Audi A6 3.0 TDI Quattro im Test

Gute Besserung

Foto: ams 14 Bilder

In puncto Qualität stellt der aktuelle Audi A6 eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgänger dar. Perfekt ist aber auch er noch nicht.

„Wo waren wir stehen geblieben?“ lautete die Überschrift über dem blamablen Dauertest des Audi A6 2.5 TDI in auto motor und sport, Ausgabe 11/2000. Zwei Liegenbleiber, zwei Beinahe-Ausfälle und zahlreiche Qualitätsmängel verhagelten die Bilanz nach 100.000 Kilometern gehörig. Premiumpreise, aber alles andere als Premiumqualität.

Ob sich an diesem Zustand etwas geändert hat, wollte die Redaktion wissen, als im März 2005 der Nachfolger als A6 Limousine mit Dreiliter-V6-TDI, Partikelfilter, Sechsgang-Automatik und Allradantrieb seinen Dienst antrat. Nach wie vor ist das Preisniveau bei Audi hoch. Angereichert mit einigen nützlichen und angenehmen Extras kletterte der Testwagenpreis von 44.290 Euro für die Basisausführung auf stolze 62.680 Euro.

Drei Mal außerplanmäßiger Werkstattbesuch

Da ist es beinahe schon tragisch, dass ausgerechnet ein Cent-Artikel den einzigen Liegenbleiber verursacht hat, ohne den die Bilanz noch deutlich besser ausgefallen wäre. Getroffen hat es Autor Christian Steiger bei Kilometerstand 58.245. Beim Einparken auf einer belebten Straße in der Münchner Innenstadt fuhr der Audi plötzlich rückwärts, obwohl der Automatik- Wählhebel in Position „D“ stand. Mehrere Versuche, den richtigen Gang einzulegen, blieben erfolglos.

Es wurde sogar noch schlimmer – Hebel sowie Getriebe und damit das ganze Auto blockierten. Besonders unangenehm, da der Audi quer auf der Fahrbahn stand und sich nicht wegschieben ließ. Der über die Service-Nummer herbeigerufene Abschleppwagen erschien eine Stunde später und transportierte den gestrandeten A6 in die Werkstatt. Kollege Steiger setzte seine Fahrt nach insgesamt dreistündiger Verzögerung mit einem Leihwagen fort. Später stellte sich heraus, dass sich der Seilzug, der Wählhebel und Getriebe verbindet, ausgehängt hatte. Der Grund: Ein Sicherungs-Clip war abgefallen. Zwei weitere Male musste der Dauertestwagen außerplanmäßig in die Werkstatt. Bei Kilometerstand 37.170 löste sich die untere Motorraumverkleidung und schrubbte geräuschvoll über den Asphalt.

Dabei wurde die Abdeckung so stark beschädigt, dass sie ausgetauscht werden musste. Das wurde ebenso auf Garantie erledigt wie gut 20.000 Kilometer später der Austausch des Steuerkettenspanners. Immer wieder hatten die Fahrer sich über Rasselgeräusche vom Motor nach dem Kaltstart beklagt. Nach dem Tausch herrschte Ruhe – vom Motor und auch von der Rücksitzbank, deren Befestigung beim gleichen Termin nachgearbeitet wurde.

Redakteur Christian Bangemann hatte zuvor mehrfach „nervende Knarzgeräusche aus dem Fond“ moniert. Ebenfalls modifiziert wurden bei dieser Gelegenheit die Aufhängungen der Reflektoren, weil die ansonsten sehr guten Bi-Xenon-Kurvenscheinwerfer auf unebener Fahrbahn übermäßig stark zitterten. Gegen Ende der Dauertest-Distanz versagte dann die Verriegelung der Mittelarmlehne, die aber ebenfalls noch auf Garantie komplett erneuert wurde.

Handlicher als 5er-BMW und Mercedes E-Klasse

Ohne weiteres Eingreifen nahm dagegen das Audio- und Navigationssystem insgesamt zwei Mal nach einem kurzen Blackout die Arbeit wieder auf. Das sind zwar allesamt keine gravierenden Mängel, sie passen aber immer noch nicht so recht zum Premiumanspruch der Marke, wie ihn der ehemalige Audi- und jetzige VW -Chef Martin Winterkorn ausgegeben hat.

