Audi A8 4.2 Quattro im Test

Ober-Geschoss

Audi A8 4.2 quattro 10 Bilder

100.000 km im Audi A8 4.2: ein Dauerlauf mit viel Kraft, Lust und einigen elektronischen Tücken.

Er hat etwas an Frische verloren, aber an Klasse gewonnen. Nach 100 000 Kilometern liegt über den Sitzen des Audi A8 4.2 eine Patina wie früher bei alten Jaguar -Modellen.

Schon im Neuzustand verschonte der große Ringträger seine Passagiere von aufgesetztem Pathos oder technokratischer Kühle. Als geschickter Grenzgänger zwischen neuer und alter Automobilwelt trägt er zwar viel Elektronik unter seinem Alu-Kleid, aber eingebettet in klassisch-sportive Eleganz, die sich weder dem Betrachter noch dem Fahrer aufdrängen. So wurde er zum Langstrecken- Liebling beider Seiten in der Redaktion: sowohl der Anhänger klassischer Limousinen, die er mit leichter Bedienung, wohlgeformten Rundinstrumenten sowie perfekt eingepassten HolzundChromeinlagen zu begeistern wusste, als auch der High-Tech-Fraktion, die sich an den Segnungen der mobilen DVD-Bluetooth-TV-Surround-Sound- Kommunikationswelt erfreute.

Das mag auch daran liegen, dass den Dauertest-A8 nicht die volle Breitseite der Elektronikprobleme erwischte, wie sie so mancher Leser in den zahlreichen Zuschriften schildert. Andreas Claußnitzer beschreibt sie resignierend sogar als „offensichtlichen Stand der Technik in der Oberklasse“.

Erstaunlicherweise streikte beim Testwagen sogar das Motorola-Autotelefon mit Bluetooth-Hörer nicht ein einziges Mal. Viele andere A8-Fahrer mussten sich in der gleichen Zeit mit diversen Software-Updates plagen. Als kleine Sorgenkinder erwiesen sich vielmehr das Navigationssystem mit seinen sporadischen Hängern, das Soundsystem mit gelegentlichen Verzerrungen und die bei Xenonlicht vorgeschriebene automatische Leuchtweitenregulierung. So musste Redakteur Jörn Thomas eines Nachts den Heimweg mit auf volle Zuladung eingestellten Scheinwerfern antreten, obwohl der 70-Kilo-Mann alleine im Auto saß. Die Straße erleuchteten die ansonsten hervorragenden Bi-Xenonscheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht dann nur wenige Meter voraus. Dieser Fehler zwang die Redakteure gleich zwei Mal im Dauertest zu besonders langsamer Fahrt in der Dunkelheit.

Wie man bei Audi die Zuverlässigkeit der verschiedenen Elektronikkomponenten bewertet, lässt sich auch daran ersehen, dass die im Falle des A8 rund 900 Euro teure Garantie-Erweiterung auf vier Jahre fast alles umfasst – bis auf die Infotainment-Elektronik. Der komplette Tausch allein der Navigationseinheit kostet über 3000 Euro.

Doch zurück zu den angenehmen Seiten des Audi. Die bequemen Sitze und das gute Platzangebot sowohl auf den vorderen wie den hinteren Sitzplätzen ließen auf vielen Reisen den Kilometer nur halb so lang wirken. Die schnell ansprechende und feinfühlig regelbare Sitzheizung ist mit ihrer Menüsteuerung zwar kein Muster an Ergonomie, aber selbst bei minus 15 Grad Einstiegstemperatur in den österreichischen Bergen stellte sich zügig Wohlfühltemperatur ein.

Ein starkes Winterauto ist der A8 ohnehin.

Mit seinem Quattro-Antrieb klettert er nicht nur steile Schneepassagen behände hoch, er bleibt auch allzeit gut beherrschbar – wenn der Fahrer einmal verinnerlicht, dass der schwere Bug des Audi gerne gen Kurvenaußenrand drängt. So fuhren sich auch die Vorderreifen auf den Außenschultern relativ schnell ab. Trotzdem wirkt der Zweitonner beim Fahren viel handli cher und kleiner, als es seine Abmessungen vermuten lassen.

