Audi A6 3.2 FSI Quattro, BMW 530i und Mercedes E 320 Elegance

An ihrem Namen sollt ihr sie erkennen, den brandneuen Audi A6 3.2 FSI Quattro und seine  Konkurrenten BMW 530i und Mercedes E 320 Elegance. Vergleich der Sechszylinder-Benziner.

Die erste Begegnung dieses Trios endete mit einem Herzschlagfinale: Der BMW gewann mit einem Punkt Abstand vor dem neuen Audi, der Mercedes folgte acht Zähler dahinter (Heft 9/2004). Damals traf die Dreiliter-Diesel-Fraktion aufeinander. Im aktuellen Feld versammeln sich wieder Dreiliter-Modelle, dieses Mal aber die Benziner mit Automatikgetriebe. Der Reihen-Sechszylinder im BMW Fünfer erreicht diesen Hubraum fast exakt, die beiden V6-Motoren seiner Kontrahenten bringen rund 200 Kubikzentimeter mehr mit. Geht es um die nominelle Leistung, gibt der Vierventil- Direkteinspritzer im Audi mit 255 PS klar den Ton an.

Der bekannte Vierventiler im BMW (231 PS) und der Dreiventiler im Mercedes (224 PS) begnügen sich mit etwa zehn Prozent weniger. Dass der Audi-Motor gut im Futter steht, wird schon auf den ersten Kilometern deutlich. Er gefällt durch spontane Gasannahme und den besten Antritt in diesem Kreis. Außerdem verrichtet er seine Arbeit mit angenehmen Manieren, wobei er unter Last bei niedrigen Drehzahlen klanglich sogar mit einer sanften Prise V8-Gebrabbel betört. Wie seine Konkurrenten verfehlt auch der A6 die optimistische Werksangabe (7,1 s) beim Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 deutlich.

Mit 7,7 Sekunden in dieser Disziplin und insgesamt sehr ansprechendem Temperament wird er aber seiner Favoritenrolle in Sachen Fahrleistungen durchaus gerecht. Doch das genügt nicht, um sich abzusetzen. Der 530i, beim Standard-Sprint nur einen Wimpernschlag (8,0 s) und in der Höchstgeschwindigkeit mit 245 gerade mal fünf km/h langsamer, kann dem Audi stets mühelos folgen. Sein eher akademisches Manko dezenter Durchzugsschwäche gleicht der Reihenmotor des BMW mit seidenweichem Lauf aus.

Obgleich von der Papierform eine Idee kräftiger als der 530i, geht der E 320 in der Praxis spürbar behäbiger seiner Arbeit nach. Der V6 wirkt etwas träge und klingt angestrengt, wenn er seine Nenndrehzahl von 5600 Touren aufsucht. Schon im mittleren Bereich verrät das dominante Motorgeräusch, dass Laufkultur und Leistungsbereitschaft nicht seine großen Stärken sind. Dass die Fünfgangautomatik des Mercedes nicht immer spontan den passenden Gang parat hält und seltener schaltet, trägt mit zu dem vergleichsweise phlegmatischen Charakter des E 320 bei. Die Arbeitsweise des Selbstschalters mit seinen sanften, kaum spürbaren Gangwechseln ist aber über Zweifel weitgehend erhaben.

Sportlicher abgestimmt sind dagegen die sechsgängigen Automatikgetriebe im Audi und im BMW. Beide schalten schon bei geringer Leistungsanforderung gerne zurück, selbst wenn der Kickdown-Punkt nicht erreicht wird. Das hat Vorteile bei flotter Fahrweise, nervt aber bei gemächlicher Gangart. Im Sport-Modus kommt bei unruhigem Gasfuß rasch Dis- harmonie und Hektik auf. Denn jetzt wird noch zackiger runtergeschaltet, und die Gänge werden länger gehalten. Der A6 ist zwar Stärkster im Bunde, kann das Antriebskapitel aber nicht für sich entscheiden. Das liegt an dem mit durchschnittlich 14,2 Liter ziemlich hohen Verbrauch – mit ein Tribut an sein stattliches Leergewicht (1781 kg) und den permanenten, stets Reibungverluste generierenden Allradantrieb. Der BMW, knapper Sieger dieses Kapitels, und der Mercedes sind zwar ebenfalls keine Kostverächter, kommen aber mit über einem Liter weniger aus. Die Stunde des A6 Quattro schlägt bei der Fahrsicherheit.

Hier setzt sich der Vierradantrieb positiv in Szene, garantiert er doch nicht nur auf trockener Straße, sondern vor allem auch unter widrigen Fahrbahnbedingungen im Vergleich zu den beiden Hecktrieblern überlegene Traktion. Doch damit nicht genug: Die leichtgängige, präzise und guten Fahrbahnkontakt vermittelnde Lenkung sowie das erstaunlich gute Handling bringen den A6 nach vorne. Im Gegensatz zum wesentlich kopflastigeren A6 3.0 TDI folgt der etwa 150 Kilogramm leichtere FSI fast spielerisch den Lenkbefehlen und umrundet Kurven mit überraschender Leichtfüßigkeit.

