Audi A4 Cabrio gegen Mercedes CLK Cabrio

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Vier Plätze, frische Luft und Wohlfühlkomfort – Audi A4 2.4 Cabrio und Mercedes CLK 240 Cabrio sind darauf spezialisiert. Im Test die Sechszylinder-Motoren mit 170 PS.

Es kommt die Zeit, da ein Mann (oder eine Frau) Verantwortung über­nehmen muss: Wenn Familie, Hypothek und Rücksitze Priorität haben, spätestens dann brandmarkt den ­offenen Zweisitzer der Ruch des egoistischen Lasters. Nur gut, dass es noch echte Cabrios mit vier Plätzen gibt. Mag der momentane Sturm in die Nischen an dieser Gattung auch vorbeirauschen: Die Angebotspalette – rund ein halbes Dutzend – reicht, um glücklich zu werden. Zu den Lieblingen unter den ­Familiencabrios gehören schon immer die Offerten mit dem Stern. Mit dem neuen CLK Cabrio auf C-­Klasse-Basis setzt Mercedes diese Tradition fort, inklusive der selbst­bewussten Preisgestaltung. Den Kniff, das Cabrio nicht als profanen C, sondern im exklusiveren Gewand eines CLK auftreten zu ­lassen, lässt man sich vergolden: 46632 Euro kostet das Vergnügen in Gestalt eines CLK 240 mit Automatik – bei Audi, wo das Cabrio schlicht A4 heißt (und auch so aussieht), gibt es Vergleichbares schon für 37 000 Euro. Die allseits beliebte Fahrspaß-Floskel interpretieren beide auf eine besonders bekömmliche Art: Ihr Reiz liegt in der Kombination aus Komfort und frischer Luft, wobei die Beschränkung auf kleine Sechszylindermotoren (2,6 Liter im CLK, 2,4 Liter im A4) ihrem Wellness-Charakter keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Der Trend zur Entschleunigung ist diesen Cabrios auf den Leib geschneidert. Freilich entpuppt sich die versprochene Viersitzigkeit als Aus­legungssache. Zwar verfügen beide über Rücksitze, aber im CLK möchte man den Aufenthalt im Fond nur den Sprösslingen zumuten. Für Erwachsene sind die Sitzlehnen zu steil, und es mangelt an Kopf- und Beinraum. Mehr Raumkomfort genießt man im A4, wo es sich hinten auch über längere Etappen aushalten ­lässt. Grundsätzlicher Vorteil beider Cabrios: Wer zu zweit auf Tour geht, kann den Rücksitzraum als geräumige Ablage nutzen. Gepäckprobleme, Kehrseite der offenen Zweisitzer, sind hier kein Thema, zumal auch die Kofferräume ihren Namen verdienen. Vorn unterscheidet sich die Unterbringung nicht von den Blechdachvarianten beider Modelle.

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Vergleichstest Mercedes CLK 240 Cabrio, Audi A4 2.4 Cabrio
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Man sitzt limousinenhaft kommod, Verarbeitung und Materialqualität erfüllen – mit leichten Vorteilen für den Audi – den Premiumanspruch. Nur der Blick über die Schulter bietet ungewohnte Perspektiven: Kleine Heckfenster (bei beiden beheizbar) vergrößern den toten Winkel, wobei dieser Nachteil beim Mer­cedes dank weiter nach hinten reichender Seitenfenster etwas geringer ausfällt. Nach alter Sitte besteht das Oberteil dieser Cabrios noch aus Stoff, wofür zumindest in Stilfragen einiges spricht. Weniger vornehm sind indessen die erhöhten Windgeräusche einer solchen Bedachung, die vor allem im Audi jenseits von 160 km/h stark anschwellen. Zum Öffnen genügt hier wie dort die Betätigung eines Schalters, worauf die aufwendig gearbeiteten Verdecke jeweils binnen 23 Sekunden im Heck unter einer festen Abdeckung verschwinden. Das cabriotypische Frische- und Freiheitsgefühl lässt also nicht lange auf sich warten, zumal kein Überrollbügel den Panorama-Effekt trübt. Gleichwohl muss man um ausreichende Sicherheitsvorsorge nicht bangen: Droht ein Überschlag, schnellen hinter den Rücksitzlehnen beider Cabrios auto­matisch Überrollbügel empor, und das ohne Aufpreis. Geld verlangen beide Cabrio-Anbieter hingegen für den Schutz vor Zugluft: Windschotts, die zugleich den Rücksitzraum abdecken, kosten 290 (Audi) und 336 (Mercedes) Euro. Ansonsten entspricht die Serienausstattung dem klassenüblichen Standard. Beide Konkurrenten warten mit automatischen, für rechts und links getrennt regelbaren Klimaanlagen auf, nicht jedoch mit den im verschmutzungsempfindlichen Cabrio wünschenswerten Lederpolstern. Wie es sich gehört, bietet der teurere CLK ein paar zusätz­liche Extras: Radio, Tempomat und Bordcomputer sind hier im Preis enthalten, bei Audi kosten diese Zutaten 1075 Euro. Auf Tour erfreuen die offenen Viersitzer durch Fahrgenuss abseits sportlicher Hektik. Ihre V6-Motoren belassen es auch unter Stress bei einem wohlerzogenen Säuseln, und jeweils 170 PS genügen ungeachtet der über 1,7 Tonnen Eigen­gewicht für Fahrleistungen, mit denen sich der Verkehrsalltag problemlos meistern lässt.

