Audi A3 Sportback gegen VW Golf

Doppel-Verdiener

Foto: Hans-Dieter Seufert 7 Bilder

Gleicher 1.6-FSI-Motor mit 115 PS, gleiche technische Basis und fast gleicher Anschaffungspreis: Die Schwestermodelle aus Wolfsburg und Ingolstadt sind dennoch überraschend unterschiedlich.

Vom neuen A3 gibt es eine viertürige Variante namens Sportback – für raumbewusste Kompaktwagenkäufer. VW wiederum hat den Golf als Sportline im Programm, um die fahraktive Klientel in die Autohäuser zu locken. Ein straff abgestimmtes Fahrwerk, 16-Zoll-Aluräder und Sportsitze kennzeichnen diesen Golf.

Beim Preis herrscht zwischen den jeweils mit einem 115 PS starken 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer bestückten Viertürern nahezu Gleichstand.
Der Golf 20.200 Euro, Audi verlangt 20.950 Euro für den A3. Dies gilt freilich nur für die günstige Ausstattungslinie Attraction, bei der nicht einmal Aluminium-Felgen zum Standard gehören. Immerhin, das Nötigste ist bei beiden an Bord.

Golf: Mehr Platz im Fond

Vom Fond aus betrachtet ist der Golf dem A3 vorzuziehen -zum einen wegen der vielgrößeren Kopffreiheit, zum anderen, weil man aus dem VW besser hinaussehen kann. Im Audi stört dagegen die kleine Säule vor dem C-Pfosten. Auch in der ersten Reihe schränkt der Audi seine Passagiere mehr ein als der Golf, dessen hohes Dach Van-Charakter vermittelt.

Beim Standard-Kofferraum hat tatsächlich der Sportback etwas mehr zu bieten, bei umgelegter Rückbank liegt dagegen der Golf mit fast 200 Liter zusätzlichem Volumen klar vorn. Mit seiner niedrigeren Ladekante und der breiteren Hecköffnung erleichtert er zudem das Beladen. Sperriges Sportgerät ist also nicht etwa im Sportback besser aufgehoben, sondern im Golf.

Beiden gemein sind Sechsganggetriebe, die eine Schaltpräzision an den Tag legen, wie man sie bisher von BMW kannte. VW hat die unteren vier Gänge kürzer übersetzt, die letzten beiden dagegen lang. Audi macht es gerade andersherum. Daraus resultieren sehr unterschiedliche Fahreindrücke.

Beim Losfahren zeigt sich der 1,6-Liter-Benzinmotor im Golf von seiner besten Seite, wirkt fast wie ein Zweiliter-Aggregat. Legt die Drehzahl dann aber zu, tippt man auf einen Diesel – nicht wegen des Durchzugs, der verhalten ausfällt, sondern wegen der Vibrationen und des Laufgeräusches, das um 3.700/min sogar zum Dröhnen führt.

Der A3 fühlt sich beim Abfahren nicht ganz so kräftig an: ein Tribut an die längere Übersetzung. Sie ist im Verbund mit einer aufwendigeren Motordämmung aber auch für ein leiseres Laufgeräusch verantwortlich.
Im Testverbrauch – die Direkteinspritzer verbrennen Super Plus – machen sich die unterschiedlichen Getriebe-Übersetzungen kaum bemerkbar. Die Minimalverbräuche sind sogar identisch. Wer jedoch einen Golf Sportline oder einen A3 kauft, schielt nicht ständig auf den Spritkonsum.

Golf ist praktischer, Audi mit mehr Fahrspaß

Fahrfreude ist gefragt, und vor allem der Audi spielt groß auf, lässt sich präzise und auch mit hoher Geschwindigkeit sehr neutral um Ecken dirigieren. Doch der Golf liegt dicht auf. Er wirkt nur eine Spur behäbiger und lässt sich ebenfalls sehr zügig bewegen. Allerdings erkauft er sich diese Agilität mit einem zu harten Fahrwerk.

Der in der Vergangenheit oft für sein straffes Sportfahrwerk gescholtene A3 trumpft in diesem Vergleich mit Normalfahrwerkdagegen auf. Komfort und Sportlichkeit ergänzen sich in diesem Fall gut. Sänftenweich ist er allerdings nicht, was sich auch in hörbaren Abrollgeräuschen offenbart.

Der Golf ist das praktischere Auto, wenn man mit vier erwachsenen Passagieren unterwegs ist. Schließlich ist der A3 auch als Sportback kein Raumwunder – aber hier immerhin komfortabler als der Golf.

Technische Daten
VW Golf 1.6 FSI Sportline Audi A3 Sportback 1.6 FSI Attraction
Grundpreis 21.210 € 21.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1485 mm 4286 x 1765 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 370 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h 196 km/h
0-100 km/h 11,7 s 11,7 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km 8,2 l/100 km
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