Audi A6 Avant 2.4, BMW 523i Touring, Mercedes E 240 T

Der Erfolg des Vorgängers ist für den neuen Audi A6 Avant eine Verpflichtung. Ein Vergleich der 2,4 Liter-Ausführung mit dem BMW 523i Touring und dem Mercedes E 240 T zeigt, ob der neue Audi der Konkurrenz gewachsen ist.

Vernünftig zu denken und unlogisch zu handeln, das liegt nun mal in der menschlichen Natur. Wäre es nicht so, müsste der Kombi auch in der oberen Mittelklasse viel mehr Zuspruch finden. So aber tun sich die praktischeren Limousinen- Alternativen im noblen Segment schwer, auch nur ein Viertel der entsprechenden Baureihen zu bestreiten. Im deutschen Konkurrenzfeld gelingt das nur dem Audi A6 Avant, der zuletzt über 40 Prozent der gesamten A6-Produktion ausmachte. Der neue Avant soll diesen Erfolg nun konsolidieren. Die Voraussetzungen dazu sind vorhanden, denn er ist seinem Vorgänger in allen Punkten überlegen. Obendrein könnte sein vergleichsweise konservatives Aussehen nun jene A6- Interessenten ansprechen, denen das Heck der Limousine zu gewagt erscheint. Auch im Vergleich mit den Gegenstücken von BMW und Mercedes macht er eine gute Figur.

Der Fünfer Touring wirkt schmächtiger, obgleich er sogar ein paar Millimeter länger ist als der A6, während das noch etwas größere T-Modell der E-Klasse mit seiner steilen Rückwand vergleichsweise klobig daherkommt. Immerhin hält der Mercedes, was er von außen betrachtet verspricht. Er ist das Raumschiff unter den Nobelkombis. Bei umgeklappten Rücksitzen passen bis zu 1975 Liter Gepäckvolumen in den glattflächigen, durch eine grosszügig bemessene Heckklappe zugänglichen Laderaum. Selbst wenn die Rückbank vollständig besetzt ist, stehen im verbleibenden Gepäckabteil noch 600 Liter zur Verfügung. Der neue A6, obgleich großräumiger als zuvor, kann da nicht mithalten. Die schiere Ladekapazität (1590/455 Liter) liegt dichter am BMW (1525/410 Liter) und kann damit nur deutlich bescheidenere Ansprüche erfüllen. In der erlaubten Zuladung ist der Audi gar Schlußlicht. Nach Abzug von vier Normpersonen à 75 Kilogramm dürfen im Audi noch 155 Kilogramm zugeladen werden, BMW (200 Kilogramm) und Mercedes (185 Kilogramm) erlauben mehr.

Über die Kombipflicht der großen Ladekapazität hinaus warten alle drei mit vielerlei praktischen Zutaten auf. Aber nur im Mercedes können zusätzlich zu den geteilten Rücksitzlehnen auch die Sitzflächen nach vorn geklappt werden, was eine durchgehend ebene Ladefläche ergibt. Für die Kopfstützen, die es in diesem Fall zu demontieren gilt, stehen gesonderte Halterungen zur Verfügung. Der Querbalken, in dem sich sowohl die Laderaumabdeckung als auch das serienmäßige Trennetz aufrollen, klappt mit den Sitzlehnen nach vorn, während er bei den Konkurrenten (BMW ohne Trennnetz) erst entfernt und dann verstaut werden muß. Ein weiterer Mercedes- Vorteil: Dem stehend in der Seitenwand verborgenen Ersatzrad läßt sich beikommen, ohne zuvor den Kofferraum entleeren zu müssen. Bei allen drei Kombis schützen Zusatzfächer im Wagenboden oder in der Seitenverkleidung Kleinzeug vor neugierigen Blicken. Für zusätzliche Dachlasten bieten Audi und Mercedes serienmäßig eine Dachreling. BMW offeriert dagegen die Besonderheit einer Heckscheibe, die sich separat öffnen läßt. Von der Raumfülle des Mercedes profitieren aber auch die Passagiere. Er bietet das insgesamt grosszügigste Raumangebot, obgleich ihm der neue A6 nur wenig nachsteht. 

Im BMW fällt speziell der Knieraum im Fond etwas magerer aus. Dafür genießen die Fondpassagiere den besseren Sitzkomfort. Der wahre Komfortkombi bleibt aber der Mercedes, was er vor allem seiner ausgewogenen Federung verdankt. Bodenunebenheiten unterschiedlichster Qualität verarbeitet er mit souveräner Gelassenheit, und das ungeachtet der Zuladung. Als einziger im Konkurrententrio verfügt er serienmäßig über eine Niveauregulierung, eine Zugabe, die Audi mit 1450 Mark und BMW mit 1500 Mark extra berechnen. Das zahlt sich aus, denn üppig beladen, im typischen Kombimodus also, erleben die Passagiere im A6 und im Fünfer deutliche Einbrüche in den Federungsqualitäten. Während der weich abgestimmte Audi dann zu jenen langhubigen Vertikalbewegungen ansetzt, die empfindliche Insassen mit grünlicher Gesichtsfarbe quittieren, stößt der BMW bei schneller Fahrt vehement an die Grenzen seiner Federwege.

