Audi A6, BMW 5er und E-Klasse

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Foto: Achim Hartmann 59 Bilder

Im automobilen Oberhaus wird überwiegend deutsch gesprochen. In diesem Vergleich treffen erstmals Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse mit direkteinspritzenden Sechszylinder-Benzinern aufeinander.

Wo sie sind, ist oben. Wer in Deutschland Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse fährt, zeigt, dass er es geschafft hat. Alle drei Hersteller bieten zwar noch Nobleres an, aber die Vorstands-Editionen spielen eine Außenseiterrolle. Die gehobene Mittelklasse ist eigentlich längst keine mehr. Das Größenwachstum der Autogesellschaft hat sie nach oben geschoben.

Es sind stattliche und auch sehr geräumige Limousinen, ausgestattet mit einer gehörigen Portion Prestige und auf Wunsch mit allen denkbaren Luxusmerkmalen. Bei den Testwagen steht am Heck, was für ein Motor drin ist. Im wahren Leben werden die Chrombuchstaben häufig abbestellt. Man zeigt nicht gern, dass es nur zum Basis-Diesel reicht – oder dass ein dicker Benziner unter der Haube steckt. Im Vergleichstest sind es solche: zwischen drei und 3,5 Liter groß, schon der schwächste im Audi 255 PS stark, der stärkste im Mercedes sogar 292 PS stemmend.

Technisch herrscht Vielfalt

BMW zeigt stolz einen Reihensechszylinder her, der in der physikalischen Theorie wegen seines perfekten Massenausgleichs die besten Voraussetzungen für seidige Laufkultur bietet. Audi und Mercedes präsentieren kompakter bauende V-Maschinen. Der BMW hat eine Sechsgang-Automatik, der Mercedes eine mit sieben Gängen. Audi geht, wie auch mit dem Frontantrieb, einen eigenen Weg und setzt auf eine stufenlose Automatik, die ihre im Cockpit-Display angezeigten sieben Gänge elektronischer Programmierung verdankt. Das beeinflusst den Charakter in Richtung konventioneller Automatik.

Doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Alle drei Antriebe besitzen Benzindirekteinspritzung und damit die modernste Technik für ökonomischen Verbrauch. Tatsächlich erreichen die Verbräuche ein Niveau, das man noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte. Am sparsamsten läuft der BMW, gefolgt vom Mercedes. Der Audi fällt etwas ab. Alle drei können, sachten Gasfuß vorausgesetzt, mit weniger als zehn Liter auf 100 km bewegt werden. Diesel dieser Leistungsklasse sind da noch besser - warum also die Benziner? Weil sie in der Laufkultur überlegen sind, ein gepflegter Otto-Sechszylinder ist da nahe am Nonplusultra: vibrationsarm, reaktionsschnell, drehfreudig.

Motoren laufen seidenweich

Und was an Geräusch noch an den Ohren ankommt, klingt gut. Vor allem beim Reihenmotor des BMW. Aber der klassische Vorsprung des Reihenmotors in der Laufkultur ist objektiv nicht mehr festzumachen: Auch die Motoren von Audi und Mercedes laufen seidenweich. Die rundum beste Automatik bietet der Mercedes. Ihre Tätigkeit bleibt unter allen Umständen unauffällig. Hier stand bei der Abstimmung ganz klar der Komfort im Vordergrund, während BMW den sportlichen Ambitionen der Kundschaft Rechnung trägt. Die Sechsgang- Automatik reagiert spontaner, was sie bei schneller Fahrweise aber auch nervöser wirken lässt.

Die Audi-Multitronic hat zwei Gesichter. Wer ruhig unterwegs ist, wird sich schwertun, das CVT-Getriebe von einem konventionellen Automaten zu unterscheiden. Bei forcierter Fahrweise tritt die stufenlose Bauweise stärker in Erscheinung: Trotz voller Beschleunigung verharrt die Drehzahl im durchzugsstärksten Bereich. Allerdings sorgen gelegentlich Rucke dafür, dass diese Automatik stärker ins Bewusstsein dringt als die Wandlergetriebe. Es lebe der Unterschied.

