Audi A8 4.2 TDI gegen BMW 745d

Achtkampf

Foto: Hans-Dieter Seufert 21 Bilder

Gong zum Prestigekampf um die Luxus-Diesel-Meisterschaften. Audi A8 4.2 TDI gegen BMW 745d. Es verspricht ein heißer Fight um die Diesel-Krone im Oberklasse-Segment zu werden.

Gong zum Prestigekampf um die Luxus-Diesel-Meisterschaften. Es verspricht ein heißer Fight zu werden. In der Ecke mit den vier Ringen: der Audi A8 4.2 TDI. Mit 4,2-Liter-V8, 326 PS stark und dank Quattro-Antrieb ein sehr effizienter Beinarbeiter. Seine Ablöse-Summe: 81 000 Euro. Unter dem weißblauen Propeller in der gegenüberliegenden Ecke wartet der BMW 745d auf seinen Auftritt. Er schöpft die Kraft für seinen 300-PSPunch aus 4,4 Liter Hubraum. Wer ihn in seinen Boxstall aufnehmen will, muss 79 000 Euro bereithalten. Beide Recken wiegen jeweils knapp über zwei Tonnen, denn zu ihren Muskelbergen gesellt sich reichlich Wohlstandsspeck. Klimaautomatik, CD-Radio, Tempomat, Licht- und Regensensor, Multifunktionslenkrad und zahllose elektrische Stellmotoren für Sitze, Fenster und Spiegel sind bei beiden Standard.

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Vergleichstest BMW 745d, Audi A8 4.2 TDI
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Der Audi kommt außerdem mit Luftfederung, bei BMW zählt das Xenon- Licht zur Serienausstattung. Außerdem ist im Testwagen das Fahrwerkspaket Adaptive Drive für 3200 Euro montiert, das sich automatisch um Wankausgleich und Stoßdämpferregulierung kümmert.

Haben sich die Kunden in den handbuchdicken Aufpreislisten bis zum R für Räder vorgearbeitet, sind in aller Regel schon eine Menge Kreuzchen gemacht worden. Denn selbst die Rindshäute für die Sitze und die Metallic- Lackierungen müssen extra bezahlt werden. So lässt sich der beachtliche Basispreis spielend um 10 000 Euro oder mehr in die Höhe treiben. Immerhin gehören Partikelfilter zum Standard, aber das müssen sie auch. Denn ohne die Rußfänger würden die V8-Diesel die Euro 4-Schadstoffnorm nicht erfüllen.

Von der komplexen Abgasreinigung ist im Fahrbetrieb freilich nichts zu merken, und auch beim Service muss sich darum niemand kümmern. Beide Systeme kommen ohne Additive aus und sollen deutlich über 200 000 Kilometer wirksam bleiben, bevor sie gewechselt werden müssen. Die Rußfilter sind aber auch schon das einzig Unauffällige an den Power-Dieseln. Denn ansonsten wird nicht mit Superlativen gegeizt.

Ein Beispiel gefällig? Nach nur 6,1 Sekunden schnalzt der Tacho-Zeiger über die 100-Markierung, wenn im Audi das Gaspedal beherzt in den Teppich getreten wird. 650 Newtonmeter drohen bei dieser Übung aus den Antriebswellen überdimensionale Korkenzieher zu wickeln und Reifengummi in weißen Rauch zu verwandeln.

Tatsächlich passiert nichts dergleichen, denn eine Antriebsschlupfregelung und Allrad-Antrieb schonen bei solchen Gewaltaktionen das Material. Die Mitfahrer presst es in die Leder- Fauteuils wie bei einem startenden Jet.

Keine Frage, hier agiert ein Turbomotor, denn so abrupt stellt kein Sauger seine Leistung aus dem Drehzahlkeller zur Verfügung. An der Zapfsäule offenbart der vergleichsweise hohe Testverbrauch den eklatantesten Nachteil des Audi-Motors, der 51 PS schwächere Vorgänger war um einen ganzen Liter sparsamer.

Der BMW-Diesel ist allerdings noch etwas durstiger. Die turbotypische Verzögerung des Leistungseinsatzes, die der Audi-TDI ansatzweise erkennen lässt, ist dem 745d völlig fremd. Seine Leistung entfaltet sich gleichförmiger, was ihn weniger spektakulär, aber auch kultivierter wirken lässt.

