Astra Twin Top gegen Saab 9-3 Cabrio

Windsbräute

Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Mit dem Opel Astra Twin Top und dem Saab 9-3 Cabriolet buhlen zwei schöne Töchter aus der GM-Familie um den Partner fürs Leben. Eine sportlich-dynamisch, die andere komfortabel-gelassen.

Mit Autos ist es oft wie mit Menschen – obwohl sie aus derselben Familie stammen und auch einige tief greifende Gemeinsamkeiten haben, können sie durchaus unterschiedliche Geschmäcker ansprechen. Dabei steht natürlich zunächst der optische Reiz im Vordergrund.

Aber erst die feinen Nuancen im Charakter geben den endgültigen Ausschlag, ob man das Gegenüber sympathisch findet und mit ihm möglicherweise eine festere Bindung eingehen möchte. Der Opel Astra Twin Top und das Saab 9-3 Cabriolet sind so ein Geschwister-Pärchen. Beide stammen aus dem Hause General Motors, beide sind viersitzige Cabrios, und beide haben den gleichen 1,9-Liter-Dieselmotor mit 150 PS unter der Haube. Doch wie im wahren Leben kleidet sich das jüngere Astra Cabrio viel fetziger als das erwachsenere Saab Cabrio – modisches Blechklappdach und scharf geschnittene Karosserie auf der einen Seite, klassisches Stoffverdeck und eher zurückhaltend geformtes Blechkleid auf der anderen. Dabei bietet die Linienführung des Saab durchaus handfeste Vorteile für die Passagiere.

Dem Fahrer beschert sie im geöffneten Zustand ein authentischeres Cabrio-Erlebnis, weil der obere Rahmen der steiler stehenden Windschutzscheibe deutlich mehr Abstand zum Kopf hält. Und die Hinterbänkler kommen sich im 9-3 wegen der flacher ansteigenden Seitenwände nicht so eingemauert vor. Außerdem ist die Saab- Karosserie nach vorne besser einsehbar. Im geschlossenen Zustand stört aber die schmale C-Säule des Astra den Blick nach schräg hinten weit weniger als die breite des 9-3. Sehr unangenehm ist hingegen, dass der Innenspiegel die freie Sicht aus dem Astra nach schräg vorne stark einschränkt (siehe Spotlight auf Seite 80). Die Technik, welche die edel anmutende, straff gespannte Stoffhaube des Saab in nur 20 Sekunden unter der Abdeckung mit zwei angedeuteten Höckern verschwinden lässt, ist weitgehend unsichtbar.

Dagegen fragt sich der Astra-Fahrer beim Betrachten des in jedem Detail sichtbaren, in 30 Sekunden ablaufenden Öffnungsspektakels, wie lange das filigrane Zusammenspiel der drei Dachteile, 14 Gelenke, acht Hydraulikzylinder und fünf Elektromotoren wohl so reibungslos klappt. Muss man wirklich so viel Technik mitschleppen, nur um offen zu fahren? Nein, aber beim Geschlossenfahren sorgt das Stahlklappdach für eine weitere Stabilisierung der ohnehin sehr soliden Astra-Karosse, die offen selbst auf stark ondulierten Nebenstrecken nur wenig zum Zittern neigt. Auch das 9-3 Cabrio erweist sich als sehr solide, und nur im direkten Vergleich fällt auf, dass es nicht ganz so steif wirkt wie der offene Astra.

Außerdem werden die akustischen Vorzüge des festen Dachs vor allem bei hohem Tempo jenseits der Autobahn- Richtgeschwindigkeit hörbar, wo das ansonsten sehr gut isolierte Verdeck des Saab doch das Rauschen des Fahrtwindes vernehmbarer durchlässt. Offen weht in beiden Viersitzern die gleiche steife Brise, die den Nacken sanft massiert und die Haare ordentlich durcheinander wirbelt. Zumal wenn alle vier Seitenscheiben versenkt sind. Störend beim Astra sind aber die flatternden Sicherheitsgurte bei unbesetzten Rücksitzen, und auch der vordere Gurt zerrt bei höherem Tempo unangenehm an der Schulter. Die in die Vordersitze integrierten Gurte des Saab bieten dem Fahrtwind hingegen keine Angriffsmöglichkeiten. Dieselmotoren in Cabrios sind heute kein Tabu mehr.

