Audi A6 4.2 gegen BMW 550i

Volles Rohr

Foto: Achim Hartmann, Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Von wegen Lastesel: Die beiden deutlich über 300 PS starken Kombis Audi A6 Avant 4.2 Quattro und BMW 550i Touring sind viel zu luxuriös, edel und stark für schnöde Transportaufgaben.

Es ist eine Wortpaarung, die immer noch nicht so richtig leicht von den Lippen geht: Luxus-Kombi. Die scheinbar paradoxe Verbindung des eigentlich Überflüssigen mit dem besonders Nützlichen. Und doch hat sich das einst als Handwerkerkutsche verschriene Rucksack- Gefährt sukzessive auch als Fortbewegungsmittel in besser betuchten Kreisen etabliert.

Doch die Edel-Transporter- Evolution kommt nicht von oben in Form eines spektakulären Oberklassemodells wie der Audi-Studie Avantissimo auf Basis eines A8 von 2001. Auch nicht durch noble Extravaganzen wie den Aston Martin Shooting Brake, der nur in homöopathischen Dosen vor herrschaftlichen Anwesen parkte.

Es sind Vertreter der oberen Mittelklasse, die mit hohem Leistungspotenzial und feiner Ausstattung die praktischen Kombivorzüge unterfüttern. Allen voran schlägt BMW mit dem 550i Touring ein neues Leistungskapitel auf. Abgesehen von diversen AMG- und RS-Varianten sowie noch vor dem kommenden M5-Kombi bringt BMW mit dem 367 PS starken Touring ein starkes Stück auf die Straße.

Es hat nochmals 32 PS mehr Leistung als sein direkter Konkurrent Audi A6 Avant 4.2, dessen Achtzylinder-Aggregat seine geringere Leistung jedoch über einen traktionsstarken, serienmäßigen Allradantrieb auf die Piste bringt. Den BMW 550i gibt es hingegen nur mit Hinterradantrieb.

Weder beim Grundpreis noch in der Ausstattung tun sich die beiden weh. Als hätten sich die Preisgestalter in Ingolstadt und München abgesprochen, bieten die schnellen Bayern einträchtig Klimaautomatik, Ledersitze, 17-Zoll-Reifen, elektrische Sitzverstellung und CD-Radio. Mit ein paar Kreuzchen in der Optionsliste bei Bi-Xenonlicht, Navigation und Telefon steigt der Preis deutlich über 70 000 Euro.

Willkommen in der Luxusklasse – so viel hat vor vier Jahren ein Porsche 911 Carrera gekostet. Doch die beiden Raumschiffe sind bestens gerüstet für die Luft im Oberhaus. Der betörende Duft von schwerem Leder und der edle Glanz von poliertem Echtholz bedient auch an Noblesse gewöhnte Sinne. Der Audi sogar noch etwas mehr als der BMW:

Die feinen Alurahmen, das sattere Tastenklicken und das luftigere Raumangebot sind fürs Gefühl, die höhere Zuladung, der variablere Laderaum und das Plus an Gepäckkapazität für den Verstand. Der Innenraum des Fünfer ist kaum weniger gut verarbeitet, aber nüchterner und nicht so geräumig. Zudem nervt die Plastik-Kofferraumabdeckung, die sich nach jedem Öffnungsvorgang der Heckklappe wie eine Tarnkappe vor die Heckscheibe schiebt und dort auch nach der Schließung beharrlich verweilt.

Pluspunkte sammelt der Touring im Sicherheitskapitel mit zweistufigen Gurtstraffern und Bügelgriffen. Dafür geht die Bedienung des Audi besonders für geübte Fahrer schneller als im BMW. Doch auch im A6 bleiben ergonomische Ärgernisse wie die umständliche Sitzheizung und der fehlende Single-CD-Schlitz in der Mittelkonsole (CD-Wechsler im Handschuhfach).

Apropos Audio: Wer schon im Stand Bescheid wissen möchte, wie sich die beiden Edelkombis fahren, sollte einfach in die Soundsysteme reinhören. Deren Klangcharakter korrespondiert auf erstaunliche Weise mit dem Fahreindruck. Während die Bose-Anlage des A6 räumlich, fülliger und sehr langstreckentauglich klingt, zeigt das Harman-Kardon-System im Fünfer einen direkteren, anspringenderen, in manchen Bereichen sogar zu akzentuierten Charakter.

So behandelt der 550i auch beim Fahren kräftig ondulierten Untergrund etwas hemdsärmelig und straff. Seine serienmäßige Kombination aus Stahl- und Luftfederung (mit Niveauregulierung an der Hinterachse) nimmt auch in der Komforteinstellung des Dynamic-Drive-Fahrwerks Schlaglochattacken prinzipiell sportlicher. Trotzdem wird der Fahrer wahrhaft nicht zum Fall für den Physiotherapeuten.

