Alpina Roadster S im Test

Große S-Kultur

Foto: Achim Hartmann 7 Bilder

Im Z4-Programm von BMW klafft eine große Lücke. Das dicke Ende fehlt, der M-Roadster. Alpina behebt diesen Mangel: Als M-Ersatz verfügt der Spitzen-Z über 300 PS aus 3,4 Liter Hubraum.

Auch professionelle Schnellermacher geraten ins Grübeln, wenn sie die Leistungsexplosion in der Upper Class beobachten. Soll man da noch mitmachen? Für Alpina-Chef Burkard Bovensiepen, seit jeher Freund guter Beschleunigung und ausreichender Höchstgeschwindigkeiten, gibt es ein Maß, das man nicht überschreiten sollte. Ein Zwölfzylinder im BMW Z3, der versuchsweise schwarze Striche auf den Asphalt radiert, überschreitet dieses Maß. Doch ein bisschen mehr Leistung im Nachfolger Z4, der im BMW-Sortiment ohne MPower mit 231 PS aus drei Liter Hubraum endet, das soll wohl sein. Nun sind es, als eine Art M-Ersatz, 300 PS aus 3,4 Liter Hubraum geworden.

Doch die Philosophie hinter dem neuen Auto ist eine andere als beim M-Power- Vorgänger. Exzellente Fahrleistungen sollten sich verbinden mit herausragender Elastizität, die schaltarmes Fahren mit großer Kraftreserve im dichten Verkehr ermöglicht. Auch eine Verbrauchsoptimierung steht im Lastenheft, ebenso eine Verbesserung des Gesamtkomforts. Die Feinarbeit soll sich also keineswegs nur im dynamischen Bereich abspielen. Es ist auch ganz einfach Normalität erwünscht. Nichts demonstriert dies beim Roadster S besser als die Bandbreite des sechsten Ganges. Früher lobten die Käufer ihren Opel Kapitän, der im großen Gang seines Dreigang-Getriebes zwischen 30 und 140 km/h zu bewegen war. Der Alpina-Z beherrscht diese Disziplin zwischen Stadttempo und der imposanten Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h.

Der Sechszylinder, der dies möglich macht und ausgerechnet den rasantesten Z zu einem Auto für Schaltfaule werden lässt, ist ein alter Grauguss-Klotz, der mit erweiterter Bohrung und einem ultralangen Kolbenhub von 94 Millimetern mittels Spezial- Kurbelwelle noch einmal zu Höchstform aufläuft. Ein- und Auslasskanäle sind bearbeitet, was aber nichts daran ändert, dass das Drehvermögen nicht dem des MTriebwerks entspricht. Bei 6500 Umdrehungen beginnt der rote Bereich des Langhubers, 7000 dürfen es kurzzeitig sein. Zusammen mit einer etwas kürzeren Hinterachsübersetzung als beim Dreiliter- Z4, nämlich 3,23 statt 3,07, schafft der Roadster S Tempo 100 gerade noch im zweiten Gang. Und es geht verdammt schnell, in nur fünf Sekunden. Zwölf Sekunden braucht er bis Tempo 160, 2,7 Sekunden weniger als der Z4 3.0. Begleitet wird dieses druckvolle Vorwärtstreiben von einem sonoren, kraftvoll klingenden Laufgeräusch, das zum Motorvergnügen selbst bei Langsamfahrt nicht unwesentlich beiträgt. Ein leises Auto ist auch der Alpina nicht geworden. Schon ab 140 km/h nehmen die Windgeräusche kräftig zu, aber noch behält der Sechszylinder akustisch die Oberhand. Spätestens jenseits von 180 km/h ist Schluss damit. Das himmlische Kind übernimmt das Kommando, mit kräftigen 82 dB(A) in der Kabine.

