Audi Allroad Quattro 2.7 T, BMW X5 3.0i, Jeep Grand Cherokee 4.7 V8 Limited

Die Welt der allradgetriebenen Automobile zeigt eine zunehmend bunte Vielfalt. Dem nach klassischen Baumuster konzipierten amerikanischen Geländewagen Jeep Grand Cherokee 4.7 stellen sich als Alternative der in erster Linie für die Straße gedachte BMW X5 3.0i und der für gelegentlichen Offroad-Einsatz modifizierte Kombi Audi Allroad Quattro 2.7.

Nur das Original heißt Jeep. Aber das Kunstwort, entstanden aus der Verballhornung von GP (für General Purpose), ist zum Synonym geworden für alle Autos, die abseits regulärer Straßen nicht die Waffen strecken müssen.

Jeep sind im deutschen Sprachgebrauch alle, die hochbeinig und allradgetrieben daherkommen – sehr zum Miss­vergnügen des Jeep-Produzenten in Toledo/Ohio, der seit 1986 zu Chrysler gehört.

Der Angriff der Konkurrenz auf das Imperium des einzig Wahren erfolgt von allen Seiten. SUV – Sport Utility Vehicle – lautet das Zauberwort, das alles umfasst, was auch nur entfernt wie ein geländegängiger Kombi aussieht.

BMW X5 und Audi Allroad Quattro dürfen dafür als Beispiele gelten. Der BMW besitzt zwar die massige Figur eines echten Geländewagens, verzichtet aber auf Offroad-Technik in Form von zuschaltbarem Reduktionsgetriebe und Differenzialsperren.

Der Audi entstand aus einem schlichten Kombi, bietet aber eine dank Luftfederung variable Bodenfreiheit sowie ein Mitten-Differenzial in Torsen-Bauweise, das bei auftretenden Drehzahl-Unterschieden zwischen Vorder- und Hinterachse für eine bis zu 100-prozentige Sperrwirkung sorgen kann. Eine kurze Gelände-Übersetzung ist bei der getesteten Version mit automatischem Getriebe nicht lieferbar.

Ganz anders der Jeep. Mit seinen starren Achsen vorn und hinten präsentiert er die klassische Truck-Bauweise. Ein Reduktionsgetriebe ist selbstverständlich – dazu kommen noch hydraulisch betätigte Lamellensperren in beiden Achsen. Auch wenn nur noch ein Rad Grip vorfindet, bleibt somit ein Teil der Vortriebskraft erhalten.

Wer extrem schwere Hänger schleppen will oder schwieriges Gelände zu bewältigen hat, braucht deshalb über die weniger einseitig ausgelegten Alternativen von Audi und BMW gar nicht erst nachzudenken. Abseits der Straße erweist sich der Jeep als das Maß der Dinge, das jede weitere Diskussion überflüssig macht.

Immerhin: Auch der Audi vermag hier mehr zu leisten,
als ihm die meisten Besitzer
zumuten werden. Vor allem
auf schlammigem Untergrund wühlt er sich dank des sperrenden Zentraldifferenzials energischer durch als der BMW.

Das Fehlen einer Geländeübersetzung setzt allerdings Audi und BMW Grenzen, die für den Jeep nicht existieren. Im Gefälle ist eine solche Reduktion der Hill Descent Control des BMW, die per Bremseneingriff das Tempo begrenzt, klar überlegen.

Das wahre Leben auch der Geländewagen freilich spielt sich auf der Straße ab, und da wiederum unterstreicht der Jeep die alte Weisheit, dass man den Kuchen nicht gleichzeitig essen und aufheben kann. Ein konsequent konstruierter Ge-ländewagen bleibt, wenn er Asphalt unter den Rädern hat, ein Kompromiss.

Das wird beim Federungskomfort ebenso deutlich wie bei den Fahreigenschaften. Der Jeep liegt nicht schlecht, aber
er erreicht nicht die hohen
Kurvengeschwindigkeiten seiner beiden Konkurrenten. Starke Wankbewegungen des Auf-
baus beeinträchtigen zudem das subjektive Sicherheits-Gefühl, obwohl der Jeep selbst beim als VDA-Ausweichmanöver exakt definierten Elchtest keine Tendenz zum Kippen zeigt.

