Audi A3 Sportback 2.0 TFSI im Test

In die Verlängerung

Foto: Achim Hartmann

Die viertürige Version des A3 verbindet Elemente von Coupé und Kombi. Im Test muss sich der 200 PS starke Zweiliter-Turbo-Benzindirekteinspritzer in dem Kompaktwagen beweisen.

Helyn Latham, 28. Eine Frau, die mit ihren großen grünen Augen Männer ins Verderben reißen kann. Oder Farbe und Form neuer Audi-Modelle inspiziert. Wenn sie nicht gerade der Sportback Illustrated von Audi Modell steht. Die Marke mit den Ringen will beim A3 Sportback augenscheinlich nichts anbrennen lassen und gibt zur Markteinführung des A3-Viertürers ein eigenes Magazin heraus. In dem lassen schicke Audi-Designerinnen sehr blonde, sehr junge und sehr bauchfreie Models alt aussehen. Ganz im Sinn der potenziellen Sportback-Klientel, die das Längen und Türen-Plus eher als Ausdruck eines lifestyligen Lebensgefühls denn drögen Nutzwertes verstehen sollen.

Nur ein unverbesserlicher Familienvater denkt da bei Viertürigkeit noch an das Festzurren von Kleinkindern im Fond und das Hineinstopfen von Windeln in den Kofferraum. Der Sportback soll Eleganz und Sportlichkeit statt Klein-Helena samt ihrem Maxi-Cosi transportieren. Und wenn schon eine schöne Helena an Bord ist, dann sitzt sie am Steuer. Und hört Café del mar statt Bibi Blocksberg. Wobei es ruhig pushendere Klänge sein dürfen, denn die Ingenieure schliffen die Sportback-Hardware ebenso hingebungsvoll wie die Marketing- Mannen die Image-Software. So hält der 200 PS starke, turbogeladene Direkteinspritzer, was die böse dreinblickende Front mit dem aggressiven Kühlergrill verspricht.

Druckvoller Antritt bereits aus niedrigen Drehzahlen, homogene Kraftentfaltung plus ausgeprägte Drehfreude bis in den roten Bereich bei 6700/min rehabilitieren das oftmals gescholtene FSI-Prinzip. Stichwort Homogenität: Operieren FSI-Saugmotoren im unteren Drehzahlbereich mit einem stark abgemagerten Gemisch und einem ebenso mageren Durchzug, darf sich der weltweit erste Benzindirekteinspritzer mit Turboaufladung jederzeit einen leistungsfördernden Benzin-Luft- Cocktail in die Brennräume füllen.

Die milde Aufladung und eine für Turboverhältnisse hohe Verdichtung von 10,5:1 sorgen für eine Synthese von Power und Fahrbarkeit. Der TFSI bettet seine 200 PS auf ein sattes Drehmomentplateau von 280 Newtonmetern. Damit ist klar, dass sich Fans wild anreißender Turbomonster und hektisch zischender Abblasventile anderswo bedienen müssen. Der Vierventiler lässt nur beim Beschleunigen aus ganz niedrigen Drehzahlen den Turbo spüren und fährt sich ansonsten wie ein Saugmotor. Dank zwei gegenläufigen Ausgleichswellen bleibt der Vierzylinder schwingungstechnisch zurückhaltend. Dafür mit großer Lunge und ausgeprägtem Durst: weder bei der verhalten vorgetragenen Normrunde (7,2 Liter) noch im gemischten Testbetrieb (10,9 Liter) knausert der Direkteinspritzer mit dem guten Super Plus.

Im Gegenzug spüren selbst erfolgsverwöhnte Okkupanten der linken Autobahnspur seinen heißen Atem im Nacken. Und werden ihn kaum noch los. Es sei denn, sie machen Platz. Als Entschädigung gewährt er ihnen dann einen Blick auf seinen strammen Hintern mit den im Stil der Studie Nuvolari gestalteten Heckleuchten. Ein Anblick, der sich manchem auch auf der Landstraße bieten wird, obwohl das beim frontgetriebenen TFSI serienmäßige Direktschaltgetriebe DSG im Automatikmodus sportlicher Fahrweise bisweilen entgegensteht. Passt die Schaltstrategie bei normaler Fahrweise noch gut – hier fischt die Elektronik stets die passende Stufe aus den sechs möglichen – reagiert DSG auf forciertes Tempo bisweilen mit hektischer Betriebsamkeit, sprich unnötig häufigen Gangwechseln. Wer die nicht der Elektronik überlassen will, kann aber per Schaltpaddel oder -hebel selbst walten. Im Manuellprogramm überzeugt das DSG dann mit perfektem, blitzartig vorgetragenem Hochund vor allem Herunterschalten ohne Zugkraftunterbrechung.

Die Arbeit lohnt. Mit seiner exakten elektromechanisch unterstützten Lenkung und weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten erweist sich der Sportback trotz gelegentlicher Traktionsprobleme als talentierte Kurvenfräse. Das sensibel eingreifende ESP und standfeste Bremsen sorgen für Sicherheit. Der Haken an der Sache: Den TFSI gibt es nur in der Ambition- Variante mit serienmäßigem Sportfahrwerk – und das teilt speziell bei langsamer Fahrt auch Dinge über den Fahrbahnzustand mit, die man nicht so genau wissen will. Ob Kanaldeckel oder Querfugen: Der Sportback scannt mit seinen 17-Zöllern die Oberfläche und schickt die Informationen nur mäßig gefiltert an die Insassen. Je nach persönlicher Einstellung empfinden die das als ehrliche Rückmeldung oder unangenehme Härte. Mit steigendem Tempo oder Zuladung wird die Federung geschmeidiger, ohne dass die Präzision des Fahrverhaltens darunter leidet. Selbst schnell überfahrene Bodenwellen oder tückische Senken verlieren ihren Schrecken.

Fraglich ist, ob die hinten Sitzenden derartige Manöver goutieren. Zwar können sie nach bequemem Zustieg klaustrophobiefrei mitreisen, opulent geht es im Fond aber nicht zu. Das gilt auch für den Gepäckraum, der gegenüber dem Zweitürer kaum zugelegt hat. 370 Liter im Normalzustand und 1120 bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind Standard in der Golf-Klasse. Im Endeffekt ist der Sportback also nicht mehr und nicht weniger als ein A3 mit vier Türen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • solide Verarbeitung guter Materialeindruck nahezu optimale Bedienbarkeit
  • nur durchschnittliche Variabilität eng geschnittener Innenraum
Fahrkomfort
  • unaufdringliches Motorgeräusch bequeme, stützende Sportsitze
  • straff abgestimmtes Sportfahrwerk
Antrieb
  • homogene Leistungsentfaltung ausgeprägte Drehfreude gute Fahrleistungen DSG mit hohem Schaltkomfort
  • im Automatikmodus verzögertes Ansprechen
Fahreigenschaften
  • agile Fahrwerksabstimmung sehr präzise Lenkung hohe Fahrsicherheit
  • eingeschränkte Traktion
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung standfeste Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro-4-Norm
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • hoher Anschaffungspreis teure Extras nur zwei Jahre Gewährleistung

Fazit

Der Sportback hält, was die dynamische Optik verspricht. Er ist solide verarbeitet, schnell und bietet etwas mehr Platz als der Zweitürer. Das beim TFSI serienmäßige Sportfahrwerk verlangt allerdings eine Portion Sportsgeist.

Technische Daten
Audi A3 Sportback 2.0 TFSI Ambition
Grundpreis 30.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4286 x 1765 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA 370 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 236 km/h
0-100 km/h 7,2 s
Verbrauch 7,7 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km
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