Audi A4 1.8 im Test

Ring of the Road

Foto: Hardy Mutschler 43 Bilder

In den neuen A4 hat Audi ein ungewöhnliches Maß an Entwicklungsaufwand gesteckt. Das Ziel ist klar: Das soll der
Primus in der Premium-Mittelklasse werden. Im Top-Test der 160 PS starke 1.8 TFSI.

Nur keine falsche Bescheidenheit. Bei Audi in Ingolstadt strotzen die Bosse vor Selbstbewusstsein. Dass die Marke mit den vier Ringen bis 2015 der erfolgreichste Premium-Hersteller der Welt sein will, hat man uns bereits wissen lassen.

Schon im nächsten Jahr, so die Prognose des Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler, sollen erstmals mehr als eine Million Autos verkauft werden. Was, wenn man die Verkaufszahlen von 2007 betrachtet, ein durchaus realistisches Ziel darstellt. Der wichtigste Beitrag zur Erfolgsstory trägt den Code A4. Die Mittelklasse- Limousine kommt Anfang Dezember in neuer Form zu den Händlern.

Neu bedeutet in diesem Fall nicht nur das übliche „etwas größer, etwas stärker, etwas teurer“. Sondern ein in weiten Teilen umgekrempeltes Auto, das mit seinem Vorgänger nur noch die Grundpfeiler des technischen Layouts gemein hat. Des Pudels Kern liegt in Fahrwerk und Antriebsstrang. Denn der bisher zur Gänze vor der Vorderachse ruhende Motor galt als die Achillesferse des Audi.

Er sorgte für eine stark frontlastige Gewichtsverteilung und bedingte damit eine sehr straffe Abstimmung der Vorderachsfederung. Das war fürs Handling nicht optimal und für den Federungskomfort schon gar nicht. Jetzt sitzt der Motor weiter hinten oder, besser gesagt, die Vorderachse weiter vorn.

Denn das Differenzial tauschte seinen Platz mit der Kupplung und rutschte damit um 15,4 Zentimeter in Richtung Wagenbug. Diese Basis-Operation wird von weiteren technischen Neuerungen begleitet: Eine Vorderachse mit fünf aus Aluminium bestehenden Lenkern verringert die ungefederten Massen, was als bewährte Medizin gilt, um das Ansprechverhalten der Federung zu verbessern. Das Lenkgetriebe wanderte unter die Vorderachse, so dass die Lenkkräfte ohne die Exaktheit mindernde Umwege an die Räder gelangen.

Last but not least: Die Batterie sitzt jetzt unterm Kofferraum, auch dies ein Beitrag zum Ausgleich des Gewichtskontos. Ein Weitsprung der Technik also – und einer, von dem der Kunde nicht nur in der Theorie etwas hat. Vor allem der Fahrkomfort hat zugelegt, das merkt man auf den ersten Metern.

Auffallend ist nicht nur das leise Abrollen der getesteten Frontantriebsversion mit Ambition-Ausstattung und Reifen der Dimension 225/50 R 17. Ein neues A4-Gefühl entsteht hauptsächlich dadurch, dass die Stuckerneigung der Vorderachse auf Querfugen weitgehend eliminiert werden konnte.

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Welchen Konkurrenten in der Mittelklasse muss der A4 am meisten fürchten?
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Auch lange Bodenwellen meistert die Federung souverän. Der A4, der bisher in Sachen Federung klar hinter der Konkurrenz lag, kann sich nun selbst ohne das Aufpreis- Fahrwerk mit variablen Dämpfern mit den Besten des Segments messen. An diesem erfreulichen Ergebnis ist auch der verlängerte Radstand beteiligt, der überdies für ein deutlich verbessertes Raumangebot sorgt.


Wer auf die hinteren Plätze beordert wird, muss sich nicht länger als Stiefkind fühlen, sondern genießt reichlich Beinfreiheit sowie eine bequem ausgeformte Sitzbank. Der Kofferraum schließlich hat Gardeformat: Der Volumennormwert liegt bei 480 Litern. Damit ist, auch dank der gut ausnutzbaren Form, dafür gesorgt, dass umfangreiches Reisegepäck problemlos verstaut werden kann.

Wie es heute die Regel ist, ist der A4 in allen wichtigen Dimensionen gewachsen. Das sorgt für ein stattliches Erscheinungsbild, hat aber, wenn man nicht nur an knapp geschnittene Parklücken denkt, keine spürbaren Nachteile. Denn den modernen Aerodynamik- Irrweg der nach vorne total unübersichtlichen Karosserien macht Audi beim A4 nicht mit, erreicht aber trotzdem einen hervorragenden cW-Wert von nur 0,27.

