Audi A4 1.9 TDI im Test

Waschen und fegen

Audi A4 1.9 TDI

Viel mehr als etwas Pflege und Dieselkraftstoff brauchte der Audi A4 1.9 TDI nicht, um sein 100 000-Kilometer-Pensum in Diensten der Redaktion diskret, aber effizient abzuspulen.

Abgesehen vom sechsstelligen Kilometerstand, von nichtganz neuwertigen Reifen und kleineren Änderungen, die inzwischen in die Serie eingeflossen sind: Auch nach zwei Jahren und mehr als 100 000 Kilometern ginge der Dauertest-A4 im Audi-Showroom noch als Neuwagen durch. Der Metallic-Lack glänzt wie am ersten Tag, der Innenraum wirkt kein bisschen verwohnt, die Sitze sind so straff wie zu Anfang, und selbst bei einer Probefahrt ließen sich kaum Verschleißspuren feststellen.

So unbeschadet hat selten zuvor ein Auto den Redaktionsalltag zwischen Großstadtverkehr und 1700-Kilometer-Trips bis nach Spanien mit 50 verschiedenen Fahrern absolviert. Gerade auf Langstrecken konnte die Diesel-Limousine ihre Trümpfe ausspielen, weil die Besatzung selten von lästigen Tankpausen und nie von Pannen oder Ausfällen gestoppt wurde, wie sie den A6 2.5 TDI bei seinem Dauerlauf noch regelmäßig heimsuchten.

Alles im Lot also und Audi zumindest mit seinem beliebtesten Modell wieder so untadelig, wie es der eigene Qualitätsanspruch und die selbstbewussten Preise suggerieren? Nicht ganz, denn den ersten Tadel gab es bereits wenige Tage nach Testbeginn des 130 PS starken A4 1.9 TDI Ende November 2001. „Die Sitzheizung (Extra) sorgt nur langsam und ungleichmäßig für Erwärmung“, notierte Redakteur Heinrich Sauer im Fahrtenbuch. „An den Seitenwangen und im Schulterbereich bleibt es kalt.“

Der Winterbetrieb förderte schnell weitere Schwachpunkte zu Tage. So spricht die Heizung gegenüber einem Benziner erst nach zwei- bis dreifacher Fahrstrecke an, und die Instrumente lassen sich bei tief stehender Sonne nur mit Beleuchtung ablesen. Außerdem wird die ohnehin bescheidene Rundum sieht bei Regen durch stark verschmutzende Außenspiegel und vordere Seitenfenster sowie die flache Heckscheibe nochmals eingeschränkt. Die akustische Einparkhilfe ist deshalb unbedingt empfehlenswert.

Immerhin schaffte es die serienmäßige Klimaautomatik, die Scheiben stets beschlagfrei zu halten und den Innenraum wirksam zu be- und entlüften, was allerdings bei geöffneten Mittelausströmern mit lästiger Zugluft verbunden war. Positiv fielen hingegen das spontane Anspringen des Motors selbst bei Minusgraden sowie die gute Traktion auch auf rutschigem Untergrund auf. Nur das ansonsten harmonisch regelnde Stabilitätsprogramm griff auf Schnee leicht verzögert ein.

Insgesamt spulte der A4 sein Pensum selbst unter widrigen Bedingungen mit routinierter Gelassenheit ab. Bis zur ersten, vergleichsweise günstigen Inspektion bei 30 000 Kilometern (320 Euro) gab es keinerlei Probleme, der vorsorgliche Tausch des Notrufschalters bei Tachostand 35 529 wegen möglicher Fehlfunktion (Kulanz) wurde bei der nachträglichen Montage einer Anhängerkupplung gleich mit erledigt.

Beim nächsten Kundendienst stand auch der Austausch des Kraftstoff-Filters auf dem Programm, der kurz vor Ende der Laufzeit leckte und ersetzt werden musste. Schon vorher forderte der defekte Kontaktschalter am Kupplungspedal, der den Tempomat lahm legte, einen außerplanmäßigen Werkstattbesuch . Für zwei weitere Service-Stopps kann man den Audi kaum verantwortlich machen, denn die beiden undichten Schläuche an der Peripherie des Motors gehen auf das Konto von Marderbissen.

Ansonsten beschränkte sich der Wartungsaufwand auf wenige Verschleißteile wie Wischerblätter und Glühlampen. Neue Bremsbeläge waren über die gesamte Distanz vorne und hinten nur je ein Mal, Bremsscheiben nie fällig. Mit Reifen ging der A4 nicht ganz so sparsam um, weil der kräftige Antritt des Motors je nach Fahrweise den Abrieb beschleunigte. Den Mehrpreis für das 16-Zoll-Optionsformat kann man sich übrigens getrost schenken, denn es verbessert Handling und Fahreigenschaften kaum, sorgt jedoch für ein lautes Abrollen.

