Audi A2

A zwei Ohh

Nach dem zögerlichen Verkaufsstart des A2 mit nur einem Benzin-Motor rückt nun der Audi A2 1.4 TDI nach. Der Ingolstädter tritt gegen den runderneuerten Mercedes A 160 CDI an.

Trotz offensichtlicher Ähnlichkeiten haben Mercedes A 160 CDI und Audi A2 1.4 TDI eine nur zufällige Schnittmenge technischer Gemeinsamkeiten: Beide tummeln sich am unteren Ende der Kompaktklasse und verfügen über ein ähnliches Konzept.

Die A-Klasse sorgt schon seit 1997 für Furore in der Golf-Klasse. Mit dem Imagevorteil des Sterns konnte Mercedes trotz anfänglich erheblicher Probleme weit über eine halbe Million Autos verkaufen. Konsequente Modellpflege und zuletzt ein tiefgreifendes Facelift führen zur A-Klasse des Jahres 2001.

Neben einer neu gestylten Optik, höherwertigem Interieur und erneuten Korrekturen am Fahrwerk stellt vor allem die um 170 Millimeter gestretchte Langversion eine Verbesserung des umstrittenen Konzepts dar. Allein: Den Vorteil des langen Radstandes kann die kurze Version in diesem Doppeltest nicht für sich in Anspruch nehmen.

Audi A2. Der A-Klasse konzeptionell sehr ähnlich, spielt er in der Audi-Modellpalette und im Umfeld der Konkurrenten nicht die Rolle, die der kleine Mercedes belegt. Er ist nicht der Einstiegs-Audi unterhalb des A3. Nicht einmal ein Golf- oder Polo- Konkurrent. Ein Auto für Minimalisten. Wenig Hubraum. Kompakt. Formal eher eine futuristische Telefonzelle als ein Automobil. Kaum massenkompatibel. Und zum Serienbeginn nur mit einem Benzinmotor lieferbar.

Ein Jahr nach der Markteinführung beschenkt Audi den kleinen Alu-Snob nun mit einem TDI. Womit der Kleine schlagartig zulegende Sympathie-Ratings verzeichnen dürfte. Mit dem A2 wird das Kurz-Hoch-Ineinandergeschachtelt-Konzept, das auch die A-Klasse vertritt, erstmals logisch nachvollziehbar. Wo die A-Klasse seltsam kompromissbehaftet daherkommt, wirkt der A2 deutlich gewitzter.

Im Vergleich der Innenraum-Abmessungen ist der A 160 CDI zunächst durchaus noch mit dem Audi vergleichbar. Der Zollstock täuscht jedoch über die tatsächlichen Platzverhältnisse hinweg: Wo man in der A-Klasse nach wie vor unbequem sitzt, können im Audi selbst ausgewachsene Mitteleuropäer ihre Beine locker in die Aussparungen im doppelten Fahrzeugboden strecken.

Hinzu kommt die bessere Kopffreiheit im Fond sowie ein Plus an Innenbreite vorn – das Raumangebot im A2 ist fühlbar besser. Gewöhnungsbedürftig ist die hohe Seitenlinie des Audi. Klaustrophobische Naturen könnten sich im A2 eingesperrt fühlen; die Stege im Bereich der A-Säulen und die auf das Heckfenster geklebte Spoilerlippe behindern die Übersicht. Hier wirkt der A 160 freundlicher. Ein weiterer Vorteil des Mercedes ist sein tiefer Kofferraum.

Der A2 holt dasselbe Volumen aus einer in den Fahrzeugboden eingelassenen Vertiefung. Ist die Mulde aber mit dem optionalen Falt-Notrad ausgefüllt – auch der A 160 CDI hat serienmäßig kein Reserverad –, bleibt mit eingezogenem Boden nur ein kümmerlicher Kofferraum-Rest.

Aber: Die Rücksitzbank im Audi ist auf Grund der besseren Kniefreiheit auch für zwei Personen langstreckentauglich und lässt sich, wie im A 160, mit wenigen Handgriffen aufstellen oder gänzlich ausbauen. Dann bietet der Audi mit 1.085 Litern mehr Gepäckraum als der Mercedes (1.040 Liter).

Den so errungenen Sympathie-Vorsprung für das pfiffiger ausgenutzte Konzept verspielt man aber mit einer geradezu schamlosen Ausstattungspolitik: Ist der A2 1.4 TDI mit einem Basispreis von 34.912 Mark schon teuer genug – was sich mit einigem Wohlwollen noch durch die aufwendige Aluminium-Konstruktion und seine klassensprengenden Ambitionen rechtfertigen lässt –, wird der Audi-Kunde dann erst richtig zur Kasse gebeten.

Denn der Winzling kommt im Serienzustand ohne Fernbedienung für die Zentralverriegelung, ohne Klimaanlage, ohne Nebelscheinwerfer und ohne Radio. Allerdings steht auch der A 160 CDI ohne Klimaanlage oder Radio da und kostet gar 27 Mark mehr. Zwar schien sich die A-Klasse-Klientel in der Vergangenheit am verzerrten Preis-Leistungs-Verhältnis des Baby-Benz nicht zu stören, sollte dies jedoch die Audi-Messlatte sein, so ist sie denkbar schlecht gewählt.

