ams0219, Vergleichstest, Audi A6 45 TDI Quattro, Volvo S90 D5 AWD, Exterieur Hans-Dieter Seufert

Audi A6 TDI und Volvo S90 D5 im Test

Starke Business-Limousinen im Duell

Die klassische Limousine verliert selbst in der Oberklasse an Bedeutung. Mit Stufenheck, Allradantrieb und kräftigem Dieseltriebwerk stemmen sich Audi A6 und Volvo S90 gegen gleich mehrere Trends. Welcher macht es besser?

Limousine ist ein eigenartiges deutsches Wort, es stammt aus dem Französischen und bezeichnete ursprünglich einen Landstrich, dann einen groben Umhang aus Ziegenhaar und schließlich eine große Kutsche mit Dach. Heute werden Autos so genannt, die über mindestens vier Türen und Sitzplätze sowie meist ein Stufenheck verfügen. Im Französischen haben solche Autos übrigens einen deutschen Namen: Berline, ebenfalls nach einer Kutsche.

Limousinen sind zurzeit ja nicht so angesagt, selbst in der traditionsbewussten Oberklasse bestimmen zunehmend SUV und Kombis das Bild, erst recht bei Audi und Volvo. Bei A6 und der Vorgängerbaureihe des S/V90 lag der Kombi-Anteil bei über 75 Prozent.

Dabei gibt es einiges, was für die klassische Limousine spricht, nicht zuletzt der Preisunterschied zum vergleichbaren Kombi. Im Falle dieser beiden Testwagen beträgt der Unterschied 2.500 Euro (Audi) und 3.050 Euro (Volvo), mithin rund fünf Prozent des Neupreises. Keine Kleinigkeit also, selbst bei so teuren Autos wie dem Audi A6 45 TDI Quattro sowie dem Volvo S90 D5 AWD. Dass beide Limousinen zudem zu den designerisch wohlgeratenen Stufenheck-Limousinen gehören, darf man gern als Bonus für Ästheten sehen.

Audi A6 50 TDI Quattro, Exterieur
Tests

Volvo mit Drucklufthilfe

Zum Test kommen die beiden Limousinen jeweils mit Dieselmotor, auch nicht gerade mit dem Rückenwind des Zeitgeists, doch mit guten Argumenten. Wenn man mal genauer hinschaut. Beide Dieselmotoren entsprechen der Abgasnorm Euro 6d-Temp und sind damit so zukunftssicher, wie es Verbrenner mineralischen Kraftstoffs heute nur sein können. 231 PS und 500 Nm bietet der Audi auf, 235 PS und 480 Nm sind es beim Volvo. Der S90 D5 verfügt bekanntlich über einen Zweiliter-Vierzylinder, dem neben dem üblichen Turbolader mit Ladeluftkühlung eine zusätzliche Lufteinblasung namens Power Pulse auf die Sprünge hilft.

Das System soll das Turboloch wegpusten: Steigt der Fahrer bei niedrigen Drehzahlen aufs Fahrpedal, bläst ein Ventil Luft aus einem Druckbehälter aufs Antriebsrad des Laders, in Sekundenbruchteilen beschleunigt der Lader auf über 100.000 Umdrehungen, schneller, als es per Abgas ginge, und angeblich auch schneller, als die elektrischen Zusatzverdichter einiger Konkurrenten.

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Hans-Dieter Seufert
Beim Thema Motor kommt es zur Glaubensfrage. Volvo versucht mit einem Druckspeicher den Turbo ihres Zweilitermotors schneller ansprechen zu lassen. Außer subjetiv schnellerer Gasannahme bringt dies nichts. Der Schwede ist im Sprint auf 100 km/h 1,2 Sekunden langsamer und der Motor läuft rauer als der Audi mit seinem V6 TDI.

Was der Fahrer davon merkt? Nicht viel, der Diesel hängt gut am Gas, tritt subjektiv mit weniger Verzögerung an als der V6 im Audi. Dennoch produziert er die deutlich schlechteren Fahrleistungen, was unter anderem an der recht träge agierenden Achtstufenautomatik liegt. Bis 100 km/h ist der A6 dem S90 um 1,2 Sekunden enteilt, das ist keine Kleinigkeit und auch im alltäglichen Umgang mit den beiden Wagen deutlich spürbar: Der ein paar PS schwächere und rund 70 kg schwerere Audi ist einfach fixer unterwegs.

Nicht so schön beim A6 45 TDI: Wie bei vielen anderen aktuellen, nach WLTP zertifizierten Audi-Modellen nervt das verzögerte Ansprechen auf Gasbefehle, wenngleich es bei diesem Exemplar nicht ganz so störend auffiel wie bei anderen kürzlich gefahrenen A6-Modellen. Kultivierter und geschmeidiger als der Volvo-Vierzylinder läuft der Audi-Selbstzünder dennoch. Der Unterschied beim Treibstoffverbrauch erweist sich dabei mit 0,1 Liter zugunsten des S90 als denkbar gering. Da lohnt es sich gar nicht auszurechnen, wie viel günstiger man mit dem Volvo führe.

Im Test kommen die beiden Premium-Limousinen mit 7,8 und 7,7 Litern Diesel im Schnitt 100 km weit. Um merklich mehr zu verbrauchen, benötigt man jeweils einen extrem schweren Gasfuß und viel freie Autobahn. Weniger ist dagegen problemlos möglich: Auf der Eco-Runde sind es 5,7 (A6) und 5,6 (S90) Liter.

