Audi A4 Avant 1.9 TDI, Skoda Octavia Combi TDI SLX, Volvo V40 TD

Heimlich, still und leise schickt sich das ehemalige Mauerblümchen Skoda unter VW-Regie an, die renommierte Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Im Vergleichstest nimmt es der Octavia Combi TDI mit Audi A4 Avant TDI und Volvo V40 TD auf.

Wenn Ferdinand Piëch, Chef des Volkswagenkonzerns und mittlerweile Herr über sechs Marken (VW, Audi, Seat, Skoda, Bugatti und Bentley), auf die tschechische Tochterfirma Skoda zu sprechen kommt, gerät er fast so ins Schwärmen wie bei Bentley oder Bugatti: „Skoda hat nicht nur eine große Tradition, die Leute dort verstehen auch ungeheuer viel vom Automobilbau.“ Daß die im Westen bislang ein Mauerblümchendasein fristende Marke Skoda für Piëch so etwas wie ein Lieblingskind ist, mag für Außenstehende so schwer zu begreifen sein wie seine Ankündigung, mit Skoda den schwedischen Nobelanbieter Volvo attackieren zu wollen.

Aber mit dem Octavia, dem ersten unter VW-Regie völlig neu entwickelten Skoda-Modell, hat Piëch die Skeptiker eines Besseren belehrt: Die 1997 eingeführte, auf der Plattform von Audi A3 und VW Golf IV basierende Octavia-Limousine war nicht nur für Insider die Entdeckung des Jahres, sondern auch für die Kunden. Die mußten erstmals nach dem Mauerfall für einen Skoda Schlange stehen – die Lieferfristen von bis zu neun Monaten konnten inzwischen durch Sonderschichten abgebaut werden. Eine weitere verkaufs- und imagefördernde Modellvariante des Octavia liefert Skoda seit Juli 1998 mit dem Combi – für den sich, so erzählen Skoda- Händler, Leute interessieren, die bislang BMW Dreier Touring fahren.

Das mag am Styling liegen, das im Heckbereich an den Trend-Kombi von BMW erinnert, aber auch an der guten Verarbeitungsqualität, mit der die Skoda-Autos neuerdings aufwarten. Doch reicht das, um gegen angesehene Konkurrenten wie den Audi A4 Avant und den schicken Schweden- Kombi Volvo V40 bestehen zu können? Die Antwort gleich vorweg: Der Octavia Combi kann nicht nur mithalten, er steckt seine beiden Konkurrenten in den meisten Disziplinen sogar in die Tasche. Das fängt schon beim Laderaum – dem wichtigsten Kombi- Kriterium – an. Denn der Octavia ist mit 4,51 Meter Karosserielänge nicht nur das stattlichste Auto in diesem Trio, sondern auch das geräumigste: 548 Liter passen schon bei Normalstellung der Rücksitze hinein. Nach dem Umklappen vergrößert sich der Stauraum auf 1512 Liter.

Die Zuladung ist nicht ganz so üppig, aber dem Wagenformat angemessen: 441 Kilogramm – das genügt für ein Ehepaar mit zwei Kindern und reichlich Urlaubsgepäck. Der Audi A4 Avant darf zwar rund 30 Kilogramm mehr zuladen, aber wohin damit? Der Gepäckraum ist nur für 390 Liter ausgelegt und läßt sich gerade mal auf 1250 Liter erweitern. Zudem stört, daß sich nur die Rücksitzlehne vorklappen läßt, nicht aber die Bank, weshalb sich keine ganz ebene Ladefläche ergibt. 

Der Volvo V40 schluckt zwar mehr Gepäck als der Audi, aber allzu schwer sollte es nicht sein, weil die maximale Zuladung nur 400 Kilogramm beträgt. Vielleicht hat Volvo auch mehr an Kleinteile gedacht, denn die lassen sich mit diversen Netzen und Spanngurten oder in praktischen Mulden rutschsicher transportieren. Verzurrösen – sogar verchromt – zum Befestigen loser Gepäckstücke bringen der Audi und der Skoda mit, wobei der Octavia in der gehobenen SLXAusführung noch einen doppelten Ladeboden aufweist, dessen Untergeschoß sich ideal zum Verwahren kleinerer Utensilien eignet.

