Antriebskonzepte Audi A3, BMW 1er, VW Scirocco im Test

Wer ist der wahre Schneekönig?

 VT Antrieb Audi A3, VW Scirocco, BMW 125i Foto: Hans-Dieter Seufert 38 Bilder

Front-, Heck- oder Allradantrieb? Im Schnee halten VW Scirocco 2.0 TSI, BMW 125i Coupé und Audi A3 2.0 TFSI Quattro die Fahne ihres Konzepts im Handlingvergleich so hoch wie sie können.

Nicht nur über den automobilen Stammtischen lässt das Duell der Antriebskonzepte seit Jahrzehnten die Flocken wirbeln: sture Zieher gegen talentierte Querschläger, Traktionsvernunft gegen Driftspaß.

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Spannend wird es im Schnee

Oder gleich Allradantrieb – siehe Audi Quattro. Der hätte 1980 beim ersten Einsatz als Vorausfahrzeug bei der Rallye-EM in Portugal 24 von 30 Sonderprüfungen gewonnen, kam 20 Minuten vor dem Sieger ins Ziel. Und brachte den Allradantrieb peu à peu auf die Straße. Heutzutage etwa in Gestalt des Inkognito-Sportlers A3 Quattro. Das BMW 1er Coupé kontert mit Hinterradantrieb, längs eingebautem Motor und paritätischer Gewichtsverteilung, während der VW Scirocco auf Basis des Golf VI mit nochmals breiterer Spur die aktuelle Generation der Vorderradgetriebenen repräsentiert.

Auf trockener Straße rücken die klassischen Charakterzüge Unter- oder Übersteuern immer näher zusammen – ein Verdienst perfektionierter Fahrwerke und fein regelnder elektronischer Fahrhilfen. Doch wie sieht es auf Schnee und bei deaktivierter Elektronik aus? Zu diesem Zweck müssen sich die drei Probanden auf einer abgesperrten, weitläufigen Ringstraße, in Beschleunigungs- und Slalomtests sowie auf einem verzwickten, eng gesteckten Handlingparcours beweisen.

Im sanften Auf und Ab der kurvigen Piste beschleunigt der Audi auf der teilweise festgefahrenen Schneedecke so vehement, als ginge es nur über mäßig griffigen Asphalt. Er krallt sein Winterreifenprofil in den Schnee und deklassiert ohne nennenswerte ASR-Regelung den von der Traktionskontrolle spürbar gegängelten Scirocco. Der BMW fällt noch deutlicher ab. Sein ASR regelt hart und nachdrücklich, das Heck schwänzelt, wirkt unruhig, will ausbrechen. Am Sechsprozent-Hang sprintet der Audi schneller auf 80 km/h als der BMW in der Ebene auf 50.

Der BMW schaukelt auf

Doch so richtig schnell möchte man mit dem BMW 1er gar nicht fahren. Sein Heck läuft jeder Schneerille nach, verstärkt durch das Antriebsmoment. So schaukelt sich der BMW auf, zwingt seinen Piloten zu ständigen Korrekturen, die den permanenten unerwünschten Riesenslalom dennoch nicht verhindern. Bei deaktivierter Elektronik drohen zudem massive Quersteher, die virtuose Lenkreaktionen verlangen. Der Scirocco zieht dagegen stabil vorwärts, vermittelt Sicherheit sowohl beim Beschleunigen als auch in Kurven. Nicht einmal die zarten Lastwechsel beim Gaswegnehmen bringen ihn nennenswert aus der Spur. So fühlt sich der VW bei Tempo 120 entspannter an als der BMW bei 90, markiert im 15-Meter-Slalom die beste Zeit.

Der Scirocco reagiert harmonisch

Damit düpiert er sogar den Audi, der leicht über alle vier Räder rutscht und etwas mehr Platz braucht, sonst jedoch in allen Disziplinen an der Spitze liegt. Er reagiert harmonisch und ausgewogen, lässt dem Fahrer selbst bei aktiviertem ESP generösen Freiraum, um auf Wunsch deftig querzufahren – streng proportional zu Lenkwinkel und Gaspedalstellung. Der A3 Quattro macht es seinem Piloten leicht, die Anpassung klappt so intuitiv und reibungslos wie die des Allradantriebs an wechselnde Grip-Bedingungen. Das Schönste ist jedoch seine Bereitschaft zum Querfahren unter ESP-Aufsicht.

Hoher mechanischer Grip und ausgewogenes Eigenlenkverhalten lassen den Audi A3 sanft von der Ideallinie ausschwenken und ebenso sanft zurückkehren. Tückische Konter kennt der Quattro-Fahrer jedenfalls nur aus Erzählungen. Etwa denen des BMW-Piloten. Sicher, in Profihand gelingt mit dem klassischen Hinterrad-Triebling eine heftigere, aber sehr hohe Ansprüche stellende Querfahrt. Stabiler klappt es jedoch mit dem Audi, dessen Grenzbereich deutlich breiter und damit auch für Nichtprofis nutzbarer ausfällt.

