch, dem Liebhaber kraftvoller und ge­pflegter Otto-Verbrennung, sollte es noch eine ganze Weile dauern bis zur entscheidenden Initialzündung. Ein Dieselmotor in Alpina-Programm – noch vor kurzer Zeit ein nagelnd Ding der Unmöglichkeit. Doch dann, Mitte der neunziger Jahre, die prophetische Erkenntnis, dass sich der Selbstzünder im Automobil zu einem Leistungsträger entwickeln würde. Wir alle haben es erlebt. Gerade in den höheren Preisklassen macht der direkt einspritzende Selbstzünder weniger durch günstigen Verbrauch als vielmehr durch kraftvollen Antritt von sich reden. Diesel, die Fahrspaß-Maschine des zweiten automobilen Jahrhunderts – wer hätte das einst gedacht? Bovensiepen will dabei sein, Kleinstlieferant für einen exklusiven Kundenkreis, der mit einem Diesel von Alpina sparen will auf höchstem Niveau. Der D10 Biturbo entsteht in enger Zusammenarbeit mit den BMW-Technikern, und nun, nach rund vier Jahren Entwicklungszeit, zeigt er kühn seine beiden großen Endrohre, die nicht dieseltypisch verschämt in Richtung Erdkruste deuten. Drei Liter Hubraum, zwei Abgas-Turbolader, 245 PS bei nur 3500 Umdrehungen, stolze 500 Newtonmeter Dreh­mo­ment zwischen 1800 und 3500 Touren. Im Zuge der Entwicklungsarbeit wird der Vierventiler, der im Serien-530 d zunächst 184 PS, in der überarbeiteten aktuellen Version nun 193 PS leistet, mit allen Zutaten moderner Diesel-Technologie versehen. Das Common-Rail-Einspritzsystem mit einem Maximaldruck von 1600 bar entstammt der zweiten Generation, die ­Biturbo-Aufladung arbeitet mit kennfeldgesteuerter, elektromechanischer Verstellung der Turbinengeometrie. Ein Hochleis­tungs-Ladeluftkühler senkt die Lufttemperatur bei Nennleis­tung um rund 100 Grad, elektropneumatisch betätigte Klappen beeinflussen den Drall zur Kanalabschaltung bei geringer Last und Drehzahl. Schließlich ist die der Laufruhe und der günstigeren NOX-Emissionen wegen reduzierte Verdichtung auf 16:1 bemerkenswert. Springt er noch an bei Kälte? Auch bei minus 25 Grad, so Bovensiepen, gibt es kein Problem. Brav murmelt der Reihen-Sechszylinder im Leerlauf, brav setzt sich der mit der ZF-Fünfgang-Automatik plus Switch-Tronic-Schaltung (siehe Kasten auf Seite 26) versehene Testwagen in Bewegung. Erst später wird klar, dass hier ein Problem liegt. Er kann nämlich nur brav starten.

