Audi A6 Avant 2.4, BMW 523i Touring, Saab 9-5 SE 2.3t Kombi

Der Kreis der Edelkombis für Hobbytreibende ist um einen Konkurrenten reicher. Ein Vergleich des neuen Saab 9-5 2.3t Kombi mit dem Audi A6 Avant 2.4 und dem BMW 523i Touring zeigt, ob es für die Arrivierten eng wird.

Einen Kombi hat es bei Saab seit 30 Jahren nicht mehr gegeben. Nun aber will sich Saab das Geschäft mit der nützlicheren Limousinen-Alternative nicht länger entgehen lassen. Mit dem neuen Saab 9-5 Kombi beendet der schwedischen General Motors-Ableger nicht nur seine langjährige Abwesenheit in diesem stückzahlträchtigen Marktsegment, sondern begibt sich zugleich auf das Terrain der sogenannten Edelkombis – jene Vertreter der oberen Mittelklasse, die mittels äußerem Chic und innerem Luxus mehr den Freizeitaktivisten als den Gewerbetreibenden ansprechen möchten.

Auf dem deutschen Markt konkurriert der Saab direkt mit dem Audi A6 Avant und dem BMW Fünfer Touring, beides Kombis, bei denen eine gewisse Eleganz im Auftritt einen höheren Stellenwert genießt als ein paar Liter mehr oder weniger Laderaum. Der Saab 9-5 paßt da gut ins Bild. Das schwungvoll verglaste Kastenheck steht der neuen Kombi- Version derart gut, daß sie die Limousine stilistisch zum Langweiler degradiert. Auch im Kreise der flott gestylten Artgenossen von Audi und BMW macht sie eine prima Figur. Für den Vergleichstest wählte auto motor und sport die bei diesen Modellen besonders beliebte 170 PS-Klasse. Saab bedient sie mit der altbekannten Turboversion des 2,3 Liter- Vierzylindermotors. Den Komfortnachteil der fehlenden Zylinder – die Konkurrenz bietet deren sechs – begegnet er mit zwei schwingungstilgenden Ausgleichswellen. Das Gegenstück von Audi heißt A6 Avant 2.4 und kann einen 165 PS starken V6-Motor vorweisen, während BMW den 523i Touring ins Rennen schickt, dessen 170 PS-Reihen- Sechszylindermotor gerade eben mittels verstellbarer Einlaß- und Auslaß-Nockenwellen weiter verfeinert wurde.

Dabei liegt der Preisrahmen zwischen 60 000 und 70 000 Mark. Audi verlangt für das Kombi-Vergnügen 62 740 Mark (3730 Mark mehr als die entsprechende Limousine), der BMW kostet 68 500 Mark (Kombi-Aufpreis: 4200 Mark), und der Saab kommt, sofern man ihn wie im Test mit der attraktiven SE-Ausstattung bestellt, auf 69 250 Mark. Damit ist er 3000 Mark teurer als die Limousine. Was den Nutzwert seines eleganten Kombihecks betrifft, so braucht sich der Saab vor den Konkurrenten keineswegs zu verstecken. Anders als bei Audi und BMW lassen sich hinten nicht nur die Sitzlehnen, sondern auch die Sitzflächen vorklappen, was eine völlig ebene Ladefläche ermöglicht. Das absolute Fassungsvermögen des Laderaums ist zwar geringer als beim Audi und entspricht jenem des BMW, dafür aber ist es, nicht zuletzt dank der hohen Heckklappe, besonders gut nutzbar – ein Kriterium, das sich im sogenannten Quadermaß, dem größtmöglichen, durch die Heckklappe passenden Quader, ausdrückt (siehe technische Daten).

Auch die erlaubte Zuladung von 501 Kilogramm kann sich sehen lassen, während sie beim Audi mit nur 452 Kilogramm für Kombi-Verhältnisse etwas knapp ausfällt.