Dafür sorgen schon allein die exzellenten, weil komfortablen und Halt gebenden Sessel. Lohn der knackigeren Abstimmung ist zusammen mit der präzisen Lenkung ein sehr agiles Handling, wenig Wankneigung und das Gefühl, ein deutlich kompakteres Auto zu pilotieren.

Das BMW-ESP agiert zudem zwar häufiger, aber gleichmäßiger als im A6, der später, aber dann kräftiger eingreift. Leichte Lastwechsel-Heckschwenks lässt der 550i jovial zu, Kurveneingangs-Untersteuern wird dagegen vehement unterdrückt. Der Audi gibt sich nicht so viel Mühe, seine fast zwei Tonnen zu verstecken, und schwebt besonders in der Komfortstellung seiner optionalen Luftfederung mit Eleganz selbst über Feldwege. Dieses getragenere Fahrverhalten führt auch in der Automatik-Einstellung der Federung zu spürbaren Karosserieschwankungen um die Längsachse.

Handling-Fetischisten finden schon wegen der etwas indirekteren Lenkung im Avant nicht ihr ganz großes Glück. Dafür steigen sie nach Hunderten von Kilometern eine Spur entspannter aus ihrem Fünf-Meter-Trumm. Isoliert betrachtet ist der A6-Motor ebenso ein Quell der Freude. Mit strammen Waden zieht der erstmals im Audi S4 eingesetzte Fünfventiler seine Passagiere bullig voran.

Die Kraft verteilt dabei ein Torsen-Mitten-Differenzial vom Schlupf gesteuert gleichmäßig auf Vorder- und Hinterachse. Dazu singt der V8 beim kräftigen Gasgeben sein leicht schmutzig-prolliges Liedchen und entwickelt damit einen Hauch des Flairs, den sonst amerikanische Bigblocks verströmen. Dass dem besonders kurz bauenden 4,2-Liter obe rum etwas die Luft ausgeht, wird erst beim Umstieg in den BMW gegenwärtig.

Der vom 750i übernommene 4,8-Liter-V8 fährt sich mit einer fesselnden Leichtigkeit. Die eine Sekunde Vorsprung beim Sprint auf Tempo 100 ist nur eine nüchterne Zahl. Wie locker der 550i antritt und wie mühelos er seine Kurbelwelle bis zu 7000 Touren rotieren lässt, dokumentiert jedoch höchste Motorenbaukunst. Kaum getrübt von der etwas zu hektisch agierenden Sechsgang-Automatik. Dazu klingt der Fünfer eine halbe Tonlage höher und bissiger als der Audi.

Ein emotionales Dopingpaket für Fans beherzter Fahrweise – allerdings nur bei Trockenheit. Denn legt sich Nässe über die Straße, kämpft die Traktionskontrolle mit automatischer Leistungsverminderung um Grip. Die gespürte Dynamik sinkt auf das Niveau eines Einser, während der allradgetriebene Audi nun stolz seinen Riesenkühler in die Pole Position bringt.

Dass es für den A6 trotz seines hohen Pragmatismus und des exzellenten Komforts dann doch nicht zum Gesamtsieg reicht, verschulden die hohen Versicherungsprämien: Auf fünf Jahre gerechnet muss der A6-Fahrer über 6000 Euro mehr anlegen. Kühl gerechnet gewinnt der BMW diesen Vergleichstest.

Doch ein Kombi in dieser hohen Leistungsklasse findet seinen Besitzer auch durch die Emotionen, die er zu wecken weiß. Und Potenzial für schöne Fahrten haben beide mehr als im Überfluss – Luxus eben.

Fazit

1. BMW 550i Touring
507 Punkte

Es sind die deutlich niedrigeren Festkosten, die dem 5er den Sieg eintragen. Mehr Freude am Fahren bietet er aber durch seinen exzellenten Motor und das sportlich-agil abgestimmte Fahrwerk.

2. Audi A6 4.2 Avant Quattro
504 Punkte

Der Audi setzt seinen Vorsprung durch Allradtechnik und Luftfederung rundum in hohen Komfort und erstklassige Traktion um. Die hohen Versicherungsprämien kosten den A6 jedoch den Sieg.

Technische Daten
BMW 550i Touring Audi A6 Avant 4.2 Quattro
Grundpreis 66.681 € 63.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4843 x 1846 x 1491 mm 4933 x 1855 x 1463 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1615 l 565 bis 1660 l
Hubraum / Motor 4799 cm³ / 8-Zylinder 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 270 kW / 367 PS bei 6300 U/min 246 kW / 335 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,8 s 6,8 s
Verbrauch 11,3 l/100 km 11,7 l/100 km
Testverbrauch 13,7 l/100 km 13,8 l/100 km
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