Schon eher werden Innenraum-Anmutung, Karosserie und Lack diesem Anspruch gerecht. Selten waren einem Dauertestwagen die 100.000 Kilometer so wenig anzusehen wie dem A6. Bis auf wenige Kratzer in den Alu-Zierleisten der Türverkleidungen präsentiert sich der Innenraum fast wie am ersten Tag. Keine abgewetzten Schalter, keine durchgesessenen Polster, keine losen Verkleidungen.

Und der Perleffektlack in Nordlichtblau zeigt trotz häufiger Maschinenwäschen noch viel Tiefe und Brillanz, aber kaum Kratzer. Sehr viel Lob heimste der A6 als angenehmer Begleiter auf zahlreichen Reisen ein, welche die Limousine unter anderem nach Schweden und zum Gardasee, nach Tschechien und in die Schweiz brachten. Stets wurde das großzügige Raumangebot hervorgehoben, das im 4,92 Meter langen A6 beinahe Oberklasse-Format hat.

Vier Passagiere sind sehr bequem untergebracht. Der Mittelplatz im Fond geht aber höchstens als Notsitz durch. Großformatig ist auch das Gepäckabteil. Sogar so groß, dass man kleineres Ladegut am besten mit dem Gepäcknetz sichert, da es sonst leicht in der tiefen Höhle des Kofferraums verschwindet und kaum noch erreichbar ist. Die Ladeluke fällt allerdings zu eng aus, was auf das Konto der coupéförmigen Dachlinie mit der weit hinten angesetzten Heckscheibe und kurzem Kofferraumdeckel geht.

Ein weiterer Nachteil dieser Konstruktion: die schlechte Übersicht nach hinten. Beim Fahren machten sich die üppigen Dimensionen aber nicht negativ bemerkbar. Im Gegenteil: Für ein Auto dieser Größe ließ sich der A6 überraschend wendig bewegen. Handlicher sogar als die etwas kürzeren Konkurrenten BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Überlegen ist auch die Traktion des Quattro-Antriebes, wie Christian Steiger bei einem plötzlichen Wintereinbruch erleben durfte.

Auf dem Weg nach Tschechien wich er wegen langer Staus von den Hauptrouten auf nicht geräumte Nebensträßchen durch den Böhmerwald aus, die der A6 mit Allradantrieb und griffigen Winterreifen souverän meisterte.

Kosten auf BMW 7er-Niveau

Auch als Zugwagen mit 1.900 Kilogramm Anhängelast überzeugte die Limousine. Sehr durchdacht ist dabei der Mechanismus, mit dem sich die werkseitig montierte Anhängerkupplung vom Kofferraum her aus ihrem Versteck hinter dem Stoßfänger herausschwenken lässt. Einen großen Anteil am insgesamt positiven Fahreindruck hat der durchzugsstarke, sparsame und kultivierte Dreiliter-Sechszylinder-TDI mit 225 PS in Kombination mit dem gelungenen Automatikgetriebe.

Nur unterhalb von 1.800 Touren mischen sich ein metallisch- harter Unterton und leichte Vibrationen unter die sonst verhaltenen Äußerungen. Einträge über Leistungsmangel sind in den Bordkarten keine zu finden. Wohl aber über die große Reichweite, die beim Dauertestverbrauch von 9,7 Litern/100 km über 800 Kilometer beträgt und sich bei zurückhaltender Fahrweise leicht auf 1.000 Kilometer und mehr steigern lässt.

Da der A6 hauptsächlich auf langen Strecken und überwiegend zügig bewegt wurde, kam es auf der gesamten Distanz nicht zu Problemen mit der Regeneration des Partikelfilters, wie es gelegentlich bei Autos auftritt, die nur im Kurzstreckenbetrieb bewegt werden. Wünschenswert wäre jedoch, dass die Federung bei Stadttempo auf kurze Unebenheiten nicht so störrisch und polterig anspricht. Zum Charakter einer komfortablen Reiselimousine passt diese Eigenart nicht.