Es ist ganz einfach laut. Verzweifelt versucht die automatische Lautstärkenregulierung des Radios dagegen anzubrüllen. Nur ein Hardtop kann diesen Effekt mildern, ansonsten empfiehlt sich ein Autobahn-Reisetempo, das deutlich unter 200 km/h liegt. Der Bulle von Motor hat noch weit mehr in petto, aber er dankt die Zurückhaltung mit Sparsamkeit. Bei Alpina legt man Wert auf Ökonomie, auch wenn niemand ausgerechnet deshalb einen Roadster S erstehen wird. Nur 7,3 Liter pro 100 Kilometer konsumiert der große Sechszylinder mit seinen 362 Newtonmeter Drehmoment bei der zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde, ein Autobahn-Schnitt von rund 110 km/h zeitigt Werte unter neun Liter. Testkonsum: 11,8 Liter/100 Kilometer, nicht mehr als beim Dreiliter. Ein Wermutstropfen bleibt.

Die Euro 4-Abgasnorm wird knapp verfehlt, es bleibt bei Euro 3. Im Interieur beherrschen Alpina-Farben und Alpina-Signets das Ambiente, das zusammen mit einer speziellen Lederausstattung einen wertvolleren Eindruck macht. Auch auf den Hubraum-Zuwachs ist man stolz; 3.4 steht da in fetten Chrom-Lettern an den im Bangle-Stil profilierten Flanken. Der Heck-Bereich ist etwas entbanglet. Die Klappe hat eine mildere Kontur mit Spoiler – wenig auffällig im Übrigen. Die riesigen 19-Zoll-Räder fallen da schon mehr ins Auge und geben dem Roadster in der Seitenlinie etwas Bizarres. Dass neben dem Schaueffekt noch etwas Nützliches dabei herauskommt, erwartet man nicht. Schon der Serien-Z4 fällt mit seinem schlechten Federungskomfort negativ auf, und warum soll es ausgerechnet bei einer leistungsgesteigerten Version anders sein? Doch es ist anders. Besonders eklatant wirkt die Komfortverbesserung mit 18-Zoll-Rädern und Winterreifen, mit denen der Test-Roadster zu Anfang bewegt wird.

Doch auch die serienmäßigen 19-Zöller bringen noch eine Verbesserung der Federung gegenüber der harten Basis. Hauptsächlich hängt die größere Geschmeidigkeit beim Abrollen und Langsamfahren mit dem Alpina-Verzicht auf die pannensicheren Runflat-Reifen der Serie zusammen, die steifere Flanken haben und pro Rad etwa zwei Kilogramm schwerer sind. Aber auch eine andere Federungsabstimmung mit mehr Federweg an der Hinterachse hat zur Komfortgüte beigetragen. Bei den Fahrdynamik-Prüfungen zeigt sich dann, dass das Handling nicht gelitten hat. Das Alpina-Fahrwerk erlaubt höchste Querbeschleunigungen bei bester Kontrollierbarkeit und einem praktisch neutralen Fahrverhalten.

Das sehr gut abgestimmte DSC trägt maßgeblich dazu bei. Es regelt spät, aber eben nicht zu spät und verdirbt so nicht ganz den Spaß, den BMW Fahrer mitunter im Bereich des Wagenhecks suchen. Gleichwohl ist der Alpina, von Bovensiepen selbst als „Fahrmaschine unter den Roadstern“ charakterisiert, kein wildes Tier, sondern ein neues Stück Sportwagen-Kultur. Er ist M und doch nicht M, und genau darin liegt sein Reiz.

Fazit

Alpina hat mit dem neuen Roadster S einen würdigen M-Ersatz produziert, wobei die Betonung hier nicht allein auf den herausragenden Fahrleistungen liegt, sondern in der Kultiviertheit der Darbietung – mehr Komfort inklusive.

Technische Daten
Alpina Roadster S
Grundpreis 54.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4091 x 1781 x 1295 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l
Hubraum / Motor 3346 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 221 kW / 300 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 265 km/h
0-100 km/h 5,0 s
Verbrauch 10,0 l/100 km
Testverbrauch 11,8 l/100 km
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