Volvo S90 D5 AWD Inscription, Frontansicht
Tests

Teure Diesel-Limousinen

Doch ums Geldsparen dürfte es bei so kostspieligen Autos ohnehin nicht gehen. Der S90 D5 AWD ist als Inscription das etwas teurere Auto, er kostet mindestens 60.900 Euro. Der Testwagen auf diesen Seiten kommt zudem mit Sonderausstattungen im Wert von beinahe 18.000 Euro, sodass am Ende des Preisschilds 78.740 Euro stehen.

Das kann der A6 45 TDI Quattro locker toppen, trotz seines niedrigeren Grundpreises von 57.350 Euro. Er ist in diesem Fall besonders opulent ausstaffiert. Erwürbe man ihn so beim Audi-Händler, wäre er 93.385 Euro teuer. Allerdings entfallen 6.070 Euro dieser Summe auf die nicht unbedingt erforderliche Bang-&-Olufsen-Soundanlage, deren Verstärker und Subwoofer einen großen Teil der unteren Etage im Kofferraum einnehmen. Sinnvoller investiert scheinen jedenfalls die 2.500 Euro für die vorderen Individualkontursitze, sie zählen zu den herausragenden Sitzmöbeln, die es in dieser Klasse gibt. Das gilt in ähnlichem Maße für jene im S90, sie sind ebenso aufpreispflichtig, doch mit 1.500 Euro günstiger.

ams0219, Vergleichstest, Audi A6 45 TDI Quattro, Interieur
Hans-Dieter Seufert
Im Cockpit säumen Holz und Leder die zwei Touchscreens und den modernen Digitaltacho. Die Materialanmutung ist edel und man fühlt sich auf Anhieb wohl.

In beiden Wagen ermöglichen sie äußerst bequemes, ermüdungsarmes Sitzen. Tagesetappen mit 1.000 Autobahnkilometern oder bis der Tank leer ist? Kein Problem im A6 45 TDI oder S90 D5. Zumal beide Limousinen sich so gekonnt bemühen, alltägliche Unbill von den Insassen fernzuhalten, dass der Unterschied zur Luxusklasse eher vernachlässigbar erscheint. Am ehesten zeigt sich dieser Unterschied im Federungskomfort. Obwohl Audi und Volvo hier Luftfahrwerke (jeweils um die 2.000 Euro) mitbringen, fahren sie sich nicht ganz so seidig wie erwartet. Vernehmbare Fahrwerksgeräusche und eine gewisse Herbheit im Abrollen stören im Volvo. Der Audi federt souveräner, zeigt allerdings Schwächen bei Autobahnfugen, sicher auch eine Folge seiner 20-Zoll-Bereifung.

Serienmäßig mit Allrad

Das Fahren mit den umfangreichen Assistenzpaketen steigert übrigens bei beiden das Komforterlebnis nicht unerheblich. Besonders leicht fällt es beim Volvo, dessen Pilot Assist (Intellisafe, Serienausstattung) einfach und intuitiv bedienbar ist.

Beim Audi (Assistenzpaket Tour, 2.000 Euro) gestaltet sich die Bedienung etwas aufwendiger, und die Lenkeingriffe scheinen unmittelbarer, doch die Unterschiede sind gering. Auf gut ausgebauten Schnellstraßen fühlen sich beide Limousinen ohnehin wohler als auf kleineren Landstraßen. Nicht nur wegen der Größe, viel mehr wegen des distanzierten Fahrgefühls, das beide vermitteln. Dabei spart zumindest der Audi nicht mit teuren Zutaten zur Erhöhung der Agilität, er kommt mit Dynamik-Allradlenkung (1.900 Euro) zum Test.

Audi A6 50 TDI Quattro, BMW 530d xDrive, Exterieur
Tests

Die verhilft ihm zwar zu spontanem Abbiegen, doch es mangelt dem A6 insgesamt an klarer Rückmeldung. Der S90 dagegen wirkt insgesamt etwas träger und weniger kurvenwillig. Die Lenkung agiert etwas lebendiger, vermittelt jedoch neben Rückmeldung auch einiges an Störeinflüssen von den antreibenden Vorderrädern.

Der Allradantrieb ist übrigens bei beiden Limousinen serienmäßig dabei: bei Audi der markentypische Quattro-Antrieb mit Torsen-Differenzial, bei Volvo mit BorgWarner-Lamellenkupplung. Den ausgewogeneren, traktionsfreudigeren Eindruck hinterlässt wiederum der A6.

Bei schlechtem Wetter ist man in beiden bestens geschützt, dank der Vierradantriebe und feinfühliger Fahrhilfen. Wie in der überdachten Kutsche. Oder im Ziegenhaarmantel.

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Hans-Dieter Seufert 1/25 Wer macht es wohl besser? Im Vergleich: der Audi A6 45 TDI Quattro und der Volvo S90 D5 AWD.
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Fazit

1. Audi A6 45 TDI Quattro 477 Punkte

Etwas mehr Platz bietet der A6, den gediegeneren Komfort und die etwas bessere Verarbeitungsqualität. Was er dem Volvo noch voraus hat: Sechszylinder mit Quattro-Antrieb.

2. Volvo S90 D5 AWD 458 Punkte

Nur Kleinigkeiten sind es, die diesmal den Ausschlag geben. Der recht raue Vierzylinder-Diesel und das träge schaltende Getriebe werfen den S90 aber zurück.

Technische Daten

Audi A6 45 TDI Quattro design Volvo S90 D5 AWD Inscription
Grundpreis 58.000 € 61.050 €
Außenmaße 4939 x 1886 x 1457 mm 4963 x 1879 x 1443 mm
Kofferraumvolumen 530 l 500 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder 1969 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 3250 U/min 173 kW / 235 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 240 km/h
0-100 km/h 6,8 s 7,9 s
Verbrauch 5,5 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km 7,7 l/100 km
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