Alpina D3 im Test

Das kleine Nagel-Tier

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Mit seinem hochgezüchteten Diesel-Vierzylinder wildert der BMW Alpina D3 ungeniert in Sechszylinder-Gefilden. Test des 200 PS starken Spar-Spaß-Modells aus dem Allgäu.

Vierhundertzehn Newtonmeter ab 2000 Touren schieben das feine Auto an. Der D3 geht tierisch gut, seine Kraftentfaltung bei mittlerer und höherer Drehzahl setzt Maßstäbe. In nur 7,4 Sekunden spurtet der BMW Alpina D3 von null auf 100 km/h. Und auch danach geht es ungezügelt weiter, der Motor lässt sich willig drehen.

Doch seine Akustik kann nicht recht begeistern, denn er ist und bleibt ein Diesel: rau, unüberhörbar und stets präsent. Es fehlen die jubilierenden Trompetentöne, die sonst nicht unwesentlich zur Faszination von Sportlimousinen beitragen. Andererseits: Kaum zu glauben, dass nur ein Vierzylinder-Diesel mit zwei Liter Hubraum unter der Motorhaube sitzt. Mit 200 PS erreicht er ein Leistungsniveau, das bislang größeren Sechszylindern vorbehalten blieb. Derzeit ist der D3 das Einsteigermodell des Kleinserienherstellers aus dem Allgäu, preislich liegt er mit 35 900 Euro zwischen den von BMW angebotenen Selbstzündern 320d und 330d. Prinzipbedingt bleibt dem Motor aber kurz oberhalb der Leerlaufdrehzahl etwas die Puste weg: Beim Wechsel vom Saug- in den Turbobetrieb entsteht immer ein Loch, und sei es noch so klein.

Merklich schlechter als im 320d geht der von Alpina hochgekitzelte Zweiliter in diesem kritischen Bereich jedoch nicht. Dafür wurde viel Feinarbeit geleistet. Um einen Turbodiesel stärker zu machen, hätte man sich aufs Chiptuning beschränken können. Damit wäre zwar mehr Kraftstoff eingespritzt worden, die Luftmenge aber gleich geblieben – was für höheren Verbrauch und mehr Abgasemissionen gesorgt hätte.

Darum entwickelten die Motorentüftler von Alpina zusammen mit Garrett einen sehr speziellen Turbolader. Dank der Kombination aus drehfreudiger kleiner Turbine, großem Verdichter und dem großem Ladeluftkühler vom BMW 330d wird mehr Ansaugluft gefördert. Das Mehr an Kraftstoff ist natürlich auf den Eingriff in die Bosch-Motorelektronik zurückzuführen. Dazu kamen die größeren Magnetventil- Injektoren vom 330d, sonst blieb der Motor unverändert.

Ergebnis: viel Power, wenig Emissionen (die überdies via Partikelfilter gereinigt werden), sehr geringer Verbrauch. Mehr als neun Liter pro 100 km im Schnitt genehmigte sich das Auto selten. Wobei sich zeigte, dass der D3 am besten auf der Autobahn aufgehoben ist.

Bei mittleren Drehzahlen glänzt sein Triebwerk mit beeindruckender Elastizität: Sind erst mal 2000/min – im sechsten Gang entspricht dies 115 km/h – erreicht, lässt sich die Limousine entspannt und schaltfaul fahren. Bei Zwischenspurts und Überholvorgängen ohne Zurückschalten beschleunigt der D3 souverän wie ein Großer. Zwischen 2000 und 3500 Touren macht er am meisten Freude. Nur bei der Spaßtour auf schmaler, kurviger Landstraße kommt der Diesel an seine Grenzen.

