Aston Martin DB7 Vantage

Nun leistet sich auch Aston Martin, Englands nobelster Sportwagenhersteller, einen Zwölfzylinder. Der 420 PS starke V12 arbeitet unter der Haube des DB7 Vantage.

Mit dem Zwölfzylindermotor ist es wie mit allem Luxus: Es geht auch ohne, aber wer ihn sich leisten kann, der möchte ihn nicht missen. Schon gar nicht bei einem Sportwagen der Luxusklasse. Um so peinlicher, daß ausgerechnet den Aston Martin- Kunden das gute Dutzend so lange vorenthalten blieb.

Immerhin gehören die Sportwagen zum Exclusivsten und Edelsten, was die englische Automobilproduktion zu bieten hat. Im Vergleich zu den 49 Exemplaren, die Aston Martin im vergangenen Jahr nach Deutschland exportierte, sind selbst Ferrari Massenware (621 Exemplare). Doch bisher konnten die raren und bis zu 575 000 Mark teuren Stücke bestenfalls mit V8-Motoren aufwarten. Kein Wunder also, daß man bei Aston Martin der großen amerikanischen Mutter die Füße küßt. Denn ohne die Hilfe der Ford Motor Company, seit 1988 im Besitz des Kleinherstellers, gäbe es keinen V12- Motor, und ohne den neuen V12 gäbe es in Zukunft wohl immer weniger Kunden, welche die exorbitanten Preise zu bezahlen bereit sind. Da kommt der neue DB7 Vantage gerade recht: Er ist nicht nur, um es vorweg zu sagen, der beste Aston Martin, den es je gab.

Er ist auch – zumindest gemessen an den schwindelerregenden Preissphären der betagten V8-Modelle – fast geschenkt. Als Coupé gibt es ihn für 237 500 Mark, das Cabrio namens Volante kostet 257 500 Mark. Von der Basis, dem weitergebauten DB7 mit Sechszylindermotor, trennen ihn 20 630 Mark – ein Betrag, den kein DB7-Interessent scheuen sollte. Denn abgesehen von 20 Prozent mehr Leistung bekommt er nun ein Aggregat, das dem Rang der Marke gerecht wird. Während dem Sechszylinder stets das Kainsmal der Großserie anhaftete (er stammt von Jaguar), verfügt Aston Martin beim neuen V12 über die Exclusivitätsrechte.

Daß sein Stammbaum auf die Sportwagenstudie Ford Indigo des Jahres 1996 zurückgeht, ist da nur von historischem Interesse. Damals schweißte Ford kurzerhand zwei handelsübliche Dreiliter-V6-Motoren zusammen. Danach wanderte das Projekt aber zu Cosworth nach England, wo das Sechsliter- Triebwerk binnen zwei Jahren gründlich überarbeitet wurde.

Der Cosworth-Touch zeigt sich unter anderem in besonders leichtgewichtigen Aluminiumgußteilen, die dafür sorgen, daß der V12 kaum schwerer ausfällt als der 3,2 Liter-Kompressormotor des Basis-DB7.

Auf einen Kompressor kann der V12 getrost verzichten, auch wenn eine aufgeladene Variante zum Entwicklungsspektrum gehört. Als Sauger versorgt er den DB7 Vantage mit 420 PS (DB7: 335 PS) und mit einem Drehmoment von maximal 540 Nm bei 5000/min. Aber schon im Leerlauf läßt er den Fahrer wissen, daß er es nun mit erlesener Antriebstechnik zu tun hat. Dem Auspuff entfleucht nun cremiger Sound, wie ihn nur ein Zwölfzylinder zu orchestrieren versteht. Schon im Lastenheft der Ingenieure war an prominenter Stelle vermerkt, daß der V12 kein Säusler werden sollte. Statt dessen galt es, trotz rigider Geräuschvorschriften, die Insassen mit erregenden Klängen zu verwöhnen. Das ist gelungen. Speziell bei Vollast beschallt der Vantage den Innenraum mit einem vielstimmigen Crescendo, das unter die Haut geht, selbst wenn es sich im Vergleich zu anderen Zwölfzylindern etwas rauh anhört. Auch die sonst übliche Geschmeidigkeit der Mechanik ist bei diesem V12 weniger ausgeprägt. Hohe Drehzahlen beantwortet er mit Vibrationen, die eher an einen V6 erinnern. Die Vehemenz des Vortriebs steht den akustischen Qualitäten nicht nach. Schon ab 1000/min legt sich der Zwölfzylindermotor willig ins Zeug, ab 2500/min kommt er verschärft zur Sache, und bei 5000/min atmet er derart tief durch, daß sich jeder Zweifel am Talent des Vantage zum Supersportwagen verflüchtigt.

