Audi A8 4.2 Quattro im Test

Lagemeister

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert

Mehr Fahrkomfort bei einer in der Oberklasse konkurrenzlosen Fahrdynamik verspricht der neue Audi A8. Im Test dasTopmodell mit 4,2 Liter großem Achtzylinder-Motor.

Die Waage bringt es, wie so oft, an den Tag. Wunsch und Wirklichkeit driften auseinander. Das in den Papieren des neuen Audi A8 4.2 ausgewiesene Leergewicht von 1855 Kilogramm, das der Aluminium-Limousine eine Sonderstellung im Oberhaus gesichert hätte, übertrifft der üppig ausgestattete Testwagen um 100 Kilogramm. 1955 Kilogramm sind ziemlich genau das, was ein stählerner Mercedes S 500 wiegt, allerdings ohne Allradantrieb.Luxus light stellt das Oberklasse-Modell also trotz des neu konstruierten Alu-Spaceframe nicht dar. Ebensowenig wie eine Styling-Sensation. Die Erscheinung blieb auditypisch, ohne neue Höhepunkte. Dass Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch den Audi-Designern Stillstand vorwarf, erscheint angesichts des A8 nicht abwegig.

Die Reaktion des Publikums auf den Testwagen, nämlich keine, unterstreicht den geringen Neuigkeitswert. Was nicht unbedingt verkehrt sein muss. Die Kundschaft, die den Preis eines A8 bezahlen kann, neigt zu konservativem Denken. Sie nicht zu überfordern scheint auch bei der Gestaltung des Interieurs bestimmend gewesen zu sein. Holz und hochwertig wirkende Kunststoffe in gewohnt astreiner Verarbeitung bestimmen das Bild. Die Weiterentwicklung des Bedienungskonzepts meidet den großen Schritt, wie ihn BMW beim Siebener gewagt hat. Die zentrale Einheit MMI (siehe auch Seite  52) mit großem Drehknopf und Bildschirm-Menüs gibt keine Rätsel auf. Ungeschickt nur, dass die Hand beim Betätigen des Knopfes regelmäßig die Abdeckung der Getränkehalter öffnet. Die wichtigsten Funktionen begreift man schnell. Wer alle Feinheiten ausloten will, wird aber nicht um die dicke Zusatz-Betriebsanleitung herumkommen.

Ein weiteres Beispiel der elektronischen Neuzeit wird auf Wunsch geliefert: das One touch memory, das Fingerabdrücke von bis zu vier Benutzern speichern kann. Danach sollte kurzes Fingerauflegen genügen, um Sitze, Klimaautomatik und Radio zu justieren. Ein netterGag,  der nicht immer auf Anhieb funktioniert (Benutzer nicht erkannt).Eher ins Reich der Show-Einlagen gehört auch das neue Kurvenlicht. Aktiviert vom Lenkeinschlag, leuchtet es in dunkle Gassen und Hofeinfahrten. Beim Fahren auf der Landstraße bringt es keine Verbesserung. An klassischen Komfortmerkmalen fehlt es nicht: sehr bequeme Sitze vorn wie im Fond, unauffällig und wirksam agierende Klimaautomatik. Das Platzangebot entspricht dem Klassen-Standard, wenngleich das Raumgefühl vorn wegen des mächtig gewölbten Armaturenbretts etwas eingeschränkt ist. Die Technik des großen Audi hat sich in vielen Punkten verändert. Wichtigstes Merkmal ist das neue Luftfederfahrwerk mit progressiven Federn und stufenlos variabler Dämpfung. Das auffallendste Manko des Vorgängers, der bescheidene Federungskomfort, gehört damit der Vergangenheit an. Weil Audi den A8 als betont dynamische Alternative zum Establishment sieht, blieb die Abstimmung vergleichsweise straff, was sich mit geringen Rollbewegungen  bei forcierter Fahrweise positiv niederschlägt.

Bis auf harte Querfugen, mit denen alle Federungssysteme zu kämpfen haben und die deutlich spürbar wiedergegeben werden, liegt das Schluckvermögen der Federung nun auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Lange Wellen, die vor allem Fondpassagieren am meisten auf den Magen schlagen, absorbieren die Luftbälge höchst geschmeidig. Die Wahlmöglichkeit zwischen drei verschiedenen Abstimmungen (Automatic, Dynamic und Comfort) ermöglicht die Anpassung an individuelle Vorlieben. Etwas straffer, etwas weicher die Differenzenwurden erfreulicherweise nicht um des spürbaren Effekts willen übertrieben. Automatic stellt ganz klar die beste Allround-Einstellung dar.

