Aston Martin DBS im Test

517 PS-Supersportler für James Bond

Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Der Aston Martin DBS ist mit 517 PS der bislang stärkste Straßensportler von Aston Martin. Seine 570 Nm lassen sich für herrliche Drifts nutzen. Doch macht der leistungsgesteigerte Zwölfzylinder das DB9-Derivat zum Supersportwagen?

Ein Morgengruß direkt aus den Brennräumen des V12. Und die Garagenwand dämmt nicht, sie verstärkt eher. 

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V12 des Aston Martin DBS lässt Wände erzittern

Liebe Nachbarn, Entschuldigung. Der neue Aston Martin DBS kann nicht anders: Er muss der Welt bei jedem Start erneut eine Kostprobe seines zwölfstimmigen Bläsersatzes gönnen. Der Motor-Trimm will es so – ohne Zutun des Fahrers folgt dem Anlasserjaulen ein pausbäckiger Gasstoß. Da hat Morgenstund nicht Gold, sondern Jazz-Posaunen im Mund. Dann beruhigt sich der Sechsliter auf einen Flüster-Leerlauf.

Jetzt, nachdem alle aus dem Bett gefallen sind, hat das Luxus-Coupé sein Ziel erreicht: Mit kaum mehr als Standgas brodelt es durch die Tempo-30-Zone. „Ich habe Euch geweckt, seid dankbar. Häufig bekommt ihr ein 240.000-Euro-Schmuckstück wie mich nicht zu Gesicht.“ Wenn bei Tagesanbruch lodernde Eleganz die Straße erstrahlen lässt, ist der Blick schlagartig hellwach. Der DBS ist der Traum vieler Auto-Ästheten: ausdrucksstarke Gesichtszüge, schwellende Rundungen und eine konturierte Taille – mit dieser Linie entspricht Aston Martin wie kaum eine zweite Marke dem allgemeingültigen Schönheitsideal.

Aston Martin DBS – James Bond lässt grüßen

Obwohl der Aston Martin DBS als Leistungsträger fast schon expressiv auftritt, wird ihm die Zeit nichts anhaben. Seine Form ist auf dem Weg zum immergrünen Klassiker. Die Farbe der Herren hat grau zu sein, da folgt der Testwagen ganz dem altenglischen Grundsatz. Trotz dieser zurückhaltenden Lackierung füllt das zweisitzige Coupé selbst einen gewöhnlichen Parkplatz mit Aura. Es entspringt der unwirklichen Traumwelt des James Bond, lässt mondäne Urlaubsorte assoziieren und Casino-Glitzer.

Immerhin bemüht sich der Gentleman-Racer im Dinnerjacket auch um die bürgerliche Realität: Unter dem bürzelartigen Heckdeckel befindet sich ein brauchbarer Kofferraum, der Rest des Gepäcks darf vorne mitreisen – in tiefen Kuhlen hinter den beiden Sitzen.

Selbstverständlich sind diese Transport- Séparées mit Leder tapeziert. Natürlich spannt sich Alcantara über den Köpfen. Selbstredend ist die karierte Vertäfelung aus Kohlefasern gebacken. Und alles was glänzt besteht tatsächlich aus Metall. Wie etwa der wuchtige Schalthebel des mechanischen Sechsganggetriebes – weshalb man sich bei frostigen Temperaturen morgens ein eiskaltes Händchen holt.

DBS erlaubt schaltfaules Fahren

Im fließenden Verkehr schaudert die Schalthand im Aston Martin DBS im Test nicht allzu oft; mit der Kraft eines Hubraumriesen packt der Sechsliter-V12 auch im hohen Gang knapp über Leerlaufdrehzahl kräftig an. Wenn schon nicht optisch, dann lässt sich der DBS in der Stadt zumindest akustisch unauffällig bewegen. Nur beim Anfahren muss man mehr Gas geben als ge wohnt; der Vierventiler spricht wenig homogen an. Auch beim Gangwechsel sollte die Choreografie von Kupplungs- und Gasfuß geschmeidig einstudiert sein, sonst ruckt es unfein. Der Frontmotor-V12 überrascht also an der einen oder andren Stelle.

Rustikaler V12 im Aston Martin DBS

Die gleiche Basis feuert auch die Rennwagen DBR9 und DBRS9 über die Rundstrecken. Dennoch ist der bei Mahle gegossene Aluminium-Zwölfer ein rustikaler Bursche: Sein Beben kündet vom großen Hubraum, sein leicht verzögertes Hochdrehen von der Schwungmasse, die an der Kurbelwelle hängt.

Einen mechanischen Charakterkopf à la Lamborghini Murciélago hätte man im Aston Martin DBS nun nicht gerade vermutet. Beide Antriebe übertragen aus ihren Tiefen unterschwellige Geräusche, ihre Wellen subtiles Spiel. Hierin unterscheiden sie sich grundlegend vom Dritten im Bunde der großen V12-Zweisitzer, dem Ferrari 599 GTB Fiorano – und dessen feinmechanischer Präzision.

Andere Sportmotoren explodieren. Im Aston dagegen fackelt das Dutzend Flammensäulen Super Plus gleichförmig ab, bis die Luft über der Motorhaube flimmert. Das sieht nach vehementem Renneinsatz aus, fühlt sich allerdings eher unspektakulär an. Kein Supersport- Kick, der das Gleichgewichtsorgan durcheinander wirbelt – fast ebenmäßig dreht das 517-PS-Triebwerk hoch, bis der Begrenzer das Drehzahlband bei 6.900/min jäh durchtrennt.

