Alpina D3 Biturbo im Test

Sparklasse mit Fahrvergnügen

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Spardiesel und Fahrvergnügen – ein Widerspruch in sich? BMW-Veredler Alpina versucht den Spagat mit dem D3 Biturbo, dessen Zweiliter-Vierzylinder über 200 PS liefert und trotzdem nur am Kraftstoff nippt.

Keine Streifen auf den Flanken, keine Sitze im Alpina-Design, kein Edelholz am Armaturenbrett. Was ist bloß los mit Alpina? Einen Testwagen im dunkelgrauen Büßergewand wie den neuen D3 Biturbo gab es bei auto motor und sport noch nie. Aber irgendwie passt es. Denn dieses Alpina-Coupé bietet auch beim Blick unter die Motorhaube Bürgerliches: Ein Diesel sitzt da mit gerade mal vier Zylindern und zwei Liter Hubraum. Das Zauberwort Downsizing als Antwort auf gesalzene Kraftstoffpreise ist im bayerischen Buchloe bereits angekommen.

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Einzeltest BMW Alpina D3 Biturbo
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Der Reihe nach: Einen Vierzylinder-Diesel gab es bei Alpina bereits, und er war mit 850 Exemplaren ein sehr erfolgreiches Produkt des seit über 40 Jahren aktiven Kleinherstellers. Der neue D3 setzt nun noch eins drauf: Biturbo statt Monoturbo. Gleich zwei Lader bei einem Vierzylinder klingen wie technischer Overkill. Zumal, wenn es sich um einen Diesel handelt. Der läuft, wie zahlreiche Beispiele beweisen, auch mit einem Lader sehr gut. Denn der Diesel liefert, weil er keine Drosselklappe besitzt, beste Bedingungen: ständiger Gasdurchsatz, sprich wenig Probleme mit dem Ansprechen. Wenn der teure Aufwand der Biturbo-Aufladung getrieben wird, kann es nur noch um Verfeinerung im Detail gehen. Was, wie die auto motor und sport-Lesern gut bekannte Alpina-Historie zeigt, schon immer das Paradefach der BMW-Spezialisten der Familie Bovensiepen war.

Basis ist ein BMW-Motor aus dem 1er

Die Basis bildet klarerweise ein Motor aus dem BMW-Regal, den es mit Doppelaufladung aber derzeit nicht im 3er, sondern nur im kleinen 1er-Modell gibt. Die Ladertechnik: Eine vergleichsweise klein dimensionierte Turbine ist für den Bereich von der Leerlaufdrehzahl bis rund 3.000/min zuständig, ein größerer Lader kommt zusätzlich bei Drehzahlen darüber zum Einsatz. Der kleine Turbo macht viel Drehmoment unten herum, der große viel Leistung oben. Die Zahlen für Pferdestärken und Newtonmeter übertreffen dabei beim Alpina die der Serienmaschine (204 PS, 400 Nm) deutlich. Mehr noch beschreibt eine andere Kennziffer den hier erreichten Vorzeige-Status der Dieseltechnik: Der Alpina-Motor bringt es auf eine spezifische Leistung von 107,3 PS pro Liter Hubraum.

Wer vor wenigen Jahren dem Diesel einen solchen Höhenflug vorhergesagt hätte, wäre mit schallendem Hohngelächter bedacht worden. Es gilt noch andere Finessen zu erwähnen: Die alpinaspezifische Abstimmung von Einspritzung und Ladersteuerung ermöglichen ungewohnt hohe Drehzahlen. Während konventionelle Turbodiesel bei rund 4.500 Umdrehungen Schluss machen, vermag die Alpina-Maschine bis 5.200/min zu drehen, ehe der typische Abregeleffekt eintritt. Schon die ersten Meter machen klar, dass hier ein völlig neues Dieselgefühl geboten wird. Bereits im Stadtverkehr kann man Begriffe wie Anfahrschwäche und Turboloch, die selbst auf großvolumige V8-Diesel zutreffen, getrost vergessen – es gibt beides nicht.