Zugleich bewähren sich die ­Automatikgetriebe als willkommener Komfortbeitrag. Einmal mehr zeigt sich der leicht zu handhaben-de Mercedes-Automat von seiner bes­ten Seite. Obgleich er im CLK 240 mangels Drehmoment fleißig schal­ten muss, wirkt seine Tätigkeit erfreulich unaufgeregt. Mehr Gewöhnung erfordert da schon der Audi. Dessen stufenlo-ses Multitronic-Getriebe verursacht prinzipbedingt zwar keiner-lei Schaltrucke, dafür aber akus­tische Effekte, die irritieren kön-nen. Gleichbleibende Drehzahlen bei ansteigender Geschwindigkeit wecken bei Uneingeweihten bisweilen den Verdacht auf erhöhten Kupplungsverschleiß. Zur gehobenen Laufkultur dieser Antriebe passen die Qualitäten der Fahrwerke. Der weich gedämpfte Audi bügelt Straßenunebenheiten sanft aus. Nur auf Querfugen und beim Überfahren langhubiger Wellen kommt etwas Unruhe auf. Eher stoisch hingegen sein Verhalten in schnell gefahrenen Kurven, wo sich das A4 Cabrio frühzeitig auf ein strammes Untersteuern festlegt. Straffer, wenngleich nicht unkomfortabler, fühlt sich der Mer­cedes an, der sich in Kurven weniger neigt und auch sonst geringere Aufbaubewegungen erkennen lässt. Außerdem folgt er williger und ­präziser den Lenkbewegungen, was ihn agiler macht. Kleiner Schönheitsfehler: Das cabriotypische Karosseriezittern beim Überrollen holpriger Beläge ist hier eine Spur ausgeprägter als beim weich ab­gestimmten Audi. Freunde dieser Wagengattung dürfte dergleichen freilich nicht verdrießen. Wer dem offenen Auto den Vorzug gibt, der kennt auch die einschlägigen Nachteile: Vernunftmenschen fahren keine Cabrios. Sie sollten es zumindest nicht, was sich im vorliegenden Vergleich auch an der Tankstelle bestätigt:
Mit durchschnittlich 12,4 L/100 km (Audi) und 13,5 L/100 km (Mercedes) genehmigten sich die schwergewichtigen Komfortcabrios im Test deutlich mehr, als es Autos dieser Leistungsklasse heute zusteht. Für passionierte Offenfahrer stellt das indes kein Problem dar: Sie fahren einfach etwas langsamer.

Fazit

1. Audi A4 2.4 Cabrio Multitronic
486 Punkte

Knapp 10.000 Euro billiger als der CLK, aber fast so gut. Die Fahrwerksabstimmung ist weniger ausgewogen, das Verdeck lauter und die Automatik gewöhnungsbedürftig. Dafür gibt es mehr Platz und weniger Verbrauch.

2. Mercedes C 240 C
493 Punkte

Ein Cabrio zum Angewöhnen: perfektes Stoffdach, solide, guter Komfort, tadellose Fahreigenschaften. Als 240 mit adäquaten Fahrleistungen bei hoher Laufkultur. Nachteile: hinten wenig Platz, hoher Verbrauch, hoher Preis.

Technische Daten
Mercedes CLK 240 Cabriolet Elegance Audi A4 Cabriolet 2.4 Multitronic
Grundpreis 47.896 € 37.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4638 x 1740 x 1413 mm 4573 x 1777 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 390 l 315 l
Hubraum / Motor 2597 cm³ / 6-Zylinder 2393 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 219 km/h
0-100 km/h 9,8 s 9,6 s
Verbrauch 10,3 l/100 km 9,7 l/100 km
Testverbrauch 13,5 l/100 km
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