Audi A4 Avant 1.9 TDI im Test

TDI setzt neue Maßstäbe

Avant heißen bei Audi die Modelle mit praktischem Kombiheck, doch der eigentliche Fortschritt des A4 Avant TDI steckt unter der vorderen Haube.

Ein 110 PS starker Direkteinspritzer-Dieselmotor setzt im Audi A4 Avant neue Maßstäbe bei Kraftentfaltung und Verbrauch.

Run, Sprint, Climb, Drive – die Freizeitmenschen von heute sind moderne Zehnkämpfer, und diese Vielseitigkeit erwarten sie auch von ihrem Auto. Mehr denn je umwerben die Hersteller den aktiven, lifestyleorientierten Typus mit leistungsstarken, gut ausgestatteten und ästhetisch anspruchsvollen Kombis, die mit den Lasteseln von einst nichts mehr im Sinn haben. Vor allem deutsche Edelmarken zeigen sich aktiv.

Jetzt tritt der neue Audi A4 Avant zum Test an, wenige Monate nach dem BMW 3er Touring und kurz vor der Premiere des Mercedes C-Klasse Kombi. Völlig unauffällig reiht sich der Neuling in die Designlinie des Hauses ein, die nur im Detail verfeinert wurde. Im Vergleich zum optisch leichtgewichtigen BMW wirkt der Audi eher wie ein muskulöser Athlet. Seine hohe, nach hinten ansteigende Gürtellinie mündet in ein strammes Hinterteil, das durch großformatige Rückleuchten und die in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger ausgesprochen kraftvoll erscheint. Wie beim Vorgänger deutet schon das schräggestellte Heckfenster an, dass maximale Transportkapazität nicht im Vordergrund der Entwicklung stand.

Mit 390 Liter Volumen bei aufrechter Sitzlehne fasst der Kofferraum weniger als bei der Limousine (440), und mit 1250 Litern bei voller Ausnutzung der Möglichkeiten liegt der Audi A4 Avant klar unter den Werten von Ford Mondeo Turnier (650/ 1650) oder Renault Laguna Grandtour (520/1782), aber auch unter denen des kleineren VW Golf Variant (466/1426). Selbst gegenüber dem Vorgänger (370/1200) ist nur ein geringes Wachstum festzustellen. Wegen der breiten Radhäuser und der großen Heckleuchten reicht das Kofferabteil maximal für einen Quader von 136x81x66 cm. Die deutliche Zunahme an Ladelänge von 1,18 auf 1,61 Meter lässt sich damit erklären, dass im A4 nur noch die asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne umgeklappt wird und kein Sitzpolster im Weg steht. Dadurch können die hinteren Kopfstützen an ihrem Platz verbleiben, was in Verbindung mit dem vorbildlich einfachen Klappmechanismus die optimale Nutzung der Variationsmöglichkeiten erlaubt. Dank guter Stehhöhe und niedriger Ladekante (58 Zentimeter) herrscht auch beim Packen der Eindruck von Leichtigkeit vor.

Die Heckklappe des Audi A4 Avant schwingt nach Betätigen einer schmutzgeschützten Taste an Gasdruckdämpfern nach oben, und ähnlich problemlos lässt sie sich an einem Innengriff wieder herunterziehen. Stabile Verzurrösen aus Metall, Staufächer in den Seitenteilen und eine klappbare Fondarmlehne mit Durchreiche darf man in dieser Preisklasse ebenso erwarten wie ein flexibles, klapperfreies Gepäckrollo und ein Trenn-Netz, das auf Wunsch ohne Aufpreis geliefert wird. Noch nicht selbstverständlich sind durchdachte Extras wie Schiebedach mit Vorwählautomatik und elektrische Fensterheber hinten mit wirksamem Einklemmschutz sowie eine Zentralverriegelung mit Komfortschaltung (Serie), die beides gleich mit schließt. Analog zum Laderaum darf man vom Platzangebot für die Passagiere keine Wunderdinge erwarten.

Bein-, Kopf- und Ellenbogenfreiheit reichen zwar für vier Erwachsene aus, aber das Raumgefühl im Audi A4 Avant wird durch die hohe Gürtellinie, die breite Mittelkonsole vorn sowie den Kardantunnel hinten beeinträchtigt, der Platz für den Hinterradantrieb der Quattro-Version schafft, aber auch bei frontgetriebenen Autos vorhanden ist. Unverständlich bleibt, dass es selbst auf Wunsch keine dritte Kopfstütze oder integrierte Kindersitze im Fond gibt. Dafür macht alles einen qualitativ hochwertigen Eindruck. Gediegene Kunststoffe und Textilien lösen durchaus den selbst auferlegten hohen Anspruch ein, der von der tadellosen Verarbeitung und dem niedrigen Geräuschniveau untermauert wird. Dass zu diesem Soliditätsgefühl auch eine gewisse Masse gehört, demonstriert der Avant TDI mit einem stattlichen Leergewicht von 1371 Kilogramm, womit er jedoch um 21 Kilogramm unter seinem Vorgänger bleibt. Der war schon mit 90 PS flott unterwegs, doch was der 20 PS stärkere Direkteinspritzer- Diesel zu bieten hat, können Zahlen nur unvollkommen ausdrücken.