Am meisten verträgt der BMW mit stolzen 549 Kilogramm. Keinem der drei Kombis fehlt es im übrigen an praktischen Zutaten in Form von Staufächern unter dem Ladeboden oder in der Seitenwand und Verzurrösen im Laderaum. Die Dachreling gehört beim Audi zur Serienausstattung, bei BMW und Saab gibt es sie gegen Aufpreis (490 und 206 Mark). Audi und Saab bieten auf Wunsch auch ein ausziehbares Trennnetz zwischen Fahrgastund Laderaum. Eine Besonderheit des Saab ist die solide Kofferraumabdeckung an Stelle des üblichen Rollos, wogegen der BMW als einziger mit einem separat hochklappbaren Heckfenster aufwartet.

Alle drei können darüber hinaus mit nach hinten ausziehbaren Laderaumböden geliefert werden – ein Extra, das BMW mit 750 Mark und Saab mit 1003 Mark berechnet, während der entsprechende Mehrpreis beim Audi noch nicht feststeht. Die Glanznummer des Audi ist zweifellos die Raumfülle im Passagierabteil. Vor allem im Fond grenzt das Platzangebot schon an Oberklasseniveau, was man vom beengten BMW nicht behaupten kann. Aber auch im Saab mangelt es nicht an Bewegungsfreiheit, selbst wenn er es mit dem Audi in diesem Punkt nicht ganz aufnehmen kann. Außerdem verwöhnt der 9-5 die Insassen mit einer besonders luxuriösen Serienausstattung. Zum SE-Paket gehören nicht nur die Klimaautomatik und ein Radio mit CD-Spieler, sondern auch so begehrenswerte Details wie Tempomat, Scheinwerfer-Reinigungsanlage und lederbezogene Sitze. Nur bei der Sicherheitsausstattung herrscht noch etwas Nachholbedarf: Seitliche Kopfairbags bietet vorläufig nur BMW, und auch auf die bei Audi und BMW auf Wunsch lieferbaren Seitenairbags im Fond müssen Saab-Käufer verzichten. Dafür genießen sie den insgesamt besten Komfort, was sie vor allem den ausge- wogenen Federungsqualitäten verdanken.

Bodenunebenheiten unterschiedlichster Ausprägung steckt das gut gedämpfte Saab- Fahrwerk erstaunlich souverän weg, wobei es sich auch bei voller Beladung keine Blößen gibt. Wirkung zeigt dieser Zustand dagegen bei den Fahreigenschaften. Dann droht der Saab beim plötzlichen Gaswegnehmen in Kurven mit heftigen Lastwechselreaktionen, die schnelle Lenkreaktionen erfordern. Im Normalfall gehört der 9-5 aber zu den gutmütigen Fronttrieblern: Er begnügt sich bei schneller Fahrt mit dezentem Untersteuern, verfügt über eine präzise, kaum von Antriebseinflüssen geplagte Lenkung und wirkt dabei erfreulich handlich.

Die Traktion könnte freilich besser sein, zumal die bei den Konkurrenten serienmäßige Antriebsschlupfrege- lung hier nur gegen Aufpreis (600 Mark) zu haben ist.

Und auch die Bremswerte erreichen nicht die von Audi und BMW gesetzten Maßstäbe. Allerdings sind die Fahrwerksqualitäten der deutschen Konkurrenten ebenfalls nicht ohne Tadel. So hat sich der allseits gelobte Federungskomfort des Fünfer-BMW in Folge einer strafferen Abstimmung beim Touring weitgehend verflüchtigt.

Jedenfalls war der steifbeinig über Bodenwellen rumpelnde Testwagen in diesem Punkt nicht wiederzuerkennen. Als Quell der Fahrfreude entpuppte sich aber einmal mehr das agile Handling des Hecktrieblers. Trotz stetiger Fortschritte seit dem Modellwechsel 1997 fehlt es auch dem Audi A6 noch immer an Ausgewogenheit. Querfugen in der Fahrbahn quittiert er mit deutlichem Stuckern, während die weiche Dämpfung bei schneller Fahrt auf schlechten Straßen langhubigeVertikalbewegungen zuläßt. Auch die Poltergeräusche beim Überfahren von Schlaglöchern heben nicht gerade den Komforteindruck. In puncto Fahrsicherheit gibt es dagegen nichts auszusetzen.