Die präzise Lenkung und das in Automatikstellung der Luftfederung sowohl komfortable wie sportliche Fahrwerk beglückten auf kurvigen Straßen auch eilige Redaktionsmitglieder. Nur die Schlagstärke der „dynamic“-Einstellung des elektronisch geregelten Fahrwerks wollte auch Kollegen mit stabilem Kreuz nicht so recht gefallen. Wenn sie das Luxusschiff dann noch rückwärts in eine schmale Parkbucht zwängen mussten, hatte der Spaß trotz hektisch piepsender elektronischer Parkhilfe ein Ende. Zu wuchtig und unübersichtlich ist das Heck.

Dort lief auch technisch nicht alles optimal:

Das rechte Kofferdeckelscharnier brach schon nach 45 000 Kilometern. Ein neuralgischer Punkt, den Audi im Rahmen von Modellpflege-Maßnahmen inzwischen verbessert hat. Nicht optimierbar ist die Differenz zwischen dem tatsächlichen Leergewicht (2000 kg) und der Angabe im Fahrzeugschein (1855). Anstatt 525 kg darf das große Alu-Auto so nur 380 Kilo tragen – eine viel zu geringe Zuladung.

Noch ärgerlicher war die Reparatur der beiden Nockenwellensteller, die aber glücklicherweise in den Rahmen der zweijährigen Garantiezeit fiel. Schon nach rund 27 000 Kilometern rasselte der 4,2-Liter-V8 beim Kaltstart fröhlich aus dem Motorraum. Mit der Zeit legten diese Geräusche an Intensität deutlich zu. Schuld daran war ein fehlerhaftes Rückhalteventil, worauf bei abgestelltem Motor die Ölversorgung der Nockenwellensteller leer lief.

Gleichzeitig wurde auch noch eine weitere Geräuschquelle ruhig gestellt: Bei langsamer Fahrt durch sehr enge Kurven, unter anderem das ureigene Terrain der auto motor und sport-Tiefgarage, knisterte es aus den Radhäusern beharrlich wie brennende Holzstämme. Ein Radlagertausch brachte akustische Besserung. Insgesamt zwei Wochen verbrachte der A8 außerplan mäßig in der Werkstatt. Das reicht nur zu Rang zwei im Mängelindex hinter dem BMW 740d. Dafür zauberte das potente Röhren des Achtzylinders ein Funkeln in die Augen von Motor-Gourmets. Der sportlich- herbe Beschleunigungsruf des kurz bauenden und bärig antretenden 4,2-Liter-Aggregats ist die Entschädigung dafür, dass er zwar leise ist, es aber in dieser Klasse noch etwas kultiviertere Motoren gibt.

Zum großen Säufer mutierte das Audi-Dickschiff trotz seiner sportlichen Attitüde nicht: 13 bis 14 Liter bei normaler Fahrt sind seiner Leistung und dem Fahrzeuggewicht angemessen. Wer konsequent den automatischen Abstandstempomaten (ACC, adaptive cruise control) nutzt, kann diesen Wert auch ohne Mühe unter zwölf Liter drücken. Wie überhaupt ACC bei normalem Autobahnverkehr das Fahren erheblich entspannter macht. Auch wenn das Radarsystem im Gegensatz zur neuesten Generation noch etwas verzögert auf einscherende Autos reagiert.

Bei Kilometer 72.341 leuchtete dann wieder einmal die Airbag-Warnleuchte auf: eine auf einer Widerstandsmessung basierende Fehlermeldung, die nicht unbedingt bedeuten muss, dass wirklich ein Defekt vorliegt. Aus Sicherheitsgründen wurde das Airbagmodul hinten rechts jedoch gewechselt.

Einen ungewöhnlichen Fehler für einen Oberklassewagen musste dann auch der stellvertretende Chefredakteur Peter Frey miterleben: Die Scheibenwischer weigerten sich eines Morgens zu arbeiten. Zum Glück behinderte nur leichter Nieselregen die Sicht, so dass der A8 keinen Ausfall-Malus hinnehmen musste.

Trotzdem passen durch Korrosion festgegangene Wellen des Wischergestänges nicht zu einer 100 000-Euro-Limousine. Wer dann nach einem Regenguss die Fenster öffnete und von der Dachkante her nassgespritzt wurde, musste den Eindruck gewinnen: In Ingolstadt scheint es selten zu regnen.