Die feine Mittelklasse der deutschen Hersteller macht das wieder einmal klar. Es fällt schwer, habhafte Differenzen zu finden, die eine Kaufentscheidung bedeuten können. Aber im Charakter sind die drei sehr unterschiedlich, wobei in allen Fällen bestätigt werden darf, dass gekonnt Eigenschaften hervorgehoben sind, die für die - meist sehr markentreue - Kundschaft wichtig sind. Der Mercedes punktet mit bekannten Stern-Merkmalen: mühelose Bedienung, viel Komfort. Die Kunden sind meist im gestandenen Alter, da macht man keine Experimente. In der E-Klasse findet sich noch nicht die jüngste Generation des Comand-Bedienungssystems, aber das Lob gilt weiterhin: Man kommt zurecht, danke. Der Audi ist schon eine Spur komplizierter, die Tasten rund um den Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole lenken bisweilen den Blick von der Fahrbahn ab. Und der i-Drive des BMW? Deutlich verbessert, unter anderem mit Stationstasten für das Radio. Die Menü- Strukturen bleiben teilweise kompliziert. Wer nicht dauernd BMW fährt, läuft am ehesten Gefahr, sich in der Bedienung zu verheddern. Auch die Massierung von Hebeln rund um das viel zu dicke Lenkrad wurde im Testbetrieb immer wieder kritisiert.

Mercedes mit Komfort-Vorteil

Seinen Komfort-Anspruch untermauert der Mercedes mit einer Federung, die Bodenwellen am besten wegschluckt. Der BMW erscheint besser als frühere Ausführungen, weil er nicht mehr serienmäßig mit hart abrollenden Runflat-Reifen ausgerüstet ist. Aber seine Federung ist erheblich straffer als die des Mercedes. Der Audi mit seiner optionalen Luftfederung wirkt eine Spur komfortabler, ohne am Spitzenplatz des Mercedes rütteln zu können. Markentypisches zeigen auch die Fahreigenschaften. Der BMW ganz sportlich, wenn er mit dem optionalen Dynamic Drive ausgerüstet ist, der die Stabilisatoren steuert. So wetzt er um Kurven wie ein Sportwagen, sehr handlich, mit minimalen Karosseriebewegungen.

Auch der Audi wirkt mit seiner sehr leichtgängigen Lenkung behände. Weil die nicht ganz stoßfrei arbeitet und mitunter auch den Frontantrieb spüren lässt, erreicht er aber nicht die Fahrdynamik des BMW. Der Mercedes will das gar nicht. Er kann schnell, aber er legt es dem Fahrer nicht nahe. Der soll seine Ruhe haben, kommod reisen und, wie es einst ein Daimler-Entwickler formulierte, „ausgeruht ankommen“. So kommt auch die E-Klasse an - auf Platz eins vor dem BMW, obwohl der Vorsprung in der Eigenschaftswertung wegen der gesalzenen Mercedes-Preise zusammenschrumpft. Aber selbst der Audi, die Punktdifferenzen zeigen es, ist mehr als ein geschlagener Dritter. Und mit den Nachfolgemodellen geht das Turnier ab Herbst ohnehin in eine neue Runde.

Fazit

1. Mercedes E350 CGI
504 Punkte

Im Komfort- und im Karosseriekapitel liegt die E-Klasse vor den Mitbewerbern und schafft es auf Platz eins. Auch in den übrigen Kapiteln sind keine nennenswerten Schwächen zu finden.

2. BMW 530i
497 Punkte

Wenn es ums Bremsen, um die dynamischen Qualitäten und die Fahrsicherheit geht, hat der BMW die Nase vorn. Beim Federungskomfort und der Bedienung offenbart er leichte Schwächen.

3. Audi A6 3.2 FSI
480 Punkte

Der A6 belegt hinter der Konkurrenz nur den dritten Rang. Größere Defizite zeigt er nicht, ist aber weder besonders komfortabel noch dynamisch. Im Herbst steht bereits die Modellpflege an.

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Technische Daten
Mercedes E 350 CGI Elegance BMW 530i Audi A6 3.2 FSI
Grundpreis 53.134 € 48.690 € 44.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4852 x 1822 x 1484 mm 4841 x 1846 x 1468 mm 4916 x 1855 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 540 l 520 l 546 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder 3123 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 215 kW / 292 PS bei 6400 U/min 200 kW / 272 PS bei 6700 U/min 188 kW / 255 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,8 s 6,8 s 7,6 s
Verbrauch 8,8 l/100 km 7,5 l/100 km 9,7 l/100 km
Testverbrauch 11,8 l/100 km 11,5 l/100 km
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