Am stärksten tritt dieses Phänomen beim Bridgestone Potenza in Erscheinung, während der Michelin Pilot Premacy akustisch zurückhaltender, aber bei Nässe nicht ganz überzeugend ist. Dort zeigt sich der auch mit hoher Fahrpräzision glänzende Continental Sport Contact 2 von seiner besten Seite. Die gute Traktion und Seitenführung des Uniroyal MS Plus im Winter geht allerdings ebenfalls mit störender Begleitmusik einher.

Überdies trüben kräftige Windgeräusche bei höheren Tempi sowie der raue, brummige Pumpe-Düse-Vierzylinder den insgesamt guten Komfort. Dass es auch leiser und kultivierter geht, zeigen längst die Common-Rail-Triebwerke der Konkurrenz, wenngleich das inzwischen serienmäßige Sechsganggetriebe Verbrauch und Geräuschniveau etwas absenkt. Aber bei schneller Autobahnfahrt stört der Motor amwenigsten, und ein Säufer ist der TDI ohnehin nicht.

Im Gegenteil: Schon angesichts des stattlichen Leergewichts (1470 kg) und der häufig ausgenutzten Maximalzuladung (475 kg) erwies sich der Testwagen als erfreulich genügsam. Im Schnitt reichten 6,9 Liter Diesel für 100 Kilometer; bei zurückhaltendem Fahrstil gelang es ohne große Anstrengung, unter sechs Liter zukommen. In Verbindung mit dem 70-Liter-Tank ergibt das einen Aktionsradius von mehr als 1000 Kilometern.

Kein Wunder, dass fast 70 Prozent der A4-Käufer – der gleiche Anteil bevorzugt übrigens den Kombi- einen TDI ordern und sich allein 48 Prozent für den Selbstzünder mit 130 PS entscheiden. Denn hier stimmen nicht nur Preis und Verbrauch, sondern auch die Fahrleistungen. Vor allem angesichts des spontanen Ansprechverhaltens und des kräftigen Durchzugs fühlt man sich mit dem drehmomentstarken Vierzylinder (310 Nm) ohne nennenswertes Turboloch stets üppiger motorisiert als mit dem Zweiliter-Benziner.

Weniger großzügig ist das Raumangebot bemessen, der billigere Konzernbruder VW Passat auf gleicher Basis hat hier deutlich mehr zu bieten. Vorne gibt es zwar genügend Platz auf bequemen Sitzen mit guter Kontur, aber hinten wird es schon für zwei Erwachsene eng. Zudem sind die Rückenlehnen zu steil, und der Einstieg zum Fond wird durch schmale Öffnungen und hohe Schweller erschwert.

Vor allem fehlt es an Ablagen, selbst in den Vordertüren sind sie unnötig klein geraten. Und obwohl die Karosserie bis zum Schluss nichts von ihrer Steifigkeit eingebüßt hat, entspricht der Qualitätseindruck nicht unbedingt den Erwartungen, die man bei einem Auto für 43 000 Euro hegt. Trotz vieler teurer Extras weht kein Hauch von Luxus durch das Interieur, das Leder sieht nicht tierisch, sondern ebenso künstlich aus wie die schwarzen Kunststoffblenden.

Das positive Resümee wird jedoch auch vom Staub, der sich binnen kurzem in den Poren der Innenverkleidung festsetzte, nicht nachhaltig überdeckt. Mit seiner hohen Zuverlässigkeit und Langzeitqualität, dem guten Gesamtkomfort und dem kräftigen, sparsamen Dieselmotor bietet der A4 ein auch wirtschaftlich überzeugendes Paket, das sich nicht hinter anderen Premiumprodukten wie dem BMW Dreier und der Mercedes G-Klasse verstecken muss. Und wenn Audi im nächsten Jahr noch einen Partikelfilter liefert, ist die Bilanz nicht nur sauber, sondern rein.

Vor- und Nachteile

  • hohe Karosseriequalität
  • strapazierfähiges Interieur
  • bequeme Sitze
  • sehr gute Sitzposition
  • guter Gesamtkomfort
  • leichtgängige Bedienung
  • wirksame Klimatisierung
  • exakte, gefühlvolle Lenkung
  • drehmomentstarker Motor
  • gute Fahrleistungen
  • niedriger Verbrauch
  • große Reichweite
  • rauer, brummiger Motor
  • mäßiger Langsamfahrkomfort
  • kräftige Windgeräusche
  • knappes Platzangebot hinten
  • schlechte Übersichtlichkeit nach hinten
  • wenig Ablagen
  • schwache Sitzheizung
  • Leder im Plastiklook
  • teure Extras
Übersicht: Audi A4 1.9 TDI im Dauertest
Technische Daten
Audi A4 1.9 TDI
Grundpreis 27.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4548 x 1772 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 445 bis 720 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h
Verbrauch 5,7 l/100 km
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