Audi A6 3.0 TDI Quattro im Test

Gesicht in der Menge

Foto: Hans-Dieter Seufert

Große Schnauze, viel dahinter. Die neue A6-Limousine hat gegenüber ihrem Vorgänger in allen wichtigen Abmessungen ordentlich zugelegt. Und der 3.0 TDI Quattro mit 225-PS-Dieselmotor verspricht, in allen Kriterien besser zu sein als sein Vorgänger.

Wären die Positionen in der oberen Mittelklasse mit dem Meterstab zu messen, es gäbe keinen Zweifel: Audi hat den Größten. Die neue A6-Limousine hat gegenüber ihrem Vorgänger in allen wichtigen Abmessungen ordentlich zugelegt. Die Länge der Karosserie wuchs um zwölf Zentimeter. Das bedeutet, dass der Audi in seinem Segment den bisher gültigen Rahmen sprengt. Die direkten Konkurrenten, BMW Fünfer und Mercedes-E-Klasse, sind 7,5 beziehungsweise 9,8 Zentimeter kürzer. Der Radstand freilich, obschon um 8,3 Zentimeter länger geworden, bleibt immer noch knapp unter den Maßen dieser beiden Rivalen. Schon deshalb darf man zwar ein grosszügiges Raumangebot erwarten, aber keines, das die Welt auf den Kopf stellt. Immerhin: Im Fond bleibt selbst dann noch ein nennenswerter Beinraum übrig, wenn sich die vorn sitzenden Passagiere lang machen. Und die haben dazu reichlich Gelegenheit, denn der Verstellbereich der Frontsitze ist ungewöhnlich groß geraten. Die Sessel bieten guten Komfort und Seitenhalt, der Fahrer darf sich zudem über eine tadellose Sitzposition hinter dem Lenkrad freuen.

Einmal abgesehen davon, dass sich Audi dem Trend zur Minimal-Instrumentierung angeschlossen hat, schafft auch der Anblick des Armaturenbretts gute Laune. Den Eindruck hochwertiger Qualität ist man ja schon gewohnt. Neu dagegen die fahrerorientierte Auslegung des Cockpits mit der leicht nach links gerichteten Mittelkonsole. Das erinnert an BMW, wo man dieses zuletzt vernachlässigte Stilmittel jetzt mit dem Einser wieder belebt. Die Ergonomie im Audi ist bestens. Die Bedienung inklusive der über den Bildschirm gesteuerten Funktionen erschließt sich auch ohne Studium der Betriebsanleitung. Und wer, beispielsweise bei Nachtfahrten, lieber ohne leuchtenden Monitor unterwegs ist, kann diesen ohne Menüklick mit einer Extra- Taste ausschalten.

Das Volumen des Kofferraums vermag höchste Ansprüche zu erfüllen: 546 Liter passen ins Heck des Audi. Damit übertrifft er sogar seinen großen A8-Bruder. Sind sperrige Gegenstände zu transportieren, kann die geteilte Lehne der Rücksitzbank nach vorn geklappt werden. Die Fondsitze selbst überzeugen nicht ganz, weil die kaum geneigte, tief angeordnete Sitzfläche wenig Beinauflage bietet. Die straffe Polsterung verhindert überdies ein kommodes Einsinken und sorgt mit dafür, dass für stattlich gewachsene Mitmenschen die Kopffreiheit knapp wird. Trotz der fast schon ins automobile Oberhaus reichenden Statur des A6 sollte man nicht erwarten, dass Audi den Weg zum Luxus-Gleiter eingeschlagen hat.

Im Gegenteil: Die Marschrichtung geht ganz klar zur Dynamik. Dafür spricht schon das neue Styling. Dominierendes Merkmal ist nun der mächtige Kühlergrill, ergänzt durch den wie bei einem Coupé geschwungenen Dachaufbau. Der Publikumsgeschmack, die Reaktionen auf den Testwagen zeigen es, wurde damit zielsicher getroffen. Der A6 wirkt nicht allseits gefällig wie die Mercedes-Mittelklasse, polarisiert aber auf der anderen Seite längst nicht so wie der Fünfer von BMW. Dass in die Abstimmung ein ordentlicher Schuss Sportlichkeit geflossen ist, beweist vor allem das Fahrwerk. Hier hat der A6 gegenüber seinem Vorgänger einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Von dessen Schwächen, dem Stuckern der Federung auf kurzen Unebenheiten, dem Schaukeln der Karosserie auf langen Bodenwellen sowie der stoßempfindlichen Lenkung, hat sich der A6 verabschiedet.

Auffallend ist das fast völlige Fehlen von Fahrwerksgeräuschen: kein Poltern auf schlechten Straßen, geringes Abrollgeräusch. Eine Sänfte ist der A6 trotzdem nicht. Die Federung wirkt straff, aber keineswegs unkomfortabel. Der Zustand der Fahrbahn bleibt fühlbar, vor allem beim langsamen Dahinrollen. Höheres Tempo verbessert das Ansprechen der Federung. Sie verdaut dann auch grobe Wellen ohne abrupte Vertikalbewegungen der Karosserie. Nur Querfugen auf der Autobahn werden allzu deutlich an die Insassen gemeldet. Die klare Priorität, die der Fahrdynamik bei der Abstimmung eingeräumt wurde, zeigt sich bei zügigem Fahren auf kurvigen Strecken. Rollbewegungen des Aufbaus um die Längsachse glänzen durch Abwesenheit, der A6 liegt auf der Straße wie ein Brett. Dazu kommt eine überzeugende Lenkung. Sie arbeitet bei niedrigen Geschwindigkeiten sehr leichtgängig, was das Fahren im Stadtverkehr beträchtlich erleichtert. Bei höherem Tempo nimmt die Servowirkung ab.

