Audi A8 3.7 im Test

 Audi A8 3.7

Der neue Audi A8 3.7 besitzt mit dem kleineren V8-Motor, Frontantrieb und einer Fünfstufen-Automatik das Zeug, seinen Schwestermodellen den Rang abzulaufen. Zwischen 2.8 V6 und 4.2 V8 Quattro behauptet sich der neue 3.7 mit guten Fahrleistungen und günstigem Benzinverbrauch.

Nische, Lücke, Vakuum, was auch immer: Zwischen den beiden bisher einzigen A8-Modellen, dem 4.2 V8 Quattro und dem 2.8 V6, klaffen exakt 1401 cm3 Unterschied im Hubraum und 30 300 Mark im Preis. In derartige Freiräume zaubert einer wie der Magier David Copperfield einen ganzen Löwenkäfig voller Claudia Schiffers und Audi das Modell A8 3.7, im Jargon des Hauses „eine interessante Alternative in der automobilen Upperclass“, oder schlicht das andere Topmodell neben dem A8 4.2 Quattro. Der Preis von wohlgerundeten 96 000 Mark zeigt, daß der A8 3.7 nicht in die simple mathematische Mitte zwischen seine Schwestermodelle A8 2.8 (79 600 Mark) und A8 4.2 Quattro (109 900 Mark) plaziert ist, und seine technische Ausstattung zerstreut alle Zweifel, ein aufgemotzter 2.8 oder abgespeckter 4.2 zu sein. Der Motor, ein V8 mit klassischem 90 Grad-Zylinderwinkel, ist, soviel Baukasten muß sein, eng mit dem 4,2-Liter verwandt.

Der von 4172 auf 3697 cm3 reduzierte Hubraum ergibt sich bei einer gleichbleibenden Bohrung von 84,5 Millimeter durch den von 93,0 auf 82,4 Millimeter verkürzten Hub. Der Vorteil gegenüber dem stärkeren 4.2 Quattro beginnt beim Getriebe. Der A8 3.7 ist mit einem neuen, fünfstufigen Tiptronic-Automatikgetriebe kombiniert, das die Leistung auch noch exclusiv an die Vorderräder weiterleitet. Servus, Quattro – zumindest hat die Zwangsbeglückung der bisher geltenden Audi-Formel Leistung über 200 PS = permanenter Vierradantrieb ihre Schubkraft verloren. Dieses Dogma gilt als überholt, seit im A8 3.7 zwei serienmäßige Elektronikhilfen, die elektronische Differentialsperre EDS und die Antriebsschlupfregelung ASR, verhindern, daß 230 PS/169 kW Leistung und 315 Nm maximales Drehmoment allzu forsch an einer Vorderachse zerren, die mit ihren jeweils vier Querlenkern von Haus aus gut gerüstet ist für die alternativen Antriebskräfte in dieser Leistungsklasse.

Der Innenraum des A8 3.7 entspricht dem Topmodell 4.2 Quattro samt dessen Anspruch, daß Stil eine Materialfrage ist. Das Nußbaum-Wurzelholzfurnier auf der Mittelkonsole ist Serie, die Nappaledersitze kosten zwar rund 3700 Mark Aufpreis, ersetzen aber die Aufnahmegebühr in einen britischen Club. Auf diesem Leder, das nicht zufällig so aussieht und duftet, als sei es von einem Jaguar abgezogen, läßt sich sogar mit einem etwas zu geringen Seitenhalt sitzen, leben und fahren. Die Tiptronic-Schaltkulisse aus poliertem Alu sieht aus wie das Schlüsselloch einer Ritterrüstung, symbolisiert die Aluminium- Technologie von Rahmen und Karosserie mit Dauerglanz und wirft die Frage auf, warum der Knauf des Automatikwählhebels aus Plastik sein muß. Die Fünfstufen-Automatik mit Tiptronic-Schaltprogramm gibt sich weit weniger kriegerisch als ihre Kulisse. Betont weiche Schaltübergänge und ein rasch ansprechender Kickdown lassen kaum den Wunsch nach Handbetrieb aufkommen.

Die fünfte Fahrstufe ist länger übersetzt als der fünfte Gang im A8 2.8 mit Handschaltung und läßt das über fünf Meter lange Alu- Schiff bei Tempo 200 noch mit moderaten 3500/min dahinrauschen. Schnelle Kickdown- Reaktionen und eine ansprechende Getriebeabstufung sorgen dafür, daß der 70 PS schwächere, aber auch 142 Kilo leichtere A8 3.7 annähernd die Fahrleistungen des 300 PS starken A8 4.2 Quattro erreicht. Der V8-Motor selbst besitzt alle Manieren der 100 000 Mark-Klasse, aber nicht deren Durst: Meistens ist er leiser als die dezenten Windgeräusche an den A-Säulen, und mit einem maximalen Drehoment von 315 Nm bei niedrigen 2700/min so durchzugsstark, daß die geringe spezifische Leistung von 62,2 PS/Liter nicht auffällt. Der Testverbrauch von 13,0 Liter Super bleifrei/100 Kilometer liegt deutlich unter jenem des A8 4.2 Quattro mit 14,9 L/100 km.

Wenn der 90 Liter-Tank voll ist, läßt sich bei konstant Tempo 130 erleben, daß die Reichweiten-Anzeige in TDIDimensionen springt und auf dem Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho plötzlich ein Aktionsradius von 1040 oder 1060 Kilometer aufblinkt: In der Luxusklasse darf derartige Vernunft sogar in roten Zahlen geschrieben werden. Der Fahrkomfort unterscheidet sich dagegen kaum vom A8 4.2 Quattro: gut, aber nicht jener Klassen-Standard, den BMW und Mercedes halten, weil der Vorderwagen auf Bodenunebenheiten gerne stuckert und die Räder deutlich in Vertiefungen wie Kanaldeckel fallen. Der Frontantrieb gilt nun auch in Oberbayern bei 230 PS Leistung als offiziell gezähmt.

Aus der exakten und leichtgängigen, auf Bodenwellen jedoch stößigen Lenkung wurde so gut wie jeder Antriebseinfluß gefiltert, und Traktionsprobleme deuten sich nur an, wenn in scharf gefahrenen engen Kurven das kurveninnere Vorderrad ausfedert. Dahin scheint die wundersame Gewichtsersparnis durch die Voll-Aluminium-Technologie bei Rahmen und Karosserie: Der A8 3.7 wiegt mit neuem V8 und ohne permanenten Allradantrieb 1730 Kilogramm, zwar 142 weniger als der 4.2 Quattro, aber er ist kaum leichter als ein BMW 730i V8 (1755 Kilogramm). 80 Prozent der A8-Käufe entfallen momentan auf das Topmodell, nur ein Fünftel der Kunden bestellt den Einsteiger- V6. Wenn Audi den A8 3.7 ab September ausliefert und zum Jahresende um die Allrad-Variante ergänzt, wird der kleine V8 rasch zeigen, daß es auch ganz oben eine goldene Mitte gibt.

Technische Daten
Audi A8 3.7
Grundpreis 50.976 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l
Hubraum / Motor 3697 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 169 kW / 230 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 247 km/h
0-100 km/h 9,5 s
Verbrauch 12,2 l/100 km
Testverbrauch 13,0 l/100 km
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