Audi A6 Avant 3.2 FSI Quattro, Volvo V70 T6 AWD

Last und Laune

Foto: Achim Hartmann 42 Bilder

Kombiheck und kräftiger Sechszylinder-Benzinmotor sind eine reizvolle Paarung. Zum Beweis dieser These treten Audi A6 Avant 3.2 FSI und der neue Volvo V70 T6 gegeneinander an.

Fahrvergnügen kommt nicht zwingend auf, wenn man zweieinhalb Tonnen durch die Lande wuchtet. Auf der anderen Seite möchte sich nicht jeder – für mehr Dynamik – in einen engen Sportwagen zwängen.
Die vier Zutaten Platzangebot, Komfort, Handlichkeit und Leistung wollen für eine stimmige Beziehung zwischen Auto und Fahrer also richtig kombiniert sein, und da kommt der Oberklasse-Kombi ins Spiel. Volvo hat einen ganz neuen Pfeil im Köcher, der auf die Herzen der nicht ganz unvermögenden Kundschaft zielt.
Denn der zum Test antretende V70 mit dem 285 PS starken Topmotor T6, Allradantrieb, Automatikgetriebe und in der besten Ausstattung Summum schlägt mit 52 040 Euro zu Buche. Der Audi A6 Avant 3.2 FSI mit 255 PS, als Quattro ebenfalls allradgetrieben und mit Sechsstufen-Automatik, kostet dagegen 49 300 Euro.
Wirklich billiger ist er aber nicht, denn vieles, was das Leben mit dem Auto angenehm macht und im Volvo serienmäßig ist, muss bei ihm als Option geordert werden. Dazu gehören Ledersitze mit Beheizung, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Tempomat, Multifunktions-Lenkrad oder der Bordcomputer.

Will man beide Autos gleich ausstaffieren, ergibt sich ein Preisunterschied von über 2400 Euro – zugunsten des V70. Auch bei vielen anderen Extras wie Metallic-Lackierung, DVD-Navigation oder Schiebedach kommt der Volvo-Käufer günstiger weg.
Dafür sucht man in seiner Aufpreisliste das Luftfeder-Fahrwerk – der Audi-Testwagen hat es (1950 Euro) – vergebens, findet dort aber die kryptische Bezeichnung: Fahrwerk mit Four C-Technologie (1540 Euro). Dieses im Testwagen nicht vorhandene Extra erlaubt es beim Fahren, zwischen drei Dämpfer-Einstellungen (sportlich, normal, komfortabel) zu wählen.

Ob das Fehlen des einstellbaren Fahrwerks ein Manko ist, klären wir später.

Zunächst werfen wir einen Blick in die Kombis. Klare, ruhige Linien überwiegen im V70 – skandinavisches Design, wie man es erwartet. Offenporige Holz- Zierteile, Blenden aus Aluminium, weiches, aber eine Spur zu glattes Leder und Kunststoffe mit hochwertiger Optik erfreuen Augen und Hände.
Die Verarbeitung ist fast tadellos, sieht man von Gussgraten an beiden Seiten der frei stehenden Mittelkonsole ab. Auf den Vordersitzen finden selbst sehr große Nordmänner bequem Platz, vermissen allerdings Seitenhalt. Weite Verstellbereiche von Lenkrad und Sitzen erlauben die Anpassung an kleinere Personen.

Während das Raumgefühl vorn sehr großzügig ausfällt, ist die Beinfreiheit im Fond knapp. Hier fehlen jene drei Zentimeter, die der A6 beim Radstand voraus hat. Tatsächlich sitzt man vorn im Audi sehr gut und auch hinten angenehmer als im Volvo.
Die Sitzbank ist im A6 stärker ausgeformt, was zu Lasten einer echten Dreisitzigkeit der Bank geht. Zudem ist sie beim Audi nur asymmetrisch geteilt, beim Volvo jedoch gedrittelt, was ihn variabler macht. Beim V70 lässt sich auch noch die Beifahrer-Sitzlehne flach nach vorn klappen, womit er sich als der vielseitigere Kombi erweist.Der praktischere ist er obendrein, denn sein Gepäckabteil ist so geschnitten, dass es deutlich sperrigeres Gut aufnehmen kann.
Also: Stärken in der Variabilität, aber Schwächen in der Ergonomie. Wie schon beim letzten V70 fährt der Navigations-Monitor oben aus der Armaturentafel aus, was ihn sehr gut ablesbar macht. Stark gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Bedienung des Navigators über Knöpfe auf der Rückseite einer Lenkradspeiche, die man zwar erfühlen, nicht jedoch sehen kann. Auch die Instrumentierung kann nicht überzeugen.
Die metallisch schimmernden Zifferblätter sehen zwar edel aus, sind aber je nach Lichteinfall nicht optimal ablesbar. Audi zeigt, wie es besser geht. Weiß auf schwarz beschriftete Instrumente mögen konventionell anmuten, lassen sich aber bei allen Lichtverhältnissen ablesen.
Dass der Navi-Monitor etwas tiefer sitzt als im Volvo , ist kein Problem. Die winzigen Buchstaben, mit denen die Adressen eingegeben werden müssen, dagegen schon. Immerhin geht die Eingabe schnell von der Hand.

