Audi A3 1.8 TFSI, BMW 120i, Volvo C30 2.4i

Drittel-Fix

Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Mit neuen, sparsamen Vierzylinder- Benzinern sollen sich Audi A3 1.8 TFSI und BMW 120i gegen jüngere Rivalen wie den Volvo C30 2.4i mit Fünfzylindermotor weiter absetzen – nicht nur im Drittel-Mix.

Heckantrieb, Kompaktformat, BMW-Propeller auf der Haube und 170 PS darunter – genau, da war doch mal was. 1973 erregte der 2002 Turbo die Gemüter, weil so viel Leistung und offensive Sportlichkeit nicht in die Zeit passten. 34 Jahre später wirkt das gleiche Paket kein bisschen spektakulär, selbst wenn der aktuelle 120i nun 224 statt 211 km/h läuft. Nur beim Spurt von null auf 100 km/h liegt der 250 Kilogramm leichtere Oldie weiterhin vorn, obwohl sein Turbo-Bumms erst ab 4000/min einsetzt.
Doch schon das Leitmotiv „effiziente Dynamik“ für den renovierten Einser lässt erkennen, dass es den BMW-Technikern diesmal nicht in erster Linie um mehr Leistung ging. Benzin-Direkteinspritzung mit ausgedehntem Magerbetrieb, modifizierte Brennräume, bedarfsgerecht abgekoppelte Nebenaggregate sowie die Start-Stopp-Automatik sollen vor allem Verbrauch und CO2-Ausstoß senken. Statt Freude am Fahren also nur noch Freude am Sparen.

Nicht unbedingt, denn im 120i kommen beide Aspekte zu ihrem Recht.

Klar, bessere Fahrleistungen und das unverändert brillante Handling begeistern auf Anhieb, die perfekt funktionierende Motorabschaltung an Ampeln sowie die Anzeige zum frühzeitigen Hochschalten erst auf den zweiten Blick. Spätestens dann, wenn sich die Früchte auch des eigenen Tuns auf dem Bordcomputer zeigen, ist der sportliche Ehrgeiz geweckt: Der im gemischten Alltagsbetrieb erzielte Testverbrauch (9,2 L/100 km) ließ sich auf der auto motor und sport-Normrunde um fast vier Liter senken.
Selbst bei Audi müssen Sparfüchse nicht mehr zwangsläufig zum TDI greifen. Anders als das Mutterhaus VW , wo man die Zukunft des Ottomotors in einer Kombination aus Turbo und Kompressor sieht, hat die Marke jedoch einen völlig neuen, kettengetriebenen Vierzylinder mit zwei Ausgleichswellen, Direkteinspritzung und konventioneller Aufladung entwickelt. Der 1.8 TFSI arbeitet im A3 zwar nicht ganz so knausrig (9,5 L/100 km), aber verblüffend kultiviert, leise und spritziger als der zehn PS stärkere BMW, der etwas rau und zugeschnürt wirkt. Bei Beschleunigung und Durchzug ist er diesem sogar klar überlegen – nicht zuletzt ein Verdienst seines höheren Drehmoments (250 statt 210 Nm) bei erheblich weniger Umdrehungen (1500 statt 4250/min).

Ganz anders der seit 16 Jahren gebaute Fünfzylinder im Volvo C30 2.4i, der seinen Reiz aus dem größeren Hubraum, der angenehmen Akustik und der gleichmäßigen Kraftentfaltung bezieht. Besonders temperamentvoll oder drehfreudig ist er allerdings nicht, und mangels ausgefuchster Spartechnik sowie eines sechsten Gangs konsumiert er mehr als die beiden Deutschen (10,0 L/100 km). Ein Komforttriebwerk also, zumal das Geräuschniveau trotz des kernigen Motors insgesamt erfreulich niedrig liegt.
Solche Zurückhaltung sollte man vom Fahrwerk indes nicht erwarten. Es wirkt polterig und unterdämpft, teilt auf groben Wellen schon mal Stöße aus und ist wie die Sitze etwas schwammig. Zudem erreichen sowohl das Handling als auch die elektrohydraulische Lenkung nicht die Präzision des Konzernbruders Ford Focus. Bei hohem Kurventempo schiebt der Fronttriebler überdies wimmernd über alle Viere – für die Sicherheit völlig unproblematisch, fürs Fahrvergnügen jedoch ebenso dämpfend wie die schwache Traktion oder die Antriebseinflüsse in der Lenkung.