Bleibt man hier im hohen Gang, erlahmt sein Temperament. Die Nadel des Drehzahlmessers sollte nicht unter 1700/min fallen, die dann bereits versprochenen 370 Nm sind kaum zu spüren. Ein Griff zum straff geführten Schalthebel, einen Gang tiefer eingelegt – erst dann steht der Motor wieder bestens im Futter. Das ZF-Sechsganggetriebe blieb übrigens gegenüber seinem Pendant im 330d konstruktiv unverändert. Eine Automatik, mit der sich das Zugkraftmanko unten herum besser kaschieren ließe, wird nicht angeboten. Gut gelungen ist im D3 die Überarbeitung des Dreier-Fahrwerks. Zum einen behält er dank dem vergleichsweise leichten Motor – er ist nur zehn Kilogramm schwerer als im 320d – die vorteilhafte Achslast-Gewichtsverteilung von fast 50:50. Mit einem schweren Sechszylinder käme mehr Frontlastigkeit und die Tendenz zum Untersteuern. Zum anderen erhielt das Sportfahrwerk (Karosserie vorn 20, hinten 15 Millimeter tiefer) straffere Stabilisatoren sowie geänderte Federn und Dämpfer.

Geradeauslauf und Bodenhaftung sind bestens,gerade mit den serienmäßigen 18-Zoll-Rädern. Dabei setzt Alpina auf konventionelle Michelin-Pneus statt schwerer Run-Flat-Reifen.

Die Lenkung erweist sich als direkt und präzise. Nur bei schlechter Straße zeigt das Fahrwerk Härte – das im Testwagen installierte TomTom-Navigationsgerät begann kräftig zu vibrieren. Die Fahrdynamikregelung setzt – wie beim Dreier – erst ein, wenn sie muss, und auch die Bremsen vom 320d hinterließen einen positiven Eindruck. Äußerlich erkennt man den Alpina an seinen Rädern und den typischen Schürzen.

Die Karosserie entspricht ansonsten der des Dreier. Optional ist der dezente Heckspoiler (375 Euro), der dank Windkanal-Optimierung den Auftrieb unterbinden soll. Auch die identitätsstiftende blaue Sonderlackierung kostet extra (1900 Euro). Duftmarken setzt Alpina beim Interieur durch Markenzeichen an Lenkrad und Schaltknüppel und blau hinterlegte Instrumente mit roten Zeigern.

Weil sich der Tacho aber schlecht ablesen lässt, gibt es zusätzlich eine digitale Geschwindigkeitsanzeige, abrufbar über das Menü des Bordcomputers. Verzichtbar sind indes Momentan-Verbrauchsanzeige und temperaturabhängiges, variables Drehzahl-Vorwarnfeld à la M3 im Tourenzähler. Hier müsste, ähnlich wie im Rolls-Royce, die Kraftreserve angezeigt werden. Das hätte Stil und würde zum individellen Charakter des Autos passen. Fazit: Der Alpina D3 – den es auch als Touring gibt – ist ein verlockendes Angebot für Vielfahrer.

BMW wird ihm erst viel später einen doppelt aufgeladenen Diesel-Vierzylinder entgegensetzen. Sportliche Fahrernaturen kommen indes nur teilweise auf ihre Kosten. Sie sollten auf den neuen B3 mit aufgeladenem Dreiliter-Benziner warten, der Ende 2007 debütieren wird.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • befriedigende Platzverhältnisse
  • solide Verarbeitung
  • steife Karosserie
  • schlecht ablesbarer Tacho
  • am Felgenhorn leicht verkratzende Leichtmetall-Räder
Fahrkomfort
  • guter Grundkomfort
  • Sitze mit genügend Seitenhalt
  • Stuckern und Vibrationen bei Fahrbahnunebenheiten
Antrieb
  • drehfreudiger Motor
  • große Kraftreserven
  • exakte Schaltung
  • akustisch rauer Motor
  • keine Automatik lieferbar
Fahreigenschaften
  • agiles Handling
  • präzise Lenkung
  • gute Traktion
  • guter Geradeauslauf
  • wenig Seitenneigung in Kurven
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
  • DSC mehrstufig
Umwelt
  • Partikelfilter serienmäßig
  • geringer Verbrauch
Kosten
  • fairer Anschaffungspreis
  • gute Serienausstattung

Fazit

Der D3 ist eine individuelle, preiswerte Alternative für BMW-Dieselfahrer. Den attraktiven Fahrleistungen und Verbrauchswerten stehen jedoch der raue Motoren und das straffe Fahrwerk gegenüber.

Technische Daten
Alpina D3
Grundpreis 36.828 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
0-100 km/h 7,4 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km
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