Schwedischen Eigensinn beweist Volvo immer noch mit dem quer eingebauten Reihensechszylinder, der jedoch ein kultivierter Zeitgenosse ist.
Ohne Vibrationen treibt der Dreiliter den 1900 Kilogramm schweren Kombi munter voran. Er hängt gut am Gas und hat nichts gegen höhere Drehzahlen einzuwenden. Die Sechsstufen-Automatik hält überwiegend den korrekten Gang parat. Wird die Straße jedoch sehr kurvig und hügelig, empfiehlt es sich ab und an, manuell zurückzuschalten.

Ein weniger feiner Zug der Antriebseinheit ist ihr Durst (14,4 L/100 km). Dass der A6 bei vergleichbaren Fahrleistungen mit 13,1 L/100 km auskommt, zeigt das größere Sparpotenzial seiner Benzin-Direkteinspritzung. Allerdings leistet der 3,2-Liter-V6 auch 30 PS weniger, was sich vor allem im Durchzug bemerkbar macht.
Im Antriebskomfort hat der V6 dem Reihenmotor gegenüber keine Nachteile, Vibrationen sind ihm ebenso fremd, die Laufkultur ist angenehm. Genau wie der Federungskomfort. Womit wir bei den luft- beziehungsweise stahlgefederten Fahrwerken wären. Hier gibt es spürbare Unterschiede.

Der Audi liegt insgesamt ruhiger, und sein Aufbau schwankt weniger als der Volvo. Der gibt dafür, vor allem auf der Autobahn, den schweren Wagen und schwebt sehr weich über die Verwerfungen der Schnellstraße. Einstellmöglichkeiten vermisst man beim V70 nicht.
Der A6 hat sie zwar, aber sie bringen nur wenig. Was man auch anwählt, auf der Autobahn verhärtet sich der Audi etwas und spricht eine Spur hölzern an. Auf der Landstraße liegt der Vorteil dann wieder beim A6, der hier besonders die kurzen Wellen souveräner wegsteckt. Trotz unterschiedlichen Charakters sind beide Fahrwerke überdurchschnittlich komfortabel.

Sportlicher ist der A6.

Sein Handling ist knackiger, er bleibt noch neutral, wenn der Volvo schon zu untersteuern beginnt. Auf Lastwechsel reagieren beide harmlos, die Fahrsicherheit liegt auf sehr hohem Niveau, wozu auch die präzisen Lenkungen beitragen. Die unterscheiden sich zwar, passen aber zum jeweiligen Auto-Charakter.

Im Audi lenkt es sich eine Spur direkter, im Volvo besonders leichtgängig. Überraschende Unterschiede zeigen sich bei den Bremsanlagen. Mit Vorteilen für den Volvo, denn er verzögert etwas vehementer, und der μ-split- Bremsweg ist 19 Meter kürzer als beim A6 – bei guter Richtungsstabilität.
So sammelt der ausgewogene neue Schwede fleißig Punkte und steht am Ende als der Sieger da – er bereitet zweifellos viel Lust beim Lastentransport. Trotz Stärken bei der Agilität, des niedrigeren Verbrauchs und der Vorteile im Kostenkapitel kommt der Audi nur auf Rang zwei.

Fazit

1. Volvo V70 T6 AWD
492 Punkte

Groß ist der V70 und sehr üppig ausgestattet, komfortabel obendrein. Auch im Antriebskapitel sammelt er Punkte, andererseits ist der kräftige Durst des Reihensechszylinders ein Manko.

2. Audi A6 Avant 3.2 FSI Quattro
490 Punkte

Der A6 ist das fahrerorientierte Auto, mit tollem Handling und dennoch ansprechendem Komfort, die Kombitugend Variabilität kommt zu kurz. Schwächen im Bremskapitel.

Technische Daten
Audi A6 Avant 3.2 FSI Quattro Volvo V70 T6 AWD Summum
Grundpreis 49.650 € 53.320 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4933 x 1855 x 1463 mm 4823 x 1861 x 1547 mm
KofferraumvolumenVDA 565 bis 1660 l 575 bis 1600 l
Hubraum / Motor 3123 cm³ / 6-Zylinder 2953 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 188 kW / 255 PS bei 6500 U/min 210 kW / 285 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 245 km/h
0-100 km/h 8,3 s 7,4 s
Verbrauch 10,9 l/100 km 11,5 l/100 km
Testverbrauch 13,1 l/100 km 14,4 l/100 km
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