Aston Martin DB9 Volante im Test

Duft Hoheit

Foto: Achim Hartmann 21 Bilder

Mag die Luft auch in allen Cabrios gleich sein: Der neue Aston Martin DB9 Volante würzt die Sinnlichkeit des Offenfahrens mit dem Duft der großen, weiten Welt und einem Sechsliter-V12 mit 457 PS und 570 Nm Drehmoment.

Willkommen zu Ihrem neuen Aston Martin„, begrüßt der Owner’s Guide den vermeintlichen DB9-Besitzer. Sorry, schön wär’s ja, aber als Eigner der 166 850 Euro teuren Preziose steht schon Aston Martin Press Garage in den Papieren.

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Wir lesen trotzdem weiter, weil die in Leder gebundene Betriebsanleitung so herrlich duftet und die Lektüre “Ihre Freude am Besitzen und Fahren des Wagens steigert„. Sonst wäre uns womöglich entgangen, dass es sich “um ein Hochleistungsfahrzeug mit Handlingeigenschaften handelt, an die Sie nicht gewöhnt sein könnten„.

Außerdem hätten wir nie erfahren, dass “dieser Wagen nicht dazu gedacht ist, jegliche Art von Wohnwagen, Boot oder Anhänger zu ziehen„. Der Engländer an sich hat ja Humor, und wozu Aston- Käufer fähig sind, zeigt ein zitronengelbes Cabrio, das gerade auf besonderen Kundenwunsch gebaut wird.

Mit einer speziellen Art von Anhängern müssen Werk und Besitzer freilich leben, selbst wenn der Wagen mausgrau lackiert ist: Der Edel- Brite fällt auf wie ein bunter Hund und lässt reihenweise Köpfe und Daumen hochschnellen. Kein Wunder, so wie der Volante aussieht. Die Linien fließen dahin wie die Passanten, fein gesetzte Fugen, Leuchten und Details bringen Spannung in die raffiniert-schlichte Grundform. Nirgendwo sonst versteht man sich so perfekt auf die friedliche Koexistenz von Sportsgeist und Würde, wobei das Cabrio den dynamischen Anspruch bewusst etwas tiefer hängt als das Coupé.

Trotz seiner gewaltigen Schubkraft animiert es eher zum Cruisen als zum Glühen, zumal weichere Federn und Dämpfer die Insassen komfortabler über ondulierte Pisten tragen. Mangels hinterem Querstabilisator müssen sie jedoch stärkere Karosseriebewegungen und eine auf 265 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit hinnehmen.

Naturgemäß ist der Aufbau nicht ganz so stabil wie mit Stahldach, obwohl das enorm steife, leichte Monocoque aus geklebten und genieteten Alu-Profilen die Enthauptung vereinfacht. Ein zusätzliches Blech im Boden sowie verstärkte Schweller erhöhen das Leergewicht um bescheidene 39 Kilogramm, ohne die mögliche Zuladung (269 kg) zu reduzieren.

Allerdings degradiert das nun unter einer festen Klappe verstaute Verdeck den auf 141 Liter geschrumpften Kofferraum und die beiden Rücksitze mangels Beinfreiheit zu besseren Ablagen, die ohnehin nicht sehr zahlreich vorhanden sind.

Immerhin dürfen die Aston-Insassen ihren Platz an der Sonne erstmals im Schutz von Sidebags, automatisch ausfahrenden Überrollbügeln sowie einem verstärkten Frontscheibenrahmen genießen, der mehr als das Zweifache des Wagengewichts aushält.

Auf ein klappbares Blechdach wie beim Mercedes SL oder beim nächsten Jaguar XK Cabrio wurde hingegen verzichtet, was zumindest in formaler Hinsicht keinen Nachteil bedeutet. Das hochwertige, gefütterte Stoffverdeck mit heizbarer Glasheckscheibe ist das Sahnehäubchen auf dem Volante, schränkt jedoch in geschlossenem Zustand die Übersicht stark ein und entwickelt jenseits von 160 km/h deutlich mehr Windgeräusche als das Coupé.

Viel lieber faltet es sich vollautomatisch mit einer Riesenwelle hinter den Sitzen zusammen und gewährt binnen 17 Sekunden einem brodelnden Klangteppich aus den dicken Endrohren freien Eintritt. Auch die Frontscheibe bleibt auf Distanz, um die Freuden des Offenfahrens voll auskosten zu können. Man sitzt sportlich-tief in perfekt konturiertem Recaro-Gestühl, umschlungen von offenporigem Edelholz und feinster, handvernähter Gerbware.