Der Diesel zieht kraftvoll an

Der Motor zieht knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl ohne Verzögerung kraftvoll an, und darüber stellt man erfreut eine vollkommen kontinuierliche Steigerung des Drehmoments fest. Die übliche Charakteristik starker Diesel – schwach im Antritt, dann ein die Nackenmuskeln fordernder Drehmomentsturm – fehlt völlig. Die Leistungsentfaltung ähnelt stattdessen der eines starken Benziners. Und so geht es weiter. Der Vierzylinder dreht willig hoch bis an den rot markierten Bereich des Drehzahlmessers. Man hat somit eine nutzbare Drehzahlspanne von gut 4.000 Umdrehungen zur Verfügung, was ebenfalls den Eindruck verschleiert, dass hier ein Diesel am Werk ist. Unterstrichen wird das noch durch die Laufkultur. Beim Diesel ist die durch eine Erhöhung der Zylinderzahl erreichbare Verbesserung ohnehin nicht so deutlich wie beim Benziner.

Im Fall des Alpina wird sich niemand darüber beklagen, dass er nicht sechs Zylinder besitzt. Der Vierzylinder läuft nach Dieselmaßstäben weich und ruhig, bei höheren Drehzahlen ist sein Geräusch kaum von dem eines Ottomotors zu unterscheiden. Lediglich bei geringen Drehzahlen tritt das harte Verbrennungsgeräusch der langhubigen Maschine in Erscheinung. Beim Gaswegnehmen im oberen Drehzahlbereich deutet das typische Brummgeräusch den Selbstzünder an – ansonsten dominiert der Eindruck eines unauffälligen, dank zweier Ausgleichswellen mit geringen Vibrationen laufenden Triebwerks.

Erfreuliche Auswirkungen auf den Verbrauch

Die Beschränkung in Hubraum und Zylinderzahl hat sehr erfreuliche Auswirkungen auf den Verbrauch: zügiges Fahren mit rund 6,5 Liter/100 km, schnelle Fahrt auf der Autobahn mit gut acht Litern, behutsamer Ökotrip mit fünf Litern. Zehn Liter erweisen sich selbst mit Brutalo-Gasfuß als unerreichbar – und das bei einem Auto, das den Null-bis-100-km/h-Sprint in 7,4 Sekunden erledigt und über 240 km/h läuft. Respekt. Auch vor dem Fahrkomfort übrigens. Das relativ geringe Gewicht des kleinen Motors erlaubt eine feinfühlig ansprechende Federung, den Rest besorgt der Verzicht auf Runflat-Reifen, mit denen der 3er-BMW vom Werk ausgerüstet wird.

Trotz Sportfahrwerk und trotz der 19-Zoll-Räder mit 35er-Reifen ergeben sich geschmeidiges Abrollen und gutes Schluckvermögen. Wobei das alpinaflinke Handling nicht gelitten hat. Dass der D3 Biturbo auch noch exzellent bremst, weil seine Bremsen vom 330d stammen, geht hier noch als Randnotiz in die Geschichte ein. Alles zusammen ergibt ein rundum erfreuliches Automobil, so wie wir das von Alpina gewohnt sind. Übrigens: Wer doch die Streifen will, kann sie natürlich bekommen. Ohne Aufpreis.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • – befriedigende Platzverhältnisse – gute Verarbeitungsqualität – funktionelle Gestaltung
  • – unbequemer Einstieg nach hinten
Antrieb
  • – sehr gut ansprechender Diesel-Motor – kontinuierliche Leistungsentfaltung – hohes Drehvermögen – sehr gute Fahrleistungen – leicht schaltbares Sechsganggetriebe – befriedigende Laufkultur
Fahrkomfort
  • – gut ansprechende Federung – guter Abrollkomfort – gute Klimatisierung – bequeme Sitze
Fahreigenschaften
  • – sicheres Kurvenverhalten – stabiler Geradeauslauf – sehr gute Handlichkeit – präzise, leichtgängige Lenkung – gut abgestimmtes ESP
Sicherheit
  • – wirksame und standfeste Bremsen – gute Sicherheitsausstattung
Kosten
  • – relativ geringe Festkosten
  • – nur zwei Jahre Garantie
Umwelt
  • – sehr günstiger Verbrauch – geringe Schadstoff-Emission

Fazit

Der Alpina D3 Biturbo zeigt eindrucksvoll, wozu die Dieseltechnik heute in der Lage ist. Ausgezeichnete Leistungscharakteristik, geringer Verbrauch und sehr gute Fahreigenschaften formen einen Fünf-Sterne-BMW.

Technische Daten
Alpina D3 Coupé BITURBO
Grundpreis 40.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4580 x 1782 x 1395 mm
KofferraumvolumenVDA 440 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 157 kW / 214 PS bei 4100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 244 km/h
0-100 km/h 7,4 s
Verbrauch 5,4 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km
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