Er fährt so sanft und unmerklich, aber auch so nachdrücklich wie ein Hochgeschwindigkeitszug an. Die exzellente Laufkultur, gepaart mit 700 Nm Drehmoment, erinnert dabei eher an einen Elektromotor als an eine Verbrennungsmaschine. Auch akustisch bleiben die Passagiere über die Art der Verbrennung weit gehend im Unklaren. Selbst bei Vollgas ist der 745d ein vorbildlich leises Auto, aber beim Sprint auf 200 km/h auch ein etwas schwächelndes.

Dafür verrichtet der A8 seine Arbeit nicht so kultiviert. Der TDI-Motor entwickelt unter Last ganz leichte Vibrationen, und der komplexe Antriebsstrang sendet mechanische Schwingungen aus. Richtig rangenommen, fühlt sich der Audi eher nach Sportals nach Luxus-Limousine an. Vor allem auch, weil seinem straffen Fahrwerk die Sämigkeit der BMW-Federung fehlt. Auf Autobahn-Querfugen bockt die Siebener-Hinterachse zwar leicht, was durch die großen Räder mit den flachen Reifen noch verstärkt wird.

Ansonsten schwebt der BMW fast wie ein fliegender Teppich über schlechte Straßen. Die weiche Abstimmung hat aber auch Nachteile, denn fahrdynamisch kann er dem Audi nicht das Wasser reichen.

Wer auf eng gewundenen Landstraßen schnell fahren möchte, ist mit dem Allrad-Audi wesentlich leichtfüßiger unterwegs. Die Lenkung agiert mit wohl dosierter Rückmeldung so präzise wie in einem Sportwagen, und im Grenzbereich bleibt der Audi sehr neutral. Schlaglöcher auf der Ideallinie führen jedoch zu Stößen im Lenkrad. Die fühlt der BMW-Lenker zu keiner Zeit. Er dreht an einem extrem leichtgängigen Lenkrad, erhält aber weniger Informationen über den Straßenzustand.

Außerdem beginnt der BMW bei forcierter Gangart zu untersteuern und nimmt per ESP schon vergleichsweise früh die Motorleistung zurück – der 745d will reisen, nicht rasen. Dazu bettet er Fahrer und Beifahrer in ein großzügiges, sehr bequem bestuhltes Interieur. Wenn nur die Einstellung der Vordersitze nicht so eine langwierige Sache wäre. Denn bis man den aufpreispflichtigen Komfortsitzen tatsächlich maximalen Komfort entlockt hat, verstreicht einige Zeit.

Dass es anders geht, zeigen die Vordersitze des Audi. Ihr Langstreckenkomfort ist ebenfalls beeindruckend. Ihre straffere Polsterung und stärker ausgeformte Sitzwangen ändern daran nichts. Und die Bedienung? i-Drive bleibt ein schwieriges Thema, auch im aktuellen Siebener. Ja, man kann die Strukturen erlernen, aber die Menüs sind unnötig kompliziert. Warum gibt es beispielsweise keine Radiostationstasten?

Platz genug wäre allemal. Auch der Audi hat sie nicht, aber seine Bedienung gelingt auf Anhieb schneller und lenkt weniger ab. Am Ende gibt es in diesem Fight keinen Sieg durch technischen Knockout, sondern nur eine knappe Punkte- Entscheidung. Der BMW hat zwar weniger Zähler, ist aber die richtige Wahl, wenn es um maximalen Komfort geht. Der Audi dagegen hat das Herz eines Sportlers – und damit ist nicht nur der V8-TDI gemeint.

Fazit

1. Audi A8 4.2 TDI
525 Punkte

Der Titel der besten Sportlimousine in diesem Test geht ganz klar an den fahrdynamisch herausragenden Audi. Allerdings bringt diese Ausrichtung Einbußen beim Federungs- und Geräusch-Komfort mit sich.

2. BMW 745d
523 Punkte

Wenn statt Handling und Agilität der Komfort oberste Priorität hat, dann ist der BMW erste Wahl. Sein V8 bietet eine beispielhafte Laufkultur, nicht nur für einen Diesel. Mehr Platz hat der Siebener außerdem.

Technische Daten
Audi A8 4.2 TDI Quattro BMW 745d
Grundpreis 83.600 € 79.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5062 x 1894 x 1444 mm 5039 x 1902 x 1491 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l 500 l
Hubraum / Motor 4134 cm³ / 8-Zylinder 4423 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 240 kW / 326 PS bei 3750 U/min 220 kW / 300 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,1 s 7,6 s
Verbrauch 9,4 l/100 km 9,5 l/100 km
Testverbrauch 12,0 l/100 km 12,5 l/100 km
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