In diesem Wohlfühl-Ambiente lassen sich sogar der große Wendekreis, schlecht ablesbare Instrumente sowie die viel zu kleinen Tasten auf der Mittelkonsole verschmerzen. Alle Aufmerksamkeit gebührt ohnehin dem rot beleuchteten Kristallknopf, der das Tier unter der Motorhaube zum Leben erweckt.

Mit tiefem, zärtlichem Grollen meldet sich der Sechsliter-V12 zum Dienst und macht den Fahrer bereit, von seiner mit großer Klasse, Disziplin und Vehemenz vorgetragenen Urgewalt zu kosten. So beeindruckend wie der Nachdruck ist die Gleichmäßigkeit der Leistungsabgabe.

Seine vollen 457 PS mobilisiert der Vierventil-Saugmotor zwar erst bei 6000/min, aber von den wuchtigen 570 Newtonmetern stehen mindestens 80 Prozent zwischen 2000 und 6400 Touren zur Verfügung. Sie werden vom 4200 Euro teuren ZF-Automatikgetriebe (Touchtronic) so diskret und feinfühlig zwischen den sechs Gängen durchgereicht, dass nie der Wunsch nach der jetzt lieferbaren Handschaltung aufkommt.

Selbst die Schaltpaddel am Lenkrad sind kaum mehr als ein prächtiges Spielzeug, das zunehmend an Reiz verliert, je mehr man sich von der Souveränität des Automaten überzeugt hat. Gesteigerte Dynamik verspricht eher ein Druck auf die Sport-Taste, womit der Aston erst bei Maximaldrehzahl (6900/min)hochschaltet und noch energischer, aber völlig unaufgeregt und von scheinbar unerschöpflichen Kraftreserven beflügelt dem Horizont entgegenstrebt.

Die Beschleunigungswerte, die das Messprotokoll ausweist, katapultieren den Volante geradlinig in die Champions League der Sportwagen, und im Gegensatz zum Vorgänger DB7 gilt das nun auch für die Fahreigenschaften. Der 1,9-Tonner sticht freudig in Kurven, bleibt bis in den Regelbereich des feinfühligen ESP sicher auf Kurs und tut so, als wäre er eine ganze Nummer kleiner und leichter. Auch die Bremsen sind Weltklasse.

Allein die stärkere Seitenneigung, das kräftigere Untersteuern und das nicht so messerscharfe Handling zeigen, dass das Cabrio mehr als das straffe Coupé dem entspannten Gleiten zugetan ist. Gelassenheit ist ohnehin angesagt, trotz seines feudalen Preises ist der Volante bereits bis 2006 ausverkauft.

Die Produktion bleibt auf 1000 Stück pro Jahr begrenzt, die Exklusivität gewahrt. Gut so, denn nun gibt es zwar einen DB9 für jeden, aber nicht für alle.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –viel Platz für zwei –edles, stilvolles Interieur –hochwertiges Verdeck
  • –unübersichtliche Karosserie –kleiner Kofferraum
Fahrkomfort
  • –harmonische Federung –bequeme Sportsitze –gute Klimatisierung
  • –kräftige Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck
Antrieb
  • –erstklassige Fahrleistungen –hohe Laufkultur –perfekt abgestimmtes Automatikgetriebe –attraktives Motorgeräusch
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling –gute Traktion –stoischer Geradeauslauf –exakte, feinfühlige Lenkung
Sicherheit
  • –hochwirksame Bremsen –ESP und Überrollschutz serienmäßig
Umwelt
  • –hoher Benzinverbrauch Kosten
Kosten
  • –reichhaltige Ausstattung –drei Jahre Garantie
  • –hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten –dünnes Servicenetz

Fazit

Kleinste Stückzahlen und viel Handarbeit haben ihren Preis, doch den rechtfertigt der DB9 Volante mit souveränem Antrieb, gutem Komfort und einem überzeugenden Mix aus Perfektion und Emotion.

Technische Daten
Aston Martin DB9 Volante
Grundpreis 181.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4710 x 1875 x 1261 mm
KofferraumvolumenVDA 138 l
Hubraum / Motor 5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 336 kW / 457 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 265 km/h
0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch 16,6 l/100 km
Testverbrauch 16,1 l/100 km
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