Audi A8 L 6.0 im Test

Langgraf

Foto: Hans-Dieter Seufert

Zuwachs für den automobilen Hochadel: Die Luxus-Limousine tritt in der Topmotorisierung mit 450 PS starkem Zwölfzylinder und langer Karosserie an. Ihr Preis: 117.000 Euro.

Man kann sich nicht selbst zum Ritter schlagen, in diesen Stand wird man erhoben. Die automobilen Blaublüter adelt ganz demokratisch der solvente Käufer. Im Hochpreis-Segment mit einem vorhersehbaren Geschmack: Es muss einfach das Beste sein. Aber was ist das Optimum? Einige bevorzugen ein samtweiches Auto, das seine Passagiere völlig in Ruhe lässt, zumal, während der Eigner chauffiert wird. Andere greifen gern selbst ins Steuer und empfinden eine gewisse Verbindlichkeit im Zusammenspiel zwischen Fahrwerk und Straße als unerlässlich. Hier kommt der Audi A8 L 6.0 ins Spiel. Als Lang-Version mit dem Sechsliter-Zwölfzylinder hinter der charakteristischen Chrom- Kühlermaske ist er ab 117 000 Euro komplett ausgestattet zu haben. Viel Geld, sicher, aber auf dem Niveau der Konkurrenz. Wobei sich der 5,20 Meter lange Audi mit seiner Aluminium- Karosserie und dem serienmäßigen Quattro-Antrieb aus seinem Umfeld abhebt. Und durch den 450 PS starken Motor, dessen Zylinderreihen in vier Ebenen liegen und damit kein V, sondern eine Art W formen.

Der W12 treibt zwar in ganz ähnlicher Form auch den VW Phaeton W12 an, dort leistet er aber lediglich 420 PS und muss ein rund 2,5 Tonnen schweres Auto bewegen. Der Audi wiegt dagegen 2068 Kilogramm. Schnelle Rechner werden ermitteln, dass bei ihm jede Pferdestärke lediglich 4,6 Kilogramm zu bewegen hat. Damit ist der große Audi beim Gewicht- Leistungs-Verhältnis fast auf Augenhöhe mit Sportwagen wie Porsche 911 (4,2 kg) oder Maserati Coupé (4,4 kg). Und entsprechend souverän setzt sich die Limousine in Gang. Sie sprintet bei unvorsichtigem Tritt aufs Gas derart heftig los, dass die Insassen mit Schwung in die Sitze gepresst werden. Sanftes Anfahren braucht im A8 6.0 einen sehr zarten Gasfuß, aber diese kleine Ruppigkeit verzeiht man dem Motor schon nach wenigen Metern Fahrt.

Denn beim Bummeln ist der W12 lammfromm, und sein eigentümlich brummelndes Laufgeräusch dringt wie durch eine Extra-Portion Oropax gedämpft an die Ohren der Passagiere. Mehr Drehzahl heißt bei ihm nicht automatisch mehr Geräusch. Selbst wenn er voll gefordert wird, tönt sein Bariton wie durch eine massive Burgmauer nach außen. Allerdings werden dadurch die an sich geringen Wind- und Abrollgeräusche stärker wahrgenommen, die den akustischen Fahreindruck bestimmen, ohne aber zu stören. Die geschmeidig schaltende Sechsstufenautomatik sorgt stets für die passende Übersetzung. Beispiel gefällig? Auf der Autobahn gleitet der Audi bei 240 km/h mit lässigen 4000 Kurbelwellen-Umdrehungen dahin. Ist der Fahrer noch nicht aus der Sturm-und-Drang- Phase hinaus, kann er in die Funktionen der Tiptronic aber auch von Hand eingreifen und per Sport-Programm die Gänge länger halten. Dessen Nutzung treibt allerdings den ohnehin schon fürstlichen Benzinverbrauch in die Höhe.