Dass es auch ohne derartige Störfeuer geht, zeigt der weitgehend neutrale bis leicht untersteuernde Audi. Unaufgeregt und willig folgt er dem eingeschlagenen Kurs, lässt es dabei weder an Exaktheit noch an Rückmeldung fehlen. Mit dem serienmäßigen Sportfahrwerk samt 17-Zoll-Bereifung kommt der getestete A3 Ambition dem Ideal eines ausgewogenen Kompaktwagens jedenfalls sehr nah, obwohl der Komfort naturgemäß etwas unter der straffen Abstimmung leidet. Erst bei hoher Beladung und forciertem Tempo spricht die Federung ausreichend sensibel auf Querfugen an.

Dagegen lupft es die BMW-Insassen unter solchen Bedingungen bisweilen aus den Sitzen.

Ansonsten werden sie von groben Erschütterungen kaum behelligt, eher schon von Windgeräuschen und dem im oberen Bereich dröhnigen Motor. Im Gegenzug entschädigt der 120i mit einem Handling in Topform: Optimale Gewichtsverteilung, messerscharfe Lenkung und ein willig, aber ohne Tücke eindrehendes Heck unter Lastwechsel ergeben eine Dynamik, die nicht nur bei den Fahrversuchen begeistert. Die überzeugende Vorstellung des Hecktrieblers wird abgerundet von fest zupackenden Bremsen, die spurtreu und – anders als bei A3 und C30 – auch auf unterschiedlichen Belägen (μ-split) mit akzeptablen Anhaltewegen verzögern.
Angesichts dieser sportlichen Talente lässt sich leicht verschmerzen, dass der Einser keine Familienkutsche sein will. Vorne reichen Platzangebot und Raumgefühl allemal gut aus, und der neue Zweitürer ist zumindest konsequent, weil die Hinterbänkler ohnehin wenig Kniefreiheit haben. Nicht viel besser ergeht es ihnen im coupéhaften, nur wenig Stauraum bietenden Volvo, während man im geräumigen Audi durchaus mit vier Erwachsenen samt Gepäck auf Reisen gehen kann. Weitere Pluspunkte verdient er sich mit dem besten Qualitätseindruck bis hin zu sauber rastenden Schaltern sowie einer ansprechenden Ausstattung. Eine Klimaanlage wird freilich wie beim äußerst karg ausstaffierten BMW extra berechnet.

Im C30 mit dem gehobenen Momentum-Paket ist sogar die automatische Klimaregelung Serie, doch der Grundpreis dafür um einiges höher. Auch bei Festkosten, Verbrauch und Wiederverkaufschancen schneidet er schlechter als seine Rivalen ab, so dass er letztlich nur als designorientierte Alternative für Individualisten brilliert. Der enge, betont fahrdynamische BMW hat hingegen besonders durch seinen neuen Motor gewonnen, obwohl sein Verbrauchsvorteil durch das teure Super Plus wieder zunichte gemacht wird. Denn selbst wenn er heute mit seinem Sparkonzept ähnlich viel Aufsehen erregt wie einst der 2002 Turbo, trumpft am Ende erneut der A3 mit seiner Ausgewogenheit auf. 

Fazit

1. Audi A3 1.8 TFSI
489 Punkte

Der neue, kultivierte Turbomotor unterstreicht die Kardinaltugenden des A3: Er ist harmonisch, gediegen, fahrsicher und dabei sehr wirtschaftlich.

2. BMW 120i
485 Punkte

Wer Agilität über alles setzt, findet im Einser den passenden Partner. Auch die Spartechnik verdient Anerkennung, Platzangebot und Ausstattung nicht.

3. Volvo C30 2.4i
451 Punkte

Eine designorientierte Alternative ohne klares Profil, nicht richtig sportlich oder komfortabel. Der Fünfzylinder klingt gut, ist aber nicht sparsam.

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Technische Daten
Audi A3 1.8 TFSI Ambition BMW 120i Volvo C30 2.4i Summum
Grundpreis 25.650 € 26.550 € 27.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4214 x 1765 x 1421 mm 4239 x 1748 x 1421 mm 4226 x 1782 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1080 l 330 bis 1150 l 251 bis 894 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder 2435 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 118 kW / 160 PS bei 5000 U/min 125 kW / 170 PS bei 6700 U/min 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 224 km/h 220 km/h
0-100 km/h 7,8 s 8,7 s 8,4 s
Verbrauch 7,3 l/100 km 6,7 l/100 km 8,4 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km 9,2 l/100 km 10,0 l/100 km
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