Daß der Skoda in der Wertung Laderaum/Zuladung dennoch knapp an der Höchstpunktzahl 20 vorbeischrammt, liegt an der vergleichsweise knappen Laderaumbreite, die vier bis zwölf Zentimeter schmaler ausfällt als bei Audi und Volvo. Auch im Fondraum macht sich eine Package-Schwäche des Octavia bemerkbar. Da er im Gegensatz zum Audi A4 nicht auf der größeren B-Plattform des VW-Konzerns basiert, sondern wie Golf und A3 auf der kleineren A-Bodengruppe, ist sein Radstand zehn Zentimeter kürzer. Die Beinfreiheit auf den Rücksitzen ist deshalb gerade mal ausreichend und weit entfernt von der Grosszügigkeit, die der Volvo hinten bietet. Selbst der wegen seiner Knappheit oft gescholtene Audi A4-Fond ist eine Spur luftiger als das Octavia-Abteil. Vorne hingegen bietet der Skoda den komfortabelsten Arbeitsplatz. Auch bei Bedienung und Funktionalität sammelt der Skoda Pluspunkte: Er hat als einziger handfeste Bügel-Türgriffe. Die Konkurrenten bekommen Abzüge wegen des nicht verwechslungssicheren Lichthebels (Audi) und des nicht an die Zentralverriegelung angeschlossenen Tankdeckels (Volvo). Bei der Serienausstattung beschämt der Skoda die teureren Konkurrenten mit einem Umfang, der kaum noch etwas vermissen läßt. Klimaanlage, elektrische Fensterheber rundum, Sitzheizung und Leichtmetallräder sind im Preis der SLX-Version (36 600 Mark) bereits enthalten. Allerdings ist weder eine Dachreling noch eine Niveauregulierung erhältlich. Die gibt es zwar als Extra für den Volvo, der aber 3000 Mark teurer ist als der Skoda und ab Werk weder Aluräder noch Klimaanlage, Sitzheizung oder elektrische Fensterheber hinten mitbringt.

Genauso mager die serienmäßige Mitgift des A4 Avant – das einzig Luxuriöse am Audi ist der Preis, der den des Skoda um 9000 Mark übersteigt. Wird dafür wenigstens überragende Qualität geboten? Ja, mit einer unerschütterlich soliden, vollverzinkten Karosserie und hochwertiger Materialanmutung setzt der Audi den Maßstab in diesem Trio. Aber der zum Modelljahr 1999 innen renovierte Octavia (neues, farblich abgesetztes Cockpit und besserer Oberflächenstruktur) ist ihm dicht auf den Fersen. Der V40 hingegen – das zeigte auch ein Dauertest (Heft 17/98) – macht dem Namen Volvo keine Ehre. Er wirkt auf schlechten Straßen rappelig und im Detail weit weniger sorgfältig verarbeitet als der Skoda und der Audi. Auch im Fahrkomfort ist der Volvo V40 unterlegen. In unbeladenem Zustand spricht seine Federung viel unsensibler an als die des Audi und Skoda, wobei der Octavia wegen seines geschmeidigeren Abrollens sogar den A4 in die Schranken weist. Vollgeladen bis zum zulässigen Gesamtgewicht wird die Federung des A4 ziemlich ruppig – hier ist nicht nur der Skoda, sondern auch der mit steigender Zuladung harmonischer werdende V40 überlegen.

Im Sitzkomfort sind die Unterschiede mit ganz leichten Vorteilen für Audi und Skoda gering, und auch im Geräuschkomfort trennen die drei Diesel- Kontrahenten nur Nuancen. Zwar sind die Innengeräuschwerte im Audi am niedrigsten, aber es stören die bei höherer Geschwindigkeit stark anschwellenden Windgeräusche. Leisetreter sind die drei Diesel-Kombis ohnehin nicht. Audi und Skoda haben den 1,9 Liter-TDI mit 90 PS von VW unter der Haube. Einziger Unterschied: Beim A4 ist der Vierzylinder der Länge nach eingebaut, beim Skoda quer. Der ebenfalls 1,9 Liter große und 90 PS starke Turbodiesel im Volvo stammt von Renault, ist aber noch der alte Wirbelkammermotor und nicht der moderne Direkteinspritzer, wie er beispielsweise im Mégane zum Einsatz kommt.