Aston Martin DBS überzeugt mit leicht dosierbarer Leistung

Nie überrascht der Aston Martin DBS seinen Piloten im Test durch schlagartigen Haftungsverlust oder kapriziöse Konterneigung. Dank Lamellen-Differenzialsperre ist der Aston Martin je nach Präferenz effektvoller Quertreiber oder effektives Kurvenkatapult. Traktionsschwächen? Nur bei niedrigen Temperaturen. Auf welliger Fahrbahn hilft die weichere Abstimmung des verstellbaren Fahrwerks gekonnt bei der Suche nach Grip. Der Sport-Modus taugt dagegen nur fürs Pisten-Parkett.

Ideallinien-Schnüfflern sind die optionalen Rennsitze ein guter Partner; sie rauben keine Bewegungsfreiheit, geben aber Halt, wo man Unterstützung benötigt. Und der 1,7-Tonner beweist erstaunliches Kurventalent. Satt stützt er sich gegen die Fliehkräfte ab, bewegt sich scheinbar leichtfüßig, wedelt bei den Fahrversuchen einem Ferrari 599 GTB knapp davon und ist kaum langsamer als ein Lamborghini Murciélago LP 640.

Erst die geschundenen Profilblöcke entlarven, dass die Lenkung nur die Illusion eines Springinsfeld vermittelt – die Vorderreifen reiben sich für ihren Kurvenwillen auf. Der Lohn sind exzellente Fahrdynamik-Werte, die Kosten ein Satz Edel-Gummis.


Supersportwagen-Gefühle kommen im DBS nicht auf

Trotz hoher Leistungszahlen: Supersportwagen-Gefühle kommen im Aston Martin DBS im Test nicht auf. Hierfür ist der DBS nicht akribisch, nicht feinnervig genug; Lenkung und Fahrwerk arbeiten gelassen statt radikal zielgenau. Ganz der Tradition verpflichtet, baut Aston Martin nach wie vor sportliche Tourenwagen. Der DBS gibt eher den sanften Verführer, nicht den hitzigen Einheizer. So ungestüm wie im James-Bond-Film ist die Wirklichkeit nicht: Man hastet nicht einfach in einen Aston Martin und brennt mit durchdrehenden Rädern durch. Erst muss der Fahrer via Schlüssel an die Emotionsquelle, einen Schlitz in der Mittelkonsole, andocken.

Daraufhin folgt der Start per ausdauerndem Druck auf den Schlüssel – ein bewusstes Initialisierungsritual, dem eher selten derbe Burnouts folgen dürften. Stattdessen feines Fahren: gesetztes Reisen bei erhöhter Richtgeschwindigkeit. Dann muss sich der Motor nicht anstrengen, brabbelt, ruht in sich. Ebenso Lenkung und Federung.

Gelassenheit mündet in akzeptablen Reichweiten, lässt zudem die Ergonomie-Mängel fast vergessen: die zu hohe Armablage, an der man sich beim Schalten den Ellbogen stößt. Das zwischen Sitz und Mittelkonsole eingeklemmte Gurtschloss. Die winzige Sonnenblende als wunderschön gefertigtes Feigenblatt. Die verstreuten Schalter. Oder die Bedienung von Radio und Navigationsgerät – ohne Anleitung schwierig. Aber immerhin ist sogar der Kleine Kurs von Hockenheim kartografiert. Fehlen nur noch Ideallinien-Kommandos. Vielleicht doch noch mal kurz auf die Piste abbiegen – zum zweiten Morgengruß?

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Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Ausreichende Platzverhältnisse, edele Innenraum-Anmutung, gute Verarbeitungsqualität, hohe Karosseriesteifigkeit
  • Ergonomische Schwächen, umständliche Bedienstruktur
Antrieb
  • Sehr gute Fahrleistungen, drehfreudiger Zwölfzylinder, passend abgestuftes Sechsgang-Getriebe
  • Mäßige Laufkultur, hakelige Schalthebel-Führung
Fahrkomfort
  • Exzellent geformte Sportsitze, guter Langstreckenkomfort
  • Relativ lautes Abrollen, Kratzgeräusche der Keramik-Bremsscheiben
Fahreigenschaften
  • Sehr agiles Fahrverhalten, stabiler Geradeauslauf, gute Handlichkeit, leichtgängige Lenkung
Sicherheit
  • Wirksame, standfeste Keramik-Bremsanlage
  • Seitenairbags nicht bei Sportsitzen erhältlich
Kosten
  • Voraussichtlich guter Wiederverkaufswert, reichhaltige Ausstattung, drei Jahre Garantie
  • Sehr hohe Anschaffungskosten, kurze Wartungsintervalle, dünnes Servicenetz
Umwelt
  • Sehr hoher Testverbrauch

Fazit

Beim Topmodell spitzt Aston Martin die Sportlichkeit nahezu auf das Niveau eines Lamborghini Murciélago LP640 zu. Der relativ rau laufende Zwölfzylinder überrascht – man erwartet höheren Antriebskomfort.

Technische Daten
Aston Martin DBS
Grundpreis 249.516 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4721 x 1905 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA 155 l
Hubraum / Motor 5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 380 kW / 517 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 307 km/h
0-100 km/h 4,3 s
Verbrauch 16,4 l/100 km
Testverbrauch 18,2 l/100 km
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