Audi A6 2.0 TDI Ultra vs. Mercedes E 220 Bluetec

Sparen auf hohem Niveau

Audi A6 2.0 TDI Ultra, Mercedes E 220 Bluetec, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Vor nicht einmal zehn Jahren hießen die bemerkenswertesten Fünf-Liter-Versionen der Audi- und Mercedes-Oberklasse S6 und E 500. Heute feiern wir A6 2.0 TDI Ultra und E 220 Bluetec für Effizienz ohne Verzicht.

Nach Meinung all der Theoretiker, die schon an eine Weltverschwörung glauben, wenn nur zwei Gänseblümchen gleichzeitig blühen, sind die Entwickler bei Audi und Mercedes also einfach mal an ihre Schreibtisch-Schublade gegangen. Gleich unter dem Rezept für kalorienfreie Pizza, der Anleitung zum Bau eines E-Autos mit 700 km Reichweite für 15.000 Euro und dem Rettungsplan für "Wetten, dass ..?" haben sie die leicht vergilbten Unterlagen zur Fünf-Liter-Limousine vorgezogen. Die lagen da natürlich schon seit Mitte der 90er, aber Absprachen mit der Mineralölindustrie hatten ihre Umsetzung jahrelang verhindert.

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Audi A6 Ultra mit 6,8 Litern/100 km Testverbrauch

Alle anderen, die keinen solchen Verschwörungstheorien nachhängen, können mit uns staunen: Gerade kommen Audi A6 Ultra und Mercedes E 220 Bluetec von der auto motor und sport-Verbrauchsrunde zurück. Zwei Limousinen mit prunkvoller Ausstattung, 190 und 170 PS sowie Leergewichten nördlich von 1,7 Tonnen. Jeweils 412 Kilometer haben beide abgespult, sacht und sparsam gefahren. Beim Audi schnappt die Zapfpistolen-Arretierung schon nach gut einer halben Minute zurück. Danach braucht es noch etwas Geduld und Geschick, bis der Tank wie beim Start bis zur Kante voll ist. Mehr als 20,19 Liter passen selbst dann nicht rein. Macht einen Verbrauch von 4,9 l/100 km. Beim Mercedes errechnen sich aus den 23,01 Litern schließlich 5,6 l/ 100 km. Damit liegen zwar beide über ihrer Normangabe von 4,4 l/100 km, aber, Freunde und verehrte Verschwörungstheoretiker, für zwei Oberklässler ist das hervorragend.

Selbst die Testverbräuche von 6,8 l/ 100 km beim Audi A6 Ultra und 7,5 beim E 220 Bluetec liegen auf dem Niveau kleinerer Autos wie Ford Ecosport 1.5 TDCi (6,8 l/100 km) oder Peugeot Partner Tepee HDi 115 (7,5 l/100 km). Auch gegenüber den bisherigen Versionen von A6 2.0 TDI und E 220 Diesel zeigen sich – wenngleich kleine – Fortschritte. So bringt das Ultra-Paket im Audi gegenüber dem bisherigen 2.0 TDI mit Handschaltung 0,5 l/100 km im Testverbrauch, während der E 220 Bluetec 0,3 l/100 km sparsamer fährt als der normale 220 CDI mit Siebenstufenautomatik. Und das ohne jeden Verzicht.

Zu gering fallen dazu die Sparmaßnahmen aus. Beim Audi A6 Ultra liegt die bedeutsamste darin, dass er nun ein neu entwickeltes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bekommt. Es steigert die Effizienz des Antriebs durch geringere innere Reibung und zwei getrennte Ölkreisläufe – einen für Doppelkupplung, Mechatronikmodul und Ölpumpe sowie einen für Radsätze und Differenzial. Im Effizienz-Modus legt die S-tronic im Schiebebetrieb den Leerlauf ein (wohl von irgendeinem Binnenschiffer "Segeln" statt "Rollen" betitelt).

Darüber hinaus hat sie ein Fliehkraftpendel. Kennen wir schon aus den Efficient-Dynamics-Edition-Varianten von BMW. Auch in der S-tronic des A6 wirkt es Schwingungen entgegen, die bei niedrigen Drehzahlen auftreten, ermöglicht so besonders niedertouriges Fahren. Das kann der Audi A6 Ultra gut, schon knapp über Leerlaufdrehzahl zieht er homogen los. Nicht allzu vehement allerdings. Da bremst ihn die lange Übersetzung des Getriebes und die Motorcharakteristik. Erst bei 1.750/min hat der kultivierte Zweiliter sein maximales Drehmoment von 400 Nm beisammen.

Mercedes und die Kraft der Ruhe

Beim etwas nageligeren E 220 Bluetec ist das Plateau von 400 Nm schon bei 1.400 Touren über null aufgetürmt und reicht bis 2.800/min. Jede Turbolücke davor schmiert der Siebenstufenautomat mit Wandlerschlupf zu. Damit macht sich der Mercedes druckvoller auf. Auch bei ihm sorgen Details für die Einsparung: So wechselt die Automatik nach einer besonders effizienten Schaltstrategie, die vor allem darauf abzielt, vom Motor keine hohen Drehzahlen zu fordern. Auf Schaltpaddeleingriffe reagiert die Automatik mit – nennen wir es mal – gedämpfter Euphorie. Hochdrehen lohnt ohnehin nicht, die 170 PS liegen bereits bei 3.000/min an. Wie der Audi A6 Ultra ist der E 220 Bluetec so lang übersetzt, dass der Motor bei Tempo 200 auf der Autobahn gerade mal mit 2.500/min tourt.

