Audi A6 3.0 TDI gegen Jaguar XF Diesel

Zwei Limousinen mit V6-Diesel im Test

Audi A6 3.0 TDI Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Neuling mit Flair und Flüsterdiesel gegen kühlen, alten Bekannten - ob der Jaguar XF den Audi A6 mit schierer Kraft besiegen kann, zeigt der Vergleich.

Endlich, es ist soweit: Ein hübsches Erbe oder ein kleiner Lottogewinn führen dazu, dass rund 60.000 Euro für ein neues Auto zur Verfügung stehen. Eine klassische Premium-Limousine soll es sein. Vielleicht ist es doch etwas realistischer anzunehmen, dass der Chef einen Dienstwagen spendiert - dann kommt für viele wegen günstiger Leasing-Konditionen nur ein Auto aus deutschem Hause in Frage.

Audi A6 3.0 TDI oder Jaguar XF 3.0D

Ein Audi A6 zum Beispiel. Der steht mit dem kräftigen Dreiliter-V6-TDI nebst Quattro-Antrieb und Sechsstufenautomatik für 49.150 Euro in der Preisliste - und in mehrfacher Ausführung auf jedem Supermarkt-Parkplatz. Nichts für Individualisten. Das sorgt für Hoffnung bei Marken wie Jaguar . Die Briten haben mit ihrer neuen Designsprache sogar ausgetretene Pfade verlassen, um neue Kunden zu ködern. Diese müssen immerhin 59.600 Euro für den Jaguar XF 3.0D S in der Ausstattung Premium Luxury im Alu-Köfferchen mitbringen.

Der Jaguar XF ist der stärkere Konkurrent

Dafür entschädigt der elegante, nach viel, aber nicht traditionell nach Jaguar aussehende Viertürer mit einer standesgemäßen Serienausstattung sowie einem 275 PS starken Selbstzünder. Dessen maximales Drehmoment von 600 Newtonmetern begräbt eventuell verbliebene Zweifel an der Oberklasse-Würdigkeit von Dieselmotoren mit sanfter Gewalt, aber unwiederbringlich unter sich. Schickt man das Gaspedal mit einem festen Tritt in den flauschigen Bodenteppich, hebt sich die aus der Fahrerperspektive wellenförmig profilierte Nase leicht an und schiebt sich in 7,2 Sekunden von null auf 100 km/h. Damit verpasst der Jaguar XF die Werksangabe zwar um 0,8 Sekunden, doch der Audi A6 war am Messtag offenbar genauso unausgeschlafen: Mit 7,7 Sekunden ließ er sich 0,9 Sekunden mehr Zeit, als der Prospekt verheißt. Dass die Differenz nicht deutlicher zugunsten des Jaguar XF ausfällt, liegt auch an dessen Mehrgewicht von 67 Kilogramm - was nicht nur angesichts der beim Jaguar XJ erworbenen Aluminium-Kompetenz verwundert. Der Jaguar XF geriet nur marginal größer als der Audi A6 und muss zudem keinen Allradantrieb mit sich herumschleppen.

Der Jaguar XF verblüfft mit geringem Kraftstoffverbrauch

Andererseits verblüfft das doppelt aufgeladene Triebwerk mit einem Minimalverbrauch von 5,8 L/100 km. Der Testverbrauch fiel mit 9,6 Litern ungleich höher aus, da der akustisch sehr zurückhaltende V6 oft und gerne von der Leine gelassen wurde. Glaubt man dem Hersteller, soll es dabei dank adaptivem Fahrwerk - dessen Dynamikmodus plakativ mit einem Druck auf die Taste mit karierter Startflagge aktiviert wird - in Kurven ähnlich schnell vorwärtsgehen wie auf der Geraden. Entführt der Fahrer nun den Jaguar XF (der Jaguar XF im Vergleichstest) ins kurvenreiche Hinterland, wird jedoch schnell klar, dass Jaguar sein Versprechen nicht halten kann. Beim zackigen Einlenken strebt er trotz der vergleichsweise günstigen Gewichtsverteilung - nur 53,3 Prozent des Fahrzeugsgewichtes belasten die Vorderachse - untersteuernd gen Grünstreifen und wird dabei rigoros vom ESP heruntergebremst.

Komfort steht beim Jaguar XF an erster Stelle

Um die Kehre ebenso flott zu verlassen, darf das Gas nur gekrault werden, da sonst die Elektronik angesichts der Drehmomentwelle wieder Ungemach aufziehen sieht - und dann radikal die Leistung zurücknimmt. Immerhin verliert das Automatikgetriebe weder den Überblick über seine sechs Stufen noch seine vorbildliche Sanftmut beim Gangwechsel. Doch längst weiß der Fahrer, dass der Jaguar XF  beim Sport die Rolle der vermeintlich reichen Erbtante spielt, deren Kontostand sich bei der Testamentseröffnung als Überraschung herausstellt. Die leichtgängig-gefühllose Lenkung und die bequem gepolsterten, aber seitenhaltbefreiten Sitze sind weitere Indizien dafür, dass der Jaguar XF zuallererst komfortabel sein soll. Selbst dann bleiben Wünsche nach mehr Konsequenz offen, da das Fahrwerk auch in der Normal-Stellung zu trocken auf kurze Wellen anspricht und bei groben Stößen an der Hinterachse zu weit aus den Federn kommt.