Kurven bereiten zwar weniger Genuß als im lenkpräziseren BMW, aber dafür glänzt der Audi mit fast unerschütterlicher Fahrstabilität, die auch bei maximaler Beladung nicht abreißt. Gleichstand herrscht erwartungsgemäß bei den Fahrleistungen. Alle drei Vergleichsautos wirken harmonisch motorisiert, wobei die Unterschiede in Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit minimal ausfallen. Um so mehr unterscheiden sie sich aber in der Qualität der Leistungsentfaltung. So überzeugt der drehmomentstarke Turbomotor des Saab vor allem durch kräftiges Durchzugsvermögen schon bei niedrigen Drehzahlen, kann aber in Sachen Laufkultur den Vierzylinder nicht leugnen. Der BMW-Sechszylinder brilliert wie immer mit Drehwilligkeit, spontanem Anspre- chen und der typischen Vibrationsarmut, während beim Audi- V6 die Laufkultur und dezente Geräuschkulisse im unteren und mittleren Drehzahlbereich beeindrucken. Daß der Innengeräuschpegel dennoch deutlich höher ausfällt als im BMW, liegt an den lautstarken Windgeräuschen.

Bester ist der BMW schließlich auch im Verbrauch. Mit 10,9 L/100 km unterbietet er den Saab im direkten Vergleich um einen Liter. Der Audi genehmigt sich sogar 12,3 L/100 km, was des Guten eindeutig zu viel ist. Dennoch ist es der Audi, der aus diesem Vergleich als die Wahl der Vernunft hervorgeht. Gemessen am Anschaffungspreis und an den Unterhaltskosten bietet er schlicht und ergreifend am meisten Kombi fürs Geld.

Fazit

1. Audi A6 Avant 2.4
613 Punkte

Viel Platz für Mensch und Ladegut, der hohe Gegenwert und die günstigen Unterhaltskosten sind die Stärken des Audi. Seine Karosseriequalität setzt Maßstäbe, aber auch seine hohe, selbst bei voller Beladung unerschütterliche Fahrsicherheit ist vorbildlich. Schwächen zeigt er im Komfort und im Verbrauch. Auch die bescheidene Zuladung und der nicht optimal nutzbare Laderaum verdienen Kritik.

2. BMW 523i Touring
603 Punkte

Der BMW wird seinem Ruf gerecht. Er ist das Fahrerauto in diesem Vergleich. Sein temperamentvoller und zugleich kultivierter Motor und die agilen Fahreigenschaften machen Laune. Andererseits ist das Raumangebot vergleichsweise bescheiden, und mit dem Federungskomfort ist es beim Touring nicht weit her. Lobenswert der günstige Verbrauch, weniger erfreulich der happige Anschaffungspreis.

3. Saab 9-5 SE 2.3t Kombi
590 Punkte

Der Saab entpuppt sich als verlockende Alternative. Die Karosserie ist praktisch und geräumig, die Ausstattung der - allerdings teuren – SE Version reichhaltig. Weitere Stärken sind die Federung und das Durchzugsvermögen des Turbomotors, dem es aber an Laufkultur mangelt. Auch der Verbrauch, die hohen Unterhaltskosten und das kritische Fahrverhalten bei voller Beladung kosten Punkte.

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Technische Daten
Saab 9-5 2.3t Kombi BMW 523i Touring Audi A6 Avant 2.4
Grundpreis 30.626 € 35.228 € 33.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4808 x 1792 x 1497 mm 4805 x 1800 x 1445 mm 4796 x 1810 x 1479 mm
KofferraumvolumenVDA 416 bis 1490 l 410 bis 1525 l 455 bis 1590 l
Hubraum / Motor 2290 cm³ / 4-Zylinder 2494 cm³ / 6-Zylinder 2393 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 121 kW / 165 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 224 km/h 220 km/h
0-100 km/h 8,8 s 8,9 s 9,2 s
Verbrauch 9,5 l/100 km 9,8 l/100 km 9,9 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km 10,9 l/100 km 12,3 l/100 km
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