Dass es keine leichte Aufgabe ist, die schweren Starrachsen im Zaum zu halten, bleibt nicht verborgen. Der Jeep neigt in erhöhtem Maß dazu, Bodenwellen nachzulaufen, was auf schlechten Straßen ständige Lenkkorrekturen bedeutet. Die Stoßdämpfer haben Mühe, die großen ungefederten Massen zu bändigen. Das führt dazu, dass der Jeep eifrig nickend über Bodenwellen stakst wie der Storch im Salat.

Ein unübersehbares Defizit lassen auch seine Bremsen erkennen. Kalt erzielen sie zwar ähnlich gute Verzögerungswerte wie die der Konkurrenten, aber bei extremer Beanspruchung zeigt sich ein viel stärkeres Nachlassen der Wirkung.

Die besten Fahreigenschaften dieses Trios bietet der Audi. Er nähert sich in seinen fahrdynamischen Qualitäten am meisten einer normalen Limousine an, reagiert exakt auf die Lenkung und erzielt damit ohne großen fahrerischen Aufwand bei den Fahrversuchen die höchsten Geschwindigkeiten.

Mit weitgehend neutralem Fahrverhalten bleibt er selbst in kritischen Situationen gut beherrschbar, wobei er als letzte Karte auch noch den stabilisierenden Bremseneingriff des ESP ausspielen kann.

ESP, hier DSC (Dynamische Stabilitäts Control) genannt, besitzt auch der BMW, der ebenfalls ein hohes Maß an aktiver Fahr-
sicherheit vorweisen kann. Das Niveau des Audi erreicht er aber nicht ganz.

Er läuft bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn nicht genauso ruhig geradeaus, und bei schnellen Richtungswechseln macht sich sein extrem hohes Gewicht negativ bemerkbar. Die trägeren Reaktionen auf Lenkbewegungen lassen ihn unhandlicher wirken.

Im Fahrkomfort allerdings schneidet er besser ab als der Audi, wozu nicht nur das weichere Ansprechen seiner Federung beiträgt, sondern auch die Sitze, die sich durch kommode Polsterung und eine gute Seitenführung auszeichnen.

Die des Audi halten bei weitem nicht, was sie rein optisch versprechen. Bretthart, unterstützen sie den Körper nur ungenügend. Auch der Jeep
erhält hier keine wirklich guten Noten. Die sofaweiche Polsterung seiner vorderen Sitze mag noch
angehen, aber längere Zeit auf
der kümmerlich dimensionierten Fondsitzbank zubringen zu müssen, ist wahrlich kein Vergnügen.

Abgesehen davon ist der Jeep gut gerüstet für die lange Reise, vor allem wegen seines sehr durchzugsstarken Motors. Mit 4,7 Liter Hubraum entwickelt er das höchste Drehmoment und schiebt schon knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl gewaltig an. Dass das Automatikgetriebe nur vier Vorwärtsgänge besitzt, erweist sich nicht als Nachteil, weil die bullige Motorcharak-teristik dafür sorgt, dass die Schaltvorgänge auf ein Minimum beschränkt bleiben.

Trotzdem soll hier nachgelegt werden: Der Grand Cherokee erhält noch in diesem Jahr eine von Mercedes stammen-
de Fünfgangautomatik, die mit längerer Übersetzung der
höchsten Fahrstufe auch dazu beitragen wird, den exzessiven Benzinverbrauch des großvolumigen V8 etwas zu reduzieren.

Acht Zylinder, das zeigt der direkte Vergleich, sind zwar schon wegen des bollernden Auspufftons ein akustischer Genuss, aber nicht generell besser als sechs. Bei hohen Drehzahlen läuft der Jeep-Motor brummiger als die Triebwerke von Audi und BMW.

Vor allem der Reihensechszylinder des BMW beweist
klar die Vorzüge seiner Bauweise, indem er spielend und ohne Vibrationen bis über 6000/min dreht. Der V6 des Audi überzeugt mit seidigem Lauf bei niedrigen Drehzahlen, entwickelt aber ein raues Geräusch, wenn er voll ausgedreht wird.