Nichts zu kritisieren gibt es an den herausragenden Qualitäten des A2 TDI. Selbst im Komfortkapitel kann der Audi  den Mercedes schlagen. Besonders auf langen Bodenwellen wirkt der A2 wesentlich stabiler. Während die neue, lange A-Klasse deutlich komfortabler federt, scheint das Facelift der Kurz-Version gerade einmal ein besseres Ansprechverhalten auf kurze Fahrbahnschläge und erhöhten Abrollkomfort eingebracht zu haben. Die so geholten Komfort-Punkte verspielt der Mercedes aber sogleich wieder mit einer unkomfortablen Sitzposition.

Besonders im direkten Vergleich mit dem ungleich fahraktiveren Audi A2 kann das Fahrverhalten des Mercedes trotz des Facelifts nicht so recht überzeugen: Die A-Klasse untersteuert im Grenzbereich stark und ist mit einer unpräzise-schwammigen Lenkung geschlagen. Zudem sind starke Antriebseinflüsse spürbar.

Von einer Überarbeitung ist nur wenig festzustellen, Lenkbefehle scheint der kompakte Mercedes allenfalls als freundliche Empfehlung aufzufassen, der Geradeauslauf ist immer noch nervös und leidet bereits bei leichten Windböen spürbar.

Dagegen liefert der Audi eine bestechende Vorstellung. Mit seiner präzisen, gefühlvollen Lenkung lässt sich der A2 hervorragend kontrollieren; das sportlich, aber ohne unnötige Härten abgestimmte Fahrwerk macht richtig Spaß.

Selbst auf schlechter Straße bleibt der Audi neutral und gutmütig, sein Fahrwerk bietet auch im Grenzbereich genügend Raum für gut kontrollierbare Korrekturen. Das serienmäßige ESP spielt nur die Rolle des Sicherheitsnetzes für überraschende Gefahrensituationen. Genau so muss es sein.

Ebenso drahtig und direkt agiert der 75 PS starke 1,4- Liter-Dreizylinderdiesel im A2. Ohne spürbare Anfahrschwäche legt der TDI-Triple im 1.110 Kilogramm schweren Audi los und klingt dabei wunderbar kräftig.

Erst bei höheren Drehzahlen verebbt der drehfreudigenergische Antritt, der kleinvolumige Dreizylinder verlegt sich dann auf gleichmäßigen Zug bis zur Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h.

Der subjektiv leichtfüssige Eindruck spiegelt sich auch in den Fahrleistungsmesswerten wider: In 13,8 Sekunden marschiert der Audi aus dem Stand auf 100 km/h, der Durchzug von 80 bis 120 km/h im letzten Gang wird in 13,1 Sekunden absolviert.

In einer gänzlich anderen Liga spielt da der Mercedes A 160 CDI. Für die Beschleunigung von 80 auf 120 km/h im großen Gang braucht der temperamentlose 1,7-Liter-Motor trotz seines Hubraum vorteils endlose 17 Sekunden länger. Einziger Vorteil des Vierzylinders ist seine bessere Laufruhe, ein Vorteil, der aber gerade im Autobahnbetrieb durch die praktisch nicht vorhandene Durchzugskraft zunichte gemacht wird.

An Steigungen muss in den vierten Gang zurückgeschaltet werden, der zäh drehende Motor hält dann unter Getöse gerade einmal die Geschwindigkeit. Und der Audi braucht pro 100 Kilometer trotz seines viel besseren Leistungsvermögens mit 5,5 Liter Diesel rund einen halben Liter weniger als der A 160 (5,9 Liter).

In dieser Form dürfte sich der A2 1.4 TDI bereits erfolgreich mit dem stärkeren, nahezu 2000 Mark teureren A 170 CDI balgen. Den phlegmatischen A 160 CDI lässt er in nahezu jeder Beziehung hinter sich.

Fazit

1. Mercedes - A 160 CDI - 29441
470 Punkte

2. Mercedes A 160 CDI: Das Facelift der A-Klasse war in erster Linie ein Kurieren von Symptomen. Der A 160 CDI ist träge und freudlos; sein extrem durchzugsschwacher CDI-Vierzylinder ist nicht empfehlenswert. Pluspunkte gibt es nur für die wirksame Bremse.

2. Audi A2 1.4 TDI
501 Punkte

Der A2 profitiert von seinem guten Fahrwerk. Er ist fahrsicher und macht richtig Spaß. Sein Dreizylinder-TDI ist dem Mercedes-Vierzylinder deutlich überlegen. Bis auf die hohen Anschaffungskosten ist dem A2 kaum etwas anzukreiden.

Technische Daten
Audi A2 1.4 TDI Mercedes A 160 CDI Classic
Grundpreis 18.000 € 18.502 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3826 x 1673 x 1553 mm 3606 x 1719 x 1575 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1085 l 390 bis 1040 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder 1689 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h 162 km/h
0-100 km/h 13,8 s 15,6 s
Verbrauch 4,3 l/100 km 4,6 l/100 km
Testverbrauch 5,5 l/100 km 5,9 l/100 km
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