Die länger gewordene Motorhaube bleibt zumindest andeutungsweise im Blickfeld und erleichtert damit das Rangieren. Die sehr präzise ansprechende Lenkung und die durchweg geringen Bedienungskräfte tun ein Übriges, um dem Fahrer das Leben leicht zu machen. Erst außerhalb der Stadt, auf kurvigen Straßen, kommen dann die wahren Talente dieses Autos zur Geltung.

Man könnte sie mit dem vielstrapazierten Begriff Handling umschreiben, aber es geht dabei nicht ums Fahren in der Umgebung des Grenzbereichs. Der A4 macht Freude, auch wenn man ganz zivil unterwegs ist. Die klar verbesserte Lenkung wurde schon angesprochen, den Rest tragen weitere Komponenten bei – etwa die Schaltung, mit der sich die Gänge fast wie von selbst sortieren lassen.

Die leichtgängige, sehr weich greifende Kupplung kommt dazu. Und schließlich die nur wenig Kraftaufwand erfordernde, exakt zu dosierende Bremse. Wobei wir dann doch wieder bei Grenzbedingungen gelandet sind, wie sie zum umfangreichen Messprogramm des Top-Tests gehören: Die A4-Bremse liefert nicht nur ausgezeichnete Verzögerungswerte, sie widersteht auch erfolgreich allen Versuchen, sie durch extreme Beanspruchung an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu bringen.

Bei den Fahrdynamik-Tests bestätigt sich, was schon der erste Fahreindruck vermuten lässt: Der Audi liegt auf der Straße wie das sprichwörtliche Brett. Er verbannt das traditionell als frontantriebstypisch geltende Schieben über die Vorderräder (Untersteuern) auf den Müllhaufen der Technik-Historie, vermag bei unerschütterlicher Gutmütigkeit sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten zu erreichen und folgt millimetergenau den Lenkbefehlen.

Wenn wir über Fahrspaß reden – hier wurde er in höchst gelungener Weise erlebbar gemacht. Der Motor hat daran ebenfalls Anteil, obwohl es sich im Fall des Testwagens nur um den kleinsten lieferbaren Benziner mit 1,8 Liter Hubraum handelt. Ein Vierzylinder mit Graugussblock und Alu-Zylinderkopf. Na und?

Jede Menge moderne Technik kommt zum simplen Basis-Entwurf: Benzindirekteinspritzung beispielsweise. Verstellbare Einlassnockenwelle. Dazu ein Turbolader, der aus dem zierlichen Hubraum 160 PS holt und, wichtiger noch, zwischen 1500 und 4500 Umdrehungen das Drehmomentmaximum von 250 Newtonmeter herbeipustet.


Schließlich gibt es auch noch zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen, die, technisch korrekt ausgedrückt, freie Massenkräfte zweiter Ordnung eliminieren. Oder schlichter: Sie gehen dem Vierzylinder- Brummen an den Kragen. Ergebnis: Der Motor läuft ruhig und vibrationsarm bis zu seinem Drehzahllimit von knapp 7000/min. Er zieht schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl kraftvoll durch.

Er reagiert spontan aufs Gas – so spontan, dass man glauben könnte, es handele sich nicht um einen Turbomotor, sondern um einen hubraumfetten Sauger. Die Neuauflage des 1,8-Liters liefert somit ein perfektes Beispiel für den Fortschritt der Motorentechnik, der sich nicht nur bei den Dieseln, sondern auch bei den Benzinmaschinen vollzieht. Dass der Verbrauch deutlich entfernt bleibt von Diesel-Maßstäben, überrascht nicht. Aber bei der Betrachtung der Werte sollte man bedenken, dass eine solche Leistungsentfaltung und Laufkultur vor wenigen Jahren Dreiliter- Sechszylindern vorbehalten waren.

Die fünf Sterne im Top-Test, Sie werden es ahnen, tauchen am Horizont auf. Da können wir schnell noch ein bisschen meckern: darüber, dass es kein vollwertiges Ersatzrad gibt, dass Audi nur zwei Jahre Garantie bietet, dass die Aufpreispolitik typisch deutsche Perfektion verrät und dass ein Audi generell ein teures Autos ist. Es hilft nichts. Die Sterne bleiben.

Fazit

Ein gelungenes Paket aus funktioneller Karosserie, sehr guten Fahreigenschaften und harmonischem Fahrkomfort. In der Mittelklasse braucht der A4 keinen Konkurrenten zu fürchten.

Technische Daten
Audi A4 1.8 TFSI Ambition
Grundpreis 33.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4701 x 1826 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 962 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 8,6 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 10,3 l/100 km
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