Die weiteren Effizienztricks des E bescheiden sich in Leichtlaufreifen und Grill-Lamellen, die sich bei niedrigem Kühlluftbedarf schließen, so den Luftwiderstand senken. Darauf zielt auch das serienmäßige Sportfahrwerk ab, mit dem sich der Bluetec eigentlich 15 Millimeter tiefer in den Fahrwind duckt. Der Testwagen jedoch hat die ebenso aufpreispflichtige (2.023 Euro) wie hervorragende Luftfederung. Nur auf Querfugen spricht sie systembedingt etwas herb an. Anders als der insgesamt deutlich straffer abgestimmte Audi A6 Ultra steckt der Mercedes ansonsten kurze wie lange Wellen flauschig und schunkelfrei weg – und zwar leer wie mit Zuladung.

Die beschränkt sich beim Testwagen auf mickrige 396 Kilo. Darüber hinaus fällt auch das Kofferraumvolumen beim mit 490 Litern kleiner aus als beim Audi A6 Ultra. Weil bei den nach Euro 6 abgasreinen Bluetec-Modellen unter dem Ladeboden der Adblue-Tank liegt, fehlen die 50 Liter des Souterrains, die Mercedes ansonsten dem Ladeabteil zurechnet.

Audi A6 Ultra bringt in der Sparversion 13 PS mehr mit

Euro 6 erfüllt der Audi A6 Ultra ohne Einfluss aufs Raumangebot. Überhaupt ist die einzige Herausforderung im Umgang mit dem Testwagen eine ästhetische – die üppige Ultra-Tapezierung an den Flanken. Damit feiert Audi die Verallgemeinerung des Konzepts: Während Mercedes den E 220 CDI und den E 220 Bluetec parallel anbietet, gibt es den A6 2.0 TDI nur noch als Sparversion.

In der kostet der Audi A6 Ultra 240 Euro mehr als bisher, bringt 13 PS extra mit und bewahrt sich bekannte Stärken. 20 PS Leistungsvorsprung und 131 kg Gewichtsvorteil zum E setzt er in eiligere Beschleunigung um. Im Gegensatz zum OM 651 im Mercedes dreht der Audi-Zweiliter lockerer, die S-tronic reagiert spontan auf Schaltpaddelei. Zum dynamischen Wesen passt das agilere Handling, mit dem der A6 unauffällig schnell und enorm sicher über Land fegt. Nur an Rückmeldung in der Lenkung fehlt es noch immer.

Der E lenkt gemächlicher, aber gefühlsechter. Flotte Kurverei erledigt er eher professionell als begeistert: sacht untersteuernd, kompromisslos sicher und bestens ESP-überwacht. Beide bieten optional ein umfassendes Assistenzarsenal, welches dem Fahrer kaum ermöglicht, an einem Unfall mitzuwirken. Umso erstaunlicher, dass sich der E beim Bremstest aus 100 km/h mit Zuladung und warmer Anlage die kleine Blöße eines 1,9 Meter längeren Anhaltewegs erlaubt.

Halten wir noch fest, dass beide ein gleichermaßen weitläufiges Platzangebot haben, bestens verarbeitet, bis auf kleine Umständlichkeiten (MMI-Menüs im A6, Bordcomputer im E) leicht bedienbar und teuer sind. Am Ende gewinnt der Audi A6 Ultra, der zeigt, wie verzichtfrei-sparsam die Oberklasse ist. Wenn das einer nicht glaubt, sollte er mal Probe fahren. Wer nicht verschwören will, muss fühlen.

Fazit

1. Audi A6 2.0 TDI Ultra
530 Punkte

Der Mehraufwand, den Audi beim Antrieb betreibt, lohnt sich. Außerordentlich sparsam, dazu temperamentvoll und kultiviert, fährt der A6 Ultra zum Sieg. Kleine Makel beim Federungskomfort macht er durch erheblich niedrigere Kosten locker wett.

2. Mercedes E 220 Bluetec
516 Punkte

Bei einem A6 als Gegner darf man keine Schwächen zeigen. Der 220 Bluetec leistet sie sich aber – mit geringer Zuladung, Mehrverbrauch und dem hohen Preis. Bei Komfort und Sicherheit bleibt er Maßstab, auch der kraftvoll-gelassene Antrieb überzeugt.

Technische Daten
Audi A6 2.0 TDI Ultra Mercedes E 220 Bluetec Edition
Grundpreis 42.150 € 46.678 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4915 x 1874 x 1455 mm 4879 x 1854 x 1474 mm
KofferraumvolumenVDA 530 bis 995 l 540 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2143 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 140 kW / 190 PS bei 3800 U/min 125 kW / 170 PS bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h 228 km/h
0-100 km/h 8,5 s 8,8 s
Verbrauch 4,4 l/100 km 4,4 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km
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