Allerdings: Die beiden Turbolader verhelfen dem Audi-Motor, der in dieser Runde den geringsten Hubraum aufweist, zu einer überlegenen Durchzugskraft, wenn sie erst einmal vollen Ladedruck liefern.

Bis dahin vergeht ein kurzer Moment, was auf der Straße weniger stört als im Ge-
lände, wo das Turboloch das
exakte Dosieren der Leistung erschwert.

Dank dem kraftvollen Turboschub müssen hohe Drehzahlen selten bemüht werden – im Gegensatz zum BMW, der erst oberhalb von 4000/min so richtig munter wird. Das führt bei schneller Fahrweise zu hektischen Schaltmanövern der Fünfgang-Automatik.

Die technisch weitgehend identische Kraftübertragung des Audi lässt es kraft üppigen Turbodrehmoments ruhiger angehen, sie fällt aber durch härteres Schalten negativ auf.

Die Beschleunigungsmess­werte bescheinigen dem All-
road Quattro eine klare Überlegenheit vor allem im obe-
ren Geschwindigkeitsbereich. Wenn der Jeep und der BMW das Ende der Fahnenstange erreicht haben, stürmt der Audi noch mit höchst eindrucksvollem Schub weiter bis zu sei-
ner Höchstgeschwindigkeit von 234 km/h.

Wer dieses Potenzial nutzt, muss allerdings mit überproportional steigendem Verbrauch rechnen. Obwohl der Audi bei dezenter Fahrweise sparsamer unterwegs sein kann als der BMW, kommt er deshalb auf
einen höheren Testverbrauch.

In der Eigenschaftswertung liefern sich Audi und BMW ein nahezu ausgeglichenes Rennen. Doch dann schlägt der BMW zu – mit Punkten, die aus dem niedrigeren Preis und den geringeren Festkosten resultieren.

Besonders teuer kommt der Jeep. Das kostet ihn Punkte – ebenso wie die unbefriedigen-de Sicherheitsausstattung. Aber auch ohne diese Defizite hätte er keine Chance gehabt: Wenn viele Kriterien zählen, sind Allrounder im Vorteil gegenüber Spezialisten.

Fazit

1. BMW X5 3.0i
491 Punkte

Trotz des extrem hohen Wagengewichts erzielt der kultivierte und kraftvolle Sechszylinder des BMW den geringsten Benzinverbrauch. Im Federungskomfort setzt der X5 die Maßstäbe, in den Fahreigenschaften kommt er wegen seines schwerfälligeren Handlings nicht ganz an den Audi heran.

2. Audi Allroad Quattro 2.7
478 Punkte

In Handling und Fahreigenschaften kommt der Audi einem normalen Personenwagen noch am nächsten. Im Gelände ist er tüchtiger als der BMW. Sein Turbo-Sechszylinder bildet eine kultivierte Antriebsquelle, deren Verbrauch bei forcierter Fahrweise aber überproportional stark ansteigt.

3. Jeep Grand Cherokee
431 Punkte

Als echter Geländewagen mit Reduktionsgetriebe und Achs-Sperren lässt der Jeep seiner Konkurrenz beim Offroad-Einsatz keine Chance. Auf der Straße führt diese Auslegung aber zu Kompromissen bei Fahreigenschaften und Fahrkomfort. Der starke V8-Motor verbraucht ungebührlich viel.

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Technische Daten
BMW X5 3.0i Opel Corsa Eco 1.5D Audi Allroad Quattro 2.7 T
Grundpreis 45.200 € 11.016 € 49.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4667 x 1872 x 1712 mm 3729 x 1608 x 1420 mm 4810 x 1852 x 1551 mm
KofferraumvolumenVDA 465 bis 1550 l 280 bis 650 l 455 bis 1590 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 1487 cm³ / 4-Zylinder 2671 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 37 kW / 50 PS bei 4800 U/min 184 kW / 250 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h 150 km/h 234 km/h
0-100 km/h 9,6 s 8,2 s
Verbrauch 12,9 l/100 km 13,2 l/100 km
Testverbrauch 15,6 l/100 km 16,2 l/100 km
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