Weit ärgerlicher ist allerdings der rapide Wertverfall, dem der A8 unterliegt. Zwischen den 99 115 Euro Kaufpreis, in dem allein Extras für 26 000 Euro stecken, und dem Schätzwert von 44 138 Euro am Ende liegt eine Differenz von 55 000 Euro. Verteilt auf die 23-monatige Laufzeit macht das fast 2400 Euro pro Monat oder knapp 80 Euro pro Tag – wohlgemerkt ohne Kraftstoff und Wartung. Für viele wäre das ein respektabler Nettoverdienst. Da spielt es kaum noch eine Rolle, dass die Wartungskosten für ein Oberklasse-Auto erstaunlich niedrig ausfielen.

Immerhin legte sich der große Audi bei der Abschlussmessung der Fahrleistungen noch einmal mächtig ins Zeug und spurtete über eine halbe Sekunde schneller aus dem Stand auf Tempo 160 als zum Dauerteststart im September 2003. Leider stiegen im gleichen Zeitraum aber auch die Kohlenmonoxid- Werte kräftig an. Sie überschritten sogar die Grenzwerte der EU4-Norm.

Dennoch wird der A8 nicht nur in der Tiefgarage der Redaktion eine große Lücke hinterlassen. Sympathien verdiente sich die schnelle Reiselimousine schon alleine dadurch, dass sie trotz ihrer geballten Elektronik ein absolut unkompliziertes Auto geblieben ist. Wenn einzelne Redakteure auch an einigen Details wie den fehlenden Radio-Stationstasten oder unnötigen Displayeinblendungen berechtigte Kritik äußerten, so waren sie sich doch in einer Hinsicht einig: So wenig divenhaft im Umgang ist heutzutage kaum noch ein Luxusauto.

 

Abgastest:

Bei der durch den TÜV durchgeführten Abgasmessung unterbietet der Achtzylindermotor nach 100 000 Kilometern die Grenzwerte bei Stickoxiden und Kohlenwasserstoff deutlich. Bei der Messung des Kohlenmonoxid-Werts erlaubt sich der große Audi jedoch einen Lapsus: Den für die Euro 4-Norm vorgeschriebenen Grenzwert von einem Gramm/km überschreitet der A8 um dreißig Prozent. Da dieser Wert jedoch nur für die Typisierung von Autos gilt und die Kriterien bei den Abgas-Sonderuntersuchungen weniger streng sind, würde der A8 trotzdem die Plakette erhalten.

Einen wirklichen Ausfall hatte der A8 nicht zu verzeichnen, aber die defekte Niveauregulierung und streikende Scheibenwischer hätten bei ungünstigen Bedingungen die Weiterfahrt stoppen können.


Abgesehen von ein paar kleineren elektronischen Störmanövern wie dem kurzzeitigen Ausfall des MMI bin ich mit meinem Audi A8 4.2 rundum zufrieden. Besonders erwähnenswert ist die kaum zu überbietende Verarbeitungsqualität. Zudem hätte ich nie gedacht, dass sich ein Fünf-Meter-Auto so dynamisch und agil bewegen lässt. Mit anderen Worten: die perfekte Symbiose von Komfort und Sportlichkeit.
Dr. Philippe Hertig, CH-8713 Uerikon
 
Wenn mein A8 L 6.0 funktioniert, ist er ein wahrer Traum. Ein Motor wie Samt und Seide, das Fahrwerk mit angenehm gefühltem Kontakt zum Untergrund und dazu die sehr gute Traktion. Das Interieur begeistert mich, und die Komfortsitze machen ihrem Namen alle Ehre, bieten aber auch Seitenhalt. Leider funktioniert mein A8 nicht immer. Ein kapitaler Motorschaden bei 28 000 km stellt den bisher unrühmlichen Höhepunkt seines noch kurzen Autolebens dar. Auch die Elektronik verdirbt mir den Spaß oftmals gründlich. Als Wiederholtungstäter tun sich das Radio, der schlüssellose Zugang und die Fingerabdruck-Erkennung hervor.
Radu Sandbrand, 83083 Riedering

Ich habe mittlerweile rund 28 000 Kilometer mit meinem A8 4.2 zurückgelegt und bin mit den Fahrleistungen, dem Komfort und dem Verbrauch sehr zufrieden. Aber es traten auch einige Kleinigkeiten auf: mehrfach Probleme mit der Kofferraumbetätigung, teilweise nicht ausfahrender MMI-Bildschirm, fehlerhafte Keyless-entry-Funktion und Telefon-Software. Absolut negativ war für mich, dass die Werkstätten mit dem Fahrzeug überfordert sind. Hier hat Audi ein ernstes Problem.
Bernd Pieper, 59067 Hamm
 