Bessere Verarbeitung im Audi A6

Erwartungsgemäß behandelt der Audi A6 - einer auf Dynamik basierenden Markenphilosophie verpflichtet - seine Insassen ebenfalls nicht wie rohe Eier, bewahrt jedoch durchweg eine geradezu notarielle Ruhe. Trotz seines Leistungsdefizits und der kopflastigen Gewichtsverteilung lässt er den Jaguar XF nicht kampflos ziehen. Die präzisere Lenkung und die optimal geformten, wie viele andere Selbstverständlichkeiten natürlich aufpreispflichtigen Sportsitze vermitteln dem Fahrer das Gefühl absoluter Kontrolle, im Audi A6 ist der Pilot der Chef. Alle Informationen, die er benötigt, werden ihm durch klar ablesbare Instrumente und Displays mitgeteilt - bis hin zum teuren Navigationssystem. Zudem wirkt der Audi A6 nicht nur höherwertig verarbeitet, er ist es auch, wie Knarzgeräusche aus dem Jaguar-Armaturenbrett bestätigen.

Im Innenraum spricht die ruhige Optik für den Jaguar

Lediglich das MMI-System können Neueinsteiger auf Anhieb nicht so intuitiv bedienen wie den Touchscreen des Jaguar XF, was dort jedoch mit absoluter Blindheit des Bildschirms bei direkter Sonneneinstrahlung erkauft wird. Dagegen macht es von der Praktikabilität keinen Unterschied, ob das Automatikgetriebe mit einem Wählhebel oder mit einem Drehknopf bedient wird. Allein die ruhige Optik spricht für die Jaguar-Lösung. Die Mittelkonsole des Audi A6 erscheint im Vergleich reichlich vollgepackt. An der Freude über die Arbeitsweise des Automatikgetriebes ändert das freilich nichts. Manuelle Eingriffe erübrigen sich auch hier, obwohl mit 450 Newtonmetern deutlich weniger Drehmoment zur Verfügung steht - das aber schon bei 1.500 Umdrehungen (Jaguar: 2.000/min). Unaufgeregt werden die passenden Stufen serviert, beim Landstraßen-Duell mit dem Jaguar XF geschieht das indes einen Tick ruppiger. Doch wer regt sich schon darüber auf, ob er nun 146 oder 136 Millionen im Lotto gewonnen hat?

Bei beiden Modellen treiben teure Extras das Budget in die Höhe

Entscheidender könnte dagegen seine wirksamere Bremse und die naturgemäß bessere Traktion sein. Auf den ersten Blick spricht natürlich auch der deutlich günstigere Grundpreis für den Audi A6, doch rüstet man ihn auf das Niveau des Jaguar XF auf, schmilzt die Differenz so schnell wie das Erbe in der Hand von Finanzbeamten. In dieser Klasse inzwischen als obligatorisch angesehene Annehmlichkeiten wie Bi-Xenonlicht und Metallic-Lack kosten bei beiden Modellen extra. Trotzdem sichert sich der Audi A6 aufgrund der niedrigeren Unterhaltskosten sowie des besseren Wiederverkaufswerts nicht nur das Kostenkapitel, sondern auch den Gesamtsieg. Einzig beim Antrieb und im Umweltkapitel findet er im unaufgeregten Jaguar XF seinen Meister - und natürlich in der nicht bepunkteten Individualitätswertung. Das sind durchaus Gründe, mit einem gut gefüllten Aktenkoffer den Jaguar-Händler zu besuchen.

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Audi A6
Keiner der beiden.
Mir egal.

Fazit

1. Audi A6
503 Punkte

Eine silberne A6-Limousine löst beim Betrachten keine große Überraschung aus - umso mehr beim Fahren. Mit gutem Komfort und ungeachtet der ungünstigen Gewichtsverteilung hoher Fahrdynamik lässt der 35 PS schwächere, aber trotz Allradantrieb 67 Kilogramm leichtere Audi A6 dem Jaguar keine Chance.

2. Jaguar XF
464 Punkte

Der druckvolle und dennoch sparsame Motor des Jaguar XF schafft es, auch die härtesten Verfechter des Otto-Prinzips für sich zu gewinnen. Zudem harmoniert er perfekt mit der kuschelweich schaltenden Automatik. In puncto Federungskomfort erfüllt der Jaguar XF die Erwartungen dagegen nicht.

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Technische Daten
Audi A6 3.0 TDI Quattro Jaguar XF 3.0 V6 Diesel Premium Luxury
Grundpreis 49.850 € 58.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4927 x 1855 x 1459 mm 4961 x 1877 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l 540 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 176 kW / 240 PS bei 4000 U/min 177 kW / 240 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 240 km/h
0-100 km/h 7,7 s 7,6 s
Verbrauch 7,1 l/100 km 6,8 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km 9,5 l/100 km
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