Astra Twin Top gegen VW Eos

Dach-Salve

Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Opel Astra Twin Top und VW Eos: vier Sitze und darüber ein festes Dach, das sich in einer zirkusreifen Nummer zusammenfalten kann. So weit die Gemeinsamkeiten. Wo liegen die Unterschiede zwischen den beiden Cabrios?

Stopp. Das kann nichts werden. Der Versuch, das Öffnen und Schließen der Dächer dieser beiden neuen Cabrios in Worte zu fassen, ist zum Scheitern verurteilt. Weil kein Platz mehr übrig bliebe für Dinge, die der Leser noch wissen möchte. Sehen Sie sich also in Ruhe die Bilder an. Sowohl beim VW Eos als auch beim Opel Astra vollzieht sich eine höchst eindrucksvolle konzertierte Aktion von Stangen, Klappen, Zügen, Relais und Hydraulikpumpen. Sie weckt zwangsläufig die inständige Hoffnung, das Ganze möge bitte schön ein Autoleben lang so problemlos funktionieren wie während dieses Tests.

Die aufwendigen, mehrteiligen Dächer dienen dem vorteilhaften Erscheinungsbild. Sie machen eine riesige Frontscheibe überflüssig, unter der die Insassen hocken wie in einem Aquarium. Beim Eos ist das noch besser gelungen als beim Astra. Seine Scheibe steht eine Spur steiler und behindert den Blick nach vorn oben noch weniger. Eine winzige Nuance, aber spürbar positiv für das Cabrio-Gefühl. Das Eos-Dach ist zudem nicht aus Blech, sondern durchsichtig – und sogar mit einem Schiebedach versehen. Es besitzt somit die Dachhochschulreife und erklärt zum Teil den deutlich höheren Preis des VW. Die faltbaren Hardtops brauchen viel Platz, wenn sie sich im Heck zusammenkuscheln.

Beim Eos führt das zu einem dominanten Hintern. Seine Karosserie überragt die des Astra deutlich. Der wirkt geschlossen mehr wie ein elegantes Coupé. Das macht sich auch im Innenraum bemerkbar. Der Beinraum vor den Rücksitzen ist eng, der Astra ist eher 2+2 als echter Viersitzer.

Im Eos sitzen die Hinterbänkler besser, profitieren aber nicht von der höheren Dachlinie. In beiden Fällen spüren Insassen ab 1,80 Meter Größe, dass sie unter einem harten Top sitzen. Wenn das Coupé zum Cabrio wird, spielt die Viersitzigkeit eine geringere Rolle – es sei denn, der Fahrer ist bereit, das Postkutschen- Tempo nicht allzu energisch zu überschreiten. Sie wissen nicht, wie Hechtsuppe zieht? Der Autor auch nicht, aber so ähnlich muss es wohl sein. Vorn hat man die Möglichkeit, den Sturm zu regulieren. Scheiben hoch, und die Windstärke lässt entscheidend nach. Windschotts bieten beide gegen Aufpreis.

Mit ihrer Installation erledigt sich das Thema Viersitzigkeit sowieso. Fahrer und Beifahrer sitzen in beiden Konkurrenten bequem, die Gestaltung von Karosserie und Interieur ist durchweg funktionell. Der Astra bekommt noch einen kleinen Pluspunkt, weil sich bei ihm das gefaltete Dach im Kofferraum per Knopfdruck anheben lässt, um beispielsweise den voluminösen Kosmetikkoffer der reizenden Beifahrerin leichter verstauen zu können.

Bei offenem Dach fassen beide Gepäckabteile übrigens nur noch magere 205 Liter, bei geschlossenem Verdeck ist das des Astra erheblich größer (siehe Tabelle). Das Fahren enthüllt Unterschiede, die ein erfreuliches Kontrastprogramm erkennen lassen. Es ist nicht so, dass hier Zwillingsbrüder mit unterschiedlichen Markenemblemen entstanden sind. Der Eos scheint der Kompaktklasse, aus der er stammt, entwachsen. Er wirkt größer – und damit auch etwas behäbiger. Wer mit ihm eine Kurve zu schnell nimmt, merkt schon früh, dass er beginnt, fröhlich pfeifend über die Vorderräder zu schieben. Also lässt man es ruhig angehen. Dies ist ein Cabrio für den Mann, der niemandem etwas beweisen muss. Der Astra unterstreicht das, was sein Äußeres verkündet: Sein Fahrcharakter ist der eines sportlicheren, jugendlicheren Autos.