Der nötige Kraftaufwand bleibt immer noch vergleichsweise niedrig, aber der Fahrbahnkontakt verbessert sich spürbar. Allein schon die Lenkung stempelt den Audi zu einem echten Fahrer-Auto. Das über einen weiten Bereich neutrale Kurvenverhalten passt da trefflich ins Bild. Nie entsteht der Eindruck, ein Fünf-Meter-Schiff zu steuern, so handlich und präzise lässt sich der A6 fahren. Dass die Vorderachse den überwiegenden Teil des Gesamtgewichts zu tragen hat, wird nur in engen Kurven durch verstärktes Schieben über die Vorderräder und einen entsprechenden Eingriff der Stabilitätselektronik deutlich.

Insgesamt aber hat die wenig zu tun, woran natürlich der beim 3.0 TDI serienmäßige Allradantrieb einen entscheidenden Anteil hat. Die Kraft auf den Boden zu bringen, stellt auch bei Nässe und forciertem Leistungseinsatz kein Problem dar. Und es ist viel Dampf, den drei Liter große V6-Diesel entwickelt. Zu seinen technischen Neuerungen zählen der Kettenantrieb der Nockenwellen sowie die Common-Rail-Einspritzung mit neuartigen Piezo-Injektoren. Sie ermöglichen eine besonders schnelle und exakte Dosierung der Einspritzung. Der technische Aufwand trägt Früchte. Auch wenn der Testwagen den vom Werk genannten Beschleunigungswert (7,3 Sekunden von null auf 100 km/h) nicht erreichte – über Mangel an Leistung wird sich niemand zu beklagen haben. Das üppige Drehmoment schiebt den Audi mächtig voran, und es steht ohne Verschnaufpause zur Verfügung. Von der eklatanten Anfahrschwäche des Vorgängertriebwerks ist nur ein Hauch übrig geblieben.

In Fahrt reagiert der V6 spontan aufs Gas. Dabei unterstützt ihn die schnell reagierende und weich schaltende Sechsgangautomatik, die man getrost sich selbst überlassen kann. Nur auf sehr kurvenreichen Strecken empfiehlt sich das S-Programm. In dem schaltet die Automatik später hoch und früher zurück. Damit lassen sich bei häufigen Lastwechseln unnötige Schaltvorgänge vermeiden. Ganz Engagierte dürfen manuell eingreifen – gegen Aufpreis auch mit Schaltwippen am Lenkrad. Mindestens ebenso überzeugend wie die Leistungsentfaltung des Antriebs ist seine Laufkultur. Der Motor dreht schnell und ohne spürbare Vibrationen hoch. Dass es sich um einen Diesel handelt, macht das Laufgeräusch nur bei voller Beschleunigung im unteren Geschwindigkeitsbereich deutlich. Danach verliert es sich in einem unauffälligen Säuseln, um schließlich bei hohem Autobahntempo gänzlich vom dezenten Rauschen des Fahrtwinds verdrängt zu werden. Wird das Potenzial des Diesels häufig ausgenutzt, steigt der Verbrauch bis auf über zwölf Liter/100 km. Im Testdurchschnitt ergeben sich 9,9 Liter. Keine Sensation, aber doch ein beachtlicher Wert angesichts der gebotenen Fahrleistungen. Noch steht die direkte Konfrontation des A6 3.0 TDI mit der Konkurrenz aus. Sie folgt im nächsten Heft und verspricht ein spannendes Rennen. Denn immerhin startet der neue Audi von einer wohl verdienten Fünf- Sterne-Position.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Platzangebot hohe Steifigkeit hochwertiges Interieur gute Serienausstattung
  • Heckpartie unübersichtlich
Fahrkomfort
  • geringer Innengeräuschpegel wenig Karosseriebewegungen übersichtliche Bedienung gute Klimatisierung
  • auf Querwellen eingeschränktes Schluckvermögen der Federung
Antrieb
  • kultivierter Motorlauf gute Leistungscharakteristik gut abgestimmte Automatik
Fahreigenschaften
  • erstklassige Traktion sehr gutes Handling exakte und leichtgängige Lenkung weich eingreifendes ESP
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung standfeste Bremsen mit hoher Verzögerung
Umwelt
  • günstiger Verbrauch schadstoffarm nach Euro 4
  • noch kein Rußfilter lieferbar
Kosten
  • attraktiver Preis
  • nur zwei Jahre Gewährleistung

Fazit

Ein klarer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Laufkultur und Leistungsentfaltung des Motors überzeugen ebenso wie die flinken Fahreigenschaften. Kleine Schwächen im Federungskomfort trüben das Gesamtbild nur unwesentlich.

Technische Daten
Audi A6 3.0 TDI Quattro
Grundpreis 44.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4916 x 1855 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 225 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
0-100 km/h 7,9 s
Verbrauch 8,3 l/100 km
Testverbrauch 10,3 l/100 km
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