Das unaufdringliche Abrollgeräusch sowie das nur leichte Rauschen des Fahrtwinds bei hohem Tempo unterstreichen den vorherrschenden Eindruck, dass im Komfortbereich ein eklatanter Fortschritterzielt wurde. Und zwar ohne einen klassischen A8-Vorteil, nämlich das gute Handling, preiszugeben. Auch dank der sehr präzisen Lenkung, deren variable Servounterstützung bei jeder Geschwindigkeit einen perfekten Kompromiss zwischen Lenkkräften und Fahrbahn-Information findet, fährt sich der neue A8 bemerkenswert behände für ein Auto dieser Größenordnung. Und liegen tut er wie das sprichwörtliche Brett. Das hohe Tempo, das er beim schnellen Spurwechsel (ISO-Wedelkurs, siehe Datenblatt) erzielt, legt dafür ein beredtes Zeugnis ab. Wichtiger noch: Das Fahrverhalten ist von unerschütterlicher Gutmütigkeit, weitgehend neutral und nur in engen Kurven eine Tendenz zum Untersteuern zeigend. Der A8 präsentiert sich unmissverständlich als Sportlimousine unter den Luxus-Kaleschen. Kraftvoll zupackende, sehr gut zu dosierende Bremsen verstärken das Gefühl bester Fahrsicherheit wie natürlich auch der Allradantrieb. Traktion ist naturgemäß kein Thema.Und schon auf trockener Straße bedarf es gehörigen Übermuts, um das ESP zum Eingreifen zu veranlassen. Kritische Straßenverhältnisse machen noch deutlicher, dass PS-starke Autos von vier angetriebenen Rädern erheblich profitieren.

Da nimmt man gern den dadurch verursachten Mehrverbrauch in Kauf. Zumal der A8 mit einem Testverbrauch von 14,6 Liter/100 Kilometer auf einem akzeptablen Niveau bleibt. Dafür bietet er, neben standesgemäßen Fahrleistungen, auch eingerüttelt Maß an Antriebskomfort. Der geht weniger auf das Konto des beim Ausdrehen kernig tönenden Achtzylinders als auf das der ZF-Sechsgangautomatik. Sie verhält sich genauso, wie das eine gute Automatik tun sollte: gänzlich unauffällig. Seidenweiche Schaltmanöver, schnelle Anpassung der Übersetzung auch bei hektisch wechselnden Fahrbedingungen lassen keine Wünsche offen. Paddel am Lenkrad für manuelles Schalten gibt es zusätzlich. Aber warum soll man sich damit beschäftigen, wenn das Getriebe automatisch alles richtig macht? Was generell für den A8 gilt: Die Richtung stimmt. Auf dem Marsch ins Premium-Reich ist Audi einen ordentlichen Schritt weitergekommen. A8 alle Achtung.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • sehr guter Qualitätseindruck
  • schlechte Übersichtlichkeit
  • geringe Zuladung
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • logisch aufgebautes Bedienkonzept
  • gute Klimatisierung
  • insgesamt hoher Federungskomfort
  • Stuckerneigung auf Querfugen
  • bei hoher Drehzahl brummiges Motorgeräusch
Antrieb
  • kraftvoll ansprechender Motor
  • sehr weich und präzise schaltendes Automatikgetriebe
Fahreigenschaften
  • agiles Handling
  • gutmütiges Kurvenverhalten
  • erstklassige Traktion
  • präzise Lenkung
Sicherheit
  • sehr gute Sicherheitsausstattung
  • gut dosierbare Bremsen mit hoher Verzögerung
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • angemessener Verbrauch
Kosten
  • lange Inspektionsintervalle
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der A8 präsentiert sich als Dynamiker unter den Luxuslimousinen. Luftfederung
und neue Automatik sorgen dabei für ein hohes Maß an Fahrkomfort.
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Technische Daten
Audi A8 4.2 Quattro
Grundpreis 59.156 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5034 x 1880 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 525 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 220 kW / 300 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 7,7 s
Verbrauch 13,2 l/100 km
Testverbrauch 14,8 l/100 km
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