Aston Martin V8 Vantage im Test

Der kleine Prinz

Foto: Achim Hartmann 12 Bilder

Britischer Sportsgeist für Edelmänner: Im kleinsten Aston Martin komprimiert der neue V8 Vantage charismatische Gestik, agiles Handling und stimulierenden Klang auf 4,38 Meter. Nebenbei sorgen 385 PS aus einem 4,3-Liter-V8 für reichlich Fahrspaß.

Mit unaufgeregter Dramatik, geduckt fließender Gestalt und dezent sportlichem Habitus transferiert der V8 Vantage feine Aston Martin-Tradition verlustfrei in die Gegenwart. Schließlich weiß seit James Bonds Goldfinger jedes Kind, dass Sean Connery im Aston der Konkurrenz davonfährt.

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Einzeltest Aston Martin V8 Vantage
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Entsprechend stilsicher und selbstbewusst betritt der Brite das 100 000-Euro-Parkett. Dort, wo Platzhirsch Porsche 911 seit Generationen mehr oder weniger ungestört seine Kreise zieht, hissen die Jungs aus Gaydon nun den Union Jack.

Und setzen dabei auf eine solide Basis: Miteinander verklebte Aluminium- Elemente bilden den stabilen Rahmen, für akkurate Radführung sind doppelte Dreiecks-Querlenker, ebenfalls aus Aluminium, zuständig. Und mittendrin, hinter der Vorderachse, lauert ein neuer, 4,3 Liter großer V8. Die Trockensumpfschmierung erlaubt wegen des Verzichts auf die Ölwanne eine schwerpunktfreundlich tiefe Einbaulage sowie sichere Ölversorgung selbst bei extremer Längs- und Querbeschleunigung.

Das Sechsganggetriebe vom italienischen Zulieferer Graziano ist zwecks ausgeglichener Gewichtsverteilung Richtung Hinterachse ausquartiert, was zur paritätischen Verteilung der 1636 Kilogramm beiträgt. Ganz klar, Astons Kleiner ist ein Gentleman-Racer mit Biss.

Ein Anspruch, den das zähnefletschende Gesicht mit dem typischen Kühlergrill und den von zornig funkelnden LED-Leisten begleiteten Scheinwerfern unterstreicht. Gestreckte Haube, kompakte Kanzel mit hoher Gürtellinie und spärlich-pointiert gesetzten Glasflächen, dynamisch strömende Flächen, knappes Stummelheck: Die Aston-Designer haben alles richtig gemacht.

Jeder der 4382 Vantage- Millimeter verheißt Hochspannung. Die entlädt sich beim Ausklappen der bündigen Alu-Türöffner. Eine Welle süßen Lederaromas flutet die Nase, Recaro- Sportsitze schmiegen sich willfährig, aber mit festem Griff stützend an, während die eiskalt beleuchteten, wunderschön dreidimensionalen Alu- Instrumente mit ihren gegenläufigen Zeigern Blicke magisch ansaugen.

Lediglich der lieblose Schlüssel mit Ford-Bart, die unübersichtliche Karosserie und Detailmängel bei der Bedienung (siehe Spotlight) dämpfen die Begeisterung. Peanuts, wenn nur noch ein Schlüsseldreh und der Druck auf den rot glimmenden Glas-Starterknopf vom Donnern des V8 trennt.

Ein Virtuose, der das ganze Repertoire vom unterschwelligen Grummeln über drohendes Grollen bis zum jubilierenden Hämmern drauf hat. Vor allem ab 4000 Touren, wenn die Bypass-Klappen im Auspuff öffnen, herrscht Partytime bis zum Begrenzer bei 7200/min. Abseits des Radau-Modus reklamiert der Vantage mit moderaten Bedienkräften und weichem Ansprechverhalten nicht einmal im profanen Stadtverkehr Exoten-Status.

Stattdessen punktet er mit generösem Platzangebot für zwei, bequem-sportlicher Sitzposition, Stauraum hinter den Sitzen und einem veritablen 239-Liter-Fach unter der großen Heckklappe. Gut so, denn als Gran Turismo soll er schmale Landstraßen erobern, durch Berge und Täler schwingen, über Land gleiten oder ein paar hundert Kilometer Autobahn am Stück fressen.

