Audi A4 Cabrio 2.0 gegen BMW 318 Ci Cabrio

Luft-Objekte

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Auch in der Zweiliter-Vierzylinder-Basisversion kurbeln Audi A4 und BMW 3er Cabrio rechtzeitig zum Frühjahr die Hormonproduktion an. Welcher der noblen offenen Viersitzer ist für Frischluft-Fans erste Wahl?

Wer sich zwischen einem Audi A4 Cabrio 2.0 und einem BMW 318 Ci Cabrio entscheiden darf, ist zweifelsohne vom Leben bevorzugt – kann er doch mindestens 32 500 (Audi) beziehungsweise 34 150 Euro (BMW) für eine dauerhafte Alltagsflucht erübrigen.

Dem Vorwurf der Alltagsferne entziehen sich beide Mittelklasse-Einsteiger mit Zweiliter-Vierzylindern dennoch geschickt: Ihre Kofferräume sind urlaubs-, die gefütterten Stoffverdecke mit beheizbaren Glasheckscheiben winter- und die Rücksitze kindertauglich (bei geschlossenem Verdeck).

Argumente, die freilich vorwiegend zur Beruhigung verständnisloser Ehepartner taugen. In Wirklichkeit spricht vor allem ein Grund für einen offenen A4 oder Dreier: Eine Fahrt in ihnen ist ein Sensorik-Seminar. Beide vermitteln, was Limousinen selbst mit geöffneten Scheiben, Schiebe- oder Sonnendächern nicht annähernd so authentisch übertragen können: das herbe Dampfschwaden- Aroma nach einem Sommerregen. Den Salzgeschmack einer Küsten-Tour. Den streichelnden Fahrtwind einer lauen Nacht. Den Dreiklang aus Vogelgezwitscher, Baumrauschen und Fahrgeräuschen.

Nicht zu vergessen das Privileg, die saubere Luft eines Platzregens aufzusaugen, ohne nass zu werden: Bei Landstraßentempo werden die großen Front- sowie die hochgefahrenen Seitenscheiben zu Spoilern und leiten Wassertropfen über die Insassen hinweg – der Tiefdruck bleibt draußen.

Ohnehin sind Audi und BMW nur bedingt wetterfühlig: Beide schaffen sich mittels serienmäßiger Klimaanlage (im Audi sogar Automatik) ein eigenes Mikroklima. Zartbesaitete Naturen ordern Sitzheizung und reisen auf wohlig warmen Sesseln.

Die Preislisten stecken voll von Verlockungen, die aufaddiert schnell das Urlaubsbudget der nächsten Jahre verschlingen und letztlich dem Sinn einer Einstiegs-Variante widersprechen – den nach Cabrio-Glamour zum vertretbaren Preis.

Ein Extra ist bei der Bestellung jedoch unbedingt empfehlenswert, obwohl es in der Stilwertung natürlich Abzüge bringt: das Windschott. Im Audi kostet es 290, im BMW 310 Euro und macht die Cabrios zugluftarm sowie apriltauglich.

Die mit feinem schwarzem Strumpf bespannten Plastikrahmen passen zusammengeklappt in den Kofferraum, sind hier jedoch sperrig. Am besten montiert man die effektive Windbremse zu Beginn der Saison als Abdeckung der beiden Rücksitze – auch unaufgeklappt ein effektiver Falschluft-Stopper. Die Fondplätze im Audi wie auch im BMW sind ohnehin für Erwachsene eine Zumutung: zwei enge Kinder-Séparées, durch die der Wind schon bei gemäßigtem Tempo wie durch eine Bergschlucht pfeift. Echte Viersitzer sind die Cabrios nur bei geschlossenem Stoffverdeck.

Gerne nutzt man stattdessen bei geöffnetem Dach die Sitze unter dem Windschott als gut zugänglichen Gepäckraum. Dann reicht der Platz in den rund 300 Liter großen Kofferräumen auch für die Erinnerungs-Weinflaschen aus dem Toskana-Urlaub. Fahrer von A4- und Dreier-Cabrio lassen eine Automatik arbeiten: Man öffnet auf Knopfdruck, ohne auszusteigen, sich Finger einzuklemmen oder Nägel abzubrechen. Stoffbahnen und Gestänge verschwinden wie dienstbare Geister innerhalb von einer halben Minute in den Verdecktruhen.

Der Frischluftfaktor ist bei Audi und BMW ähnlich. Wegen der höheren Gürtellinie sitzt man im A4 nicht auf der Terrasse, sondern im Wintergarten mit geöffneter Tür. Die armdicken Scheibenrahmen schränken das Sichtfeld etwas ein, hinterlassen jedoch ein stärkeres Gefühl der Sicherheit.

Beim Cabrio-GAU, dem Überschlag, schnalzen im A4 wie auch im Dreier Überrollbügel aus den hinteren Kopfstützen. Front- und Seitenairbags vorn haben beide, der BMW zusätzlich auch hinten. Zudem zünden seine Airbags zweistufig, und er verfügt über eine Reifendruckkontrolle. Eklatante Schwächen beim Bremsen auf einseitig glatter Fahrbahn (μ-Split) zehren diesen Sicherheitsvorsprung wieder auf.