Auf langen Wellen und bei höherem Tempo ist der Federungskomfort aber tadellos. Zumeist positive Kommentare bekam die Bedienung des Audio- und Navigationssystems per MMI. Doch wie beim i-Drive von BMW wurden auch bei Audi die Stationstasten zur direkten Anwahl der Lieblingssender vermisst. Weniger positiv als das Gesamturteil über den A6 fällt die Kostenbilanz aus.

Das Preisniveau pro Kilometer liegt auf Höhe eines BMW 740d mit V8-Diesel. Dank Longlife-Service sind die Inspektionsintervalle je nach Einsatzbedingungen zwar variabel und mit über 30.000 Kilometer ausreichend lang; das spezielle Motoröl, von dem außerdem über acht Liter benötigt werden, schlägt aber auf die Wartungskosten durch. Ebenso wie die teuren Bremsbeläge, die an der Vorderachse bereits nach 36.000 Kilometern erneuert wurden.

Leser Soler aus Ludwigsburg spottet angesichts des hohen Preises für die Beläge, dass sie wohl aus Gold bestehen müssten. Die deutliche Verbesserung des aktuellen A6 gegenüber seinem Vorgänger wird auch aus dem dieses Mal überwiegend positiven Leser-Echo ersichtlich. Gleichwohl zeigen die Zuschriften, dass von Perfektion noch keine Rede sein kann.

 

Abgastest: Erhöhte Stickoxid-Emissionen
Während der Partikelfilter auch nach 100 000 Kilometern seinen Dienst problemlos verrichtet, liegen die Stickoxid-Emissionen (NOx) leicht über dem Euro 4-Grenzwert. Auch der Summenwert von Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden (HC+NOx) bleibt nur knapp unter dem Limit. Das zeigt die vom TÜV Süd in Böblingen durchgeführte Abgasmessung.

Der Liegenbleiber verhindert, dass sich der Audi A6 auf dem zweiten Rang hinter dem Mercedes E 220 CDI einordnen kann. Im Vergleich zum Vorgänger hat er aber deutlich an Zuverlässigkeit zugelegt. Bei den Kilometerkosten rangiert der A6 auf dem Niveau eines BMW 740d. Das liegt vor allem am teuren Longlife-Motoröl, von dem über acht Liter benötigt werden.

Wir fahren seit sechs Monaten und 7500 Kilometern einen Audi A6 Avant 3.0 TDI Modell 2007. Schon die Abholung im Werk war ein Erlebnis. Bisher gab es keine Mängel, und das Fahren macht einfach Spaß. Die Sechsstufen-Automatik schaltet hervorragend und harmoniert ausgezeichnet mit dem 233-PS-Motor, der sehr gute Fahrleistungen bietet – auch als Zugwagen. Das Cockpit ist ansprechend gemacht, und die Bedienung über das MMI funktioniert nach kurzer Eingewöhnungszeit tadellos. Auch die Verarbeitung ist top. Speziell in der Anschaffung ist der A6 kein Schnäppchen, und die Liste der Extras ist lang, aber man hat das Gefühl, dass alles sein Geld wert ist.
Michael Manowski, 27232 Sulingen
 
Bei Licht betrachtet habe ich mit der Anschaffung des Audi A6 Avant 3.0 TDI eine sehr gute Wahl getroffen. Auf den ersten 32 000 Kilometern hat er im Durchschnitt 9,2 Liter Diesel je 100 Kilometer verbraucht. In der Werkstatt war das Auto bisher nur zur Inspektion, zum Wechsel auf Winterreifen und zum Erneuern eines Kühlmittelschlauches nach Marderbiss. Das Fahrzeug ist sehr solide verarbeitet. Es macht mir jeden Tag großen Spaß, mit dem Auto unterwegs zu sein. Das nächste Auto in drei Jahren wird wieder ein Audi sein.
Volker Stremmer, 33719 Bielefeld

Ich habe mit meinem im August 2004 gekauften Audi A6 3.0 TDI in den ersten zwei Jahren rund 120 000 Kilometer zurückgelegt. Prinzipiell bin ich mit diesem Auto recht zufrieden, wenn da nicht die vielen Kleinigkeiten wären: knarzendes Handschuhfach, quietschende Beifahrer- Kopfstütze, defekter MMI-Bildschirm, Navi ohne Funktion, eingebauter Kartenleser für das Mobiltelefon sowie das Telefon selbst und die Freisprecheinrichtung defekt. Außerdem musste der Wagen wegen defekter Wegfahrsperre zwei Mal abgeschleppt werden. Die Bremsbeläge vorn scheinen dem Preis nach zu urteilen aus Gold zu bestehen. Enttäuschend ist auch, dass das teure Audiosystem nicht einmal MP3 abspielt und sich kein iPod anschließen lässt. Das Design finde ich toll, und solange der Wagen läuft, bin ich absolut begeistert.
 Samo A. Soler, 71642 Ludwigsburg
 