Denn schon bei Landstraßentempo gehen die spezifischen Laute der Selbstzünder in den allgemeinen Fahrgeräuschen unter. Natürlich läuft ein V6-Benziner seidiger als ein Diesel. Aber selbst wenn die Verdecke an einem strahlenden Morgen im Sommer schon vor dem Start des Motors geöffnet werden, ist das Nageln er- träglich. Von der Leistungsentfaltung her sind die durchzugsstarken Diesel ohnehin die perfekten Begleiter für gelassene Cabriotouren weit abseits der Hauptverkehrswege. Die Eigenschaften der identischen Aggregate sind naturgemäß in Astra und 9-3 sehr ähnlich. Beiden gemeinsam ist das leicht verzögerte Ansprechen beim Anfahren, das beim Opel jedoch noch etwas mehr Sensibilität in Gas- und Kupplungsfuß erfordert.

Dafür legt das Triebwerk im Astra einen Tick flotter zu. Und auch beim Dieselkonsum fordert das leicht höhere Gewicht des Saab seinen Tribut in Form von 0,2 Liter Mehrverbrauch je 100 Kilometer. Dass der Opel das um 16 Zentimeter kürzere Auto ist, schlägt sich im Innenraumangebot weit weniger stark nieder als erwartet. Der Saab ist nur etwa eine halbe Nummer luftiger geschnitten. Das gilt sowohl für die Innenbreite vorne und hinten als auch für den Beinraum im Fond. Bei geschlossenem Dach ist jedoch die Kopffreiheit im Astra auf den Rücksitzen stark eingeschränkt, während sich unter der hellen Innenverkleidung des Saab-Verdecks auch hinten beinahe das Gefühl einstellt, in einer Limousine zu sitzen. Beim Kofferraumvolumen mit geschlossenem Dach hat der Astra die Nase vorn. Zudem ist der Laderaum über den großen Deckel besser zugänglich als das Saab-Abteil durch die enge Luke.

Praktisch ist dagegen der automatisch beim Schließen des Stoffdachs einklappende Verdeckkasten. Der Opel bietet eine Ladehilfe durch das Anheben des zusammengefalteten Dachpakets auf Knopfdruck. Ein Witz ist aber die geringe Zuladung von gerade mal 332 Kilogramm. Die unterschiedlichen Charaktere der beiden treten auch beim Fahrverhalten zu Tage. Hier der jugendliche Astra mit sehr agilem Handling und präziser Lenkung. Dort der gesetztere Saab, der Kurven etwas behäbiger angeht, was sich zugleich im Federungskomfort widerspiegelt: Während der 9-3 ausgewogen, ruhig und schluckfreudig wirkt, federt der Astra straffer. Er rollt zudem nicht so geschmeidig ab und spricht vor allem auf Autobahnquerfugen störrischer an. Nur auf langen Wellen gibt er sich ähnlich kommod wie der Saab.

Das erwachsene Saab 9-3 Cabriolet ist der perfekte Partner für jene, die ihre Sturm-und-Drang-Zeit schon hinter sich gelassen haben – und vor allem genug Geld in der Kasse haben. Beim jugendlichen Opel Astra Twin Top spart man allein in der Anschaffung rund 9000 Euro – da kann jeder Ausflug zur ausgelassenen Party werden.

Fazit

1. Opel Astra Twin Top
478 Punkte

In der Eigenschaftswertung bleibt dem straffer abgestimmten, etwas knapper geschnittenen Astra nur der zweite Rang. Aufgrund des deutlich niedrigeren Preises hat er aber unter dem Strich die Nase vorn.

2. Saab 9-3 Cabriolet
469 Punkte

Zu den Vorzügen des 9-3 Cabrios zählen der exzellente Federungskomfort, die besseren Platzverhältnisse und die standfesteren Bremsen. Nachteile sind der hohe Preis und die weniger dynamischen Fahreigenschaften.

Technische Daten
Saab 9-3 1.9 TiD Cabriolet Vector Opel Astra 1.9 CDTI TwinTop Cosmo
Grundpreis 39.150 € 31.680 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4635 x 1762 x 1434 mm 4476 x 1759 x 1411 mm
KofferraumvolumenVDA 352 l 205 bis 440 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 213 km/h
0-100 km/h 10,2 s 10,1 s
Verbrauch 6,3 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 7,9 l/100 km
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