In der Agilität steht ihm der auch dank Dynamic Drive (Wankausgleich, Aufpreis 2300 Euro) sehr fahrstabile Fünfer kaum nach. Wenige Kleinigkeiten machen den feinen Unterschied aus: So erfordert der BMW wegen höherer Lenkkräfte etwas mehr Einsatz im Kurvenlabyrinth. Seine in Abhängigkeit vom Tempo die Servounterstützung und Übersetzung wechselnde Aktivlenkung (Aufpreis 1200 Euro) wirkt phasenweise synthetisch und fördert bei langsamen Geschwindigkeiten eine eckige Fahrweise. Der viel zu dicke Kranz des M-Lenkrads (90 Euro extra) schließlich erweist sich als unhandliche Schnittstelle zur sportlichen Limousine. Auch der Mercedes überzeugt mit narrensicherem Fahrverhalten.

Dennoch wirkt er wegen seiner stärkeren Aufbaubewegungen sowie der größeren Untersteuerneigung in Kurven schwerfälliger als seine beiden Konkurrenten. Die etwas teigig und nicht sonderlich genau arbeitende Lenkung festigt diesen Eindruck. Andererseits leistet sich der E 320 bei den Kriterien des Bremsen-Kapitels mit Ausnahme des unbefriedigenden Pedalgefühls keine Schwäche. Der Audi büßt Punkte beim Verzögern auf ungleich griffigen Belägen (μ-split) ein: wegen des längsten Bremswegs und leichter Instabilität. Die vergleichsweise kräftigen Karosserie-Bewegungen speziell auf langen Wellen sowie deutlich vernehmbare Abrollgeräusche auf rauen Belägen und Querfugen schränken das Fahrvergnügen im Mercedes zwar ein, ändern aber nichts an seinen grundsätzlich ausgewogenen Komfortqualitäten. Da sind im Audi schon wesentlich größere Abstriche zu machen. In erster Linie verstimmt das mangelnde Ansprechvermögen seiner Federung auf kleinen Unebenheiten. Aber auch die kräftigen Stöße, welche die Hinterachse gelegentlich völlig unvermittelt auf langen Wellen austeilt, sind nicht von schlechten Eltern.

Keinen Anlass zum Mäkeln gibt hingegen der BMW, dessen Federung mit ihrer unter allen Bedingungen befriedigenden Schluckfähigkeit einen insgesamt sehr ausgewogenen Eindruck hinterlässt. Zudem bietet der Fünfer seinen Passagieren den besten Sitz- und Geräuschkomfort. Bei den übrigen Eigenschaftskapiteln ergeben sich ähnliche Bewertungen wie bei dem schon erwähnten Diesel- Vergleich. Also etwa Vorteile für den großen Audi wegen seines üppigen Raumangebots, andererseits Nachteile für den BMW wegen seiner unübersichtlichen Bedienung mit dem i-Drive-System. Ein Teilaspekt, der nichts an dem neuerlichen BMW-Sieg nach Punkten ändert. Wieder ein Herzschlag-Finale? Beinahe. Dieses Mal ist der Abstand zwischen den ersten beiden Konkurrenten mit drei Punkten eine Idee größer.

Fazit

1. BMW 530i
528 Punkte

Der BMW ist die ausgewogenste Limousine in diesem Feld. Er leistet sich keine gravierenden Schwächen, überzeugt mit Komfort, Agilität und kultiviertem Motor.

2. Audi A6 3.2 FSI
525 Punkte

Das jüngste Auto in diesem Trio ist das größte und geräumigste. Der allradgetriebene Audi ist sehr fahrsicher, feder aber unbefriedigend und braucht zu viel Benzin.

3. Mercedes E 320 Elegance
522 Punkte

Die E-Klasse ist zwei Jahre alt und wirkt teilweise schon etwas übertholt, wie das Handling zeigt. Typische Stärken: hoher Bedienkomfort und gute Qualität.

Technische Daten
Audi A6 3.2 FSI Quattro BMW 530i Mercedes E 320 Elegance
Grundpreis 47.400 € 43.100 € 46.910 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4916 x 1855 x 1459 mm 4841 x 1846 x 1468 mm 4818 x 1822 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l 520 l 540 l
Hubraum / Motor 3123 cm³ / 6-Zylinder 2979 cm³ / 6-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 188 kW / 255 PS bei 6500 U/min 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 165 kW / 224 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 245 km/h 245 km/h
0-100 km/h 7,7 s 8,0 s 8,4 s
Verbrauch 10,9 l/100 km 10,0 l/100 km 10,0 l/100 km
Testverbrauch 14,2 l/100 km 13,1 l/100 km 12,9 l/100 km
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