Ungestümes Temperament und noch mehr Fahrspaß resultieren aus einem neuen Turbolader mit variabler Einlassgeometrie, der nur dann den maximalen Ladedruck (zwei bar) erzeugt, wenn viel Kraft erforderlich ist. Im Teillastbereich werden die Leitschaufeln aufgemacht und bieten dem Abgas wenig Widerstand. Das hat zunächst einen nochmals niedrigeren Verbrauch (5,9 Liter/ 100 km) zur Folge, aber auch ein von 202 auf 225 Newtonmeter gestiegenes Drehmoment, das bereits ab 1700 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Beeindruckender ist noch, wie kräftig der Vierzylinder antritt, wobei er nicht den Hauch eines Turbolochs zeigt. Dabei arbeitet er geschmeidig und ohne Teillastruckeln, aber im Leerlauf recht vernehmlich. Der Komfort leidet darunter kaum, denn man nimmt dieses Geräusch eher als angenehme Untermalung wahr. Viel mehr fällt im Audi A4 Avant die große Geschmeidigkeit beim Abrollen auf, die besonders dem Langsamfahrkomfort zugute kommt. Trotz langer Federwege gibt es kaum Seitenneigung und Karosseriebewegung, nur vollbeladen stößt die Federung bisweilen auf groben Unebenheiten an ihre Grenzen. An dem positiven Gesamteindruck des Fahrwerks ändert dies freilich nichts.

Der A4 verzeiht auch in kritischen Situationen fast alles, kennt selbst in extremen Lagen nur zarte Lastwechselreaktionen und zeigt sich beim schnellen Kurvenfahren für einen Fronttriebler ungewöhnlich neutral. Bedienung und Handlichkeit können rundherum überzeugen, was nicht zuletzt der exakten Servolenkung ohne störende Antriebseinflüsse zu verdanken ist. Wenn man einmal vom eingeschränkten Platzangebot und dem habhaften Mehrpreis gegenüber der Limousine (1450 EUR) absieht, gilt dies zweifellos für das ganze Auto. Wer damit leben kann, erhält einen kleinen, aber feinen Edelkombi, dem man zumindest mit dem gleichermaßen sparsamen wie leistungsfreudigen TDI Motor nur wünschen kann, dass er für Audi A4 Avant das wird, was er auf der Straße bereits ist: ein Renner.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • viertüriger Kombi mit sehr guter Verarbeitungsqualität
  • hochwertige und funktionelle Ausstattung
  • gute Übersichtlichkeit
  • befriedigendes Platzangebot
  • variabler, aber nicht sehr großer Laderaum
Antrieb
  • drchzugsstarker Dieselmotor mit sehr gutem Drehmomentverlauf
  • gleichmäßige Leistungsabgabe
  • gute Fahrleistungen
  • präzise Schaltung
  • passende Getriebeabstufung
  • leichte Vibrationen
Fahrkomfort
  • insgesamt sehr ausgewogener Federungskomfort
  • gutes Schluckvermögen auf kurzen und langen Wellen
  • guter Langsamfahrkomfort
  • geringe Abroll- und Motor geräusche
  • straffe, aber bequeme Sitze
Fahreigenschaften
  • guter Geradeauslauf
  • sehr sichere Fahreigenschaften mit nur leichter Untersteuerneigung in Kurven
  • minimale Lastwechselreaktionen
  • ausgeprägte Handlichkeit
  • standfeste Bremsen ohne Fading
Sicherheit
  • Crashverhalten vermutlich ähnlich gut wie bei Limousine
  • Airbags und ABS Serie
  • weder integrierte Kindersitze noch dritte Fondkopfstütze lieferbar
Kosten
  • angemessener Anschaffungspreis
  • gute Serienausstattung
  • vermutlich gute Wiederverkaufschancen
  • dichtes Werkstattnetz
  • 1 Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung
  • 10 Jahre gegen Durchrostung
Umwelt
  • für Fahrleistungen sehr niedriger Verbrauch
Technische Daten
Audi A4 Avant 1.9 TDI
Grundpreis 24.235 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4479 x 1733 x 1417 mm
KofferraumvolumenVDA 390 bis 1250 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 81 kW / 110 PS bei 4150 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
0-100 km/h 11,8 s
Verbrauch 5,3 l/100 km
Testverbrauch 5,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel Audi A4 Avant 1.8 TFSI Audi A4 Avant Auf 60.000 km zuverlässig wie ein Uhrwerk Audi A4 3.0 TDI Audi A4 Clean Diesel A4 mit viel Dieselpower, aber wenig Abgas
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Mercedes E 400 Coupé, Frontansicht Sportwagen-Neuzulassungen Oktober Mercedes E Coupé vor Mustang 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Allrad Jeep Gladiator Concept 2005 Jeep Wrangler Pickup Neuer Pickup-Jeep für 2019 Seat Ateca Schnee Winter SUV Die 30 billigsten 4x4-SUV Winter-SUV bis 30.000 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu Renault 19 (1988) Renault 19 (1988-1995) 30 Jahre und fast verschwunden
Promobil Carado T 448 Dauertester Carado T 448 im Dauer-Test So war das Jahr mit Carlos Schlafsäcke Test Mantelschlafsäcke im Test Wohlig warm in der kühlen Zeit
CARAVANING Wohnmobile an Tankstelle Sprit sparen mit dem Gespann Tipps für eine sorgenfreie Reise Campingplatz Oakdown Campingplatz-Tipps Südengland Traumhafte Urlaubsorte