Der kleine Aston erlaubt seinem Besitzer eine breite Hausstrecken-Varianz – sogar einspurig mit Curbs darf sie sein. Ausgewogene Agilität und das neutrale Eigenlenkverhalten, das den Vantage in der Nähe des Grenzbereichs sanft über alle vier Räder schieben lässt, schaffen intensives Vertrauen.

Kalkulierbar- samtig und druckvoll zugleich am Gas hängende 385 PS und 410 Newtonmeter Drehmoment schieben mächtig an, während die mit etwas hoher Pedalkraft operierenden Brembo- Bremsen Standfestigkeit garantieren.

Wie eine sanft korrigierende Hand hält zudem das elektronische Stabilitätsprogramm überschäumendes Temperament im Zaum; normalerweise kündet lediglich das aufleuchtende Symbol vom Regeleingriff. Dabei darf das Heck sogar ein wenig nach außen drängen – mitlenkend statt überholend. Bei deaktiviertem ESP schwenkt es dann williger aus – zum herzhaften Drift muss der Vantage allerdings regelrecht überredet werden. Die Bridgestone Potenza – optional in 19 Zoll – kapitulieren erst spät vor der Macht des V8. Etwa bei der Beschleunigungsmessung mit abgeschalteter Traktionskontrolle, die zwei lange und zwei kurze schwarze Striche sowie eine Zeit von 5,5 Sekunden auf Tempo 100 ergibt.

Man kann also mit dem obenraus rüde brüllenden V8 sorglos jubelnd die Stille einer einsamen, spitzkehrengarnierten Berg-und-Tal-Bahn zerteilen, seinen Sinnesorganen beschleunigend Futter geben, ohne dass einem dabei ein tückisch querkommendes Heck oder eine knüppelharte Federung in die Parade fahren.

Mit seiner moderat-straffen Fahrwerksabstimmung ermuntert der Aston stattdessen zum Entdecken stiefmütterlich geflickter Kreisstraßen x-ter Ordnung. Lediglich kurze Unebenheiten wie Autobahn-Querfugen oder schlecht eingepasste Kanaldeckel stoßen den Passagieren unangenehm auf, der Rest wird sportlich-angemessen gefiltert.

Übrig bleibt ein ehrlich-mitteilsames Zwiegespräch zwischen Mensch und Maschine, das mit der ruhigen, nicht zu spitz ausgelegten Lenkung punktgenau-rhythmische Richtungswechsel unterstützt. Das ist hilfreich unter anderem im Slalom des auto motor und sport-Fahrdynamikparcours, den der Vantage auf Anhieb schwungvoll und exakt passiert. Lediglich bei extrem schnellen Richtungswechseln – Tempo rund 140 km/h –, wie sie der so genannte ISO-Wedeltest verlangt, erscheint die Lenkung träge und inhomogen, sogar der große Bruder DB9 wechselt die Prüfgassen schneller.

Insgesamt dürfte der Kleine aber nicht nur eingefleischte Aston Martin- Fans zu einem Grinsen bringen, das mindestens so breit ausfällt wie das der LED-Rücklichter im knackigen Vantage-Heck.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –ordentliches Platzangebot für Passagiere und Gepäck –stilvoll-individuelles Interieur
  • –unübersichtliche Karosserie –Bedienung mit Schwächen
Fahrkomfort
  • –angemessen sportlicher Federungskomfort –bequeme Sportsitze
  • –stößig auf kurzen Unebenheiten
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –spontanes Ansprechverhalten –stimulierendes Motorgeräusch –ordentliche Laufkultur –exakte Schaltung
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling –gute Traktion –hohe Fahrsicherheit
  • –etwas träge Lenkung
Sicherheit
  • –standfeste Bremsen –fein regelndes ESP
  • –stumpfes Bremspedalgefühl –keine Kopfairbags
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –drei Jahre Garantie
  • –hoher Anschaffungspreis –hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der V8 Vantage verbindet stilsichere Eleganz mit Individualität, ausgewogener Sportlichkeit und hoher Fahrsicherheit – untermalt von herrlich grollendem Motorsound. Für einen Aston Martin ist er preiswert.

Technische Daten
Aston Martin V8 Vantage
Grundpreis 111.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4380 x 1865 x 1255 mm
KofferraumvolumenVDA 239 l
Hubraum / Motor 4282 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 283 kW / 385 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch 17,2 l/100 km
Testverbrauch 15,5 l/100 km
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