Der Souveränität des Antriebs steht der des Fahrwerks nicht nach. Lenkung und Fahrwerk machen die ausladende Karosserie fast vergessen, wenn es ins Kurvengetümmel geht. Entscheidenden Anteil daran hat die serienmäßige Luftfederung, die je nach Geschwindigkeit die Bodenfreiheit reguliert und auch bei hoher Zuladung genügend Federweg sicherstellt. Insgesamt ist sie eher sportlich straff ausgelegt, ohne jedoch einen der Klasse angemessenen Komfort vermissen zu lassen. Ein Nachschwingen auf Bodenwellen oder Wanken bei Kurvenfahrt wird auf ein Minimum reduziert. Es bleibt gerade so viel Bewegung, dass Fahrer und Passagiere spüren, wie schnell sie unterwegs sind. Und das Gefühl für die aktuelle Geschwindigkeit ist eben auch eine Möglichkeit, die Fahrsicherheit zu optimieren.

Die Lenkung unterstützt engagierte Fahrer mit guter Rückmeldung sowie hoher Präzision, so dass sich der A8 auch auf Landstraßen und bei Ausweichmanövern punktgenau dirigieren lässt. Zu scharf herangenommen schiebt der A8 leicht über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand, wozu aber Geschwindigkeiten notwendig sind, die der aristokratischen Erscheinung nicht gut zu Gesicht stehen. Das ESP macht diesem Treiben sanft und sicher ein Ende, muss dank Vierradantrieb jedoch nur selten eingreifen. All das qualifiziert den A8 zu einer Reiselimousine erster Güte – ein Anspruch, den auch der Innenraum einlöst.

Eine fulminante Bose-Sound-Anlage verwandelt ihn in einen Konzertsaal und lädt ebenso zum Spielen ein wie der optionale Fernseh-Empfang oder das einfach zu handhabende Navigationssystem (Serie). Dabei sitzt man auf vorzüglich bequemen, elektrisch verstell- und beheizbaren Ledersesseln und genießt eine Raumfülle, wie sie selbst in dieser Klasse nicht die Regel ist. Obwohl das Dach nach hinten wie bei einem Coupé abfällt, ist Kopffreiheit reichlich gegeben. Das gilt auch für die grosszügige Verwendung von Holz, Leder und Chrom, denn wichtiger als die Tatsache, dass er alles hat, ist, wie er es hat. Mit seiner stilsicheren, bis in den letzten Winkel peniblen Verarbeitung setzt der A8 jedenfalls sogar im Luxussegment Maßstäbe.

Die einzige optische Beeinträchtigung findet man an den vorderen Sitzschienen. Hier stellen sich handfest eingefettete Gewindespindeln offen zur Schau und künden von einer Vielzahl von Servomotoren, welche die Sitze bewegen. Und auch die kleinen Außenspiegel wollen nicht recht zum königlichen Format des langen A8 passen. Aber allzu oft muss man sich ja nicht nach hinten orientieren – viele können von dort jedenfalls nicht kommen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot vergleichsweise leicht Top-Qualitätseindruck bequemer Einstieg in den Fond
  • nach hinten sehr unübersichtlich
Fahrkomfort
  • sehr niedriges Geräuschniveau straffe, aber komfortable Federung bequeme Sitze sehr gute Klima-Automatik
  • leicht erhöhtes Abrollgeräusch
Antrieb
  • hohe Laufkultur, keine Vibrationen sehr durchzugsstark sanft schaltende Automatik Allradantrieb
Fahreigenschaften
  • agiles Handling überdurchschnittliche Traktion zielgenaue Lenkung sicheres Fahrverhalten
Sicherheit
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung hoch wirksame Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • reichhaltige Serienausstattung
  • keine Drei-Jahres-Garantie hohe Unterhaltskosten

Fazit

Eine Sportwagen-Limousine mit sportwagenähnlichem Fahrverhalten bekommt man mit dem A8 L 6.0. Das Raumangebot ist über Kritik erhaben, ebenso der Qualitätseindruck. Am hohen Verbrauch dürfen sich die Käufer nicht stören. Die Federung könnte komfortabler sein.

Technische Daten
Audi A8 L 6.0 Quattro
Grundpreis 117.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5192 x 1894 x 1455 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 5998 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 331 kW / 450 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,6 s
Verbrauch 13,8 l/100 km
Testverbrauch 16,3 l/100 km
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