Das macht sich vor allem im Verbrauch bemerkbar, der schon im ECE-Zyklus einen Liter über den Werten des Audi und des Skoda liegt. Im Vergleichstest waren die Differenzen noch größer: bis zu 1,7 Liter auf 100 Kilometer. Aber auch in der Leistungscharakteristik kann der Volvo den Konkurrenten aus dem VW-Konzern nicht Paroli bieten. Der untere Drehzahlbereich besteht beim V40 TD aus einem tiefen Turboloch, aus dem sich der Renault-Motor beim Beschleunigen nur langsam hochrappelt. Ein weiteres Handikap ist die zu lange Übersetzung des unexakten Fünfganggetriebes – Resultat: Die Elastizitätswerte fallen gegenüber A4 und Octavia stark ab. Der Skoda wirkt am agilsten. Bei ihm paßt die Abstimmung von Motor und Getriebe nahezu optimal, besser auch als beim Audi, wo die Anschlüsse zwischen den Gängen nicht ganz stimmen und dessen Schaltung mehr Kraftaufwand erfordert als im Skoda.

Auch die Lenkung arbeitet im Skoda angenehm leichtgängig und ohne störende Antriebseinflüsse – im Audi setzt sie mehr Widerstand entgegen, und im Volvo wirkt sie nicht so exakt wie im Skoda. Unerreicht ist das leer wie beladen traumhaft sichere, neutrale Kurvenverhalten des Audi. Der Skoda wirkt bei schnellen Richtungswechseln etwas nervöser und drängt bei Beladung schon mal ein wenig mit dem Heck nach außen. Der Volvo bleibt zwar ebenfalls gutmütig, fährt sich aber im Wedel- und Slalom- Test spürbar schwerfälliger und weniger präzise. Beim Bremsen geben Volvo und Audi die Richtung vor – hier hat der Skoda noch Nachholbedarf (nur Trommeln hinten). So erreicht er bei kalter wie warmer Bremse nur durchschnittliche Verzögerungswerte, die ihn zusammen mit den fehlenden Sidebags im Sicherheitskapitel zurückwerfen. Das gewinnen zwar Volvo und Audi, aber es bleibt das einzige – kein Ruhmesblatt für die beiden Nobelmarken. Audi wird zum Jahreswechsel reagieren und mit Modellpflege den A4 auf mehr Komfort und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis trimmen. Der vermeintliche Nobody Skoda geht als strahlender Sieger hervor. Er gewinnt nicht etwa nur wegen seines günstigen Preises, sondern weil er fünf von sechs Wertungen für sich entscheiden kann. Wenn dadurch auch das noch brachliegende Skoda-Image beflügelt werden sollte, dürfte dem Aufschwung Ost nichts mehr im Weg stehen.  

Fazit

1. Skodia Octavia Combi TDI
585 Punkte
2. Audi A4 Avant TDI
579 Punkte
3. Volvo V40 TD
536 Punkte
Zur Startseite
Technische Daten
Audi A4 Avant 1.9 TDI Volvo V40 TD Skoda Octavia Combi TDI GLX
Grundpreis 23.059 € 20.247 € 17.409 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4479 x 1733 x 1417 mm 4483 x 1717 x 1413 mm 4511 x 1731 x 1448 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1250 l 413 bis 1421 l 548 bis 1512 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 3750 U/min 66 kW / 90 PS bei 4250 U/min 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h 180 km/h 178 km/h
0-100 km/h 14,1 s 14,6 s 14,3 s
Verbrauch 5,4 l/100 km 6,3 l/100 km 5,2 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km 8,4 l/100 km 6,7 l/100 km
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