Mein Audi A6 Avant 2.7 TDI Quattro mit Tiptronic hat jetzt 30 000 Kilometer ohne Probleme zu meiner vollsten Zufriedenheit absolviert. Die Innenausstattung mit Holz und vielen Extras ist einfach spitze – viel besser als bei einem Fünfer BMW. Etwas schade ist, dass die sehr gute Multitronic nicht mit dem Allradantrieb kombinierbar ist.
Reinhard Schleusener, 14621 Schönwalde-Glien

Ich fahre einen Audi A6 3.0 TDI Tiptronic seit 11 000 Kilometern, hauptsächlich auf Autobahnen und Bundesstraßen. Der Motor ist zwar überwiegend spritzig, aber leider im wichtigen Bereich zwischen 130 und 160 km/h nicht besonders durchzugsfreudig. Beim Kaltstart nagelt der Motor leider sehr. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut. Bis heute sind folgende Mängel aufgetreten: DVD-Navigation nimmt keine Orts- und Straßeneingaben an. Durch mehrmaliges Betätigen der Auswurftaste konnte ich das beheben. Außerdem klappert das Zündschloss im Armaturenträger.
Tobias Völk, 55545 Bad Kreuznach
 
Der Dreiliter-TDI-Motor im Audi A6 überzeugt mich nach 123 000 Kilometern wie am ersten Tag. Den Verbrauch von 8,7 Litern betrachte ich für diese Leistungsklasse als sehr ökonomisch. Das sichere und komfortable Fahrverhalten auch bei hohem Tempo ermöglicht, auch lange Strecken ermüdungsfrei zu absolvieren. Die Vielzahl kleiner Defekte wie Software-Probleme beim MMI-Telefon, sich selbst verstellendes Kurvenlicht, gebrochene Plastikteile im Innenraum und mehrfach defekte Glühkerzen sind für mich ganz neue Erfahrungen mit Audi, auf die ich auch gut hätte verzichten können.
Roland Skibbe, 48163 Münster

Ich habe bereits 88 000 Kilometer mit dem Audi A6 3.0 TDI zurückgelegt und kann mir einfach nicht den Namen des Werkstattmeisters merken. Das war mit der Mercedes E-Klasse innerhalb von zwei Jahren, 135 000 Kilometern und 51 Tagen in der Werkstatt einfacher. Der Audi ist ein tolles Auto. Schade nur, dass die Seitenspiegel so schnell verschmutzen. Aber darüber wirklich aufregen kann ich mich nicht.
Detlef Voshage, 28816 Stuhr 

Vor- und Nachteile

  • Hochwertige Qualitätsanmutung von Innenraum und Karosserie
  • Gutes Platzangebot vorn und hinten
  • Großer Kofferraum
  • Starker, kultivierter Motor
  • Handliche Fahreigenschaften
  • Hoher Langstreckenkomfort
  • Gute Klimatisierung und Heizung
  • Große Reichweite
  • Bequeme Sitze vorn und hinten
  • Angemessener Verbrauch
  • Sehr gutes Fahr- und Kurvenlicht
  • Lange Inspektionsintervalle
  • Gute Bedienbarkeit
  • Hervorragende Traktion
  • Gut abgestimmtes Automatikgetriebe
  • Eingeschränkter Federungskomfort
  • auf kurzen Wellen Schlechte Übersicht nach hinten
  • Kleine Kofferraumöffnung
  • Wenige, zu kleine Ablagen
  • Hohe Kilometerkosten
  • Zum Teil kerniger Motorklang
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Technische Daten
Audi A6 3.0 TDI Quattro
Grundpreis 44.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4916 x 1855 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 225 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 243 km/h
Verbrauch 8,3 l/100 km
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