Die bereits beim serienmäßigen 530d monierte Anfahrschwä­che hat beim Biturbo eine weitere unerwartete Dimension angenommen. Wenn man auf etwas wartet, wird das Zeitempfinden verändert. Zwei bis drei Sekunden ziehen sich träge hin, bis der zunächst so impotent wirkende Tempo-Diesel Druck aufgebaut hat, um dann so davonzustürmen, als hätte er nie gestanden. Wohlig senkt sich endlich der Rücken in die gut profilierte Lehne, auch der Nacken sucht nach Halt. In nur 6,7 Sekunden jagt der zunächst so müde D10 vom Stand auf Tempo 100, in knapp 17 Sekunden erreicht er 160 km/h. So etwas hat, selbstzündend, die Motorwelt noch nicht erlebt. Neben den realen Messwerten spielt auch das Gefühl bei der Beurteilung eine Rolle, denn ohne Frage ist das dichte Nebeneinander von schlapper und geradezu explosionsartiger Kraftentfaltung so etwas wie ein scheinbarer Rückfall in die Tage alter Sportmotoren, die mit scharfen Steuerzeiten eine ähnliche Charakteristik hatten. Doch der Vergleich hinkt, denn einmal in Fahrt, reicht das nutzbare Drehzahlband zwischen 2000 und 4000 Touren zusammen mit der harmonisch arbeitenden Fünfgang-Automatik aus, um überwiegend in der sozusagen fetten Zone zu fahren. Mit dem manuell zu schaltenden Sechsgang-Getriebe, das Alpina ebenfalls anbietet, liegen noch keine Erfahrungen mit dem im unteren Bereich drehmomentschwachen Aggregat vor, doch dürfte die von auto motor und sport geprüfte Switch-Tronic wohl erste Wahl bleiben. Für den aktiveren Landstraßenpart bietet sich dabei die Switch-Alternative bei dieser Form der Automatik an, wobei man auch den Motor zum Bremsen vor Kurven heranziehen kann. Im Übrigen ist man auch mit Stellung D wie Drive souverän unterwegs, wenn man in seinem Fahrstil berücksichtigt, dass Kickdown die volle Leistung sehr plötzlich auf die 18-Zoll-Räder an der Hinterachse überträgt.

ASC verhindert unbeabsichtigtes Durchdrehen der Räder, aber, wie gesagt, die bessere Dosierung ergibt sich doch manuell geschaltet. Sogar auf der Autobahn kann das Festhalten der Gänge noch Vergnügen machen, denn was nun kommt, braucht wahrlich freie Bahn. Noch jenseits von 200 km/h stürmt der Biturbo in bester Sportwagenmanier weiter, und dies bei niedrigsten Drehzahlen. 100 km/h entsprechen gerade einmal 1700 Umdrehungen, bei Höchstgeschwindigkeit liegt die Drehzahl knapp über 4000. Tempo 250 – was mag er jetzt verbrauchen? Von nichts kommt nichts, 20 Liter sind es dann. Doch man kommt auch mit rund acht Litern 100 Kilometer weit, wie die auto motor und sport-Normrunde dokumentiert. Testverbrauch 10,3 Liter, doch geht es wirklich darum? Es ist Sparen im Überfluss, ein Trend, an dem Wohlsituierte zunehmend Gefallen finden. Sie werden erfreut zur Kenntnis nehmen, dass – wie üblich bei Alpina – die Kultiviertheit des Gesamtwerks zählt. Fahrwerkshärten gibt es trotz der gewaltigen Tempo-Bereifung nicht, sogar der Abrollkomfort bedingt kaum Einschränkungen. Die Phonwerte sind außerordentlich günstig, noch bei 200 km/h kann man sich mühelos verständigen. Längst ist das Murmeln des Diesels mit der höchsten Literleistung unter seinesgleichen den geringen Lauf- und Windgeräuschen gewichen. Sehr gute Traktion, ausgezeichnete Bremsen und ein neutrales Kurvenverhalten kommen dazu – aber das kennen wir ja schon. Es ist nur neu im Zusammenspiel mit dem schnellsten Diesel, den man derzeit kaufen kann. 200 Exemplare des D10 sollen pro Jahr entstehen, und am Lederlenkrad werden Leute drehen, die sich – so Alpina – sonst für einen M5 interessieren. Was gibt ihnen der Chef mit auf den Weg? Neben der korrekten Bezahlung hat er nur noch ein Anliegen: kein Rapsöl in diesen Motor.

Fazit

Alpina ist mit dem D10 ein Diesel gelungen, wie es ihn bislang noch nicht gab. Herausragende Fahrleistungen, ein kultivierter Lauf und der günstige Verbrauch ergänzen sich zu einem wahren Superlativ. Kritik verdient die Anfahrschwäche.

Technische Daten
Alpina D10 Biturbo Switch Tronic
Grundpreis 59.860 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4775 x 1800 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 2926 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 180 kW / 245 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 254 km/h
0-100 km/h 6,7 s
Verbrauch 8,8 l/100 km
Testverbrauch 10,3 l/100 km
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