Der BMW versucht hier auszukeilen und benötigt einen zu langen Anhalteweg. Jenseits dieser Spezialdisziplin ist der Dreier aber ein Musterschüler unter den Hecktrieblern. Stets lässig, unbeschwert und fidel fegt er über die Ideallinie, lässt sich kaum beirren. Dazu die akkurate Lenkung, die stringent und störkraftfrei Richtungswünsche überträgt.

Umso schöner, dass sich nach zwischenzeitlichen, allzu verhärteten Irrwegen Kurvenkompetenz und Komfort bei BMW nicht mehr ausschließen. Vor allem auf der Autobahn geht die Federung des Audi nicht ganz so rücksichtsvoll mit ihren Passagieren um. Sie spricht weniger gelenk an und übermittelt kurze Bodenwellen an den Aufbau, statt sie zu verdauen. Zudem ist das Fahrwerk akustisch schlechter von der Karosserie entkoppelt, gibt Resonanz-Schwingungen weiter.

Im Vergleich zum Dreier wirkt der A4 so unsportlich wie eine Schach- Partie, obwohl sein feiner regelndes ESP die besseren Fahrdynamikwerte erlaubt. Auf der Landstraße dagegen will er über Lastwechsel in den Fahrfluss gelenkt werden. Man muss kein sensorischer Feingeist sein, um den Unterschied zwischen Front- und Heckantrieb in der Lenkung zu spüren.

Die angetriebenen Audi-Vorderräder sollen Längs- und Querkräfte übertragen, was sie auf schnellen und welligen Passagen überfordert. Der Pilot registriert deutliches Untersteuern. Am überschäumenden Leistungseinsatz kann es nicht liegen. Der schwächere Audi-Zweiliter (130 PS) nimmt unwilliger Gas an als der Reihenvierer des BMW (150 PS), ist rüpeliger, dröhniger und angestrengter.

So resultieren die schlechteren Beschleunigungs- und Durchzugswerte nicht nur aus weniger Leistung, sondern aus dem mangelnden Einsatz des Audi. An seinem Antrieb glänzt nur das präzise Fünfgang-Getriebe. Um mit dem Dreier Schritt zu halten, muss sich der A4 ins Zeug legen, was einen höheren Verbrauch verursacht – einen halben Liter mehr auf 100 Kilometer (10,6 zu 10,1 Liter).

Immerhin reicht ihm das günstigere Superbenzin; der BMW dagegen verlangt nach Super Plus. Premium-Sprit für ein Premium- Auto. Spätestens auf schlechten Straßen weiß der BMW-Kunde, warum er deutlich tiefer in die Tasche greifen muss: Die Dreier-Karosserie wirkt steifer und zudem besser verarbeitet als die des Audi.

Auch wenn seine Anmutung Hochwertigkeit suggeriert: Der A4 lässt sich geöffnet stärker zum Zittern verleiten als der Dreier. Warum BMW da weniger Vertrauen in das eigene Produkt beweist und die schlechteren Garantieleistungen bietet, verwundert. Dass der A4 trotz Preis- und Garantievorteil das Kostenkapitel nur knapp für sich entscheidet, liegt an der deutlich höheren Versicherungsprämie, die der Audi-Fahrer zu schultern hat.

Ohnehin ist der BMW uneinholbar enteilt. Er gewinnt in vier von acht Kapiteln, erzielt in einem fünften Gleichstand, verliert zwei weitere nur knapp. Ohne Punktwertung bleibt die formale Qualität des Dreier Cabrio, die sich aus subjektivem Empfinden speist. Seine stimmigen Proportionen, die saubere Linie und der Verzicht auf überflüssige Design-Elemente berühren jeden Autoliebhaber. Manche sagen sogar, es sei der letzte schöne BMW.

Fazit

1. BMW 318 Ci Cabrio
477 Punkte

Ein deutlicher Sieg für das Münchner Kindl. Komfort gepaart mit Kurvenkompetenz, dazu ein quirliger, ausreichend kräftiger Vierzylinder. Das Ganze verpackt in einer sorgfältig verarbeiteten Karosserie.

2. Audi A4 Cabrio 2.0
448 Punkte

Der günstigere und modernere A4 ist in diesem Fall die schlechtere Wahl. Sein Motor ist ruppig, das Fahrverhalten sperrig, die Federung staksig. Da helfen auch die souveräneren Bremsen nicht weiter.

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Technische Daten
BMW 318 Ci Cabrio Audi A4 Cabriolet 2.0
Grundpreis 35.050 € 32.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1372 mm 4573 x 1777 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l 315 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6200 U/min 96 kW / 130 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 208 km/h
0-100 km/h 10,8 s 11,6 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 8,6 l/100 km
Testverbrauch 10,1 l/100 km 10,6 l/100 km
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