Der 1er wird mit dem Gaspedal gesteuert

Ein Eindruck, der sich auf dem Handlingparcours nahtlos fortsetzt. Traktionsstark mit präzise einsetzbaren Lastwechseln schwingt der Audi A3 um weite Bögen, die er – vorher angestellt – ebenso wie die engen Ecken ohne Zeitverlust passiert. Mit deaktiviertem ASR noch untersteuernd, mimt er bei komplett ausgeschalteter Elektronik und schwerem Gasfuß fast den Hecktriebler. Fast, denn der BMW 1er kommt noch zackiger quer, steht dafür in Kehren fast still. Mit seiner Heck-Agilität will er fast ausschließlich mit dem Gaspedal gesteuert werden.

Der Audi macht das Rennen

Der Scirocco untersteuert konzeptbedingt stärker, verhält sich spurstabiler, bietet seinem Piloten hilfreiche Lastwechselreaktionen als Radiusverkleinerer an. Dennoch: Der A3 Quattro bleibt Handling-Chef, brummt - je nach ESP-Stellung - dem VW Scirocco eine, dem BMW sechs Sekunden Rückstand auf. Zwar keine 20 Minuten wie sein Rallye- Urahn bei der Rallye-EM Portugal 1980, aber immerhin.

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Sie greifen verhältnismäßig hart und nachhaltig ein, können das physikalische Manko des Antriebskonzepts auf Schnee nicht wettmachen. Zwar kann ein talentierter Pilot im Slalom die Agilität ausnutzen und vorn mitfahren (sowohl mit als auch ohne DSC), auf schnellen Passagen plagt den Einser neben eklatanten Traktionsproblemen jedoch genau diese Heck-Aktivität. Er lässt sich von Unebenheiten und Rinnen anregen, verlangt nach schnellen Lenkreaktionen und droht bei deaktiviertem Stabilitätsprogramm mit massiven Kontern.



Er beschleunigt angemessen, bleibt auf unebener Schneepiste und bei hohem Tempo spurstabil und einfach beherrschbar, gefällt mit weichen Reaktionen. Unter Schub regeln ASR und ESP weich und zielführend. In engen Passagen profitiert er von seinen kalkulierbaren Lastwechselreaktionen. Im Slalom gelingt ihm die Bestzeit, im Handlingparcours sortiert er sich knapp hinter dem Audi, aber deutlich vor dem BMW ein.


Normalerweise belässt die am Ende der Kardanwelle positionierte Lamellenkupplung (LK) die Kraft an den Vorderrädern. Erst wenn dort Schlupf auftritt, schickt die Elektronik in Abhängigkeit von der Fahrsituation mehr oder weniger Power nach hinten. Dies geschieht schnell und stufenlos durch Zusammenpressen der Lamellen mittels Öldruck einer elektrischen Pumpe.


Fazit

1. Audi A3 2.0 TFSI Quattro
93 Punkte

Fazit : Mit seinem Allradantrieb beschleunigt der A3 mit Abstand am besten, selbst Steigungen bereiten ihm keine Probleme. Zudem bleibt er sogar bei hohen Tempi stabil, braucht allerdings in ganz engen Passagen etwas mehr Platz als die Konkurrenz. Überraschend: der hohe Spaßfaktor und das intuitiv erlebbare Handling. Das ESP lässt dem Fahrer viel Freiraum und greift erst im Ernstfall ein.

2. VW Scirocco 2.0 TSI
79 Punkte

Fazit: Der Scirocco zeigt, wie weit es der Vorderradantrieb mit und ohne ESP-Hilfe gebracht hat. Sein Fahrverhalten ist nicht nur harmonisch, spurstabil und sicher, sondern es birgt bei pointiert gesetzten Lastwechseln sogar sportlich-spaßiges
Potenzial.

3. BMW 125i Coupé
62 Punkte

Fazit: Bei den Standardaufgaben wie Beschleunigen in der Ebene und am Berg sieht der hinterradgetriebene Einser genauso alt aus wie beim Thema Spurstabilität. Selbst auf dem Handlingparcours werden ihm die mangelhafte Traktion und mäßige Seitenführung zum Verhängnis. Lediglich im Slalom fährt der agile BMW vorn mit.

Technische Daten
BMW 125i Coupé VW Scirocco 2.0 TSI Audi A3 Sportback 2.0 TFSI Quattro Ambition
Grundpreis 32.550 € 27.700 € 30.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4360 x 1748 x 1423 mm 4256 x 1810 x 1404 mm 4286 x 1765 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA 370 l 312 bis 1006 l 302 bis 1052 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 6100 U/min 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h 233 km/h 234 km/h
Verbrauch 8,2 l/100 km 7,6 l/100 km 8,9 l/100 km
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