Daß Bedenken an der Leistungsentfaltung schon mal aufkommen können, liegt in erster Linie an der sehr langen Gesamtübersetzung. Unter Tempo 100 raubt sie dem Aston Martin einiges an Temperament, was sich auch in den Beschleunigungswerten widerspiegelt. Mit 5,6 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h rangiert er unter seinesgleichen nur im Mittelfeld. Da er hier die Werksangaben (5,0 Sekunden) ebenso verfehlte wie bei der Höchstgeschwindigkeit – statt 298 waren es 286 km/h – steht zu vermuten, daß beim Testwagen die PS nicht ganz vollzählig zur Stelle waren.

Zur Beruhigung sei aber hinzugefügt: In Anbetracht des Gebotenen darf man dieses Versäumnis getrost als Schönheitsfehler betrachten.

Die Kraft der zwölf Zylinder überträgt ein Sechsgang- Schaltgetriebe, das Aston Martin vom amerikanischen Zulieferer Tremec (früher Borg Warner) bezieht. Mit seinen langen Schaltwegen verschafft es allerdings keinen Lustgewinn, ein Eindruck, der sich dem Fahrer auch bezüglich der Lenkung aufdrängt.

Sie ist nun zwar eine Spur direkter als bisher, reagiert aber etwas träge auf schnelle Lenkbewegungen, so daß der Aston Martin auf kurvenreichen Strecken ungeschlachter wirkt, als er es dank seines ausgezeichneten Fahrwerks verdient hätte. Genau das aber gehört zu seinen erfreulichsten Aspekten. Eine modifizierte Vorder- und Hinterachse, das Ganze neu abgestimmt, verleihen dem DB7 Qualitäten, die jede Verwandtschaft mit dem Jaguar XJS, von dem er den Unterbau einst erbte, vergessen lassen.

Die gute Traktion, der unerschütterliche Geradeauslauf und die hohe Kurvenstabilität erlauben es, die V12-PS angstfrei zu mobilisieren, zumal auch bei plötzlichen Lastwechseln kein Unheil droht. Richtungsänderungen werden leicht untersteuernd erledigt, in schnellen Wechselkurven kann auch mal das Heck nach außen drängen, ohne aber das Fahrkönnen zu strapazieren.

Und der neue Aston Martin verknüpft das mit einer Federung, die bei aller gebotenen Straffheit Grobheiten zuverlässig herausfiltert und auch das Cruising nicht zur Strapaze macht. Klar, daß bei 420 PS und 1847 Kilogramm Eigengewicht auch in puncto Bremsen Nachholbedarf herrschte. Riesige Scheiben mit Vierkolben- Sätteln von Brembo tragen dem Rechnung und liefern ausgezeichnete Verzögerungswerte bei guter Dosierbarkeit. Gemessen am Innenleben fallen die äußeren Veränderungen des erstarkten DB7 dezent aus. Wer genau hinsieht, entdeckt einen größeren Kühllufteinlaß, tiefergezogene Schürzen und 18 Zoll-Räder, zusätzliches Testosteron für die ohnehin schon maskulinen Formen des DB 7. Auch das Interieur bietet bis auf die neuen, bequemeren Sitze den gewohnte Anblick: Teuerstes Leder und piekfeines Holz kontrastieren mit Billigschaltern aus dem Ford-Sortiment – eine Mischung, die Aston Martin-Kunden ebenso in Kauf nehmen müssen wie den verschwenderischen Umgang ihres Gefährts mit fossilem Brennstoff. Unter 18 L/ 100 km spielt sich wenig ab. Den typischen Liebhaber der Marke dürfte aber auch das kaum erschüttern. Denn wer sonst beherrscht die Gebote des Luxus besser, von denen eines lautet: Der Kenner schweigt und bezahlt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Karosseriesteifigkeit hochwertige Lederausstattung
  • wenig Platz im Fond wenig Ablagen hohe Sitzposition kleiner Kofferraum
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort bequeme Sitze
  • hoher Innengeräuschpegel unbefriedigende Klimaanlage
Antrieb
  • hohe Fahrleistungen gute Elastizität
  • eingeschränkte Laufkultur zu lange Gesamtübersetzung lange Schaltwege
Fahreigenschaften
  • guter Geradeauslauf sichere Fahreigenschaften kaum Lastwechselreaktionen gute Traktion
  • eingeschränkte Handlichkeit
Sicherheit
  • hohe Bremsverzögerung gut abgestimmtes ABS Fahrer- und Beifahrerairbag
  • Seitenairbags nicht lieferbar
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 3
  • extrem hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • zwei Jahre Garantie
  • hoher Anschaffungspreis hohe Unterhaltskosten

Fazit

Mit dem V12 bekommt der DB7 den Motor, der seiner Marktposition gerecht wird. Er kombiniert hervorragende Fahrleistungen mit hoher Fahrsicherheit. Weniger beeindruckend: die Laufkultur des neuen Zwölfzylinders.

Technische Daten
Aston Martin DB7 Vantage
Grundpreis 131.340 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4692 x 1830 x 1243 mm
Hubraum / Motor 5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h
0-100 km/h 5,6 s
Verbrauch 19,9 l/100 km
Testverbrauch 17,3 l/100 km
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