Er lenkt spontaner ein, zeigt ein etwas neutraleres Kurvenverhalten. Das alles hat mit der Fahrsicherheit wenig zu tun, da liegen beide auf hohem Niveau. Den Unterschied, den das Fahrgefühl schon bei normaler Fahrt meldet, zeigen die Messwerte im VDA Ausweichmanöver – besser bekannt als Elchtest. Die Differenz zwischen Ein- und Ausfahrgeschwindigkeit ist beim Astra geringer als beim Eos. Er bremst sich weniger stark ab und braucht keinen kräftigen ESP-Eingriff.

Grenzwerte sind das eine, Komfort ist das andere. Und für das offene Cruisen weit wichtiger. Beide Konkurrenten besitzen wohl abgestimmte Fahrwerke, die Fahrbahnstöße weit gehend von den Passagieren fernhalten.

Da wurde die richtige Abstimmung getroffen für Autos, bei denen der Fahrgenuss mehr im Betrachten der vorbeigleitenden Landschaft liegt als im Anvisieren von Bremspunkt und Kurvenscheitel.

Erstaunlich ist, dass der Astra keine Zugeständnisse an sein besseres Handling macht. Im Gegenteil: Wenn die Straße schlecht wird, zeigt sich, dass seine Federung die Unebenheiten noch geschmeidiger wegschluckt als die des Eos. Dafür ist jener im Vorteil, wenn eine schnelle Reise auf der Autobahn angesagt ist. Einziger Schwachpunkt beim Testwagen: Das geschlossene Dach verursacht mehr Windgeräusche als der in dieser Hinsicht vorbildliche Hut des Astra. Aber ansonsten ist der Eos ruhiger, weil er einen die Drehzahl senkenden sechsten Gang besitzt. Der Astra begnügt sich mit einem Fünfganggetriebe und ist zudem sehr kurz übersetzt. Im Fünften erreicht er mühelos seine Maximaldrehzahl. Und weil der Motor ohnehin brummiger läuft als der für einen Vierzylinder bemerkenswert kultivierte Motor des Eos, schlägt das Phon-Messgerät stärker aus. Mit mehr Hubraum und mehr Leistung versehen, wirkt die VW Maschine souveräner.

Sie sorgt nicht nur für die bessere Beschleunigung, sondern erzielt sogar trotz der längen Sechsgang- Übersetzung die besseren Werte bei den Elastizitätsmessungen. Allein was den Verbrauch angeht, vermag sich das direkt einspritzende VW-Triebwerk nicht in Szene zu setzen. Der Opel-Motor ist sparsamer, zudem darf er mit Superbenzin gefüttert werden, während der VW-Motor für das teure Super Plus ausgelegt ist. Womit wir bei den Kosten wären. Da ergibt sich das traditionelle Bild: Opel günstiger als VW. Das gilt nicht nur für den Anschaffungspreis, bei dem die Differenz für fast 2000 Liter Benzin ausreicht.

Auch bei Wartungs- und Unterhaltskosten räumt der Opel die Maximalpunktzahl ab. So verspielt der VW seinen knappen Vorsprung in der Eigenschaftswertung, den er vor allem seinem harmonischen Antrieb verdankt.

Der Opel zieht vorbei. Beide können nun gespannt abwarten, bis im Herbst mit dem Ford Focus der Dritte im Bunde erscheint.

Fazit

1. Opel Astra Twin Top
480 Punkte

Der Astra Twin Top zeichnet sich durch ein sehr gut abgestimmtes Fahrwerk aus. Sein Motor läuft nicht sonderlich kultiviert, ist aber sehr sparsam. Den Grundstein zum Sieg legt der günstigere Preis.

2. VW Eos
478 Punkte

Der Eos bietet eine besonders ausgefeilte Dachkonstruktion und etwas mehr Platz im Innenraum. Der Motor läuft leise, verbraucht aber zu viel. Im Handling ist der VW dem Opel unterlegen.

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Technische Daten
VW Eos 2.0 FSI Opel Astra 1.8 TwinTop Edition
Grundpreis 28.925 € 27.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4407 x 1791 x 1443 mm 4476 x 1759 x 1411 mm
KofferraumvolumenVDA 380 l 205 bis 440 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min 103 kW / 140 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 209 km/h
0-100 km/h 10,4 s 11,3 s
Verbrauch 8,2 l/100 km 7,7 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km 8,8 l/100 km
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