Aber auch bei leichtem Gepäck kommen beide nicht an das Komfortniveau des Mercedes heran. Im ansonsten angenehm gefederten Audi stört nach wie vor die Neigung zum Stuckern, die sich durch ein Zittern des Vorderwagens bei kurzen Stößen mitteilt. Der gegenüber der Limousine straffer abgestimmte Fünfer Touring benimmt sich dagegen insgesamt etwas ruppiger. Pluspunkte holt sich Audi derweil in den Komfortkriterien Klimatisierung und Innengeräusch. Nur der A6 bietet kostenlos den Luxus einer Klimaautomatik, der Aufpreis bei BMW beträgt 3700 Mark, bei Mercedes 4554 Mark. Insgesamt bleiben die Fahrgeräusche sehr zurückhaltend. Den subjektiv empfundenen Eindruck trüben nur die prominenten Windgeräusche des Avant, von denen der motorisch etwas kernigere BMW verschont bleibt. Eindeutig lauter, wenn auch nicht wirklich laut, geht es im Mercedes zu, wobei sich hier noch deutliche Abrollgeräusche dazumischen.

Von einem modernen Kombi darf man erwarten, daß er nicht nur im Komfort, sondern natürlich auch in den Fahreigenschaften Limousinenmaßstäbe erfüllt. Die drei Konkurrenten machen da erwartungsgemäß keine Ausnahme. Sie verknüpfen hohe Fahrsicherheit in allen Situationen mit guter Handlichkeit. Die Unterschiede beschränken sich auf Nuancen. So ist der frontgetriebene Audi insgesamt am fahrstabilsten und läßt sich von voller Beladung am wenigsten beeindrucken. Der BMW neigt dann bei schneller Kurvenfahrt zu deutlichen Lastwechselreaktionen, ohne aber den Fahrer vor unlösbare Probleme zu stellen, während der Mercedes bei Ausweichmanövern mit geringer Beladung verstärkt mit dem Heck nach außen drängt. Für den Fünfer spricht, wie es sich für einen BMW gehört, seine Agilität. Dagegen benimmt sich der Mercedes vergleichsweise behäbig und erweckt eher den Eindruck des schweren Wagens.

Bei allen dreien profitiert die Fahrstabilität von serienmäßigen Antriebsschlupfsystemen, aber mit seinem Frontantrieb hat der Audi zumindest bei geringer Beladung im Winter die beste Traktion. Da sich der A6 nun auch bei den Bremsen keine Blöße mehr gibt, ist ihm der Sieg nach Punkten in den Kriterien Fahreigenschaften und Fahrsicherheit nicht zu nehmen. Motorisch repräsentieren die Vergleichskandidaten mit Hubraumwerten von 2,5 Liter (BMW) und 2,4 Liter das beliebte Mittelmaß in dieser Klasse. Alle drei warten mit Sechszylindermotoren und nahezu gleicher Leistung auf, gehen aber in der Technik unterschiedliche Wege. Audi und Mercedes kommen mit VMotoren, BMW beharrt auf dem klassischen Reihensechszylinder- Motor. Und das nicht zu Unrecht, wie sich beim Fahren zeigt. Die BMW-Maschine reagiert mit Elan auf kleinste Gaspedalbewegungen, dreht freudig hoch und überzeugt durch höchste mechanische Laufruhe. Ihr munteres Wesen spiegelt sich in überlegenen Fahrleistungswerten wider, die speziell jene des Mercedes bescheiden aussehen lassen. Dessen V6-Motor fehlt es eindeutig an Mumm, seine Meriten beschränken sich auf die Laufkultur, die dank zweier Ausgleichswellen an das Niveau eines Reihensechszylinder- Motors heranreicht.

Für den Audi spricht vor allem die vergleichsweise hohe Elastizität. Sein V6-Motor wirkt spritziger als jener des Mercedes, zeigt aber bei Drehzahlen über 4500/min deutliche Vibrationen. Auch im Verbrauch vermag er nicht zu glänzen. Mit durchschnittlich 12,3 Liter pro 100 Kilometer schluckte er im direkten Vergleich 1,4 Liter mehr als der BMW, während sich der Mercedes mit 11,4 Liter/ 100 km aus der Affäre zog.

Spätestens wenn es ums Geld geht, ist der Audi aber nicht mehr zu schlagen. Er ist nicht nur billiger, sondern auch im Unterhalt relativ günstig und zu allem Überfluß auch noch am besten ausstaffiert. In Sachen Sicherheitsausstattung lassen sich freilich auch die Konkurrenten nicht lumpen. Zusätzlich zu den üblichen Front- und Seitenairbags bietet der BMW seitliche Kopfairbags vorn und – gegen Mehrpreis – Seitenairbags hinten. Letztere gibt es auch im Audi, nicht aber im Mercedes, der statt dessen im Bereich der aktiven Sicherheit mit serienmäßigem Bremsassistenten und optionalem ESP auftrumpft. Was die Sicherheit vor einem Fehlkauf betrifft, so empfiehlt sich zuletzt ein Blick auf die Punktetabelle. Denn soviel ist sicher: Der BMW macht am meisten Spaß, der Mercedes bietet am meisten Platz, aber es ist der Audi, der die meisten Punkte sammelt.  

Fazit

1. Audi A6 Avant 2.4
619 Punkte
2. Mercedes E 240 T
607 Punkte
3. BMW 523i Touring
604 Punkte
Technische Daten
Mercedes E 240 T Elegance Audi A6 Avant 2.4 BMW 523i Touring
Grundpreis 37.721 € 33.250 € 35.228 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4816 x 1799 x 1438 mm 4796 x 1810 x 1479 mm 4805 x 1800 x 1445 mm
KofferraumvolumenVDA 600 bis 1975 l 455 bis 1590 l 410 bis 1525 l
Hubraum / Motor 2398 cm³ / 6-Zylinder 2393 cm³ / 6-Zylinder 2494 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5900 U/min 121 kW / 165 PS bei 6000 U/min 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h 220 km/h 222 km/h
0-100 km/h 10,4 s 8,7 s 8,4 s
Verbrauch 10,7 l/100 km 9,9 l/100 km 9,9 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km 12,3 l/100 km 10,9 l/100 km
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