Mein derzeitiger Audi A8 4.0 TDI ist bereits mein dritter A8 und der erste mit Dieselmotor. Die Entscheidung für den Diesel habe ich bis heute und nach 45 000 Kilometern noch nicht bereut. Hohes Drehmoment und niedriges Geräuschniveau sorgen auf langen Strecken für entspanntes und dennoch zügiges Vorwärtskommen. Der Verbrauch liegt gegenüber der Benzinversion um vier Liter niedriger. Positiv zu erwähnen sind auch die hohe Verarbeitungsqualität, der geräumige Kofferraum sowie die Luftfederung. Negativ sind bei meinem Fahrzeug lediglich der Ausfall des Keyless-entry- Systems sowie ein Defekt am selbstschließenden Kofferraum-Deckel.
Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern, 72488 Sigmaringen

Die Freude an meinem A8 ist mir innerhalb kürzester Zeit vergangen. Das Telefon war erst nach neun Monaten in vertragsgerechtem Zustand, und das Getriebe musste bei zirka 22 000 km getauscht werden. Einige Rückrufaktionen und Elektronikmängel – bis zu 14 Stück bei einer Diagnoseauslesung – machten ebenfalls Ärger. Einzelne Werkstattbesuche dauerten bis zu 14 Tage an einem Stück.
Gerhard Eggersglüß, 29699 Bomlitz
 
Auch mein dritter A8 in Folge ist ein Muster an hervorragender Verarbeitung und hochgradiger Zuverlässigkeit. Außerplanmäßige Werkstattaufenthalte oder lästige Rückrufaktionen: Fehlanzeige. Der aktuelle A8 3.7 ist in zwei Jahren 40 000 Kilometer gelaufen und ein Muster an Laufruhe bei sportlicher Handlichkeit. Das Navi-System arbeitet zielgenau, intuitiv, einfach perfekt. Ebenso die ideal abgestimmte Automatik mit ihren schnellen und seidenweichen Schaltvorgängen. Wer eine Synthese aus Sportlichkeit, Verarbeitung und Gediegenheit sucht, sollte A8 fahren.
Axel Müller-Sturm, 61440 Oberursel
 
Ich fahre seit zirka 18 Monaten einen A8 4.0 TDI . In diesem Zeitraum musste ich mehrere Male ungeplant in die Werkstatt, weil das Getriebe zunehmend Geräusche machte und der A8 auf der Autobahn liegenblieb. Zudem fällt alle zwei Tage die Navigation und das Telefon aus. Nie wieder würde ich einen A8 kaufen. Der Motor ist zwar klasse, aber den Rest kann man getrost vergessen.
Bernd Dittmann, 85609 München

Der W12 ist nun mein dritter A8, den ich seit einem Jahr fahre. Dieses Fahrzeug ist ein Garant für Understatement und Souveränität. Kleinere Elektronikprobleme, die offensichtlich in der Oberklasse zum Stand der Technik zählen, wurden durch den hervorragenden Werkstattservice kompensiert. Der Fahrkomfort ist unübertroffen, und das Navigationssystem arbeitet perfekt. Dieser Winter hat auch wieder bestätigt: einmal Quattro, immer Quattro.
Andreas Claußnitzer, 90513 Zirndorf 

Vor- und Nachteile

  • guter Fahrkomfort auch bei hohem Tempo
  • leiser und kräftiger Motor
  • sehr gutes Winterauto
  • gutes Platzangebot im Fond
  • hochwertige Materialien im Innenraum
  • sehr gute Verarbeitung
  • ansprechendes Design
  • bequeme Sitze
  • Sitzheizung spricht schnell und wirksam an
  • einfache Bedienung
  • gutes Navigationssystem
  • sehr unübersichtlich
  • breite Mittelkonsole engt Fußraum vorne ein
  • recht knappe Zuladung
  • diverse Elektrik- und Elektronikmängel
  • automatischer Abstandstempomat erkennt einscherende Autos spät
  • Bei Fensteröffnung nach Regen tropft Wasser in den Innenraum
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Technische Daten
Audi A8 4.2 Quattro
Grundpreis 74.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5051 x 1894 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 246 kW / 335 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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